Warum beteiligte sich Japan am Ersten Weltkrieg?

Warum beteiligte sich Japan am Ersten Weltkrieg?

Tokio stand 1914 auf Londons Seite – und holte sich Kiautschou, während Europa beschäftigt war.

Der Zweite Weltkrieg klebt so fest an Japan, dass der Erste oft wie ein Tippfehler wirkt: Japan als Verbündeter Großbritanniens, gegen das Deutsche Reich. 1914 war genau das der Fall.

Japan trat im Ersten Weltkrieg auf der Seite der Entente ein, um deutsche Kolonien in Ostasien zu übernehmen. Rohstoffe waren knapp, die Bevölkerung wuchs – und London hatte seit 1902 einen Vertrag in der Schublade, der Tokio in den Krieg ziehen konnte.

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Warum Japan 1914 gegen Deutschland zog

Die Teilnahme geschah in Achtung der Verträge mit England. Das britisch-japanische Bündnis von 1902, erneuert 1905 und 1911, war kein Freundschaftspakt für Paraden. Am 7. August 1914 bat Großbritannien um Hilfe gegen die Kaiserliche Marine in chinesischen Gewässern. Premierminister Ōkuma Shigenobu stellte am 15. August ein Ultimatum: deutsche Kriegsschiffe raus aus ostasiatischen Gewässern, Tsingtau übergeben. Am 23. August folgte die Kriegserklärung an Deutschland, zwei Tage später an Österreich-Ungarn, weil der Kreuzer Kaiserin Elisabeth in Tsingtau blieb.

Damit war Japan nicht formell Mitglied der Triple Entente wie Frankreich oder Russland. Es war der asiatische Partner Londons. Nach dem Russisch-Japanischen Krieg von 1905 galt das Kaiserreich als Großmacht; der europäische Krieg öffnete die Tür nach Kiautschou, ohne dass Berlin noch Reserven nach China schicken konnte.

Links eine Straßenzeile mit Rauch und Löscharbeiten, rechts ein Gruppenfoto japanischer Offiziere in Uniform

Der historische Ablauf: Tsingtau und der Pazifik

Die eigentliche Kampfhandlung in Asien war die Belagerung von Tsingtau (Qingdao), dem deutschen Pachtgebiet Kiautschou auf der Shandong-Halbinsel. Japanische Truppen landeten Anfang September 1914; ein kleines britisches Kontingent stieß hinzu. Am 7. November kapitulierte Gouverneur Alfred Meyer-Waldeck.

Das deutsche Ostasiengeschwader unter Maximilian von Spee hatte den Hafen da längst verlassen. Es ging nicht darum, „die Kreuzerflotte in China zu entwaffnen“, sondern den Stützpunkt selbst zu nehmen. Parallel besetzte die Kaiserlich Japanische Marine die deutschen Inselgruppen im Pazifik: die Marianen ohne Guam, die Karolinen und die Marshallinseln. Bis 1917 blieb der Krieg für Japan vor allem ostasiatisch und maritim.

  • 23. August 1914: Kriegserklärung an Deutschland
  • 7. November 1914: Kapitulation Tsingtaus
  • 18. Januar 1915: Einundzwanzig Forderungen an China
  • April 1917: 2. Sondergeschwader läuft in Malta ein

Die Einundzwanzig Forderungen

Im Januar 1915, in der Ära von Kaiser Taishō, übergab das Kabinett Ōkuma dem chinesischen Präsidenten Yuan Shikai die Einundzwanzig Forderungen (対華二十一ヵ条要求, Taika Nijūikkajō Yōkyū). Japan wollte den deutschen Einfluss in Shandong ersetzen, Rechte in der Mandschurei ausweiten und – in der fünften, später zurückgezogenen Gruppe – politische und militärische Kontrolle über China sichern.

Die westlichen Mächte waren im europäischen Krieg gebunden. China nahm im Mai 1915 den Kern der Forderungen unter Ultimatum an. Das ist der Punkt, den viele Überblicke überspringen: Japan kämpfte 1914 gegen Deutschland und rechnete 1915 mit China ab, während Europa nicht hinsah.

Zerstörer nach Malta – 1917, nicht 1915

Oft wird der Mittelmeereinsatz auf 1915 datiert. Die Flotte fuhr erst 1917. Nach britischer Bitte und gegen die Zusage, Japans Ansprüche auf die besetzten deutschen Gebiete zu stützen, schickte Tokio das 2. Sondergeschwader unter Konteradmiral Satō Kōzō nach Malta: Kreuzer Akashi und acht Zerstörer, später Verstärkung durch Izumo.

Die japanischen Schiffe geleiteten alliierte Transporter zwischen Malta, Marseille, Taranto und Alexandria. Sie versenkten kein U-Boot, retteten aber im Mai 1917 rund 3.000 der etwa 3.300 Menschen von der getorpedierten Transylvania – und verloren 59 Mann, als die Sakaki vor Kreta getroffen wurde. Wer Japan im Ersten Weltkrieg nur als Nutznießer deutscher Kolonien sieht, lässt dieses Kapitel weg.

Japanische Soldaten mit Hinomaru-Flaggen im Feld, daneben die Kriegsflagge mit der aufgehenden Sonne

Versailles, Shandong und der nächste Krieg

1919 bestätigte der Versailler Vertrag Japans Rechte an den ehemaligen deutschen Besitzungen in Shandong. China, das 1917 selbst Deutschland den Krieg erklärt hatte, ging leer aus. Daraus entstand die Bewegung des vierten Mai. Der große Gewinner in Ostasien war Japan – und genau das vergiftete das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten und zu China.

Nach dem Krieg folgten Knappheit, Flottenabkommen und wachsende Spannung mit Washington. Japan „wechselte“ nicht die Seiten wie in einem Fußballspiel: das Bündnis mit London zerbrach in den 1920er Jahren. In den 1930ern eskalierte der Krieg in China, darunter das Massaker von Nanjing 1937. Am Ende stand der Angriff auf Pearl Harbor und der Atombombenabwurf auf Hiroshima. Wer verstehen will, wie das Kaiserreich vom Verbündeten Britanniens zum Gegner der Alliierten wurde, muss 1914 mitlesen – nicht erst 1941. Die Liste der Kriege Japans macht diese Linie sichtbar.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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