Japanisch oder Englisch lernen? Welche Sprache ist schwieriger?

Japanisch oder Englisch lernen? Welche Sprache ist schwieriger?

Schwierigkeit, Nutzen und der eigentliche Grund, eine Sprache durchzuhalten.

Japanisch? Warum ausgerechnet Japanisch? Warum eine so „nutzlose“ Sprache? Warum nicht Englisch, Spanisch oder Französisch? Genau so klingt es oft, sobald du sagst: Ich lerne Japanisch.

Für viele Menschen ist Englisch die Sprache, die zählt, und alles andere klingt nach Hobby. Ich halte das für zu kurz. Schwierigkeit hängt davon ab, welche Sprache du schon im Ohr hast. Und Nutzen hängt davon ab, wofür du die Sprache wirklich brauchst — nicht davon, was Verwandte für „nützlich“ halten.

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Ist Japanisch leichter als Englisch?

Persönlich finde ich Japanisch leichter als Englisch. Manche schütteln den Kopf, aber das ist meine Erfahrung als jemand, der Portugiesisch spricht. In der Aussprache liegt Japanisch näher an meiner Muttersprache: Silben sind klar, Vokale bleiben meist so, wie sie geschrieben werden. Englisch stolpert genau dort — bei der Aussprache.

Die harte Stelle im Japanischen ist die Schrift. Hiragana und Katakana sind überschaubar; Kanji brauchen Zeit. Dafür ist vieles an der Grammatik gerader, als Leute erwarten: kein Plural wie im Deutschen, keine Endloskonjugation wie im Portugiesischen, dafür Höflichkeitsstufen, die du lernen musst.

Leichter heißt nicht schneller für alle. Viele lernen Englisch früher, weil Schule und Job es verlangen. Trotzdem würde ich Englisch nicht automatisch als „die einfache Sprache“ bezeichnen. Es kommt darauf an, wo du hängen bleibst: beim Sprechen, beim Schreiben oder bei der Lust, überhaupt weiterzumachen.

Junge Frau mit kariertem Schal draußen bei Lichterketten

Für Deutschsprachige sieht die Rechnung anders aus

Wenn deine Muttersprache Deutsch ist, sitzt Englisch näher. Beide sind germanische Sprachen und teilen Wortschatz und Satzbau in groben Zügen. Japanisch gehört zu einer anderen Familie. Wer nur die Distanz zählt, liegt mit der Einschätzung „Japanisch ist schwerer als Englisch“ für Deutschsprachige meist richtig.

Das US-amerikanische Foreign Service Institute stuft Japanisch für englische Muttersprachler in die schwerste Gruppe ein: rund 88 Wochen intensiven Unterrichts, etwa 2200 Unterrichtsstunden, bis zu einem beruflichen Niveau. Arabisch, Chinesisch und Koreanisch stehen in derselben Gruppe. Das ist keine Note für dich persönlich — es misst den Weg von Englisch aus.

Zwei Dinge werden dabei oft unterschlagen. Erstens: Japanisch ist keine Tonsprache wie Mandarin. Die Aussprache ist für deutsche Ohren regelmäßiger als Englisch mit seinen stummen Buchstaben. Zweitens: Die eigentliche Mauer sind drei Schriftsysteme und Kanji, plus Keigo. Wer das trennt — Sprechen gegen Lesen — versteht, warum manche Japanisch „einfach im Mund, schwer auf dem Papier“ finden. Die typischen Stolpersteine liegen genau dort, nicht in einer magischen Unmöglichkeit der Sprache.

Die Vorteile, Japanisch und Englisch zusammen zu lernen

Warum nicht beides? Japan hat nach der Öffnung des Landes und besonders nach 1945 sehr viele Wörter aus dem Englischen übernommen. Sie stehen im Katakana: テレビ (terebi, Fernseher), コーヒー (kōhī, Kaffee), パソコン (pasokon, PC). Wer Englisch kann, erkennt einen Teil des Alltagsvokabulars sofort.

Es gibt auch ältere Lehnwörter aus dem Portugiesischen und anderen Sprachen — パン (pan, Brot) ist das bekannteste Beispiel. Die Mischung hilft, statt zu stören: Englisch öffnet Türen weltweit, Japanisch öffnet das, was hinter den Untertiteln liegt.

Wortwolke mit Sprachnamen wie English, Spanish, French, German und Chinese

Lerne keine Sprache aus Pflicht

Frag jemanden, der Englisch lernt, nach dem Grund. Oft kommt:

  • weil ich einen guten Job will;
  • weil ich an die Uni muss;
  • weil die Eltern es verlangen;
  • weil die Sprache „nützlich“ ist;
  • weil sie überall gesprochen wird.

Das sind äußere Gründe. Viele lernen Englisch, weil sie müssen — und bleiben stecken, sobald der Druck nachlässt.

Wer Japanisch lernt, nennt häufiger Dinge, die von innen kommen:

  • weil ich Anime mag;
  • weil mich die Kultur interessiert;
  • weil es sich spannend anfühlt;
  • weil ich RPGs und Romane auf Japanisch verstehen will;
  • weil ich eine Beziehung mit jemandem aus Japan habe;
  • weil ich J-Pop oder Vocaloid höre.

Manche Gründe klingen albern, bis du merkst: Sie halten dich am Lernen, wenn niemand zuschaut. „Mögen“ reicht oft weiter als „nützlich“.

Japanischer Ausruf んだと?! in schwarzer Schrift auf weißem Grund

Die koreanische Lehrerin 바보 (AiLeen) hat es so gesagt:

„Wenn der Antrieb echt ist und von innen nach außen kommt, steigen die Chancen enorm, dass die Sache gelingt.“

Es gibt keine nutzlose Sprache

Leute behaupten, Japanisch bringe nichts. Das ist Unsinn. Jede Sprache hat einen Nutzen — nur nicht immer denselben Nutzen wie Englisch.

Katalanisch zum Beispiel sprechen rund neun Millionen Menschen. Es ist eine romanische Sprache aus dem Lateinischen, verwandt mit dem Okzitanischen, und lebt in Katalonien, Valencia, auf den Balearen, in Andorra und in Teilen Frankreichs und Sardiniens. Mit Katalanisch kommst du in Barcelona weiter als mit der Idee, nur „große“ Sprachen zählten.

Junge Frau liest ein Buch auf dem Sitz einer Bahn

Mit Japanisch kannst du in Japan studieren, arbeiten oder einfach ohne Untertitel zurechtkommen. Es gibt gute Gründe jenseits von Lebenslauf und Pflichtfach. Englisch bleibt dabei oft unverzichtbar: Es öffnet Türen und hilft beim Lernen weiterer Sprachen. Das Problem ist nicht Englisch. Das Problem ist, eine Sprache nur aus Pflicht zu lernen und dann zu erwarten, dass die Lust von allein kommt.

Unabhängig von Sprecherzahlen gilt: Ein starker Grund trägt weiter als der Satz „diese Sprache lohnt sich nicht“.

Wo soll ich anfangen?

Wenn du noch schwankst, fang nicht mit der Angst vor Kanji an. Fang mit einer Reihenfolge an, die du durchhältst: Kana, dann Alltagswörter, dann die Schrift, die wirklich Zeit kostet.

Dafür gibt es bereits Wege: wo du mit Japanisch anfängst, praktische Lerntipps und kostenlose Bücher. Wer nach Japan will, sollte ehrlich klären, wie weit Englisch dort reicht — oft weniger weit, als Werbebroschüren versprechen.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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