Reis steckt in Japan nicht nur im Schüsselchen – er gärt, röstet und destilliert sich auch in die Tasse und ins Glas. Wer Sake kennt, ahnt oft nicht, wie breit die Familie der Reisgetränke wirklich ist.
Neben klarem Nihonshu gibt es milde Süße, trüben Brei, gerösteten Tee und destillierte Brände. Hier fünf Beispiele, die man im Alltag und bei Festen immer wieder trifft: Sake, Amazake, Genmaicha, Nigorizake sowie Shōchū und Awamori.
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Sake
Die meisten kennen Sake [酒] – genauer oft Nihonshu – als alkoholisches Getränk aus fermentiertem Reis. Bei großen Feierlichkeiten wie Neujahr und bei shintoistischen Zeremonien wird er oft warm getrunken; der Alkoholgehalt liegt typischerweise um die 15–16 %.
Sake basiert im Kern auf Reis, Wasser, Kōji und Hefe. Man trinkt ihn gekühlt, bei Zimmertemperatur oder angewärmt – je nach Stil und Jahreszeit. Es gibt Tausende Marken und Stile. Mehr dazu im Artikel über Sake (Nihonshu).

Amazake
Amazake (甘酒) heißt wörtlich „süßer Sake“, ist aber meist alkoholfrei oder nur leicht alkoholisch. Zur Herstellung braucht man Kōji (Aspergillus oryzae), Wärme, Feuchtigkeit und Getreide – in der Regel Reis. Es gibt Varianten aus Kōji-Reis und aus Sake-Kasu, den Rückständen der Sake-Herstellung.
Durch den Fermentationsprozess entsteht eine natürliche Süße, die auch Desserts und anderen Gerichten beigegeben werden kann. Amazake gehört zu Zeremonien und Festen – etwa zum Neujahr an Schreinen oder zum Kinderfest Kodomo no Hi.

Genmaicha
Genmaicha (玄米茶) ist grüner Tee mit geröstetem braunem Reis. Manchmal heißt er „Popcorn-Tee“, weil einzelne Körner beim Rösten aufplatzen.
Der Aufguss ist hellgelb, der Geschmack mild: grüner Tee trifft auf geröstetes Reis-Aroma. Historisch half der Reis, den Tee zu strecken und günstiger zu machen – heute trinkt man Genmaicha vor allem wegen des nussigen Geschmacks.

Nigorizake
Nigorizake (濁り酒), oft kurz Nigori, ist ein trüber Sake: Während klarer Sake fein filtriert wird, bleibt bei Nigori ein Teil der Reisfeststoffe erhalten. Das Getränk wirkt cremig, oft etwas süßer und fruchtiger.
Nicht verwechseln mit Doburoku (濁酒): Doburoku wird praktisch unausgepresst abgefüllt und gilt rechtlich oft nicht als klassischer Seishu-Sake. Nigori dagegen wird grob gepresst und zählt als Sake – beide sind trüb, aber unterschiedlich hergestellt.

Shōchū und Awamori
Shōchū (焼酎) ist ein destilliertes Getränk – je nach Sorte aus Gerste, Süßkartoffel, Reis oder anderen Rohstoffen, häufig um die 25 % Alkohol. Reis-Shōchū (kome shōchū) gehört damit klar in die Familie der Reisgetränke, auch wenn nicht jeder Shōchū aus Reis stammt.
Awamori (泡盛) ist das destillierte Spezialgetränk Okinawas: oft aus thailändischem Langkornreis und mit einem anderen Kōji-Pilz gebraut, mit Alkoholgehalten von etwa 25 % bis über 40 %. Mehr zum Vergleich mit koreanischem Soju im Artikel Soju und Shōchū.
Daneben gibt es weitere Reisgetränke und Varianten – von milchig-süßen Fermenten bis zu regionalen Bränden. Die Technik ist oft verwandt, der Geschmack und der Anlass unterscheiden sich. Wenn du ein Glas oder eine Tasse holst, lohnt ein Blick auf die Zutaten: Reis steckt häufiger drin, als man denkt.
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