Itadakimasu (いただきます) sagt man in Japan vor dem Essen, gochisōsama deshita (ごちそうさまでした) danach. Beide Ausdrücke werden oft sehr frei mit „Guten Appetit“ und „Danke für das Essen“ wiedergegeben. Das hilft im Gespräch, trifft aber ihren Kern nicht ganz: Es geht um Dankbarkeit für die Mahlzeit, die Zutaten und die Menschen, durch deren Arbeit sie auf dem Tisch steht.
Wer zum ersten Mal in einem japanischen Restaurant isst, muss daraus kein starres Ritual machen. Ein leises itadakimasu, bevor man beginnt, und ein freundliches gochisōsama deshita nach dem Essen sind passende und verständliche Gesten. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Das erste gehört vor die Mahlzeit, das zweite danach.
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Was bedeutet Itadakimasu?
Itadakimasu ist die höfliche Form von itadaku (頂く), einem bescheidenen „empfangen“. Deshalb ist „Ich empfange demütig“ näher an der wörtlichen Bedeutung als „Lasst uns essen“. Vor einer Mahlzeit drückt der Satz aus, dass man das Essen nicht als selbstverständlich ansieht.
Die Dankbarkeit kann sich zugleich auf mehrere Dinge richten: auf die Zutaten, auf die Menschen, die angebaut, transportiert oder gekocht haben, und auf die Person, die serviert. Genau deshalb passt die Redewendung nicht als Zuruf an jemanden, der gerade essen will. Sie wird von der Person gesagt, die die Mahlzeit erhält und nun beginnt zu essen.

Viele Menschen legen dabei die Handflächen locker vor der Brust zusammen und nicken kurz. Diese Geste ist verbreitet, aber kein Test, den Besucher perfekt nachmachen müssen. In einem privaten Haushalt folgt man am besten dem Rhythmus der Gastgeber. In einer Gruppe wartet man, bis alle ihr Essen haben; dann beginnt man gemeinsam.
Wann sagt man Itadakimasu?
Am klarsten ist die Verwendung direkt vor einer Mahlzeit: zu Hause, in der Kantine, bei Freunden oder im Restaurant. Auch bei einem kleinen Snack oder Getränk kann die Wendung passen, wenn man es gerade entgegennimmt. Sie ist jedoch keine universelle Formel für jedes „Danke“. Bei Komplimenten, einer Erlaubnis oder einem Rat klingt ein schlichtes arigatō gozaimasu meist natürlicher.
Das Wort hilft also weniger als Übersetzungskarte, sondern eher als Orientierung für eine Situation: Essen liegt bereit, alle können anfangen, und man nimmt die Mahlzeit dankbar an. Wenn Sie mehr über Begriffe rund ums Essen lernen möchten, finden Sie hier einen Überblick zu japanischen Speisen und ihrer Aussprache.

Was bedeutet Gochisōsama deshita?
Nach dem Essen sagt man gochisōsama deshita. Die Form deshita steht in der Vergangenheit und macht deutlich: Die Mahlzeit ist beendet. Sinngemäß bedankt man sich für das Essen und für die Mühe dahinter. Unter Freunden oder in der Familie hört man oft die kürzere Form gochisōsama; gochisōsama deshita wirkt höflicher und passt gut zu Gastgebern oder Restaurantpersonal.
Das Wort gochisō wird mit 馳走 geschrieben und ist mit der Vorstellung verbunden, für Gäste Aufwand zu betreiben und Zutaten zu beschaffen. Heute muss niemand diese Geschichte beim Sprechen mitdenken. Sie erklärt aber, warum die Redewendung mehr meint als eine Bewertung wie „Das war lecker“: Sie würdigt auch Vorbereitung und Gastfreundschaft.

Im Restaurant und bei Gastgebern
In einem kleinen Restaurant können Gäste beim Verlassen des Lokals ein gochisōsama deshita in Richtung Küche oder Kasse sagen. Bei einem Essen zu Hause richtet sich der Dank an die Gastgeberin, den Gastgeber oder alle, die gekocht haben. Ein aufrichtig gesprochenes Wort genügt; lautes Auftreten oder eine übertriebene Verbeugung ist nicht nötig.
Die beiden Redewendungen ersetzen außerdem keine anderen Tischregeln. Wer mit Stäbchen isst, sollte sie nicht aufrecht in Reis stecken und nicht mit ihnen auf andere zeigen. Weitere praktische Hinweise finden Sie in unseren Regeln für das Essen mit Hashi.
Häufige Missverständnisse vermeiden
Die Übersetzung „Guten Appetit“ ist praktisch, kann aber in die falsche Richtung führen. Mit „Guten Appetit“ wünscht man einer anderen Person eine angenehme Mahlzeit. Itadakimasu sagt dagegen die Person, die selbst gleich isst. Ebenso ist gochisōsama deshita kein Urteil über den Geschmack, sondern ein Dank nach der Mahlzeit.
Auch die Geste ist kein Wettbewerb. Handflächen zusammenlegen und kurz nicken kann passend sein; ein ruhiges Wort genügt aber. Wer unsicher ist, schaut auf Gastgeber und andere Gäste. Respekt zeigt sich hier vor allem darin, den Moment nicht zu übertreiben und niemanden mit vermeintlich festen Regeln zu belehren.
Aussprache und kurze Merkhilfe
- Itadakimasu – いただきます – vor dem Essen.
- Gochisōsama – ごちそうさま – lockerer Dank nach dem Essen.
- Gochisōsama deshita – ごちそうさまでした – höflicher Dank nach dem Essen.
Das lange ō in gochisōsama darf man beim Sprechen leicht verlängern; auf Japanisch wird es häufig als ごちそうさま geschrieben. Machen Sie sich nicht verrückt, wenn die Aussprache noch nicht perfekt sitzt. Wer die Wörter im richtigen Moment mit ruhigem Ton verwendet, zeigt bereits Aufmerksamkeit für die Situation.
Muss man die Ausdrücke immer sagen?
Nein. Die Gewohnheiten unterscheiden sich je nach Familie, Generation und Situation. Manche sprechen die Worte deutlich, andere sehr leise oder gar nicht. Daraus lässt sich keine feste Regel über alle Menschen in Japan ableiten. Als Gast ist es sinnvoller, aufmerksam zu beobachten und die Ausdrücke als höfliche Möglichkeit zu verstehen, nicht als Pflichtprogramm.
Gerade darin liegt ihr praktischer Wert: itadakimasu markiert einen dankbaren Beginn, gochisōsama deshita einen freundlichen Abschluss. Wer beide auseinanderhalten kann, versteht einen kleinen, aber alltäglichen Teil japanischer Esskultur besser.
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