In Japan kommt man selten einfach so ins Wohnzimmer einer Familie. Wer trotzdem dort übernachtet, merkt das oft erst beim Abschied: Manche Gastgeber winken so lange, bis man wirklich aus dem Blickfeld ist. Ich habe das 2016 jeden Tag erlebt (xD) – und es war so liebevoll, dass ich es nicht vergessen habe.
Ein Homestay ist die direkteste Art, den Alltag zu teilen. Es ist kein Hotel mit Hausmannskost. Sie sitzen am Tisch, essen, was auf den Tisch kommt, und merken schnell, dass Höflichkeit hier oft in kleinen Gesten steckt, nicht in großen Reden.
Homestay heißt: Sie wohnen bei Einheimischen. Die Familie stellt Unterkunft, oft Frühstück und Abendessen, und vor allem Gesellschaft. Es kann ein bezahltes Zimmer über eine Vermittlung sein, ein Platz über die Sprachschule – oder, wie bei mir, das Gästezimmer von Freunden und Bekannten.
Fließendes Japanisch brauchen Sie nicht. Viele Gastfamilien sind geduldig und daran gewöhnt, sich mit Händen, Smartphone und ein paar Brocken zu verständigen. Manchmal ist das günstiger als ein Hotel, weil Mahlzeiten und Alltag inklusive sind. Bei kommerziellen Kurzaufenthalten liegt der Preis oft im vierstelligen Yen-Bereich pro Nacht, häufig mit Frühstück und Abendessen; Stadt und Familie machen den Unterschied.
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Vorbereitung für das Homestay in Japan
Das Erste, was Sie tun sollten, ist Ort und Familie zu wählen – über Vermittlungsseiten, Freunde, die Schule oder das Telefon. Holen Sie so viele Informationen wie möglich ein: Bahnhof in der Nähe, Sehenswürdigkeiten, Klima, und ob die Gastgeber tagsüber arbeiten. Versuchen Sie, die Familie vorher ein wenig kennenzulernen. Bewertungen und eine klare Beschreibung helfen mehr als ein hübsches Foto.
Prüfen Sie, was das Haus an Verpflegung anbietet. Vielleicht mögen Sie Natto, Fisch oder bestimmtes Gemüse nicht. Vielleicht haben Sie eine Allergie – oder die Familie hat Hund und Katze. Gute Homestay-Seiten zeigen Frühstück, Abendessen, Haustiere und Raucherregeln. Fragen Sie nach, bevor Sie buchen. Und rechnen Sie damit, Bad und Wohnzimmer zu teilen: Wer stundenlang in der Badewanne liegen will, ist im Hotel besser aufgehoben.
Das Erste, das Sie im Kopf haben sollten, wenn Sie zu einer japanischen Familie fahren: ein Geschenk mitbringen. Wir haben bereits einen Artikel über diese Mitbringsel (Omiyage) geschrieben. Etwas aus Ihrer Heimat, Süßigkeiten, eine Kleinigkeit, die man teilen kann. Es muss nicht teuer sein. Es ist Teil der Kultur, und Schokolade aus Deutschland kommt erstaunlich weit.
In der japanischen Familie
In Japan zieht man die Schuhe aus, bevor man ins Haus geht – am Genkan, dem Eingangsbereich. Sie können eigene Hausschuhe mitbringen; auf Tatami kommen sie trotzdem aus. Im Bad stehen meist extra Badeschuhe. Die Stellen, an denen gewechselt wird, sind gut sichtbar, und die Familie hilft, wenn Sie unsicher sind.
Ob Sie für das Homestay bezahlen oder nicht: Viele japanische Familien nehmen Sie gerne mit, um Stadt und Alltag zu zeigen – ein lokales Restaurant, einen Park, eine Wanderung. Seien Sie bereit, mitzugehen und zu essen, was angeboten wird. Gleichzeitig gilt: Eine Familie, die voll arbeitet, hat weniger Zeit als eine, die Homestay als Angebot betreibt. Das ist kein Mangel an Herzlichkeit. Es ist der Kalender.
Beim Baden gilt die japanische Reihenfolge: erst den Körper außerhalb der Wanne waschen, dann ins heiße Wasser. Die ganze Familie nutzt dasselbe Badewasser; Seife gehört nicht in die Wanne.
Zum Abendessen sagen Sie Itadakimasu und essen mit Hashi (Stäbchen), ohne die Regeln zu verbiegen, die in Japan wirklich zählen. Es gibt noch mehr Tischsitten zu Hause und im Restaurant – die lohnen sich, bevor Sie anreisen.
Japanische Häuser haben oft kein klassisches Gästezimmer. Manchmal schlafen Sie im Wohnzimmer auf Tatami, auf einem Futon. Es wirkt ungewohnt, ist aber eine der klarsten Erinnerungen, die bleiben. Morgens falten Sie ihn zusammen. Und wenn Sie gehen: Manche Menschen winken weiter, bis Sie wirklich verschwunden sind.
Meine Erfahrung in einem Homestay
Auf meiner Japanreise 2016 war ich kostenlos in fünf Häusern von Freunden untergebracht. Der Unterschied zu einem Homestay, das Geld verlangt: Die zahlenden Gastgeber sind oft einen größeren Teil des Tages für Sie da. Die Familien, die mich beherbergten, arbeiteten – und ich hatte trotzdem in allen gute Erfahrungen.
Die erste Familie war brasilianisch. Das Haus war riesig und brach das Klischee der engen japanischen Wohnungen: zwei Stockwerke, ich schlief in einem Doppelbett. Ich blieb nur einen Tag. Sie nahmen mich zum Mittagessen ins KFC, zum Einkaufen ins Costco und abends in ein chinesisches Restaurant. An einem anderen Tag war ich in Hamamatsu, in der Wohnung eines Brasilianers, der mich an verschiedene Orte mitnahm, zu Yakiniku und sogar in einen Onsen.
Zwei weitere Familien beherbergten mich fast eine Woche lang in Osaka. Sie fuhren mit mir durch die Stadt und boten genau das, was kein Hotelplan liefert: Begleitung. Während der ganzen Reise war der Aufenthalt bei Menschen vor Ort das, was die Tage dichter und lustiger machte. Es ist viel besser, begleitet zu werden, als allein umherzulaufen.
Die kulturellen Unterschiede können einschüchtern, und die Zeit mit einer unbekannten Familie auch. Trotzdem: Ein Homestay in Japan gehört zu den Erfahrungen, die im Land wirklich hängen bleiben. Hatten Sie schon diese Gelegenheit? Schreiben Sie Ihre Geschichte in die Kommentare.
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