Ursachen, 80-Stunden-Grenze und der Stand der Maßnahmen gegen Karoshi in Japan
Karoshi (過労死) oder Tod durch Überarbeitung ist in Japan nicht ungewöhnlich. Das hängt mit der Arbeitskultur zusammen und mit weiteren Faktoren wie unbezahlten Überstunden. Wir haben bereits zahlreiche Artikel über die Arbeit in Japan geschrieben, aber heute sprechen wir speziell über Karoshi.
Die wichtigsten medizinischen Ursachen für den Tod durch Karoshi sind Herzinfarkt und Schlaganfall aufgrund von Stress. Daneben steht der Suizid nach arbeitsbedingter psychischer Belastung, auf Japanisch Karojisatsu (過労自殺). Japan macht das Thema seit den 1980er Jahren öffentlich sichtbar und zählt anerkannte Fälle gesondert als Arbeitsunfälle. Südkorea und Taiwan haben später vergleichbare Verfahren eingeführt.
Was verursacht Karoshi?
Überstunden sind der Hauptfaktor für den Tod bei der Arbeit. Obwohl die Regierung oder einige Unternehmen ein Limit für Überstunden festlegen, überschreiten viele es trotzdem, auch wenn sie nicht dafür bezahlt werden. Manche nehmen die Arbeit mit nach Hause, um den Stapel noch am selben Abend fertigzumachen.
Die Kultur, zu viel zu arbeiten, entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Menschen ermutigt wurden, 12 Stunden am Tag und bis zu 7 Tage pro Woche zu arbeiten, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Heute ist das nicht mehr notwendig. Lange Anwesenheit gilt trotzdem weiter als Beweis für Einsatz. Seit 2019 gelten strafbewehrte Obergrenzen von 45 Überstunden im Monat und 360 im Jahr.
Lange Überstunden, Erschöpfung, Depression und Schikane durch Vorgesetzte tauchen in den anerkannten Suizidfällen häufig auf. Der Verlust des Postens kann existenziell wirken, weil Status und Zugehörigkeit oft an die Firma gebunden sind. In der landesweiten Suizidstatistik stehen Gesundheitsprobleme an erster Stelle.
Es gibt verschiedene kulturelle Faktoren, die dazu führen, dass eine Person mehr arbeitet, als sie sollte. Dinge wie Stolz, Ehre, Scham und der Wunsch, das Beste zu geben, führen dazu, dass viele länger bleiben, ohne die Erschöpfung zu merken. Bei der Entschädigung gilt die Verbindung zur Arbeit als stark, wenn im Monat vor dem Zusammenbruch rund 100 Überstunden liegen oder über zwei bis sechs Monate im Schnitt mehr als 80. Diese Marke heißt Karoshi-Linie. Auch wer darunter bleibt, kann die Gesundheit vernachlässigen. Viele gehen nach der Arbeit trinken oder bleiben die Nacht am Computer, ohne sich Zeit zum Ausruhen zu lassen.
Wann wird Karoshi ein Ende haben?
Karoshi wird nicht so bald verschwinden. Die Regierung hat Strafen verhängt und Grenzen gesetzt: 2014 das Gesetz zur Verhütung von Tod durch Überarbeitung, 2019 die Obergrenzen mit Bußgeld. Im Haushaltsjahr 2025 erkannte das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales 1310 Fälle von überarbeitsbedingter Erkrankung oder Tod an, darunter 145 Todesfälle und Suizide einschließlich Versuche. Einige Unternehmen haben versucht, das Phänomen mit verschiedenen Programmen zu bekämpfen, aber die Veränderung muss auf kultureller Ebene beginnen, was Jahrzehnte dauern kann. Solange die Japaner weiterhin Überstunden im Übermaß machen, werden Karoshi-Fälle weiterhin vorkommen. Die Karoshi-Linie und die Entschädigung machen das Risiko wenigstens sichtbar.
Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.
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