Wer einen Anime-Satz oder einen Liedtext in den Google-Übersetzer kippt, bekommt oft etwas, das nach Japanisch klingt — nur leider nicht das, was da steht. Die Website jisho.org arbeitet anders: das Wort jisho (辞書) heißt wörtlich Wörterbuch, und die Seite ist dafür gebaut, Kanji, Lesungen und Bedeutungen einzeln sichtbar zu machen.
Die Oberfläche ist Englisch. Das stört weniger, als es klingt: die Einträge sind so fein aufgeschlüsselt, dass Sie nicht die ganze Seite verstehen müssen, um ein Zeichen zu finden. Der Haken sitzt woanders — Jisho liefert keine deutsche Übersetzung, und ein ganzer Satz ist dort kein fertiger Untertitel, sondern Rohmaterial.
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Jisho verwenden, um Japanisch zu übersetzen und zu lernen
Die Bedienung ist schlicht: Sie öffnen jisho.org, tippen in das Suchfeld und die Seite erkennt meist von selbst, ob Sie Kanji, Kana, Rōmaji oder Englisch eingegeben haben. Es erscheint eine Liste von Treffern — Wörter, oft mit JLPT-Stufe, häufigen Lesungen und kurzen englischen Bedeutungen. Ein Klick auf ein Kanji öffnet die Detailseite mit Strichzahl, On-Lesung und Kun-Lesung.
Zusätzlich zum Nachschlagen einzelner Wörter lohnt sich ein ganzer Satz, den man Wort für Wort zerlegt. Unten steht ein bekannter Titel, den Jisho selbst als Werk erkennt:
- 俺の妹がこんなに可愛いわけがない
Das Erste, was Sie tun können, ist das erste Kanji (俺) auszuwählen, falls Sie die Bedeutung nicht kennen. In Jisho sehen Sie das Wort und daneben die Angaben zum Zeichen. Wer ein wenig Englisch kann, erkennt I / me — und merkt am Eintrag, dass 俺 grob und umgangssprachlich klingt, eher männlich. Als Nächstes kommt die Partikel の. die können Sie vorerst überspringen und später einordnen.
Danach das Kanji 妹: jüngere Schwester. Die Lesung steht in Hiragana am Wort, hier いもうと. Bei zusammengesetzten Wörtern lohnt sich ein Blick auf genau diese Furigana — sonst vertauscht man leicht Kun- und On-Lesung, wenn man nur den Übersetzer auf den ganzen Block loslässt.
Wenn Sie so Wort für Wort vorgehen und die Partikeln erst einmal liegen lassen, bleiben ungefähr diese Bausteine:
- 俺 — ich (umgangssprachlich, eher rau)
- 妹 — jüngere Schwester
- こんなに — so, dermaßen
- 可愛い — süß, niedlich
- わけがない — es kann unmöglich sein / es gibt keine Möglichkeit, dass
Das sind die Bedeutungen, die Jisho anbietet. Die Aussprache über den Kanji nicht überspringen, wenn Sie das Wort später in Rōmaji oder laut lesen wollen. Beim Zerlegen von Songtexten oder Artikeln setze ich denselben Satz gern noch einmal in Romanisierung darunter:
- 俺の妹がこんなに可愛いわけがない
- Ore no imōto ga konnani kawaii wake ga nai
Die Partikel の markiert Besitz: es geht um meine jüngere Schwester. こんなに ohne に zu suchen führt zu こんな, „so eine / derartig“. Vor der Partikel が steht das Thema. Wer den Satz von hinten liest — eine nützliche Angewohnheit im Japanischen — kommt auf die Ablehnung zuerst: わけがない. Nicht „es hat keinen Sinn“, sondern: es kann nicht wahr sein, dass sie so niedlich ist. Auf Deutsch liegt der Titel nahe bei: Meine kleine Schwester kann gar nicht so niedlich sein.
Kanji suchen, die Sie nicht tippen können
Viele bleiben an genau einer Stelle hängen: das Zeichen steht auf dem Bildschirm oder auf Papier, die Tastatur kennt es nicht. Jisho hat dafür zwei Wege, die auf der Startseite direkt neben dem Suchfeld sitzen.
Zeichnen. Unter Draw malen Sie das Kanji mit der Maus oder dem Finger. Die Reihenfolge der Striche darf ungefähr stimmen. die Seite schlägt ähnliche Zeichen vor. Das ist schneller, als ein ganzes Wort zu raten, nur weil ein Radikal unbekannt ist.
Radikale. Unter Radicals klicken Sie die Bestandteile an, die Sie erkennen — etwa 手 (Hand) oder 言 (Sprechen). Jisho filtert die Kanji, die diese Teile enthalten. Wer schon ein ähnliches Zeichen kennt, kann dessen Seite öffnen: dort stehen die Radikale oft schon aufgeschlüsselt, und Sie springen von dort weiter.

Auf der Kanji-Seite sehen Sie Strichzahl, Schulstufe, oft einen JLPT-Hinweis, die 音読み (On-Lesung) und 訓読み (Kun-Lesung), häufig eine Strichfolge und Wörter, die das Zeichen enthalten. Genau diese Komposita sind der Grund, warum Nachschlagen mehr bringt als eine einmalige Übersetzung: dasselbe Ideogramm taucht in ganz anderen Wörtern wieder auf.
Wie Jisho beim Japanischlernen hilft
Sie müssen den Kontext des Satzes interpretieren, bevor eine Übersetzung rund wird. Jisho ist ein japanisch-englisches Wörterbuch, kein Deutsch-Japanisch-Übersetzer. Wenn Englisch unsicher ist, können Sie die englische Bedeutung eines einzelnen Treffers ins Deutsche bringen — nicht den ganzen japanischen Satz durch einen Maschinenübersetzer jagen. Die Seite liefert mehrere Lesarten desselben Wortes. die englische Glosse ist in der Regel genauer als eine wörtliche Zeile.
Wer lieber direkt Deutsch sehen will, kann parallel ein japanisch-deutsches Wörterbuch wie Wadoku nutzen. Jisho bleibt trotzdem nützlich, weil die Kanji-Seiten, Tags und Beispielsätze dort oft ausführlicher sind. Japanisch steckt voller fester Wendungen. schnelle, wörtliche Übersetzungen ganzer Zeilen gehen deshalb schief.
Sätze sorgfältig zu zerlegen — ein Liedtext, eine Anime-Zeile, ein Blogabsatz — prägt Wörter besser als Lückentexte. Denselben Reflex können Sie später umdrehen und selbst auf Japanisch schreiben. dazu passt der Artikel darüber, wie man Japanisch lernt, indem man Inhalte übersetzt und erstellt.
Wenn Sie Wörter mit Jisho nachschlagen, sehen Sie Alternativen für dasselbe Lemma und andere Wörter, die dasselbe Kanji verwenden. Mit Jisho und echtem japanischem Inhalt kommen Sie oft weiter als mit einem Lehrbuch allein — Übung bleibt trotzdem nötig, und klassisches Memorieren entfällt nicht. Jisho ist schnell beim Finden und langsam beim Verstehen: Sie klicken, lesen die Glosse, prüfen die Lesung, und erst dann setzen Sie den Satz wieder zusammen.
Weitere Funktionen: Tags, Namen und Beispielsätze
Jisho geht über das einzelne Wort hinaus. Einige Suchwege, die im Alltag wirklich Zeit sparen:
- Texte und Wörter lesen, inklusive Furigana an den Kanji
- Angaben zur Verbbeugung am Eintrag
- Englisch und Japanisch in einer Suche mischen
- Namen über die Names-Suche oder mit dem Tag #name finden
- JLPT-Stufe eines Wortes oder Kanji sehen
- Beispielsätze mit einem bestimmten Wort suchen
- Kanji nach Strichzahl, Jōyō-Stufe oder Schuljahr filtern
Die Tags sind der Teil, den viele nie anklicken und der die Seite erst zum Lernwerkzeug macht. Ein paar, die Sie direkt ins Suchfeld schreiben können:
- #common — häufige Wörter, weniger Ballast aus Fach- und Eigennamen
- #jlpt-n5 bis #jlpt-n1 — grobe Prüfungsstufe (die Zuordnung ist ein Hinweis, keine offizielle Liste)
- #kanji — nur Zeichen, nicht Vokabeln
- #verb / #adjective — Wortart
Wildcards helfen, wenn ein Zeichen in einem Wort fehlt: ? steht für genau ein Zeichen, * für beliebig viele. Die vollständige Liste der Suchoptionen steht in den Jisho-Dokumenten zu Tags und Suche.
Eine offizielle Jisho-App gibt es nicht. die Daten stammen vor allem aus offenen Projekten wie JMdict und Kanjidic. Andere Wörterbücher und Apps nutzen oft denselben Kern. Wenn Kanji das eigentliche Nadelöhr sind, lohnt zusätzlich die RTK-Methode zum Lernen von Kanji. Wer lieber mit Serien arbeitet, kann Jisho neben Animelon zum Japanischlernen mit Anime legen: eine Zeile nachschlagen, nicht die ganze Folge durch den Übersetzer schieben.
Einen Überblick über weitere Nachschlagewerke — online, als App und gedruckt — finden Sie in der Übersicht der besten japanischen Wörterbücher. Jisho ersetzt kein Lehrbuch und auch kein Gespräch, aber es nimmt die Angst vor dem nächsten unbekannten Zeichen.
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