Wie ist Ostern in Japan? Warum feiern die Japaner nicht?

Wie ist Ostern in Japan? Warum feiern die Japaner nicht?

Hase, Ei und 復活祭 — und warum das Fest neben Kirschblüte und Schulstart untergeht.

Ostern ist in Japan nicht so beliebt wie in anderen Ländern; viele Menschen wissen überhaupt nicht, dass es existiert. Weihnachten dagegen, obwohl ebenfalls ein christliches Fest, kennt fast jeder — nur eben auf japanische Art.

Warum der Hase und das Ei den Sprung nicht geschafft haben, während der Weihnachtsbaum jedes Jahr die Straßen erobert, erklärt sich erst, wenn man sieht, was in Japan im März und April wirklich zählt.

Ostern heißt auf Japanisch fukkatsusai [復活祭], wobei fukkatsu Auferstehung bedeutet und sai Fest. Der Tag wird auch iisutaa [イースター] genannt, entlehnt vom englischen Easter.

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Ostern bleibt der Bevölkerung fremd

Weihnachten ist in Japan sehr beliebt geworden und wurde zu einer Art Valentinstag und einem sehr kommerziellen Fest — bedingt durch Aspekte, die wir im Artikel zu Weihnachten in Japan schon ausgebreitet haben.

Ostern dagegen wurde weder populär noch wirklich kommerziell. Es gibt nur wenige Produkte zu kaufen, und manche Japaner wissen nicht einmal, worum es dabei geht. Einige verwechseln das englische Wort Easter sogar mit Stern.

Bunte Ostereier und ein Osterhase als westliches Frühlingsmotiv

Das Fest hat sich auch deshalb nicht durchgesetzt, weil Japaner zu Feiertagen nicht dieselbe Geschenkekultur pflegen wie der Westen. Sie schenken ohnehin oft, wenn sie jemanden besuchen oder sich bedanken — selbst zu Weihnachten ist der große Pakettausch nicht die Regel.

Das Datum, das den Austausch von Süßigkeiten wirklich popularisiert hat, war der Valentinstag und der White Day. Im Februar und März wandert die Schokolade schon durch Büros und Schulen. Was soll da noch ein weiteres Fest mit Hasen und Kakao?

Dazu kommt etwas, das im Westen oft untergeht: Ostern ist in Japan kein gesetzlicher Feiertag. Die 16 shukujitsu [祝日] kennen Neujahr, den Frühlingsanfang und die Goldene Woche — Karfreitag und Ostersonntag stehen nicht auf der Liste. Wer frei haben will, nimmt Urlaub oder hat Glück, wenn der Sonntag passt.

Der Anteil der Christen liegt bei rund einem Prozent der Bevölkerung. Die Gemeinden sind klein, und außerhalb von ihnen fehlt der Boden, auf dem sich Osterbräuche von allein halten.

Warum Weihnachten siegt

Weihnachten hat einen festen 25. Dezember. Ostern wandert. In einem Land, das Saisons und Kampagnen lieber an stabile Daten hängt, ist ein Fest nach dem Mondkalender schwer zu vermarkten. Den Weihnachtsbaum kann man im November aufstellen; den Hasen muss man jedes Jahr neu terminieren.

Schlimmer noch: März und April sind in Japan schon voll. Firmen versetzen Mitarbeiter, das Schul- und Geschäftsjahr beginnt im April, und draußen steht das Hanami. Kirschblüte, Umzugskartons und Aufnahmezeremonien schlagen den Osterhasen ohne große Mühe.

Was man in Japan trotzdem sieht

Das Interesse nimmt von Jahr zu Jahr zu. Manche Geschäfte stellen Produkte und Süßigkeiten mit Ostermotiv auf und verkaufen sie auch. Meistens haben diese Häuser eine internationale Kundschaft oder gehören zu großen Marken.

Disney gehört zu den Firmen, die Ostern in Japan über spezielle Events in den Parks sichtbar machen. In Convenience Stores und Cafés tauchen gelegentlich limitierte Packungen auf — Ei-Form, Hase, Pastell. In Parks großer Städte gibt es manchmal Eiersuchen für Kinder; internationale Schulen und Hotels veranstalten egg hunts.

Wer zur Osterzeit reist, sollte keine geschlossenen Läden und keine Familienfeier auf der Straße erwarten. Der Alltag läuft weiter. Sichtbar wird das Datum vor allem dort, wo Touristen, Expats und Themenparks sich treffen — nicht im Vorort-Supermarkt.

Ostern ist im Kern das Fest der Auferstehung Jesu Christi. Dass daraus im Westen Hasen und Schokolade geworden sind, finde ich selbst absurd. Genau diese weichen Motive sind aber das Einzige, was in Japan überhaupt ankommt: niedlich, saisonal, ohne Kirche.

Jedes Land feiert anders. Manche Länder setzen nicht auf Eier, sondern auf andere Gerichte. Genauso haben die Christen in Japan ihre eigene Art, den Tag zu begehen — ohne darauf zu warten, dass das Marketing mitzieht. Die Gemeinden feiern Gottesdienste; wer die Auferstehung ernst nimmt, braucht dafür keinen Schokohasen im Regal.

Japanischer Wortschatz zu Ostern

  • 復活祭 — Fukkatsu-sai — Ostern
  • イースター — Iisutaa — Easter
  • ハッピーイースター — Happii Iisutaa — Frohe Ostern
  • イエス・キリスト — Iesu Kirisuto — Jesus Christus
  • チョコレート — Chokoreeto — Schokolade
  • うさぎ — Usagi — Hase
  • 卵 — Tamago — Ei

Fruchtbarkeit im April, ohne Ostern zu sein

Das Fruchtbarkeitsfest in Japan, das am ehesten in denselben Wochen liegt, ist das Kanamara Matsuri in Kawasaki, auch „Festival des Stahlpenis“ genannt. Prozessionen mit großen Phallusskulpturen, Gebete um Fruchtbarkeit, Schutz und Nachwuchs — ein shintoistisches Frühlingsfest, kein Ersatz für die Auferstehung.

Beide Termine können Anfang April zusammenfallen und spielen mit Leben, Wiederkehr und Fruchtbarkeit. Beim Kanamara tragen die Teilnehmer Skulpturen; bei Ostern stehen Ei und Hase für neues Leben im Frühling. Die Symbole ähneln sich aus der Ferne. Die Herkunft tut es nicht.

Wer die beiden Feste in einen Topf wirft, macht es sich zu leicht. Aber es erklärt, warum ein westlicher Fruchtbarkeitshase in Japan nicht in ein leeres Feld fällt: der Frühling ist hier schon besetzt, nur eben mit Kirschblüte und Matsuri, nicht mit der Kirche.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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