Otaku-Begriffe: Anime- und Manga-Glossar

Otaku-Begriffe: Anime- und Manga-Glossar

Ein deutsches Glossar für Wörter, die in Anime, Manga und der Otaku-Welt immer wieder auftauchen.

Ein Gespräch über Anime kann in wenigen Minuten nach einer anderen Sprache klingen: Jemand spricht von einem Tankōbon, eine Figur sei tsundere, und plötzlich fällt noch ein senpai. Die Wörter gehören nicht alle derselben Schublade an. Manche beschreiben Veröffentlichungsformen, andere Zielgruppen, Figuren oder die Art, wie Fans miteinander reden.

Dieses Glossar sortiert die wichtigsten Begriffe nicht als Prüfungsvokabeln, sondern als kleine Landkarte. So lässt sich leichter erkennen, was ein Wort im jeweiligen Zusammenhang tatsächlich meint – und wann eine Übersetzung zu kurz greift.

Inhalt 8

Grundbegriffe rund um Anime und Manga

Manga: In Japan ist manga das allgemeine Wort für Comics. Im Deutschen meint man damit meist Comics aus Japan oder Werke, die sich sichtbar daran orientieren. Ein Manga kann als Reihe, Einzelband oder Magazinbeitrag erscheinen.

Anime: Außerhalb Japans bezeichnet das Wort überwiegend Animationen aus Japan. Im japanischen Sprachgebrauch ist es weiter gefasst und kann auch andere Animationsfilme meinen. Deshalb ist die Frage nach einem „Anime“ in Japan nicht automatisch eine Frage nach einer japanischen Serie.

Light Novel: Ein Romanformat, das sich oft an Jugendliche und junge Erwachsene richtet und meist mit Manga- oder Anime-artigen Illustrationen verbunden wird. Viele bekannte Reihen wechseln später das Medium und erhalten eine Manga- oder Anime-Adaption.

Visual Novel: Ein erzählorientiertes Spiel, in dem Text, Standbilder, Musik und Entscheidungen die Geschichte tragen. Manche Visual Novels haben verzweigte Wege; andere lesen sich fast wie ein Roman mit Bildern.

Eroge: Kurz für erotische Spiele. Der Begriff beschreibt Inhalte für Erwachsene und nicht automatisch jede Visual Novel oder jedes Dating-Spiel.

Dōjinshi: Selbstveröffentlichte Hefte oder Bücher, oft Comics, Erzählungen oder Illustrationen. Sie können zu bekannten Werken entstehen, aber auch völlig eigene Figuren und Geschichten enthalten.

Otaku: Das Wort wird heute außerhalb Japans oft locker für Anime- und Manga-Fans benutzt. Im Japanischen kann es eine Person meinen, die sich besonders intensiv einem Hobby widmet; der Ton hängt stark von Situation und Selbstbezeichnung ab.

Anime-Szene als Illustration für Otaku-Begriffe

Wie Manga veröffentlicht werden

Mangaka: Bezeichnung für die Person, die einen Manga schafft. Je nach Produktion zeichnet sie allein oder arbeitet mit Assistenzen für Hintergründe, Tusche, Raster und Organisation.

Tankōbon: Ein gesammelter Band mit Kapiteln, die zuvor häufig einzeln in einem Magazin erschienen sind. Wer einer Reihe folgt, begegnet dem Wort meist beim Kauf oder beim Vergleich der japanischen Ausgabe mit einer Übersetzung.

One-shot: Eine in sich geschlossene Manga-Geschichte. Sie kann kurz sein oder mehr Seiten haben, muss aber nicht der Beginn einer langen Serie sein.

Omake: Ein Zusatz: etwa eine kurze Bonusseite, ein Witz, ein Nachwort oder ein kleines Extra nach der eigentlichen Geschichte. Es verändert die Hauptgeschichte nicht zwingend, kann einer Reihe aber viel Charme geben.

Manga-Bände als Beispiel für Tankōbon

Wörter aus Anime-Produktionen

Arc: Ein zusammenhängender Handlungsabschnitt innerhalb einer Serie. Ein Arc kann sich um eine Figur, einen Ort, einen Konflikt oder ein bestimmtes Ziel drehen.

Filler: So nennen Fans Episoden oder Handlungsstränge, die nicht aus der Vorlage übernommen wurden. Bei langen Adaptionen entstand so früher Abstand zum Manga; ob eine Filler-Folge unterhaltsam ist, ist eine ganz andere Frage.

OVA: Original Video Animation bezeichnet Anime, die ursprünglich für den Video- und Heimmedienmarkt produziert wurden, statt zuerst als TV-Serie oder Kinofilm zu starten. OAD wird oft für eine Animation verwendet, die einer besonderen Manga-Ausgabe beiliegt. ONA steht für eine Produktion, deren erste Veröffentlichung online erfolgt.

Seiyū: Japanische Sprecherinnen und Sprecher. Ihr Name wird bei einer Originalfassung häufig ebenso aufmerksam verfolgt wie der des Regisseurs oder der Mangaka.

Live-Action: Eine Verfilmung oder Serie mit realen Darstellerinnen und Darstellern. Manga und Anime dienen dabei oft als Vorlage, doch eine Live-Action kann auch eine eigenständige Geschichte erzählen.

Anime-Figur mit großen, stilisierten Augen

Zielgruppen, Genres und Erzählmuster

Ein häufiger Stolperstein: Shōnen, Shōjo, Seinen, Josei und Kodomo sind zunächst Zielgruppenbezeichnungen, keine festen Genres. Ein Shōnen-Titel kann Sport, Fantasy, Komödie oder Romanze sein; entscheidend ist, für welches Magazin oder Publikum er vermarktet wird.

  • Kodomo: Werke für Kinder.
  • Shōnen: traditionell auf jugendliche Jungen ausgerichtet.
  • Shōjo: traditionell auf jugendliche Mädchen ausgerichtet.
  • Seinen: Werke für erwachsene Männer.
  • Josei: Werke für erwachsene Frauen.

Mecha: Geschichten, in denen große Roboter oder Maschinen eine zentrale Rolle spielen. Sie reichen von Militärdramen bis zu Abenteuern mit riesigen Kampfmaschinen.

Mahō Shōjo: Das „magische Mädchen“ ist ein eigenes Erzählmuster: Eine junge Heldin erhält magische Fähigkeiten und muss sich einer Aufgabe oder Bedrohung stellen. Es ist nicht bloß ein anderes Wort für Shōjo.

Harem: Eine Konstellation, in der eine Hauptfigur von mehreren möglichen romantischen Interessen umgeben ist. Das kann komödiantisch, dramatisch oder umgekehrt als Reverse Harem erzählt werden.

Yuri und Boys’ Love (BL) bezeichnen Geschichten über romantische Beziehungen zwischen Frauen beziehungsweise zwischen Männern. Ältere Begriffe wie Yaoi oder Shōnen-ai tauchen noch auf, werden aber je nach Werk, Zeit und Gemeinschaft unterschiedlich verwendet.

Anime-Szene als Illustration für Genres und Zielgruppen

Figurentypen und Wörter für den Stil

Kawaii: Das japanische Wort kann „niedlich“, „süß“ oder liebenswert bedeuten. In Anime und Manga beschreibt es manchmal einen Stil, manchmal eine Reaktion auf eine Figur oder ein Objekt.

Bishōjo und Bishōnen: Begriffe für idealisiert schöne junge Frauen beziehungsweise junge Männer. Sie sagen nicht automatisch etwas über die Persönlichkeit einer Figur aus.

Chibi: Eine stark vereinfachte, kindlich wirkende Darstellung mit großem Kopf und kleinem Körper. Sie wird oft für Humor, Niedlichkeit oder eine kurze emotionale Überhöhung eingesetzt.

Moe: Ein Fanwort für eine besondere Zuneigung oder Begeisterung gegenüber einer Figur und ihren Eigenschaften. Es lässt sich nicht sauber mit einem einzigen deutschen Wort ersetzen.

Tsundere: Eine Figur, die sich zunächst abweisend, schroff oder leicht reizbar gibt, aber in passenden Momenten eine weiche Seite zeigt. Yandere beschreibt dagegen eine Figur, deren starke Zuneigung in eine bedrohliche oder zerstörerische Richtung kippen kann.

Anime-Figur als Illustration für Charaktertypen

Anreden, die man in Untertiteln hört

Japanische Anreden tragen Beziehung und Abstand mit. Eine deutsche Übersetzung kann das nicht immer vollständig abbilden, deshalb bleiben Endungen wie -san oft erhalten.

  • -san: Höfliche, neutrale Anrede; vergleichbar mit einer respektvollen Ansprache ohne zu viel Distanz.
  • -sama: Besonders respektvoll oder ehrerbietig.
  • -kun: Häufig gegenüber Jungen oder jüngeren Männern, kann aber je nach Schule, Arbeit und Beziehung auch anders verwendet werden.
  • -chan: Vertraut oder liebevoll; oft bei Kindern, Freundinnen und nahestehenden Personen.
  • Senpai: Eine Person mit mehr Erfahrung oder einem höheren Jahrgang in derselben Gruppe. Das Gegenstück heißt kōhai.

Onii-chan, onee-chan und ähnliche Formen beziehen sich auf ältere Geschwister oder können vertraut für eine ältere Person gebraucht werden. Die Endung verändert den Ton: onii-sama klingt deutlich förmlicher als onii-chan.

Anime-Szene zu Senpai und Kōhai

Wörter aus der Fanwelt

Cosplay: Das Darstellen einer Figur durch Kostüm, Styling, Accessoires und oft auch Pose oder Auftreten. Es geht nicht nur um eine möglichst genaue Kopie; viele Fans setzen Figuren auch kreativ um.

Fujoshi und Fudanshi: Selbstbezeichnungen, die in Fanräumen für weibliche beziehungsweise männliche Fans von Boys’ Love verwendet werden können. Wie bei vielen Szenewörtern ist der Kontext wichtig; nicht jede Person möchte so bezeichnet werden.

Scanlation: Eine von Fans erstellte, übersetzte und bearbeitete Manga-Fassung. Sie ist keine offizielle Ausgabe und ersetzt weder Lizenz noch Übersetzung eines Verlags.

J-Pop und J-Rock: Japanischer Pop und Rock. K-Pop und K-Rock beziehen sich entsprechend auf Korea. Solche Labels sagen zunächst etwas über die Musikkultur aus, nicht darüber, ob ein Song zu einem Anime gehört.

Begriffe mit Inhaltswarnung

Ecchi wird häufig für anzügliche Witze oder sexuelle Anspielungen in Anime und Manga verwendet. Hentai steht außerhalb Japans meist für explizit pornografische Inhalte. Begriffe wie Lolicon können auf sexualisierte Darstellungen von Figuren hinweisen, die als minderjährig gelesen werden; bei der Suche nach einem Titel lohnt es sich, Inhaltsangaben und Altersfreigaben ernst zu nehmen.

Das Otaku-Vokabular bleibt in Bewegung. Manche Wörter wandern aus dem Japanischen in die internationale Fanwelt, andere verändern ihren Ton mit der Zeit. Wer den Kontext mitliest, versteht nicht nur die Übersetzung besser, sondern auch, warum eine kleine Endung oder ein scheinbar bekanntes Wort in einer Szene so viel ausmachen kann.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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