Kindertag in Japan: Kodomo no Hi, Hina Matsuri und Shichi-Go-San

Kindertag in Japan: Kodomo no Hi, Hina Matsuri und Shichi-Go-San

Warum Japan den Kindertag auf mehrere Bräuche verteilt – und nur der 5. Mai wirklich frei ist.

Wer in Deutschland nach dem Kindertag sucht, landet bei einem Datum. In Japan reicht oft ein Blick auf die Dächer im Mai: dort schwimmen Karpfenfahnen über der Goldenen Woche, als gehöre das ganze Land für einen Tag den Kindern. Der Haken ist leiser – Kodomo no Hi trägt den gesetzlichen Namen Kindertag, aber die Bräuche dahinter sind älter als das Gesetz.

Was 1948 als nationaler Feiertag festgeschrieben wurde, sitzt auf dem Tango no Sekku, dem alten Fest des fünften Tages im fünften Monat. Die Karpfen, die Miniaturrüstungen und das Mochi im Eichenblatt erzählen noch diese Vorgeschichte – und sie erklären, warum der 5. Mai mehr ist als ein freier Tag im Kalender.

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Kodomo no Hi – Kindertag am 5. Mai

Kodomo no Hi (こどもの日) heißt wörtlich Kindertag und fällt auf den 5. Mai, den letzten großen Feiertag der Goldenen Woche. An diesem Tag hängen Familien Koinobori auf, Karpfenfahnen aus Stoff, die im Wind wie Fische schwimmen: Stärke, Ausdauer und den Wunsch, dass Kinder gegen den Strom zurechtkommen.

Im Feiertagsgesetz von 1948 steht das Ziel klar: die Persönlichkeit der Kinder achten, ihr Glück fördern und der Mutter danken. Das Gesetz vom 20. Juli 1948 hat den 5. Mai zum nationalen Feiertag gemacht. Andere Kinderfeste in Japan bleiben Brauch im Familienkalender – frei ist an diesem Tag nur Kodomo no Hi.

Bekannt ist das Datum auch als Tango no Sekku (端午の節句). Bis 1948 galt es vor allem als Jungentag; die Umbenennung in Kindertag sollte alle Kinder einschließen. Die Bilder sind trotzdem oft noch die alten: Familien stellen Samurai-Puppen, Rüstungen und Helme auf, Gogatsu Ningyō, und erinnern an Helden wie Kintarō, Momotarō und Shōki.

Traditionell steht oben ein schwarzer Karpfen (Magoi) für den Vater, darunter ein roter (Higoi) für die Mutter, dazu kleinere bunte Karpfen für jedes Kind. Das Kinderlied selbst nennt den großen Magoi den Vater und die kleinen Higoi die Kinder – die Mutterfahne ist die spätere, familiäre Lesart.

Gegessen werden Chimaki, Klebreis in Bambusblättern, und Kashiwa-Mochi, Mochi im Eichenblatt. Das Blatt fällt erst, wenn das neue treibt – deshalb gilt es als Wunsch, dass die Linie nicht abreißt. In manchen Häusern kommt noch Shōbu-yu dazu: ein Bad mit Schwertlilien, weil die Blätter an Klingen erinnern und Unheil abwehren sollen. Dazu wird das Karpfenlied Koinobori-uta gesungen.

Bunte Koinobori-Karpfenfahnen zum Tango no Sekku
Tango no Sekku – Kodomo no Hi

Koinobori-uta – das Karpfenlied

Yane yori Takai koinobori.
Okii magoi otoosan wa.
Chisai higoi wa kodomotachi.
Omoshiro soni oyideru.

irakanano namito kumono nami
kasanarunamino nakazorawo
tachibanakaoru asakazeni
takaku oyoguya koinobori

hirakeruhiroki sonokuchini
funewo monoman samamiete
yutakani furuu obireniwa
mononi dousenu sugataari

Lächelnde Kinder in festlicher Stimmung zum Kindertag
Kinder am Kodomo no Hi

Hina Matsuri – das Mädchenfest am 3. März

Der 3. März heißt Hina Matsuri (雛祭り) oder Hina no Sekku, auch Momo no Sekku nach den Pfirsichblüten. Die Blüten erinnern an ein langes, geschütztes Leben der Mädchen. Es ist kein gesetzlicher Feiertag – und genau deshalb bleibt es ein Hausfest: Puppen, Treppe, Süßes, ohne dass das Land stillsteht.

Das Hina Matsuri wird traditionell durch eine Ausstellung von Puppen markiert, die seit Generationen von Mutter zu Tochter weitergegeben werden. Die Puppen stehen jedes Jahr auf einem Altar mit rotem Tuch, oft in sieben Stufen.

Ein vollständiger Satz umfasst gewöhnlich 15 Puppen in der Hofkleidung der Heian-Zeit (794–1185): Kaiser und Kaiserin oben, dann Hofdamen, Musiker und Minister. Im Glauben der Familien können die Puppen Unheil, Krankheit und böse Geister aufnehmen – deshalb sollen sie nach dem Fest auch wieder weggeräumt werden.

Zum Trinken gehört Shirozake, ein süßer weißer Reiswein. Anders als oft gedacht ist Shirozake alkoholisch; für Kinder steht meist Amazake auf dem Tisch, vor allem die Variante aus Kōji ohne Alkohol. Dazu kommen Hina-Arare, bunte Reiskekse, Hishimochi, Sakuramochi, Chirashizushi mit buntem Belag aus Ei, Gemüse und Fisch, und die Muschelsuppe Hamaguri Ushio-jiru.

Traditionelle Hina-Ningyō-Puppen in Heian-Hofkleidung
Hina-Ningyō zum Mädchenfest

Das Mädchenfest hat auch sein eigenes Lied: Ureshii Hina Matsuri.

Ureshii Hina Matsuri – der Text

Akari wo tsukemashou bonborini
Ohanawo aguemashou momo no hana
Go’nin bayashi no fue taiko
Kyou wa tanoshii Hinamatsuri

Odairisama to Ohinasama
Futari narande sumashigao
Oyome ni irashita neesama ni
Yoku nita kanjono shiroikao

Kin no Byoubuni utsuru hi wo
Kasukani yusuru haru no kaze
Sukoshi shirozake mesaretaka
Akai okaono udaijin

Kimono wo kikaete obi shimete
Kyou wa watashi mo haresugata
Haru no yayoi no kono yoki hi
Nani yori ureshii hinamatsuri

Shichi-Go-San [753] – das Fest der Sieben, Fünf und Drei

Der Shichi-Go-San (七五三) findet jedes Jahr am 15. November statt. Der Name schreibt sich mit den Kanji für sieben, fünf und drei, weil Eltern ihre drei- und siebenjährigen Töchter und ihre drei- und fünfjährigen Söhne zum Schrein bringen: um Gesundheit, Wachstum und Glück zu bitten.

Ein zweiter Grund für den Schreinbesuch ist die Abwehr böser Geister, obwohl diese Praxis auch außerhalb des Shichi-Go-San üblich ist. Da der Tag kein gesetzlicher Feiertag ist, wird er, wenn der 15. auf einen Werktag fällt, oft am nächsten Wochenende begangen.

Kind in festlicher Kleidung beim Shichi-Go-San
Shichi-Go-San im November

Bei diesem Fest gehen die Kinder meist im Kimono oder in formeller westlicher Kleidung, viele zum ersten Mal, und erhalten Amulette und ihre Chitose-ame (千歳飴), das Bonbon der tausend Jahre.

Die Chitose-ame ist ein langes, dünnes, rot-weißes Bonbon, gewickelt in essbares Reispapier, so dünn, dass es wie Plastik wirkt. Dasselbe wird mit Langlebigkeit verbunden und kommt in einer kleinen Tüte, verziert mit Kranich und Schildkröte, den klassischen Symbolen langen Lebens. Der Glaube sagt, das Bonbon schenke den Kindern, die es bekommen, tausend Jahre Glück.

Warum gerade sieben, fünf und drei? Zum einen gelten ungerade Zahlen in der ostasiatischen Zahlenlehre als glücklich. Zum anderen markieren diese drei Altersstufen die deutlichsten Schwellen der frühen Kindheit.

Fünfjähriges Kind in festlicher Kleidung beim Shichi-Go-San
Shichi-Go-San und ein fünfjähriges Kind

Wie Shichi-Go-San entstanden ist

Das Fest wurzelt in der Heian-Zeit (794–1185), als Adlige das Wachstum ihrer Kinder an einem als glücklich geltenden Novembertag feierten. Der 15. November setzte sich später als fester Brauchtag durch; in der Edo-Zeit (1603–1868) wurde daraus ein Volksfest. In der Meiji-Zeit (1868–1912) lockerten sich einige ältere Regeln.

Früher war der Ablauf strenger. In der Samurai-Zeit galt der Glaube, Kinder müssten bis zum dritten Jahr die Haare kurz halten und dürften sie erst nach dem Fest wachsen lassen. Mit drei Jahren kamen die Mädchen zum ersten Mal in einen oft blumigen Kimono, mit sieben Jahren trugen sie den Obi zum ersten Mal darüber. Die Jungen zogen mit fünf Jahren ihr erstes Hakama an.

In der Meiji-Zeit wurden die Familien nachsichtiger: selbst Dreijährige erschienen in voller festlicher Kleidung, und das Rasieren der Kinderhaare trat zurück.

Hinter der Pracht steckt ein melancholischer Grund. Die Kindersterblichkeit war hoch, und das Fest war der Versuch der Adligen, im gemeinsamen Glauben eine Antwort zu finden. Japan hat diese Not hinter sich gelassen – der Brauch ist geblieben.

Wer die drei Daten nebeneinanderlegt, sieht den Unterschied sofort:

  • 3. März – Hina Matsuri: Mädchenfest, kein gesetzlicher Feiertag.
  • 5. Mai – Kodomo no Hi: gesetzlicher Kindertag, Teil der Goldenen Woche.
  • 15. November – Shichi-Go-San: Schreinbesuch für 3, 5 und 7 Jahre, oft am nächsten Wochenende.

Sekai Kodomo no Hi – der Weltkindertag

Die Vereinten Nationen haben 1954 den internationalen Kindertag auf den 20. November gelegt, den Ländern aber das eigene Datum überlassen. Japan hat den 5. Mai gewählt. Wer die anderen Matsuri des Jahres danebenlegt, merkt: Kindheit hat in Japan mehr als einen Kalendereintrag – und nur einer davon hält das Land an.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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