Ist Fluor in Japan verboten?

Ist Fluor in Japan verboten?

Der fremde Geschmack kommt von Salz und Natron. Die ppm-Zahl sagt, ob Fluorid in der Tube steckt, und der Hahn hat eine...

Als ich die Zahnpasten in Japan ausprobiert habe, war der Geschmack eine der ersten Sachen, die mir aufgefallen sind. Sie schmeckten völlig anders als die Zahnpasten in Brasilien, oft salzig oder nach Natron, nach Natriumhydrogencarbonat. Auf vielen Packungen habe ich Fluorid erst gar nicht gefunden. Ob das den Zähnen hilft und ob im Leitungswasser etwas Vergleichbares steckt, wollte ich für mich sortieren.

Fluorid ist in Japan erlaubt. In der Zahnpasta ist es nach den Auslieferungen der Hersteller die Regel, im Leitungswasser fehlt die gezielte Zugabe. Der fremde Geschmack hatte bei mir einen anderen Grund als ein Gesetz gegen die Tube.

Was im Regal steht

Der Eindruck von Salz und Natron galt für die Tuben in meiner Hand. Solche Rezepturen liegen weiter im Regal. Die Jahresstatistik des japanischen Verbands der Zahnpastahersteller für 2025 zeichnet vom Sortiment ein anderes Bild: bei Pasten, Pulvern und verwandten Produkten enthielten 91,1 Prozent der ausgelieferten Stückzahl Fluorid, gemessen an der Füllmenge 94,2 Prozent. Seit 2021 liegt dieser Stückzahlanteil in den Tabellen des Verbands über 90 Prozent. Pasten mit mehr als 1.000 und höchstens 1.500 ppm Fluorid machten 2025 schon 41,6 Prozent der Stückzahl aus. 2021 waren es in derselben Tabelle rund 20 Prozent.

Auf der Packung steht Fluorid, ein Salz, meist Natriumfluorid oder Natriummonofluorphosphat. Elementares Fluor, das blassgelbe Gas, das Glas und Metall angreift, ist eine andere Substanz. Im Alltag fällt für beides oft dasselbe Wort, und daraus werden die Sätze über ein Gas in der Zahnpasta.

Die Wirkung, die die Bundeszahnärztekammer beschreibt, passiert an der Zahnoberfläche, nach dem Zahndurchbruch. Neben dem mechanischen Putzen ist fluoridhaltige Zahnpasta dort die wichtigste Prophylaxe. In Deutschland wird das Trinkwasser nicht zusätzlich mit Fluorid versetzt. Der Unterschied, den ich geschmeckt habe, kam vom Vergleich mit Brasilien. Das japanische Gesundheitsministerium führt Brasilien unter den Ländern, die das Leitungswasser fluoridieren, neben den USA, Australien, Irland und Singapur.

Ich bin kein Zahnarzt und ersetze keine Empfehlung aus der Praxis. Die Kammer nennt für die Zeit vom ersten Milchzahn bis zum zweiten Geburtstag zweimal täglich eine reiskorngroße Menge Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm. Für eine akute Vergiftung rechnet sie mit einer Menge, die niemand auf die Bürste tut. Ein Kind von 15 bis 20 Kilogramm müsste auf einmal etwa 75 bis 100 mg Fluorid schlucken, ungefähr eine halbe bis drei Viertel Tube mit 1.500 ppm. Was bei kleinen Kindern im Alltag zählt, sind weiße oder braune Flecken im Schmelz, wenn über längere Zeit zu viel Paste geschluckt wird.

Leitungswasser, Schulen und der Zahnarzt

Zugesetzt wurde Fluorid dem japanischen Leitungswasser nur in kurzen Versuchen, und die sind vorbei. Das Gesundheitsministerium nennt drei. In Yamashina, einem Stadtteil von Kyoto, lief die Zugabe von 1952 bis 1965. Auf Okinawa lief sie von 1957 bis 1972 und endete mit der Rückgabe an Japan. In Asahi, in der Präfektur Mie, lief sie von 1967 bis 1971 und endete, weil sich das Leitungsnetz änderte. Heute läuft keiner dieser Versuche. Eine Obergrenze gilt trotzdem. Nach der Trinkwassernorm des Umweltministeriums dürfen Fluor und seine Verbindungen, gerechnet als Fluor, höchstens 0,8 mg pro Liter erreichen. Die Wasserwerke füllen Fluorid nicht auf diesen Wert auf.

In Kitas und Schulen gibt es Fluoridspülungen. Wie viele Einrichtungen mitmachen, unterscheidet sich stark von Präfektur zu Präfektur. Die Teilnahme ist eine örtliche Sache.

Karies kommt weiter vor. Wer den Termin vor sich herschiebt, trifft hier auf ein anderes System, als ich es aus Brasilien kannte. Die Krankenversicherung trägt die Behandlung von Karies mit, am Schalter bleibt ein Eigenanteil, und eine reine Fluoridierung zur Vorsorge oder eine ästhetische Arbeit zahlt man oft selbst. Was ein Besuch beim Zahnarzt in Japan kosten kann, habe ich getrennt aufgeschrieben. Bei kariösen Zähnen, die mir aufgefallen sind, tippe ich auf genau diese Mischung aus Warten und Rechnung.

Junge Frau mit kurzem Bob lächelt in die Kamera, die Zähne sind gleichmäßig zu sehen

Schiefe Zähne sind ein anderes Thema. Yaeba, die leicht unregelmäßigen Zähne, die in Japan manchmal als hübsch gelten, haben mit Karies nichts zu tun. Auf dem Foto sieht man vor allem ein offenes Lächeln. Die Mode meint oft eine kleine Unregelmäßigkeit an den Eckzähnen, die auf so einem Porträt leicht untergeht.

Drei junge Frauen halten sich die Hand vor den Mund, zwei davon in Schuluniform

Die Hand vor dem Mund beim Lachen ist meist Höflichkeit. Warum viele Japanerinnen den Mund beim Lachen verdecken, hängt an dieser Geste. Die Tube im Regal erklärt sie nicht.

Wenn ich heute eine Tube kaufe, lese ich die ppm-Angabe, statt mich auf den Geschmack zu verlassen. Salz und Natron erklären, was mir auf der Zunge fremd war. Die Zahl auf der Packung sagt, ob Fluorid drin ist. Zum Hahn sagt diese Zahl nichts.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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