Die 7 gefährlichsten Viertel Japans: Kabukicho, Kamagasaki und mehr

Wo sich in Japan kleinere Vorfälle häufen – und was das im Alltag tatsächlich bedeutet.

Japan gilt weltweit als eines der sichersten Länder. Die Kriminalitätsrate gehört zu den niedrigsten der Welt, schwere Gewaltdelikte sind in den Großstädten selten, und die meisten Reisenden bewegen sich ohne Bedenken durch Tokio, Osaka oder Sapporo. Trotzdem gibt es Stadtteile, in denen sich kleinere Vorfälle konzentrieren: Taschendiebstahl, Trinkgelage in den späten Abendstunden, aggressive Werbung in Rotlichtvierteln oder vereinzelt sexuelle Belästigung. Wer diese Stadtteile kennt, kann seinen Abend ruhig planen, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Dieser Artikel stellt sieben Viertel vor, die in Reiseführern, Polizeiberichten und Erfahrungsberichten immer wieder als Hotspots für solche Vorfälle genannt werden. Es geht ausdrücklich nicht darum, Japan als unsicher darzustellen, sondern um eine ehrliche Einordnung: Diese Viertel unterscheiden sich von der übrigen Stadt, hauptsächlich nachts und an den Wochenenden. Wer tagsüber unterwegs ist, wird die wenigsten dieser Phänomene überhaupt bemerken.

Japanische Polizeibeamte patrouillieren durch eine belebte Straße in Tokio
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1. Kabukicho (Shinjuku, Tokio)

Kabukicho ist das bekannteste Rotlichtviertel Japans und liegt wenige Gehminuten vom Bahnhof Shinjuku entfernt. Auf wenigen Hektar konzentrieren sich hier Spielhallen, Karaoke-Bars, Restaurants und eine hohe Dichte an Nachtclubs. Die Behörden dokumentieren in diesem Stadtteil überdurchschnittlich viele Anzeigen wegen Trunkenheit, Belästigung und kleineren Diebstählen. Dazu kommt, dass die Gestaltung mit Neonlicht, lauter Musik und Werbern, die Passanten ins Gespräch ziehen, für viele Besucher ungewohnt ist.

Die meisten Vorfälle sind nicht gewalttätig, sondern betreffen überhöhte Preise, manipulative Werbung und vereinzelt Diebstahl. Wer mit einer klaren Vorstellung hingeht, das Nachtleben genießen möchte und auf seine Wertsachen achtet, hat in der Regel einen guten Abend. Einen ausführlichen Überblick über das Viertel, seine Geschichte und seine Regeln findest du im Artikel Kabukicho.

Bunte Neonreklame und Menschenmenge in Kabukicho bei Nacht

2. Kamagasaki / Airinchiki (Osaka)

Kamagasaki, im Volksmund Airinchiki genannt, liegt nahe des Bahnhofs Shin-Imamiya in Osaka. Das Viertel ist seit dem Zweiten Weltkrieg ein Anziehungspunkt für Tagelöhner, Menschen mit niedrigem Einkommen und Ältere, die hier eine günstige Schlafstätte und einfache Arbeit suchen. Die lokale Bevölkerung wird häufig mit Vorurteilen konfrontiert, obwohl die meisten Anwohner friedlich zusammenleben.

Die Polizei Osaka registriert in Kamagasaki überproportional viele Delikte im Zusammenhang mit Alkoholkonsum, kleinere Körperverletzungen und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Für Reisende ist das Viertel tagsüber unproblematisch zu besichtigen. Wer sich allerdings nachts in den Seitengassen aufhält, sollte die übliche Vorsicht walten lassen und keine Wertsachen offen zeigen. Das Bild der wirtschaftlichen Randständigkeit, das Kamagasaki prägt, wird in unserer Reportage über die unsichtbaren Obdachlosen in Japan ausführlich eingeordnet.

Dicht bewohnte Gassen in Kamagasaki mit älteren Anwohnern auf der Straße

3. Roppongi (Tokio)

Roppongi ist ein weiteres Vergnügungsviertel in Tokio, das vor allem bei ausländischen Besuchern beliebt ist. Hier liegen zahlreiche Clubs, Bars und Late-Night-Lokale, dazu die Roppongi Crossing, einer der bekanntesten Knotenpunkte der Stadt. Die Polizei Tokio weist für den Bezirk Minato überdurchschnittlich viele Anzeigen wegen Körperverletzung, sexueller Belästigung und Diebstahl aus, die sich vor allem auf das Nachtleben konzentrieren.

Ein bekanntes Phänomen sind die sogenannten Botenclubs und Türsteher, die versuchen, ausländische Gäste in teure Lokale zu locken. Wer in Roppongi feiern geht, sollte vor dem Eintritt die Preise klären, mit Kreditkarte statt mit hohen Bargeldbeträgen zahlen und auf seine Getränke achten. Wer sich an diese einfachen Regeln hält, verbringt in der Regel einen unbeschwerten Abend.

4. Shinsekai (Osaka)

Shinsekai ist ein Stadtteil im Süden Osakas, der seit den 1920er-Jahren das Image eines rauen Vergnügungsviertels trägt. Der berühmte Tsutenkaku-Turm prägt das Bild, drumherum liegen einfache Imbisse, kleine Pachinko-Hallen und ältere Kneipen. In den Abendstunden sitzen viele Rentner bei Bier und Sake zusammen, was dem Viertel eine ganz eigene Atmosphäre verleiht.

Berichte über kleine Schlägereien, Taschendiebstahl und unangenehme Werbung in den Gassen haben Shinsekai über die Jahre einen zweifelhaften Ruf eingebracht. Tatsächlich ist die Kriminalitätsrate im Vergleich zu anderen Stadtteilen Osakas nur leicht erhöht. Die meisten Besucher erleben Shinsekai tagsüber als ruhigen, leicht heruntergekommenen Stadtteil mit hervorragendem Street Food. Wer abends unterwegs ist, sollte seine Tasche schließen und sich an belebte Straßen halten.

Der Tsutenkaku-Turm in Shinsekai bei Dämmerung mit Passanten

5. Susukino (Sapporo)

Susukino ist das größte Vergnügungsviertel im Norden Japans und liegt mitten in Sapporo. Mehr als 4.000 Gastronomiebetriebe konzentrieren sich auf wenigen Quadratkilometern, dazu kommen Hostess-Clubs, Hotels und Spielhallen. Während des alljährlichen Sapporo Schneefestivals füllt sich das Viertel zusätzlich mit Touristen aus aller Welt.

Die Polizei Hokkaidō verzeichnet in Susukino überdurchschnittlich viele Vorfälle im Zusammenhang mit Alkohol, Prostitution und kleineren Diebstählen. Insbesondere in den Wintermonaten, wenn Schnee und Glätte die Sicht einschränken, kommt es zu Taschendiebstahl und vereinzelt sexueller Belästigung. Wer die Hauptstraße entlangspaziert, sich an gut beleuchtete Bereiche hält und Getränke nicht unbeaufsichtigt lässt, erlebt Susukino in der Regel als lebendig, aber sicher.

Bunte Leuchtreklamen entlang der Hauptstraße von Susukino in Sapporo

6. Nakasu (Fukuoka)

Nakasu liegt auf einer Sandbank im Naka-gawa in Fukuoka und gilt als Rotlicht- und Vergnügungsviertel der Stadt. In schmalen Gassen reihen sich Yatai-Imbisse, kleine Bars, Hostess-Clubs und ältere Etablissements aneinander. Tagsüber ist Nakasu ein unscheinbares Geschäftsviertel; abends verändert sich die Atmosphäre deutlich.

Die Polizei Fukuoka dokumentiert in Nakasu überdurchschnittlich viele Anzeigen wegen Trunkenheit, verbaler Aggression und Verstößen gegen das Prostitutionsgesetz. Ausländer werden hier nicht offen angegangen, sollten aber die übliche Vorsicht walten lassen. Empfehlenswert ist ein Spaziergang am Flussufer oder ein Besuch in den Yatai-Ständen entlang der Naka-gawa, die zu den bekanntesten der Stadt gehören.

Yatai-Imbisse am Flussufer in Nakasu bei Nacht

7. Ueno (Tokio)

Ueno ist vielen Reisenden vor allem als Standort des gleichnamigen Parks und des großen Bahnhofs bekannt. Rund um den Ueno-Park hat sich jedoch in den letzten Jahrzehnten ein Viertel entwickelt, in dem sich Obdachlose, Menschen mit Alkohol- oder Spielsucht und einzelne Treffpunkte der organisierten Kriminalität konzentrieren. Die Polizeistatistik Tokios weist für den Bezirk Taitō, zu dem Ueno gehört, leicht erhöhte Werte bei Körperverletzung, Drogendelikten und Triebtätern aus.

Tagsüber ist Ueno ein belebter Stadtteil mit Museen, Marktständen und dem berühmten Park. In einigen Ecken des Viertels sind Angehörige der Yakuza aktiv, und viele Japaner meiden den Park nachts. Für Reisende reicht es, den Park nicht nach Einbruch der Dunkelheit zu betreten, Wertsachen nicht offen zu tragen und alkoholische Getränke auf der Straße zu vermeiden.

Bahnhofsgegend und Eingang zum Ueno-Park in Tokio

Weitere Viertel, die häufiger genannt werden

Neben den sieben vorgestellten Stadtteilen tauchen in Diskussionen immer wieder zwei weitere Orte auf, die aber einer anderen Kategorie zugeordnet werden müssen: der Yasukuni-Schrein ist kein Vergnügungsviertel, sondern eine Gedenkstätte, die politisch und historisch sensibel ist. Sicherheitsvorfälle stehen hier nicht im Vordergrund, und Reisende können den Schrein tagsüber unbesorgt besichtigen. Kasumigaseki wiederum ist das Regierungsviertel Tokios und wird regelmäßig für Demonstrationen genutzt, die friedlich verlaufen, aber Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auch hier besteht für Besucher kein erhöhtes Risiko.

Wie gefährlich ist Japan wirklich?

Insgesamt bleibt Japan eines der sichersten Länder der Welt. Die Kriminalitätsstatistiken des Justizministeriums weisen das Land seit Jahren mit einer der niedrigsten Raten für Gewaltverbrechen aus. Die genannten Viertel sind keine No-Go-Areas, sondern Stadtteile, in denen sich nachts bestimmte Vorfälle häufen, ähnlich wie in Amsterdams Rotlichtviertel, dem Roten Platz in Hamburg-St. Pauli oder dem Broadway in New York.

Wer in Japan unterwegs ist, sollte die übliche Reisevorsicht walten lassen: Tasche verschlossen halten, auf alkoholisierte Getränke achten, teuren Schmuck nicht offen tragen, nachts gut beleuchtete Straßen wählen. Wer diese einfachen Regeln befolgt, wird die genannten Viertel in der Regel als das erleben, was sie sind: ein dichter, lebhafter und für sich genommen durchaus sicherer Teil des japanischen Nachtlebens.

Quellen
Kevin Henrique

Über den Autor: Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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