Kawaii: Bedeutung und die Kultur der Niedlichkeit in Japan

Kawaii: Bedeutung und die Kultur der Niedlichkeit in Japan

Vom errötenden Gesicht im alten Japan bis zu Hello Kitty, Burikko und den Maskottchen an der Baustelle.

Kennen Sie kawaii [かわいい, auch 可愛い]? Im heutigen Japanisch beschreibt das Adjektiv etwas Niedliches, Liebenswertes, Kleines oder Schutzbedürftiges. Es gilt für Menschen, Tiere, Kleidung, Schrift und Gegenstände. Über Anime, Manga und Waren ist das Wort auch außerhalb Japans hängen geblieben.

Die heutige Verwendung hat einen älteren Weg hinter sich. Zuerst meinte das Wort ein glühendes Gesicht, dann Mitleid, und erst danach die Zuneigung zu etwas Kleinem, das man behüten möchte.

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Die Herkunft des Wortes Kawaii

Kawaii geht auf das alte かはゆし (kawayushi) zurück. Der Sprachhistoriker Ono Masahiro, der die Geschichte japanischer Wörter lange bearbeitet hat, führt diese Form auf 顔映ゆし (kao hayushi) zurück: ein Gesicht, das glüht. In der Konjaku monogatari shū aus der späten Heian-Zeit stehen かはゆし und auch die längere Form かははゆし. Gemeint war eine Scheu. Jemand wirkt so überlegen, dass man den Blick senkt. Dasselbe Glutgefühl galt für eine Lage, die einem leidtut und die man kaum ansehen mag.

Bis in die Muromachi-Zeit hing an かわゆい vor allem das Bedauern. „Armes Ding“ steckt heute noch in かわいそう (kawaisō), mit den Schriftzeichen 可哀想. Gegen Ende der Muromachi-Zeit beschreibt die Gyokujinshō mit かわゆう schon die Zuneigung zu einem kleinen, schwachen Wesen, das man schützen möchte. Aus かわゆい wurde später die heutige Form かわいい. Im japanisch-portugiesischen Wörterbuch der Jesuiten von 1603 steht eine nahe Lautung, cauaij.

Die Schrift 可愛い kam als Ateji dazu, also als Zeichen, die man einer schon vorhandenen Lautung nachträglich angelegt hat. 可 und 愛 lassen sich als „annehmbar“ und „Liebe“ lesen. Die Aussprache folgt der gesprochenen Kette かわゆい. Das chinesische 可爱 (kě'ài) ist ein eigenes Wort mit ähnlichen Zeichen und derselben Alltagsbedeutung, mit einer eigenen Lautgeschichte. Im Norden Japans gibt es für dasselbe Gefühl eigene Dialektwörter. In Tōhoku hört man dafür oft menkoi.

Runde Figuren von Sumikko Gurashi auf rosa Grund, darunter Eisbär, Pinguin, Berg und eine Tempura

Was kawaii heute bedeutet

Heute ist kawaii das gewöhnliche Adjektiv für etwas, das man gern behüten oder einfach entzückend finden würde. 可愛らしい (kawairashii) ist die weichere Nebenform: bezaubernd, niedlich. Das Verb 可愛がる (kawaigaru) meint verhätscheln und umsorgen. In einer älteren Färbung heißt es auch, einer schwächeren Person den Vorzug zu geben, manchmal mit einem rauen, neckenden Ton, so als nähme ein Älterer jemanden unter seine Fittiche.

Einen erwachsenen Mann kawaii zu nennen klang früher oft zu vertraulich oder herablassend, außer unter Liebenden. Cool und schneidig sagte man daneben mit かっこいい (kakkoii). Heute fällt kawaii auch bei Erwachsenen, bei Gegenständen und bei einem Menschen, der plötzlich eine weiche Seite zeigt. Ono beschreibt genau diese Ausweitung: der Großvater, der bei seinem Lieblingsessen übers ganze Gesicht strahlt, oder ein Gorilla, an dem jemand eine unbeholfene Stelle entdeckt.

Runde Köpfe, große Augen und ein kleiner Körper lösen Pflegegefühle aus. Konrad Lorenz nannte dieses Muster 1943 Kindchenschema. Deshalb kann in Japan auch eine Schere mit runden Griffen als süße Schere durchgehen, und ein Stofftier wirkt schneller niedlich als ein kantiger, harter Gegenstand. Kleine, wehrlose Tiere wecken denselben Impuls wie ein Baby: hinsehen, schützen, bei sich behalten.

Manchmal nennt jemand den eigenen abgegriffenen Gegenstand kawaii, auch wenn er für andere wenig hermacht. Dann meint das Wort die Anhänglichkeit an genau dieses Stück.

Kaito Kid mit weißem Zylinder und Monokel neben einem Mädchen mit großen Augen und roten Wangen

Wie die Kawaii-Kultur groß wurde

Holzschnitte der Edo-Zeit, von 1603 bis 1868, zeigten schöne Frauen. Diese Bilder heißen 美人画 (bijinga). Takehisa Yumeji arbeitete später, in der Taishō-Zeit, an romantischen Mädchenbildern. Matsumoto Katsuji zeichnete Shōjo-Illustrationen mit großen Augen. Warum Manga- und Anime-Figuren so große Augen haben, läuft über Disney, Tezuka und den Shōjo-Stil weiter. Das Wort selbst kommt aus der Lautgeschichte weiter oben.

Der moderne Boom setzt in den 1970er Jahren ein. Schülerinnen schrieben hiragana rund, dünn und von links nach rechts, mit Herzen, Sternen und kleinen Gesichtern im Text. Dafür gab es mehrere Namen: marui ji oder marumoji für die runde Schrift, koneko ji für die Kätzchenschrift, manga ji und burikko ji. Sharon Kinsella beschreibt, wie der Stil 1974 auffiel, bis 1978 im ganzen Land zu sehen war und für 1985 auf über fünf Millionen junge Leute geschätzt wurde. An manchen Schulen wurde die Schrift verboten, oder ein Test in diesen Zeichen blieb unkorrigiert.

Zur selben Zeit füllten Firmen kleine Alltagsdinge mit Charakteren, in Japan fancy goods genannt: Hefte, Stifte, Taschen. Sanrio brachte Hello Kitty 1974 heraus, zuerst auf einem kleinen Geldbeutel aus Vinyl. Die Figur hat keinen Mund, einen gelben Nasenpunkt, schwarze Schnurrhaare und eine rote Schleife. Sie wurde zum bekanntesten Gesicht dieser Warenwelt. Das gesprochene Wort ist Jahrhunderte älter als die Katze. Ab 1976 ging Hello Kitty auch in den Export, und in den 1980er Jahren kannten sie Käuferinnen weit über Japan hinaus.

Menschen in Anzügen verbeugen sich vor einem Hello-Kitty-Kostüm im rosa Rüschenkleid
Eine Verbeugung vor Hello Kitty, mitten in einem festlichen Saal.

Burikko, runde Schrift und vorgespielte Kindlichkeit

Burikko [ぶりっ子] bezeichnet vor allem eine Frau oder ein Mädchen, das kindliche Niedlichkeit vorspielt: höhere Stimme, unschuldiger Blick, bewusst hilflose Gesten. Das ぶり kommt von 振る, also von „so tun, als ob“, und 子 ist das Kind. Das Wort wird heute fast nur in Hiragana geschrieben. Um 1980 wurde es zum Modwort und klingt meist tadelnd. Die Sängerin Matsuda Seiko machte in denselben Jahren ein unschuldiges, kindliches Idol-Bild landesweit sichtbar. Burikko als übertriebene Niedlichkeit hat auf dieser Seite ein eigenes Porträt.

Links ein Hiragana-Raster, rechts eine runde Schülerschrift mit Herz und einem gezeichneten Hasen
Links die gewöhnliche Hiragana-Tafel, rechts die runde Schrift mit Herz und Hase.

Was rund und heiter aussieht, rutscht leicht in die Schublade kawaii. Chibi-Figuren treiben das auf die Spitze: übergroßer Kopf, kurzer Körper, wenige Striche für die Nase. Kindliches, naives Benehmen gilt ebenfalls als kawaii. Die Pose der Unschuld kann dabei direkt neben einem sexualisierten Bild stehen. Dafür gibt es seit den 1990er und 2000er Jahren eigene Zusammensetzungen.

Erokawaii, busakawaii, kimokawaii und die Nachbarwörter

Erokawaii [エロかわいい] setzt エロい (erotisch) und kawaii zusammen: niedlich und sinnlich zugleich. Um 2004 machte die Modepresse den sexy-niedlichen Look der Sängerin Kumi Koda unter diesem Namen geläufig. In späteren Gesprächen führt Koda den verwandten Begriff erokakkoii, sexy und cool, auf ihr Stück „Crazy 4 U“ zurück. Am Kleidungsstück erkennt man die Mischung an viel Haut, transparentem Stoff und Schwarz auf der einen Seite, an Rüschen, Schleifen, Spitze, Punkten und Rosa auf der anderen. Ein Teil der Lolita-Mode liegt in derselben Ecke, bleibt aber ein eigener Stil mit eigenen Regeln.

Vier Lolita-Outfits: Spitzenkleid in Creme, schwarzes Kleid mit Schürze, rosa Blumenkleid und ein bordeauxfarbenes Kleid auf Bahngleisen
Lolita-Kleider können kawaii wirken und bleiben doch ein eigener Modestil.

Busakawaii [ブサかわいい] setzt 不細工 (busaiku, ungeschickt im Gesicht, „hässlich“ im rauen Alltagston) und kawaii zusammen. Auch ブスかわいい kommt vor. Gemeint ist ein Gesicht, das auf den ersten Blick schief wirkt und gerade dadurch charmant wird. Der Mops ist das Standardbeispiel, daneben Bulldoggen und andere Tiere mit faltiger Schnauze. Für Menschen gilt derselbe Ton: die unbeholfene Stelle macht die Person anziehend.

Kimokawaii [キモかわいい] kommt von キモい (eklig, gruselig, schräg) plus kawaii. Jugendliche benutzten das Wort ab Ende der 1990er Jahre für Figuren wie das tanzende Baby. Für Menschen war es zuerst unüblich. Als das Komikerduo Ungirls [アンガールズ] in den 2000er Jahren bekannt wurde, bekam ihr surrealer Auftritt genau dieses Etikett. Ein Monster, klein und rund gezeichnet, kann in dieselbe Schublade rutschen. Chibi-Godzilla ist so ein Fall. Außerhalb Japans liegen Gremlins und SpongeBob für viele Leute auf derselben Kante: schräg und trotzdem zum Knuddeln.

Rosa Bärenkostüm winkt auf einem gepflasterten Gehweg in einer japanischen Einkaufsstraße
Gloomy Bear, der rosa Bär von Mori Chack, als Kostüm auf einer Einkaufsstraße.

Rund um diese drei Wörter liegen weitere Zusammensetzungen, jede mit einem eigenen Akzent:

  • Yurukawaii [ゆるかわいい]: locker, weich, ein bisschen unfertig und gerade deshalb niedlich.
  • Kakkokawaii [カッコかわいい]: cool und niedlich in einem Auftritt.
  • Kireikawaii [きれいかわいい]: gepflegt, sauber gekleidet und dabei niedlich.
  • Gurokawaii [グロかわいい]: niedlich und grotesk zugleich, oft mit schwerem Make-up oder einem verletzten Witz. Gloomy Bear wohnt in dieser Nachbarschaft.
  • Shibukawaii [渋かわいい]: zurückhaltend und alltagstauglich, ohne Rüschenprogramm. 渋い (shibui) ist das herbe, leise Schöne.

Moe [萌え] sitzt neben diesem Feld. Das Wort meint eine heftige Zuneigung, oft zu einer Figur, die schüchtern, freundlich und unschuldig gezeichnet ist. Woher moe kommt und was es heute meint, lässt sich von kawaii trennen: moe ist die Reaktion der zuschauenden Person, kawaii die Eigenschaft, die sie der Figur zuschreibt.

Kleine Autos haben dieselbe Formensprache angenommen. Ab den 1990er Jahren bekamen manche Kei-Wagen ein rundes „Gesicht“ mit großen Scheinwerfern, im Fachjargon paikuka. Der Daihatsu Mira Gino und der Subaru Vivio Bistro sind bekannte Beispiele. Kei-Wagen und der 0,6-Liter-Motor erklären die Wagenklasse selbst. Kakkokawaii bleibt daneben ein Modewort für einen coolen und niedlichen Auftritt.

Wie der Westen Niedlichkeit einsortiert

Im Westen landet Niedlichkeit oft in der Schublade kindisch oder weiblich. Ein Maskottchen auf einem amtlichen Aushang, an einer Bank oder an einer Airline wirkt dann fehl am Platz. Die Formensprache holt sich tatsächlich das Kindchenschema: runder Kopf, große Augen, kleiner Körper, dazu oft eine hohe Stimme und grelle Farben.

In Japan steht dieselbe Form auch dort, wo Erwachsene hinsehen. Polizeiposter, Züge und Firmenwerbung benutzen sie, ohne die Sache automatisch als Kinderkram abzutun. Viele Anime und Spiele sind für Jugendliche und Erwachsene gemacht. Die niedliche Oberfläche sagt wenig über das Alter der Zuschauer. Wer nur die Schleife sieht und daraus ein Kinderprogramm macht, liest an der Ware vorbei.

Baustellenabsperrungen mit gelben Eichhörnchen, Hatsune Miku auf einem pinken Schild und einem Vogel mit der Aufschrift Okinawa
Absperrungen an der Baustelle, mit Eichhörnchen, Hatsune Miku und einem Vogel aus Okinawa.

Warum das Niedliche in Japan so weit reicht

Die moderne Vorliebe wuchs in einer Jugendkultur der 1970er Jahre. Firmen griffen sie auf, als die Wirtschaft boomte und Schülerinnen schon Hefte mit Charakteren füllten. In der Flaute der 1990er Jahre setzten Banken, Airlines und Autohersteller Figuren ein, um weicher zu wirken und im Ausland aufzufallen. Sanrio legte neue Waren auch für Erwachsene auf, neben der älteren Linie für Schulmädchen.

Niedlichkeit gab außerdem einen Puffer in einem strengen Alltag aus Regeln, Überstunden und einer öffentlichen Miene, die nicht alles zeigt. Ein Maskottchen auf einem Verbotsschild macht die Anweisung leiser. Wer bei Honne und Tatemae schon gesehen hat, wie sich gezeigtes Gesicht und eigene Meinung trennen, erkennt den Ton wieder: die Bitte kommt niedlich daher, der Ernst der Lage bleibt dahinter.

Handystraps mit Mini-Figuren, Plüsch auf dem Armaturenbrett und ein Heft mit einer bekannten Katze sind kleine private Ecken in diesem Alltag. In Jahren, in denen Leute weniger Zeit beieinander verbringen, wird so ein Gegenstand leicht zum Begleiter. Die Firmen haben diesen Geschmack gesehen und Figuren auf Briefmarken, Züge und Flugzeuge gesetzt.

Kawaii im Alltag

Ein Souvenirladen reicht als erster Beweis. Neben der Ware ist oft schon das Plakat niedlich. Die Collage unten mischt drei sehr verschiedene Fälle: links ein Hasenposter einer Hotline für Opfer von Verbrechen, in der Mitte ein Polizeiblatt zur Masche des 振り込め詐欺 (furikome sagi, Betrug per Überweisung) mit einer gezeichneten Beamtin und Zahlen aus Aichi, rechts ein Ramenschild mit einer Anime-Figur.

Drei Aushänge: Hasenposter einer Opfer-Hotline, Polizeiblatt zum Überweisungsbetrug und ein Ramen-Schild mit Anime-Figur

Maskottchen arbeiten für Präfekturen, Firmen und Behörden. Alle 47 Präfekturen haben eine eigene Figur, die Yuru-chara. Auf dem Foto stehen Hikonyan, die weiß-rote Samurai-Katze aus Hikone, ein Fuchs vor einem Infoschalter und Domo-kun, das braune Rechteckwesen des Senders NHK.

Drei Maskottchen: Hikonyan mit Helm auf einem Schiff, ein Fuchs vor einem Infoschalter und Domo-kun auf einer Wiese
  • All Nippon Airways ließ Flugzeuge mit Pokémon bemalen. Pikachu sitzt auf dem Leitwerk.
  • In gängigen Überblicken taucht das niederländische Kaninchen Miffy auf Karten der früheren Asahi Bank auf.
  • Die japanische Post setzt eigene Figuren auf Marken und Pakete. Yu-Pack, ein stilisierter Briefkasten, ist eine davon.
  • Auf Straßen fahren Lastwagen mit Hello Kitty, und Züge tragen Anime-Bemalung. Auf dem Foto wirbt ein Hoppy-Wagen mit einem weißen Bären in rosa Mütze.
  • Okunoshima ist wegen der Kaninchen bekannt, und mehrere Inseln ziehen Besucher mit ihren Katzen an. Die Katzeninseln sind ein eigenes Reisekapitel.
  • Jede Polizei hat ihre Figuren, oft vorn am Koban, dem kleinen Polizeihäuschen an der Ecke.
  • Maid Cafés und Katzencafés verkaufen denselben Ton als Besuch.
  • Baustellenabsperrungen, auf Japanisch 単管バリケード (tankan barikēdo), tragen Eichhörnchen, Hatsune Miku oder einen lokalen Vogel.
ANA-Flugzeug mit bunter Pokémon-Bemalung und Pikachu auf dem gelben Leitwerk
Gelber Hoppy-Lastwagen mit einem weißen Bären in rosa Mütze an einer großen Kreuzung

Dazu kommt, was Leute am Körper und am Esstisch tragen. Junge Leute behängten ihre Handys mit Straps und Anhängern. Autos fahren mit Plüsch auf der Ablage oder mit Charakteren auf der Karosserie. Kigurumi, Decora und Lolita gehören in dieselbe Straßenecke, am dichtesten in Harajuku. Visual Kei, Decora und Harajuku liegen nebeneinander, ohne dass jedes Outfit kawaii sein müsste.

Vier süße Lolita-Kleider in Pastell, mit Rüschen, Schleifen, Blumen und einem Plüschtier

Sogar das Bentō bekommt ein Gesicht. Kyaraben sind Dosen, in denen Reis, Nori und Wurst zu Figuren werden. Mütter haben das in den späten 1990er Jahren für die Schulpause angefangen. Später lagen fertige Versionen auch in Convenience Stores.

Modestile wie Lolita verlieren zwischendurch an Sichtbarkeit auf der Straße. In Werbung, Behördenschrift und Serien bleibt das Niedliche trotzdem stehen und ist über Anime, Spiele und Manga auch außerhalb Japans gewöhnlich geworden.

Anime, die dieses Gefühl treffen

Drei Serien zeigen die niedliche Seite sehr klar, jede auf ihre Weise.

K-On! spielt im Leichtmusik-Club einer Schule. Fünf Mädchen gründen eine Band, und fast jede Folge lebt von kleinen Gesten, Tee und einem Gesicht, das gerade überrascht ist. Wer Musik-Anime sucht, findet eine längere Liste von Musikserien neben diesem Club.

Die fünf Mädchen aus K-On! in gelben Sommeruniformen, mit großen Augen und überraschten Gesichtern

Kimi ni Todoke folgt Sawako, einem sehr schüchternen Mädchen. Mitschüler nennen sie Sadako, weil ihre langen schwarzen Haare an das Mädchen aus dem Film „Ring“ erinnern. Die Romanze bleibt zurückhaltend, fast scheu, und gerade das trägt den Ton.

Sawako mit langen schwarzen Haaren zwischen zwei Mitschülerinnen in Schuluniform

Ao Haru Ride erzählt von Futaba und Kou. In der Mittelstufe standen sie sich nah, dann lief es schief. Als sie sich in der Oberschule wiedersehen, sucht sie die Nähe, und er wirkt abweisend. Die Zeichnung bleibt weich, die Gefühle schwanken.

Futaba mit rosa Pferdeschwanz und Kou im weißen Hoodie sitzen dicht beieinander, Titel Ao Haru Ride

Weitere Serien, die oft in dieser Ecke genannt werden, mischen offene Niedlichkeit mit zarten oder alltagsnahen Geschichten. Eine eigene Übersicht zu Kawaii- und Moe-Anime geht denselben Geschmack ausführlicher durch. Aus dem Regal daneben:

  • Acchi Kocchi
  • Akagami no Shirayuki-hime
  • Bokura ga Ita
  • Clannad
  • Gochuumon wa Usagi Desu ka?
  • Golden Time
  • Hanamaru Youchien
  • Hetalia: Axis Powers
  • Hibike! Euphonium
  • Kaichou wa Maid-sama!
  • Love Live und andere Idol-Anime
  • Lovely Complex
  • Mikakunin de Shinkoukei
  • Minami-ke
  • Nana
  • Non Non Biyori
  • Ore Monogatari
  • Romeo x Juliet
  • Shigatsu wa Kimi no Uso
  • Shinryaku! Ika Musume
  • Sukitte Ii na yo
  • Suzumiya Haruhi no Yuuutsu
  • Toradora!
  • Yuru Yuri
  • Yuyushiki
  • Zero no Tsukaima

Cute Aggression, der Drang zu drücken

Wer ein sehr niedliches Tier sieht, will es manchmal drücken, in die Wange kneifen oder spielerisch beißen. Dafür hat sich der Ausdruck Cute Aggression gehalten, auf Japanisch auch キュートアグレッション. Oriana Aragón, Margaret Clark, Rebecca Dyer und John Bargh beschrieben das 2015 in Psychological Science als dimorphe Gefühlsäußerung. Ein starkes positives Gefühl läuft so hoch, dass eine Geste dazukommt, die sonst zu Ärger oder Schmerz gehören würde. Tränen bei einer freudigen Nachricht funktionieren nach demselben Muster. In den Versuchen berichteten Leute den Drang vor allem dann, wenn sie sich von der Niedlichkeit überwältigt fühlten. Wer im Glück leicht weint, nannte den Quetschimpuls häufiger.

Die Geste bleibt ein Spiel aus einem zu starken positiven Gefühl. Maskottchen in der Werbung und der Ton des Alltags haben eine andere Herkunft: die Schülerschrift, Hello Kitty und die Aushänge weiter oben.

Was an kawaii hängen bleibt, ist diese Spannweite. Ein Wort für ein glühendes Gesicht beschreibt heute eine Schleife, eine Baustellenabsperrung und eine Band im Schulclub. Wo würden Sie die Grenze ziehen?

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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