14 Benimmregeln in Japan

Von der Visitenkarte bis zum Onsen: 14 japanische Höflichkeitsregeln, die im Alltag und im Beruf den Unterschied machen

Kennen Sie die Etiketteregeln in Japan, die für den respektvollen Umgang im Alltag entscheidend sind? In diesem Artikel sprechen wir genau über die japanischen Benimmregeln, die auch als Nihon no kihon reigi sahō [日本の基本礼儀作法] bekannt sind.

Visitenkarte in Japan

Sie ist bei formellen Vorstellungen bei Lehrern, Geschäftsleuten und sogar Journalisten unverzichtbar. Das Meishi [名刺], wie es auf Japanisch heißt, darf beim Kennenlernen und beim Knüpfen neuer Kontakte zu einer für Ihre Arbeit relevanten Person nicht fehlen.

Es ist sinnvoll, seine Visitenkarte auf der einen Seite auf Deutsch oder Englisch und auf der Rückseite auf Japanisch zu haben, um Missverständnisse zu vermeiden. Wer zu Besuch kommt, sollte seine Karte zuerst und immer der ranghöchsten Person überreichen. Halten Sie die Karte stets mit beiden Händen und richten Sie die Schriftseite zum Empfänger.

Meishi – eine Visitenkarte, die in Japan bei formellen Treffen mit beiden Händen und mit der lesbaren Seite zum Empfänger überreicht wird

Handys in Japan

In öffentlichen Verkehrsmitteln ist es am besten, das Telefon lautlos zu stellen oder ganz auszuschalten. Dringende Kurznachrichten sind erlaubt. In Kinos, Theatern und Krankenhäusern ist es streng verboten, das Handy eingeschaltet zu lassen. Im Krankenhaus muss man besonders aufpassen, um keine Störung medizinischer Geräte zu verursachen.

Wir haben bereits einen ausführlichen Artikel über die Besonderheiten von Handys in Japan veröffentlicht. Wenn Sie ihn lesen, werden Sie sehen, dass viele Japaner bis heute Klapphandys (sogenannte Garake) bevorzugen.

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Japaner im öffentlichen Nahverkehr, viele blicken auf ihre Handys – in Zügen gilt die Regel, das Telefon lautlos zu stellen

Aufzüge in Japan

Die Hierarchie innerhalb eines Büros wird in Japan sehr respektiert. Das zeigt sich bei der Sitzordnung im Büro und sogar im Aufzug. Vorgesetzte stehen oder sitzen stets am weitesten von der Tür entfernt, die rangniedrigeren Mitarbeiter befinden sich näher am Ein- und Ausgang. Dieselbe Regel gilt übrigens auch beim Parken von Fahrzeugen.

In Japan gibt es zudem einen ausgeprägten Aberglauben rund um Zahlen. Die Etagen 4 und 9 werden gemieden, weil sie an Tod und Dunkelheit erinnern. An manchen Orten fehlen diese Stockwerke daher in der Aufzugbeschriftung.

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Japanischer Aufzug mit Schildern für die richtige Position und Hierarchie beim Einsteigen

Einsteigen in den Zug

Jede Art öffentlicher Nahverkehr in Japan folgt klar definierten Regeln beim Ein- und Aussteigen. Die Beschilderung wird genau beachtet, selbst zu den Stoßzeiten.

Sobald die Türen des Zuges öffnen, warten Sie, bis alle Fahrgäste im markierten Bereich ausgestiegen sind. Erst dann steigen Sie gemeinsam mit den anderen ein. Eine Besonderheit: Auf den Treppen der Bahnhöfe lässt man in Tokio die rechte Seite frei für Eilige. In Osaka hält man sich dagegen links.

Japanischer Bahnsteig mit Bodenmarkierungen, die den Bereich zum Aussteigen und Einsteigen in den Zug klar trennen

Lärm beim Essen

Während im Westen leises Essen als selbstverständlich gilt, zeigt man in Japan seine Zufriedenheit mit einer Mahlzeit gerne mit deutlichem Schlürfen – vor allem bei Gerichten mit Brühe wie Ramen und Soba.

Das heißt nicht, dass Sie laut schmatzen sollen. Es geht nicht darum, mit offenem Mund zu kauen – beim Nudelschlürfen dürfen Sie sich in Japan einfach entspannen.

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Eine dampfende Schale Ramen mit Nudeln, Brühe und Belag – in Japan gehört hörbares Schlürfen dazu

Beim Gebrauch von Hashi in Japan

Die Hashi, die zwei Stäbchen, mit denen in Japan gegessen wird, haben ihre eigenen Regeln. Es ist unhöflich, sie beim Halten von Speisen zu kreuzen. Die übliche Etikette ist, die Reisschüssel mit der linken Hand zu halten und die rechte Hand zu benutzen, um das Essen mit den Stäbchen aufzunehmen.

Stecken Sie die Hashi niemals senkrecht in den weißen Reis in einer Chawan (Schüssel). Diese Geste gilt bei den Japanern als schlechtes Omen und ist zudem unfein. Legen Sie die Stäbchen stattdessen auf den dafür vorgesehenen Ständer (Hashioki), wenn Sie sie gerade nicht brauchen.

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Japanische Hashi – Essstäbchen aus Holz, hier zusammen mit einer Schale und einem Stäbchenhalter

Teepause

In vielen japanischen Haushalten wird Gästen je nach Vorliebe grüner Tee, Kaffee oder schwarzer Tee angeboten. Grünen Tee trinken die Japaner weder mit Zucker noch mit Milch. Häufig wird er zusammen mit einem traditionellen Wagashi gereicht.

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Japanische Teezeremonie: eine dampfende Schale Matcha neben traditionellen Süßigkeiten auf einem Tablett

Essen gehen in Japan

Viele Restaurants zeigen in ihren Schaufenstern Wachsrepliken der Gerichte, die sie servieren. Man kann direkt aus diesen Nachbildungen oder aus den Fotos der Speisekarte wählen. Trinkgeld zu geben ist in Japan nicht üblich.

Schaufenster eines japanischen Restaurants mit täuschend echten Wachsrepliken verschiedener Gerichte in einer Vitrine

Schuhe in Japan ausziehen

Schuhe im Haus? Daran ist gar nicht zu denken. Bereits in den ersten Schuljahren stellen Kinder ihre Schuhe in persönlichen Schließfächern ab und ziehen Hausschuhe oder Sandalen an, je nach Einrichtung.

Es lohnt sich daher, stets saubere Innenschuhe dabeizuhaben und beim Tragen von Socken darauf zu achten, dass diese in gutem Zustand sind. Barfuß in fremden Wohnungen zu stehen ist in Japan kaum zu vermeiden.

Reihe ordentlich abgestellter Schuhe am Eingang eines japanischen Hauses, bereit zum Hineinwechseln auf Hausschuhe

Sake trinken

Grundregel beim Trinken mit Japanern: Ihr Glas bleibt nie leer. Normalerweise schenken sich die Anwesenden gegenseitig ein – sich selbst einzuschenken ist unüblich. Alle achten auf die Gläser der anderen und füllen nach, sobald sie leer werden.

Wenn Sie nicht so viel trinken möchten, trinken Sie daher am besten in kleinen Schlucken. Die Japaner genießen neben Sake auch Bier, Wein und Whisky.

Kleine Sake-Becher (Ochoko) auf einem Tablett, bereit für eine gemeinsame Runde unter Gästen

Am Tisch sitzen

Vor der Mahlzeit sagen alle Itadakimasu, danach Gochisousama deshita. Beide Sätze drücken Wertschätzung für das Essen aus. In privaten Haushalten werden in der Regel mehrere kleine Gerichte für jeden Gast serviert.

Die einzelnen Portionen werden auf einem festgelegten Platz angerichtet: gegartes Gemüse oben links, Gemüse mit japanischer Würze oben rechts, gegrillter Fisch in der Mitte, gedämpfter Reis unten links, japanische Pickles in der Mitte unter dem Fisch, Sojasuppe und die Hashi ganz unten, am nächsten bei der essenden Person.

Auf einem japanischen Tisch sind mehrere kleine Schalen mit Reis, Fisch, Gemüse und Suppe nach fester Ordnung angerichtet

Tempel in Japan besuchen

Tempel und Schreine in Japan sind Orte, um die Natur zu bewundern und zu beten. Beim Besuch eines Shinto-Schreins lohnt es sich, einige Regeln zu kennen: zwei Verbeugungen, zwei Handklatschen, eine Verbeugung. So bringen Sie Ihren Dank und Ihre Bitten an die Götter zum Ausdruck.

Ein traditioneller japanischer Schrein mit Holzgebäuden und steinerner Laterne, umgeben von Bäumen

Einen Freund besuchen

Besuchen Sie einen Freund am Morgen, begrüßen Sie ihn mit Ohayou gozaimasu. Am Nachmittag sagen Sie konnichiwa, am Abend konbanwa.

Der Gastgeber kann mit ohairi kudasai („bitte treten Sie ein“) antworten, um Sie einzuladen. Sobald Sie durch die Haustür gehen, sagen Sie ojama shimasu – das bedeutet so viel wie „Entschuldigung, dass ich Ihr Heim betrete“. Denken Sie dabei unbedingt daran, vorher die Schuhe auszuziehen.

Eingang eines japanischen Hauses mit abgelegten Schuhen, einer Schwelle und dem Übergang zu Innenschuhen

Beim Besuch eines Onsen in Japan

Grundregel: Gehen Sie zunächst in die Umkleidekabinen, ziehen Sie Ihre Kleidung aus und wickeln Sie sich in das bereitliegende Handtuch. Manche Gäste ziehen zusätzlich Badebekleidung an, bevor sie in den Onsen steigen.

Anders als in den Sentō (öffentliche Bäder), die nach Geschlechtern getrennt sind, heißen einige Onsen – da sie als natürliche Becken im Freien angelegt sind – Frauen und Männer gemeinsam willkommen. In den meisten Onsen geht man vollständig nackt ins Wasser. Handtücher und Badekleidung bleiben draußen.

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Kevin Henrique

Über den Autor: Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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