Im Lehrbuch heißt es sugoi. Im Chat steht plötzlich nur noch suge, und im Bus murmelst du yabai, ohne genau zu wissen, ob das gerade „krass gut“ oder „oh nein“ meint. Japanischer Slang lebt genau in diesem Zwischenraum: zwischen Höflichkeitsformeln und dem, was Freunde, Anime und Foren wirklich sagen.
Unter den unzähligen Abkürzungen, Dialektfärbungen und entlehnten Wörtern stechen vor allem die Wakamono Kotoba [若者言葉] heraus – die Sprache junger Leute. Hier findest du die Ausdrücke, die im Alltag und online am häufigsten auftauchen, mit Lesung, Bedeutung und dem Kontext, in dem sie wirken.
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Wakamono Kotoba – Slang der japanischen Jugend
Am häufigsten greifen Jugendliche und junge Erwachsene zu umgangssprachlichen Formen. Dafür gibt es im Japanischen einen eigenen Begriff: wakamono kotoba [若者言葉], wörtlich „Wörter der Jugend“.
Die meisten Einträge in diesem Leitfaden gehören in diese Kategorie. Schon kleine Lautverschiebungen, gekürzte Formen und neue Bedeutungen können aus Standardwörtern Jugendjargon machen. Manche Formulierungen halten sich über Generationen, andere veralten nach wenigen Jahren – gerade im Internet.
Typisch ist der Gebrauch bei Teenagern und Menschen um die zwanzig; ältere Generationen nutzen denselben Wortschatz seltener, auch wenn einzelne Wörter inzwischen generationsübergreifend bekannt sind. Historisch wurde die Sprechweise junger Leute schon in klassischen Beobachtungstexten wie dem Makura no Sōshi (Kopfkissenbuch) kritisch kommentiert – der Streit um „richtige“ Sprache ist also älter als TikTok und 2channel.

Wichtige japanische Slangwörter im Überblick
Zuerst eine Liste kurzer, oft gehörter Formen. Danach folgen die Ausdrücke mit mehr Nuance – von mendokusai bis Internet-Lachen mit www.
- Shitakke [したっけ] – Hokkaidō-Färbung mit der Bedeutung „Tschüss, bis später“; bekannt unter anderem aus dem Anime/Manga Boku dake ga inai machi.
- Baito [バイト] – Kurzform von arubaito: Nebenjob oder Teilzeit. Vom deutschen „Arbeit“ entlehnt.
- Chotto ii? [ちょっといい?] – sanfte Bitte um einen Moment: „Hast du kurz Zeit?“
- Dame [だめ] – umgangssprachlich „nicht gut“, „nicht erlaubt“, „geht nicht“.
- Eto [えと] – Füllwort wie „ähm…“; weicht Fragen ab und markiert Nachdenken.
- Faito! [ファイト!] – vom englischen fight; Anfeuerung wie „Gib alles!“ oder nah an ganbatte.
- Hara heta [腹へた] – salopp „Ich habe Hunger“; gegenüber Älteren oft unhöflich.
- Hora [ほら] – „Schau mal!“ / „Siehst du?“; gedehnt oft mit dem Beiklang „hab ich’s dir nicht gesagt…“.
- Iyada [イヤだ] – „Das will ich nicht“ / starke Abneigung; das anlautende i wird oft verschluckt.
- Ki ni shinaide [気にしないで] – „Mach dir keine Sorgen“ / „Nimm’s nicht so ernst“.
- Nandake [何だっけ] – „Wie hieß das nochmal…?“; oft an sich selbst gerichtet.
- Osu / Ossu [オス / おっす] – informelle Begrüßung unter Freunden (siehe auch unten).
- Shimatta [しまった] – „Verdammt“, wenn etwas schiefgelaufen ist.
- Suge [すげ] – noch salopper als sugoi („krass“, „wahnsinnig“).
- Uso [嘘 / うそ] – wörtlich „Lüge“; oft „Echt jetzt?!“ oder „Das glaub ich nicht“.
- Wagamama [わがまま] – verwöhnt, egoistisch, stur auf den eigenen Willen.
- Zannen [残念] – „Schade“ / bedauerlich; ironisch möglich, primär aber Bedauern, kein reines Schimpfwort.

Mendokusai – wenn etwas nervt oder mühsam ist
Mendokusai [面倒くさい] verbindet mendō (Mühe, Umstände) mit kusai (riechen / „stinken“ im übertragenen Sinn). Gemeint ist: etwas ist lästig, anstrengend, umständlich oder „lohnt den Aufwand nicht“.
Wir haben den Ausdruck ausführlich in einem eigenen Text erklärt: Bedeutung von Mendokusai. In derselben Ecke der Alltagssprache liegen unter anderem:
- Mazui [まずい] – bei Essen „schmeckt nicht“; übertragen „ungünstig“, „schlechte Lage“.
- Kimoi [キモイ] – Kurzform von kimochi warui: eklig, unangenehm, „creepy“.
- Zurui [ずるい] – unfair, schlau auf unfaire Weise, „cheatig“.
- Hidoi [ひどい] – gemein, hart, grausam („Das ist unfair von dir“).
Mehr zu groben und abwertenden Formen: Warui Kotoba – Schimpfwörter im Japanischen.

Yabai – gut und schlecht zugleich?
Eines der bekanntesten Jugendwörter ist yabai [やばい]. Ursprünglich markiert es Gefahr, Risiko, eine prekäre oder unangenehme Lage – nah an „schlimm“ oder „ungünstig“.
Mit der Zeit erweiterte sich der Gebrauch: yabai kann auch Überraschung und starke Emotion transportieren. Vor allem unter Jüngeren steht es oft positiv für „krass gut“, lecker, cool oder unglaublich – je nach Tonfall und Situation. Genau diese Doppeldeutigkeit macht den Ausdruck so alltagstauglich und so leicht missverständlich.
Details und Beispiele findest du hier: Was bedeutet yabai?

Vom Englischen abgeleitete japanische Slangwörter
Freeter (フリーター) – ausgesprochen furītā: jemand, der vor allem über befristete Jobs und Teilzeit lebt. Baito bezeichnet oft den Job selbst (z. B. Student:innen, die nebenbei arbeiten); Freeter betont eher den Lebens- und Erwerbsstatus ohne klassische Vollzeitkarriere.
Arasa (アラサー) – von englisch around thirties: Menschen (häufig im Bezug auf Frauen) um die 30.
Rafu (ラフ) – von rough; heute oft „lässig / casual“ in Kleidung: rafu na kakkou [ラフな格好], rafu na fukusō [ラフな服装].
Suru (スルー) – von through: etwas durchwinken oder bewusst ignorieren (nah an mushi suru [無視する]).
Dantotsu (ダントツ) – Kurzform von danzen toppu [断然トップ]: mit Abstand die Nummer eins.
NG – ausgesprochen enujī, von no good: unzulässig, peinlich, „das geht so nicht“.
OL – ōeru, office lady: Büroangestellte; Wasei-Eigo parallel zum klassischen Bild des Gehaltsempfängers im Büro.
Mazakon (マザコン) – übermäßige emotionale Abhängigkeit von der Mutter (von „mother complex“).
Nau (なう) – von now; vor allem online „gerade jetzt“ (z. B. in Statusmeldungen).

Abkürzungen, Wortspiele und weitere Alltagsformen
Ahiru-guchi / Ochobo-guchi – Lippenform beim Fotografieren (Entenschnabel-Mund); verwandt mit westlichem „Duckface“. Eine fischähnliche Variante heißt oft tarako-kuchibiru.
Torusō (トルソー) – vom englischen torso: Schaufensterpuppe bzw. Oberkörper-Dummy in Mode und Retail.
Dotakyan (ドタキャン) – Absage in letzter Minute; aus dota (letzte Minute) + kyanseru (cancel).
Majide (マジで) – „Ernsthaft?“ / „Wirklich?“
Kuri botchi (クリぼっち) – Weihnachten allein verbringen: kuri von kurisumasu, botchi von hitori bocchi.
Ossu (おっす) – knappe Begrüßung; in Kampfsport und unter Jüngeren noch üblich, historisch mit formelleren Wurzeln.
Nori nori (ノリノリ) – von noru [乗る]: gut drauf, im Flow, mitziehend.
Guroi (グロい) – grob, blutig, abstoßend (von „grotesque“).
- Mehr zu Kurzformen: Akronyme und Abkürzungen im Japanischen.
Slang im japanischen Internet
Viele der obigen Wörter wandern problemlos in Chats und Kommentare. Manche Formen sind aber fast nur online verbreitet.
乙 – Internet-Kurzform für otsukaresama [お疲れ様] („danke für die Arbeit / gute Arbeit“), weil das Kanji 乙 als otsu gelesen werden kann.
- 鯖 – Ideogramm für Makrele (saba); online oft Wortspiel für server.
- Mjk – Kurz für majika: „Ernst?“
- Baka – „Idiot“ / „Dummkopf“ (Tonfall entscheidet über Härte).
- DQN – abwertend für rücksichtsloses oder „dummes“ Verhalten (Netzkultur-Label).
- 888 – Applaus / Glückwunsch in Kommentaren.

Online-Lachen: wwwww
Statt eines langen „hahaha“ tippen viele Japanerinnen und Japaner den Buchstaben w – oft mehrfach als wwww. Der Bezug ist warau [笑う] („lachen“); alternativ steht das Kanji in Klammern: (笑). Auf Portalen wie NicoNico Douga siehst du das ständig.
Eine weitere Stufe: das Gras-Ideogramm kusa [草] als Lachen – weil viele w hintereinander optisch an Gras erinnern. Beispiel: 寝たい〜草 ungefähr „Will schlafen lol“.
Beste Freunde: zuttomo
Zuttomo [ずっ友] kürzt zutto (immer) und tomo (Freund) und meint enge, dauerhafte Freundschaft – das japanische Pendant zu „best friends forever“ im lockeren Netzton.
orz – Seiza als Emoticon
Aus der Welt der Emoticons stammt orz: von der Seite gelesen kniet eine Figur (Kopf–Rumpf–Knie) – oft als Geste der Niederlage, Erschöpfung oder Entschuldigung, nah am Bild des seiza.

Owakon – alter Content
Owakon mischt owatta [終わった] („vorbei“) und kontento [コンテンツ] („Content“): Material, das „durch“ ist – veraltet, abgehakt, nicht mehr der aktuelle Hype.
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