Im Japanischen gibt es mehr als ein Verb, das „geben“ oder „erhalten“ ausdrückt. Die Wahl hängt von der Richtung der Handlung ab – und davon, wer dem Sprecher näher steht. Genau das steuern あげる, くれる und もらう, und es prägt, wie man Gefallen und Höflichkeit im Japanischen hört.
Wer die drei Verben erst einmal als „geben / bekommen“ übersetzt, stolpert oft in echten Gesprächen. Die Nuance sitzt in der Perspektive: Wer gibt, wer empfängt, und aus wessen Sicht der Satz erzählt wird. Dazu gehören auch verwandte Verbverbindungen und die Partikeln, die Geber und Empfänger markieren.
Inhalt 3
Ageru und Kureru
Die gebräuchlichsten Verben für „geben“ sind あげる (ageru) und くれる (kureru). Beide beschreiben, dass etwas von einer Person zu einer anderen geht – aber nicht aus derselben Blickrichtung.
- あげる – der Sprecher (oder seine Gruppe) gibt etwas an jemanden außerhalb, oder man berichtet über Geben zwischen anderen: ich gebe dir, du gibst anderen, jemand gibt jemandem.
- くれる – etwas kommt auf den Sprecher (oder seine enge Gruppe) zu: jemand gibt mir, du gibst mir; oft auch, wenn der Empfänger dem Sprecher besonders nahesteht.
Der Geber ist das Subjekt und steht mit der Partikel は oder が. Der Empfänger wird mit に markiert, das Gegebene mit を:
- (Geber) は/が (Empfänger) に (Objekt) を あげる / くれる
Beispielsätze:
ねえ、朝ご飯作ってくれる? Nee, asagohan tsukutte kureru?
Hey, machst du mir das Frühstück?
昨日作ってあげたから今日は君の番だよ! Kinou tsukutte ageta kara kyou wa kimi no ban da yo!
Ich habe es gestern gemacht, also bist du heute dran!
Wie jedes Verb werden sie normal konjugiert. Höflichere Formen: 差し上げる (sashiageru) statt あげる und 下さる (kudasaru) statt くれる – verwandt mit Bitten wie kudasai und onegaishimasu.
Morau – empfangen aus der eigenen Sicht
もらう (morau) beschreibt denselben Vorgang aus der Perspektive des Empfängers: Man erhält etwas von jemandem.
Auf Deutsch kann man denselben Fakt auf zwei Arten erzählen:
- Lucas gibt mir ein Buch.
- Ich habe ein Buch von Lucas bekommen.
Bei あげる und くれる bleibt der Geber Subjekt. Bei もらう ist der Empfänger Subjekt; der Geber steht mit に oder から:
- (Empfänger) は/が (Geber) に (Objekt) を もらう
- (Empfänger) は/が (Geber) から (Objekt) を もらう
Beispielsätze:
私はケビンにお菓子をもらった。 Watashi wa Kevin ni okashi o moratta.
Ich habe von Kevin Süßigkeiten bekommen.
この花は誰からもらったの? Kono hana wa dare kara moratta no?
Von wem hast du diese Blumen bekommen?
Mit くれ / くれる kann man oft um etwas bitten; もらう nennt vor allem das Empfangen selbst. Die höflichere Form von もらう ist 頂く (itadaku) – verwandt mit dem bekannten Itadakimasu.
Mit der Te-Form: てあげる, てくれる, てもらう
Dieselben Verben hängen an der Te-Form (〜て), um nicht Dinge, sondern Gefallen und Handlungen zu geben oder zu empfangen:
- 〜てくれる – jemand tut etwas zu deinem Vorteil (auf dich bzw. deine Gruppe zu)
- 〜てあげる – man tut etwas für jemand anderen (aus der Sicht des Gebers)
- 〜てもらう – man lässt sich etwas von jemandem tun / erhält den Gefallen (aus Empfängersicht)
Beispielsätze:
鈴木さんがおごってくれた。 Suzuki-san ga ogotte kureta.
Suzuki hat mich eingeladen / für mich bezahlt.
鈴木さんにおごってもらった。 Suzuki-san ni ogotte moratta.
Ich wurde von Suzuki eingeladen (Empfängersicht).
ケビンにおごってあげた。 Kevin ni ogotte ageta.
Ich habe Kevin eingeladen.
Drei Verben, eine Idee: Japanisch markiert nicht nur „geben“ und „bekommen“, sondern auch, von wem aus die Handlung erzählt wird. Wer das im Ohr hat, versteht Bitten, Dank und Höflichkeit im Alltag viel leichter – und die Zeit im Umgang mit echten Sätzen tut den Rest.
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