Nihongo [日本語] ist die direkte Antwort auf die Frage im Titel, aber ist das die einzige Art, Japanisch auf Japanisch zu sagen? Gibt es andere Möglichkeiten, sich auf die japanische Sprache zu beziehen? Woher stammen die verschiedenen Bezeichnungen? In diesem Artikel klären wir die Hintergründe.
Inhalt 5
Warum ist Japanisch Nihongo?
Genau wie beim Namen Japans können wir uns auch auf die japanische Sprache mit nippongo [日本語] beziehen, auch wenn diese Aussprache im Alltag seltener ist. Um zu verstehen, warum die japanische Sprache diesen Namen trägt, hilft ein Blick darauf, warum Japan diesen Namen hat.
Wenn man das weiß, muss man verstehen, dass jede Sprache auf Japanisch mit dem Ländernamen + go [語] geschrieben wird, was Sprache bedeutet. Das ist eine der Besonderheiten und Leichtigkeiten der japanischen Sprache.
Die japanische Sprache ist de facto die Landessprache Japans, und obwohl es verschiedene regionale Dialekte gibt, fasst man die Nationalsprache als nihongo zusammen. Weltweit sprechen über 125 Millionen Menschen Japanisch als Muttersprache oder Zweitsprache.

Kokugo: Die Landessprache und Schulsprache in Japan
Kokugo [国語] ist eine weitere offizielle Bezeichnung für die japanische Sprache. Der Begriff bedeutet wörtlich Landessprache oder Staatssprache. Während Nihongo meist aus einer internationalen Perspektive oder im Fremdsprachenunterricht verwendet wird, bezeichnet Kokugo die Muttersprache aus der Binnenperspektive Japans.
Deshalb heißt auch das entsprechende Schulfach an japanischen Schulen für muttersprachliche Kinder kokugo, vergleichbar mit dem Deutschunterricht im deutschsprachigen Raum. Der Begriff grenzt die einheimische Sprache zudem traditionell von Fremdsprachen ab.
Nach dem gleichen Bildungsprinzip wie bei Nihongo heißt beispielsweise die chinesische Sprache auf Japanisch Chuugokugo [中国語], da China im Japanischen Chuugoku [中国] genannt wird.

Yamato Kotoba: Die ureigenen japanischen Wörter
Der Ausdruck yamato kotoba [大和言葉] bezeichnet die ureigenen, einheimischen Wörter der japanischen Sprache, wie sie vor dem massiven Einfluss der chinesischen Schrift und Kultur existierten. Sprachwissenschaftlich wird diese Schicht heute meist als wago [和語] bezeichnet, wozu Sie mehr in unserem Leitfaden zu Wago, Kango und Gairaigo nachlesen können.
Heute steht der Begriff yamato kotoba oft für traditionelle, besonders klangvolle oder poetische Wörter rein japanischen Ursprungs. Sie zeichnen sich im Sprachgefühl durch eine weiche, bildhafte Nuance aus, im Unterschied zu den eher sachlichen oder formellen chinesischen Lehnwörtern (Kango).
Grammatikalisch bilden diese Wörter das Fundament: Nahezu alle Partikeln, Hilfsverben sowie die Grundformen einheimischer Verben und Adjektive gehören zu den yamato kotoba. In der klassischen Literatur begegnet man bisweilen auch der altertümlichen Schreibung yamato kotonoha [やまとことのは].

Weitere Möglichkeiten, sich auf die japanische Sprache zu beziehen
Jyapaniizu [ジャパニーズ]: Westlich geprägte Umschrift und Entlehnung des englischen Wortes Japanese, die im modernen Japanisch gelegentlich in Popkultur oder Werbung vorkommt.
Kodaigo [古代語]: Bezeichnet das Altjapanische, wie es in historischen Dokumenten bis zum Ende des Mittelalters überliefert ist.
Hougo [邦語]: Bezeichnet die heimatliche Landessprache aus Sicht Japans und wird traditionell für Werke oder Drucke in japanischer Sprache verwendet. Vergleiche auch Houbun [邦文] für japanische Schrifttexte.
Kougo [口語]: Die gesprochene Umgangssprache im Gegensatz zur klassischen Schriftsprache.
Gendaigo [現代語]: Das Gegenwartsjapanisch, wie es seit der Meiji-Restauration und insbesondere seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gesprochen und geschrieben wird.
Kango [漢語]: Sino-japanische Wörter chinesischen Ursprungs, die mit der chinesischen Lesung (On-Yomi) ausgesprochen werden und viele Fach- sowie Abstraktbegriffe prägen.
Nichigo [日語]: Verkürzte Bezeichnung für die japanische Sprache, die vor allem in ostasiatischen Nachbarländern wie China oder in historischen Abkürzungen zu finden ist.
Bungo [文語]: Die klassische japanische Schriftsprache und Literatursprache, die vor allem auf grammatikalischen Normen der Heian-Zeit beruht.
Hyoujungo [標準語]: Das Standardjapanische, das im Schulwesen, im Rundfunk und in Behörden als überregionale Bezugssprache gelehrt wird.
Kokuyaku [国訳]: Die Übersetzung eines fremdsprachigen Textes ins Japanische.
Joudaigo [上代語]: Die Sprache der Nara-Zeit und davor, dokumentiert in ältesten Werken wie dem Kojiki und Manyoshu.
Yougo [洋語]: Frühere Bezeichnung für westliche Fremdsprachen oder Wörter europäischer Herkunft.
Mikunikotoba [御国言葉]: Eine ehrerbietige, archaische Bezeichnung für die Sprache des Kaiserreichs oder der eigenen Heimatprovinz.
Kogo [古語]: Das klassische oder historische Japanisch vergangener Epochen.

Gebärdensprache auf Japanisch
Die japanische Gebärdensprache wird als nihonshuwa [日本手話] bezeichnet und international oft als JSL abgekürzt. Im japanischen Alltag nutzt man meist einfach das Wort shuwa [手話], gebildet aus den Schriftzeichen für Hand [手] und Sprechen oder Sprache [話].
Für die rechtliche und linguistische Anerkennung existiert der Begriff shuwagengo [手話言語], während shuwahou [手話法] pädagogische Methoden der Gebärdenkommunikation beschreibt. Professionelle Gebärdensprachdolmetscher werden als shuwatsuuyaku [手話通訳] bezeichnet.
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Wer als Lernender über die Sprache spricht, nutzt im Alltag schlicht Nihongo. Wer hingegen tiefer in das Schulsystem, die einheimische Literatur oder historische Sprachschichten wie Wago und Kango eintaucht, wird schnell feststellen, wie reich facettiert die Selbstbezeichnungen im Japanischen sind. Weiterführende linguistische Details bietet auch der umfassende Eintrag in der japanischsprachigen Wikipedia.





Community
Kommentare
0 Kommentare
In dieser Sprache gibt es noch keine veröffentlichten Kommentare.
Kommentar senden