Viele glauben, dass die japanische Sprache sehr schwer zu lernen ist. Und wirklich schreckt sie wegen ihrer Tausenden von Ideogrammen. Aber die Wahrheit ist, dass die japanische Sprache in zentralen Bereichen erstaunlich einfach aufgebaut ist. In diesem Artikel zeigen wir, in welcher Hinsicht Japanisch leichter ist, als der erste Eindruck vermuten lässt - und an welchen Stellen es trotzdem seine Tücken hat.
Bevor wir einsteigen, eine wichtige Vorbemerkung: Alle Sprachen verlangen Hingabe und Geduld. Wer aus dem Deutschen, dem Französischen oder dem Portugiesischen kommt, trifft im Japanischen auf eine völlig andere Struktur - aber gerade diese Fremdheit macht den Lernweg kalkulierbarer, als die meisten erwarten. Die japanische Grammatik folgt klaren Mustern, die japanische Schrift besteht aus klar definierten Elementen, und die Aussprache ist für Sprecher romanischer Sprachen überraschend nah am eigenen Lautsystem.

Einfachheit in Grammatik und Verben
Im Gegensatz zum Portugiesischen kennt das Japanische keine Tausenden von Verbkonjugationen und keine ausgeprägte Pronomen-Deklination. Während das Portugiesische zehn Zeitformen im Indikativ und sechs im Konjunktiv unterscheidet, kennt das Japanische nur zwei Zeitformen: Gegenwart und Vergangenheit. Was im Deutschen oder Französischen Plusquamperfekt, Futur II oder Konditional wäre, wird im Japanischen durch Anhängen einer Endung, durch Kontext oder durch eine eigene Vokabel ausgedrückt - nicht durch eine eigene, flektierte Form.
Ein zweiter gewichtiger Unterschied: Japanische Verben konjugieren nicht je nach Subjekt. Im Portugiesischen muss man unterscheiden, ob eu vou, tu vais, ele vai oder nós fomos gesagt wird - sechs Personen, mehrere Zeitformen, plus Höflichkeitsstufen. Im Japanischen bleibt die Verbform stabil; wer das Verb in einer Grundform kann, kann es in fast allen Sätzen anwenden.
Das Beispiel unten zeigt, wie viele Varianten das Verb Gehen im Portugiesischen allein in den indikativen und konjunktiven Zeitformen hat - und wie wenige das japanische Gegenstück benötigt:
- Portugiesisch - ir - vou, vais, vai, vamos, ides, vão, fui, fostes, foi, fomos, foram, ia, ias, ia, íamos, íeis, iam, irei, irás, irá, iremos, ireis, irão, iria, irias, iria, iríamos, iríeis, iriam, vá, vais, vá, vamos, vades, vão, fosse, fosses, fosse, fôssemos, fôsseis, fossem, for, fores, for, formos, fordes, forem, vai, vá, vamos, ide, vão, ires, irmos, irdes, irem;
- Japanisch 行く - iku - iku, iki(masu), ikou, ike(nai), itte, itta, itta; im alltäglichen Sprachgebrauch genügt für die meisten Sätze die Form iku in einer der vier Endungen masu, nai, ta oder te.
Die gezeigten Endungen verdichten, was im Deutschen in eigenen Zeitformen und Hilfsverben steckt: masu für höfliche Gegenwart, nai für Verneinung, ta für Vergangenheit, te für die Verbindung mit einem zweiten Verb. Hinzu kommen ba für eine Bedingung ("wenn"), tara für "sobald" und to für "als" - nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Kein Genus, keine Artikel, kein Plural
Was Europäer am meisten überrascht: Japanisch kennt kein grammatikalisches Geschlecht bei Substantiven. Es gibt kein maskulin und feminin, keine Deklination nach der, die oder das. Wer aus dem Deutschen kommt, weiß, wie viel Lernaufwand allein in der Artikelwahl steckt - der Stuhl, die Lampe, das Buch - und wie häufig Fehler entstehen, wenn das Geschlecht nicht mit dem im Kopf verankerten Bild übereinstimmt. Im Japanischen fällt diese Hürde komplett weg.
Ebenso wenig kennt Japanisch einen bestimmten oder unbestimmten Artikel. Wo das Deutsche zwischen der Hund und ein Hund unterscheidet, das Französische zwischen le chien und un chien und das Portugiesische zwischen o cachorro und um cachorro, bleibt das Japanische ohne diese Unterscheidung. Das Substantiv steht allein, und der Kontext entscheidet, ob etwas bestimmt, unbestimmt, einmalig oder mehrmals gemeint ist.
Eine weitere Vereinfachung: Japanisch kennt keinen Plural. Inu kann "der Hund" oder "die Hunde" bedeuten - erst eine Zahl, ein Suffix wie tachi oder der Kontext macht die Mehrzahl sichtbar. Wer aus dem Deutschen kommt, kennt das Problem: das Kind - die Kinder, das Wort - die Wörter, mit allen Umlauten, Endungen und Ausnahmen. Im Japanischen bleibt die Form stabil, und Mehrzahl wird durch Begleiter ausgedrückt.
Das Subjekt darf weggelassen werden
Eine der folgenreichsten Eigenheiten des Japanischen ist, dass das Subjekt im Satz oft fehlt. Das Deutsche verlangt in den meisten Sätzen ein ausdrückliches Subjekt - Ich gehe, Du liest, Wir lernen - und ohne Pronomen klingt der Satz unvollständig. Im Japanischen genügt das Verb: ikimasu ("gehe/gehst/gehen wir") trägt die Zeit und die Höflichkeitsstufe, die Person erschließt sich aus dem Kontext.
Diese Eigenheit ist nicht nur eine grammatische Bequemlichkeit; sie ist ein kulturelles Muster. Wer mit wem spricht, ist im japanischen Alltag ohnehin stets präsent - im Büro, in der Familie, im Café. Eine japanische Konversation kommt mit weit weniger Pronomen aus als eine deutsche, weil die beteiligten Personen bereits klar sind. Für Deutschsprachige heißt das beim Lernen: weniger Vokabellast, weil das Personalpronomen-System klein ist, und mehr Aufmerksamkeit auf das, was tatsächlich im Satz passiert - Verb, Objekt, Richtung.
Aussprache und Silben: 46 Kana, 71 Laute
Die Aussprache des Japanischen ist für Sprecher romanischer Sprachen und für Deutschsprachige näher an der eigenen Aussprache, als man erwarten würde. Die japanischen Silben ähneln denen des Portugiesischen und des Deutschen stärker als die englischen - offene Silben aus Konsonant plus Vokal, ohne verschachtelte Konsonantencluster. Englisch kennt Wörter wie strength, through oder twelfths, deren Aussprache auch für Muttersprachler jahrelang trainiert werden muss. Im Japanischen gibt es nichts Vergleichbares: Jede Silbe ist kurz, klar und einem Laut zugeordnet.
Japanisch arbeitet mit etwa 109 Silben - weniger als die meisten Sprachen. Die Tonhöhe der Wörter verändert in der Regel nicht die Bedeutung; das Japanische ist also kein Tonsprachen-System wie Mandarin oder Vietnamesisch. Für Deutschsprachige ist das eine Erleichterung: Was in Mama und Papa gleich ausgesprochen wird, klingt im Japanischen ebenfalls gleich, unabhängig davon, ob die Stimme dabei steigt oder fällt.
Eine weitere Sache, die das Japanischlernen erleichtert: Es gibt nur 46 Kana - also Buchstabenarten - die zusammen 71 verschiedene Laute bilden. Wer Hiragana und Katakana beherrscht, kann jedes japanische Wort lesen, das keine Kanji enthält oder bei dem Furigana über den Kanji steht. Zwei Punkte (dakuten) und ein kleiner Kreis (handakuten) verändern einen stimmhaften Laut in einen stimmlosen oder erzeugen neue Silben. Aus ka wird ga, aus ha wird ba oder pa:
| か ka | き ki | は ha | ば ba | へ he |
| が ga | ぎ gi | ぐ gu | ぱ pa | ぺ pe |
Beherrscht man diese 46 Kana, ist man in der Lage, jedes Wort und jeden Text auf Japanisch zu sprechen und zu lesen, der keine Ideogramme enthält. Für die meisten Lernenden ist das innerhalb weniger Wochen machbar - schneller, als man es vom Griechischen oder vom Russischen mit seinen 33 Buchstaben kennt.

Wortbildung und Lehnwörter
Ein Punkt, der das Japanische zusätzlich entlastet, ist die offene Haltung gegenüber Lehnwörtern. Viele Begriffe stammen aus dem Englischen, viele aus dem Portugiesischen (über die Handelskontakte ab dem 16. Jahrhundert: pão zu pan für Brot, botan für Knopf), und einige aus dem Holländischen, Deutschen und Französischen. Solche Lehnwörter werden in Katakana geschrieben und sind im Alltag so präsent, dass viele Sätze zur Hälfte aus international bekannten Vokabeln bestehen.
Wer im Deutschen einigermaßen Englisch versteht, erkennt im Japanischen rasch Wörter wie terebijon (Television), konpyuutaa (Computer), supaamaketto (Supermarket) oder apaato (Apartment). Diese Wörter aus dem Englischen bilden zusammen mit dem chinesisch-japanischen Kanji-Wortschatz und dem einheimischen Wago eine dritte Schicht, die das Vokabellernen deutlich abkürzt - vorausgesetzt, man erkennt die japanische Aussprache der Lehnwörter.
Kanji: Hürde mit eigenem Sinn
Die Kanji sind die einzige Stelle, an der das Japanische seinem Ruf als schwierige Sprache gerecht wird. Etwa 2.000 Kanji braucht ein Erwachsener für Zeitung und Buch, rund 1.000 decken 90 Prozent des Alltagswortschatzes ab, und die JLPT-Niveau-Stufen verlangen zwischen 100 (N5) und etwa 2.000 Zeichen (N1). Wer alle Zeichen der 150 häufigsten Kanji beherrscht, kann bereits einen großen Teil des Alltags lesen.
Doch Kanji sind nicht bloßes Auswendiglernen. Viele bestehen aus Elementen und Formen, die einen Sinn ergeben, sobald man sie einmal sieht. Wie im Deutschen, wo Haus + Tür sich zu Haustür verbinden, fügen sich im Japanischen zwei Kanji zu einem neuen Wort zusammen. Die folgenden Beispiele zeigen, wie aus zwei einfachen Zeichen ein komplexes Wort entsteht:
- 手 (te, Hand) + 紙 (kami, Papier) = 手紙 (tegami, Brief) - zwei Kanji, ein konkreter Begriff;
- 木 (ki, Baum) - 林 (hayashi, Hain/Wald) - 森 (mori, dichter Wald): ein einziges Kanji, das durch Wiederholung eine Steigerung erfährt;
- 木 (ki, Baum) + 几 (tsukue, Tischähnliches) = 机 (tsukue, Schreibtisch) - zwei verschiedene Kanji verschmelzen zu einem neuen Zeichen, das mehr ist als die Summe seiner Teile.
Diese Logik macht Kanji nicht trivial, aber sie macht sie lernbar. Wer die wiederkehrenden Muster einmal verinnerlicht hat, kann neue Zeichen oft aus den Bestandteilen ableiten - ähnlich wie ein Deutscher, der Wörterbuch aus Wort und Buch versteht, ohne es je gehört zu haben.

Genug der Umschweife: Was am Ende zählt
Japanisch ist nicht "leicht" im Sinne von "ohne Arbeit". Wer die Sprache ernsthaft lernen will, muss Zeit investieren, die richtige Motivation mitbringen und sich auf eine andere Logik einlassen. Aber: Die größten Hürden - Deklination, Plural, Artikel, Geschlecht, Konjugation nach Person, Tonhöhen - existieren im Japanischen schlicht nicht. Wer einmal verstanden hat, dass iku im Präsens iku bleibt und im Präteritum zu itta wird, hat die zentrale grammatische Regel der Sprache verstanden.
Die Komplexität des Japanischen liegt anderswo: in den Kanji, in der Wortstellung (Subjekt - Objekt - Verb statt Subjekt - Verb - Objekt), in der höflichkeitsabhängigen Sprache, in den Zählwörtern und in den regionalen Dialekten. Wer im JLPT-System Fortschritte macht, merkt allerdings schnell: Das, was die Sprache am Anfang abschreckend wirken lässt, ist nicht das, was am längsten braucht.
Was denken Sie: Wie schwer oder leicht ist Japanisch aus Ihrer Sicht - im Vergleich zu anderen Sprachen, die Sie gelernt haben?
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