Kennst du die japanischen Kampfkünste? In diesem Artikel schauen wir uns die bekanntesten Disziplinen an, die eine jahrhundertealte Geschichte haben und bis heute in Japan und weltweit praktiziert werden.
Ursprünglich wurden die Kampfkünste vor allem für Verteidigung und Angriff im Krieg genutzt. Heute stehen dagegen erzieherische, kulturelle, körperliche, moralische, ästhetische und spirituelle Aspekte im Vordergrund. Viele japanische Kampfkünste werden als Sportarten betrieben, immer mit dem Anspruch, auch den Geist zu formen.
Damit du dich leichter zurechtfindest, bekommst du zunächst einen kurzen Überblick über Budo und Bujutsu und gehst danach die einzelnen Stile Schritt für Schritt durch.
Inhalt 13
Budo und Bujutsu – die Kampfkünste Japans
Die meisten japanischen Kampfkünste tragen den Namen der Waffe oder Fähigkeit, die im Kampf eingesetzt wird. Häufig enden sie auf dō [道], was „Weg“ bedeutet, oder auf jutsu [術], was „Kunst“, „Technik“ oder „Methode“ meint. Eine kleine, aber wichtige Ergänzung: Die korrekte Romaji-Romanisierung für 道 ist eigentlich dō [どう].
Stile, die auf dō enden, werden unter dem Begriff Budō [武道] zusammengefasst, wörtlich „kriegerischer Weg“. Im Vordergrund steht die Entwicklung von Körper und Geist, auch wenn der Begriff selbst seinen Ursprung im Krieg hat. Stile, die auf jutsu enden, bilden zusammen Bujutsu [武術], wörtlich „Kriegswissenschaft“ oder „Kampfkunst“. Beide Begriffe werden im Alltag oft synonym verwendet.
Der feine Unterschied: Bujutsu betont den praktischen, physischen Teil des Kampfes – also den Gegner zu besiegen. Budō legt den Schwerpunkt auf den geistigen Weg, die Reifung der eigenen Persönlichkeit. Eine einzelne Technik, die jemanden besiegt, trägt deshalb nicht automatisch den vollen Sinn einer eigenen Kampfkunst mit Regeln, Linie und Tradition in sich.
Einige japanische Kampfkünste enden außerdem auf ryū [流], was „Schule“, „Stil“ oder „Klasse“ bedeutet. Diese Schulen bündeln oft eigene Lehre, Techniklinien und philosophische Grundlagen.
Judō [柔道] – der Weg der Weichheit
Judo zielt darauf, Körper und Geist in ihrer Gesamtheit zu stärken und gleichzeitig wirksame Selbstverteidigung zu entwickeln. Die Technik nutzt im Kern die Kraft und das Gleichgewicht des Gegners gegen ihn selbst – deshalb die Übersetzung „Weg der Weichheit“.
Das moderne Judō ist aus dem älteren Jiu-Jitsu hervorgegangen und wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Kanō Jigorō als pädagogische Methode aufgebaut. Heute ist Judō olympisch und gehört zu den verbreitetsten Kampfkünsten überhaupt.

Kendō oder Kenjutsu [剣道] – der Weg des Schwertes
Kendō baut auf den Techniken des japanischen Fechtens auf. Trainiert wird mit einem Bambusschwert, dem Shinai, und mit schützender Rüstung. Die Uniformen sind fast immer in dunklem Indigo gehalten, und das laute Schreien beim Treffer (Kiai) gehört fest zum Training dazu, weil es Kampfgeist und Konzentration zeigen soll.
Kendō gehört zu den am häufigsten angebotenen Kampfkünsten an öffentlichen Schulen in Japan. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 1,66 Millionen Menschen in Japan ein Kendō-Training betreiben. Die Disziplin gilt als besonders kulturvoll und ist eng mit den Samurai-Traditionen verbunden. Kenjutsu lässt sich grob als „Schwertkunst“ übersetzen und steht für die älteren, vor-modernen Schwertschulen.

Iaidō [居合道] – die Kunst des Schwertziehens
Iaidō ist die japanische Kampfkunst, die das Ziehen und den ersten Schnitt mit dem Schwert trainiert. Es besteht aus festen Kata-Sequenzen, in denen auf reale Angriffssituationen reagiert wird. Verbreitete Bezeichnungen sind außerdem iaijutsu (居合術) und battōjutsu (抜刀術).

Kyūdō [弓道] – der Weg des Bogens
Kyūdō ist die japanische Kunst des Bogenschießens und nutzt extrem lange, asymmetrische Bögen, die als Yumi bekannt sind. Mit über 2000 Jahren Geschichte zählt sie zu den ältesten japanischen Kampfkünsten überhaupt.
Der Bogen verlangt viel Kraft und ist nicht einfach zu handhaben. In Japan wird Kyūdō deshalb in der Regel erst ab etwa 15 Jahren unterrichtet, weil Reife und Körperkraft für eine saubere Technik entscheidend sind. Heute ist Kyūdō vor allem eine meditative Disziplin, in der Atmung, Haltung und innerer Fokus zusammenkommen.

Yabusame [流鏑馬] – Zielschießen zu Pferd
Yabusame ist ebenfalls eine Kunst des Zielschießens, allerdings vom galoppierenden Pferd aus. Es ist mit dem Kyūdō verwandt, aber deutlich schwerer zu erlernen, und es gibt nur wenige Akademien, die diese Disziplin heute noch unterrichten.
Wer als Schüler aufgenommen wird, empfindet das häufig als besondere Ehre. Wenn du Yabusame lernen möchtest, ist es sinnvoll, zuerst mit Kyūdō zu beginnen. Reiten mit fast freien Händen auf einem galoppierenden Pferd erfordert ein stables Gleichgewicht, das im Kyūdō mit aufgebaut wird.

Aikidō [合気道] – der Weg der Harmonie
Aikidō hat das Ziel, sich aus dem Angriff eines Gegners zu befreien, ohne ihn frontal zu stoppen. Statt gegen die Kraft des Angreifers zu arbeiten, wird sie umgeleitet, geführt und in Wurf- oder Hebeltechniken aufgelöst. Gegründet wurde Aikidō im 20. Jahrhundert von Morihei Ueshiba, der klassische Schwert- und Stocktechniken mit einer modernen, friedlichen Philosophie verband.

Karate(dō) [空手道] – die Kunst der leeren Hände
Karate ist eine Kampfkunst der Ryūkyū-Inseln, vor allem Okinawas. Im Mittelpunkt stehen Angriffe mit Händen und Füßen, also Tritte, Schläge, Blocks und Kata-Formen. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde Karate durch japanische Karate-Filme zu einem weltweiten Popkultur-Phänomen, verstärkt durch den Erfolg amerikanischer Martial-Arts-Filme.
Das löste eine weltweite Nachfrage nach Unterricht aus. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass über 50 Millionen Menschen weltweit Karate trainieren, organisiert in großen Verbänden wie der WKF, der JKF und vielen nationalen Föderationen – in Deutschland zum Beispiel dem DJKB.

Sumō [相撲] – die Kunst des Schiebens
Sumō ist eine Vollkontaktsportart und zugleich eine der ältesten modernen Kampfkünste Japans. Seine Wurzeln liegen in Ritualen und Tänzen an Shintō-Schreinen, und viele der heutigen Zeremonien erinnern noch immer an diese religiösen Ursprünge.
Bevor ein Ringkampf beginnt, betreten die Rikishi den Ring (Dohyō), werfen Salz, klatschen und stampfen – Rituale, die direkt mit dem Shintō verbunden sind. Profi-Sumōkämpfer sind verpflichtet, einen traditionellen Lebensstil zu führen. Sie leben und trainieren zusammen in Ausbildungsställen, den so genannten Heya.

Ninjutsu [忍術] – die Kampfkunst der Ninja
Ninjutsu entstand aus dem Bedürfnis, im mittelalterlichen Japan Spione und Kundschafter auszubilden. Es bündelt Techniken für Spionage, Tarnung, Überleben und unkonventionellen Kampf. Berühmte Schulen wie Togakure-ryū oder die Bujinkan führen diese Linien bis heute fort.

Koryū [古流] – Kampfkünste aus der Edo-Zeit
Koryū ist ein Sammelbegriff für japanische Kampfkünste, die vor der Meiji-Restauration, also vor 1868, entstanden sind. Nach der Auflösung der Samurai-Klasse verloren viele dieser Schulen an Bedeutung, weil ihre Techniken auf den Feudalkrieg zugeschnitten waren und gegenüber westlichen Militärtechniken zunächst als veraltet galten.
Heute werden Koryū-Linien in Museen, Schulen und kleinen Verbänden gepflegt. Sie unterscheiden sich deutlich von den modernen Budō-Disziplinen, weil sie oft an konkrete Schlachtsituationen, Rituale und alte Lehrsysteme gebunden sind.

Weitere japanische Kampfkünste
Neben den genannten Stilen existieren noch viele weitere japanische Kampfkünste. Ein kurzer Blick auf einige weniger bekannte Bezeichnungen:
Bujutsu bündelt Kampfkünste, in denen Bauern und Samurai alltägliche oder landwirtschaftliche Gegenstände als Waffen nutzten. Sōjutsu ist die Schule des Speerkampfes mit der japanischen Lanze Yari. Kobudō bezeichnet alte Waffenkünste mit Wurzeln in der Samurai-Tradition.
Bajutsu ist die Reitkampfkunst, Bōjutsu, Jōdō und Jōjutsu trainieren den Kampf mit dem kurzen Stock Jō. Hakkō-ryū (auch Hakkoryu) arbeitet unter anderem mit Seil und Stock, um Angreifer zu fixieren. Das im Westen berühmte Jiu-Jitsu heißt auf Japanisch Jujutsu. Kenpo wiederum bezeichnet den japanischen Begriff für die aus China stammenden Kung-Fu-Linien.

Liste japanischer Kampfkünste
Die folgende Liste zeigt eine Auswahl bekannter und weniger bekannter japanischer Kampfkünste und Stile:
- Aikidō [合気道]
- Aikidō [合気道/合氣道]
- Araki-ryū [荒木流]
- Bajutsu [馬術]
- Battōjutsu [抜刀術]
- Bujinkan [武神館]
- Bōjutsu [棒術]
- Chitō-ryū [千唐流]
- Daitō-ryū Aiki-Jujutsu [大東流]
- Genbukan
- Genseiryū [玄制流]
- Goshin Jujutsu [護身柔術]
- Gōjū-ryū [剛柔流]
- Hakkō-ryū [八光流]
- Hojōjutsu [捕縄術]
- Hōjutsu [砲術]
- Iaidō [居合道] / Iaijutsu [居合術]
- Isshin-ryū
- Jinenkan
- Jōdō / Jōjutsu [杖道/杖術]
- Judō [柔道]
- Jujutsu [柔術]
- Juttejutsu [十手術]
- Jūkendō [銃剣道]
- Karatē [空手] – die Kunst der leeren Hände
- Kempo [拳法]
- Kempo / Kenpo [拳法]
- Kendō [剣道]
- Kenjutsu [剣術]
- Kenpo Kai [拳法會]
- Kobudō [古武道]
- Kosho Shorei Ryū Kempo
- Kusarigamajutsu [鎖鎌術]
- Kyokushin
- Kyūdō [弓道] / Kyūjutsu [弓術]
- Kūdō [空道]
- Maniwa Nen-ryū [馬庭念流]
- Naginata-dō [薙刀道] / Naginatajutsu [薙刀術]
- Nakamura-ryū
- Nanbudō
- Ninjutsu [忍術]
- Ninpō [忍法]
- Okinawan Kobudō [沖縄古武道]
- Seishinkai
- Shidōkan
- Shindō Yoshin-ryū
- Shindō Jinen-ryū [神道自然流]
- Shinkendō
- Shintaidō [新体道]
- Shitō-ryū [糸東流]
- Shooto [修斗]
- Shorinji Kempo [少林寺拳法]
- Shorinji-ryū
- Shōtōkan
- Shukōkai
- Shurikenjutsu
- Shōrin-ryū [少林流]
- Shōrinji Kempō [少林寺拳法]
- Shōtōkan-ryū [松濤館流]
- Shūdōkan
- Shūkōkai
- Sōjutsu [槍術]
- Suijutsu [水術]
- Sumō [相撲]
- Sōsuishi-ryū [双水執流]
- Taido [躰道]
- Taiho-Jutsu
- Taijutsu [体術]
- Takeda-ryū Nakamura-ha
- Takenouchi-ryū [竹内流]
- Tantojutsu [短刀術]
- Tegumi [手組]
- Tessenjutsu [鉄扇術]
- Togakure-ryū
- Toyama-ryū
- Uechi-ryū [上地流]
- Wadō-ryū [和道流]
- Yabusame [流鏑馬]
- Yagyū Shingan-ryū [柳生心眼流]
- Yōseikan-ryū [養正館流]
Zum Abschluss ein Video, das einen guten Überblick über einige der genannten Kampfkünste bietet:
Community
Kommentare
0 Kommentare
In dieser Sprache gibt es noch keine veröffentlichten Kommentare.
Kommentar senden