In Deutschland klebt das Wort oft an der Matte im Dōjō. In Japan ist Tatami [畳] zuerst der Boden eines Zimmers: er gibt ein wenig nach, duftet nach Binse, und niemand würde ihn mit Straßenschuhen betreten.
Frisch ist die Oberfläche grünlich. Nach Jahren wird sie strohgelb – und genau diese Alterung gilt nicht als Makel, sondern als Spur des Alltags. Warum halten so viele Häuser an diesem Boden fest, obwohl moderne Wohnungen oft nur noch ein einziges Washitsu haben?
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Wie ist ein Tatami aufgebaut?
Die Tatami wird seit der Muromachi-Zeit verwendet. Damals galt der Boden sogar als Luxus. Heute findet man ihn vor allem in Zimmern im japanischen Stil, den Washitsu (和室). Die Oberfläche ist mit Schilfgras Igusa [藺草] bedeckt – genauer gesagt mit der Flatter-Binse. Der Kern besteht traditionell aus fest gepresstem Reisstroh; zeitgenössische Matten haben manchmal Pressholz oder einen Kern aus Polystyrolschaum.
Die langen Seiten können mit Heri [縁] aus Brokat oder glattem Stoff eingefasst werden. Ein Tatami besteht aus drei Teilen: Toko bzw. Doko (畳床, der Kern), Omote (畳表, die Oberfläche) und Heri (die Kante). Igusa nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab; der Reisstrohkern dämmt Wärme und Trittschall. Deshalb fühlt sich der Boden anders an als Laminat oder ein Sportboden aus EVA.
In den Kampfkünsten ist Tatami der Boden zum Training im Dōjō. Die Matten dort heißen oft Judo-Tatami (柔道畳): sie sind widerstandsfähiger, anders geschnitten und nicht dasselbe wie der Wohnboden. Im Westen werden außerdem EVA-Platten für Kinder und Fitnessstudios „Tatami“ genannt – das Wort wandert, das Material nicht.

Welche Größe hat ein Tatami?
Tatami werden in Standardmaßen gefertigt, in der Regel doppelt so lang wie breit. Die genaue Größe hängt von der Region und vom Ken (間) ab, dem alten Längenmaß, nach dem die Matte geschnitten wird. Ein in Europa häufiges Maß ist 90 × 180 cm bei etwa 5 bis 5,5 cm Dicke. In Japan selbst weicht das ab:
| Region | Maße (ca.) |
|---|---|
| Kyōto und Westjapan (Kyōma) | 95,5 × 191 cm |
| Tōkyō und Ostjapan (Edoma) | 88 × 176 cm |
| Nordjapan | 91 × 182 cm |
| Standard für große Bauten | 85 × 170 cm |
| Häufiges Europa-Maß | 90 × 180 cm |
Die Tatami sind in Japan so verbreitet, dass sie als Maßeinheit für Zimmer dienen. Statt Quadratmeter nennt man oft die Zahl der Matten; das Schriftzeichen 畳 wird dann sino-japanisch jō gelesen. Ein jō entspricht je nach Region etwa 1,62 bis 1,65 m². Das klassische Wohnzimmer hat sechs jō, ein Teeraum oft 4,5.
Neben der Vollmatte gibt es eine halbe Matte namens Hanjō [半畳] und eine kürzere Matte für Teeräume, Daime-tatami [台目畳]. Genau diese Halb- und Sondermaße machen die Verlegung in kleinen Zimmern erst möglich.

Was bedeutet Tatami?
Das korrekte japanische Wort ist Tatami [畳]. Im Deutschen bleibt es bei dieser Form. Im Westen meint „Tatami“ oft EVA-Böden für Kinder oder die Matten in Fitnessstudios und Kampfringen. Den strohgedeckten Wohnboden findet man zuverlässiger, wenn man nach Tatami mit i und nach Igusa sucht – nicht nach der Sportplatte.
Der Begriff leitet sich vom Verb tatamu [畳む] ab, „falten“ oder „stapeln“. Die frühen Matten waren dünn genug, um sie zusammenzulegen oder in Schichten zu legen. Früher konnte Tatami jeden faltbaren Boden meinen, etwa Goza [茣蓙] und Komo. Heutige Wohn-Tatami sind zu dick zum Falten; falten kann man eher dünne Auflagen und Rollmatten.

Geschichte und Ursprung des Tatami
Erst in der Edo-Zeit hatte die Mehrheit der Häuser in Japan Zugang zu diesem Boden. Während der Heian-Zeit hatten aristokratische Residenzen im Shinden-zukuri-Stil noch Holzböden; Tatami dienten dort vor allem als Sitzauflage für den Adel.
In der Kamakura-Zeit begannen sich die Matten allmählich über ganze Räume auszubreiten. Zimmer, die vollständig belegt waren, hießen Zashiki [座敷]. Diese Sitzräume bekamen eigene Regeln und eine eigene Etikette.
Mitte des 16. Jahrhunderts schliefen Adel und Samurai auf Tatami oder auf Stoffmatten namens Goza [茣蓙], während die einfachen Leute Strohmatten oder loses Stroh als Bett nutzten. Zum Ende des 17. Jahrhunderts erreichte der Boden auch ihre Häuser.
Heute wird der Kern nicht mehr nur aus gepresstem Reisstroh gefüllt. Holzmasse, Polystyrol oder Spanplatten machen die Matte leichter oder unempfindlicher gegen Milben, fühlen sich aber fester an. Die Oberfläche bleibt ein Geflecht aus Igusa, die Kante aus Stoff der dekorative Abschluss.
Häuser, die heute in Japan gebaut werden, haben oft nur noch wenige Räume mit Tatami – manchmal gar keinen. Zimmer mit diesem Boden und anderen traditionellen Merkmalen heißen Nihonma oder Washitsu, „Zimmer im japanischen Stil“. Wer den Rest des klassischen Hauses sucht, findet dort Shoji, Tokonoma und den gleichen Maßstab: den Raum als Zahl von Matten.

Arten von Tatami
Neben dem Wohnboden kann das Wort andere Matten meinen. Jeder faltbare Boden konnte früher Tatami heißen. Im Westen kennt man vor allem die Arena für Kampfkünste wie Karate und Judo. Diese Judo-Tatami (柔道畳) sind widerstandsfähiger, haben andere Maße und eine andere Herstellung.
Für Zimmer im westlichen Stil gibt es Yunitto-tatami (ユニット畳) und Oki-tatami (置き畳): sie liegen wie ein Teppich auf dem vorhandenen Boden, statt den ganzen Raum fest auszulegen. Ein neuer Reisstrohboden ist grünlich und wird mit der Zeit gelblich.
Irgendwann muss man die Matten tauschen oder zumindest die Omote erneuern und die alten recyceln. Wer sie pflegt, kommt mit der Oberfläche oft um die fünf bis sechs Jahre aus. Heute entstehen die meisten Tatami in Fabriken; früher fertigte sie ein Handwerker von Hand.

Wie legt man Tatami im Zimmer?
Die Art, wie die Matten liegen, hat eigene Namen. Seit der Edo-Zeit unterscheidet man grob zwei Prinzipien: shūgijiki [祝儀敷き], die alltägliche, als günstig geltende Anordnung, und fushūgijiki [不祝儀敷き], das Gittermuster für Trauer und ernste Anlässe.
Beim shūgijiki treffen die Fugen als T aufeinander, nicht als Kreuz. Vier Ecken sollen sich nicht in einem Punkt treffen; eine durchlaufende Linie, die den Raum mittig teilt, gilt als unschön. Räume mit 4,5, sechs oder acht jō sind die vertrauten Größen. Vier volle Matten allein meidet man, weil die Zahl vier an den Tod erinnert.
Im Teeraum der Chanoyu kommen oft Daime- und Halbmatten dazu, und an Tür oder Tokonoma soll die lange Seite liegen, nicht die schmale Kante. Die Heri zu betreten gilt als unhöflich und nutzt den Stoff schneller ab.
Etikette und Pflege von Tatami-Böden
Auf Tatami geht man nicht mit Straßenschuhen, auch nicht mit Surippa (スリッパ). Stühle stellt man selten darauf; man sitzt auf dem Boden oder auf Kissen namens Zabuton. Das passt zur gleichen Logik wie der Genkan, an dem die Schuhe schon am Eingang bleiben.
In den meisten dieser Zimmer gibt es eine Schiebetür. Nicht auf die Schienen (shikii) treten: das gilt als unhöflich und kann die Führung beschädigen. Auch die Kanten des Bodens sollte man meiden, damit der Heri nicht ausfranst. Zum Schlafen gehört der Futon direkt auf die Matte; Möbel wie das Kotatsu sind dafür gebaut, schweres westliches Gestühl eher nicht.
Wasser gehört nicht auf diesen Boden. Die Reinigung erfolgt mit Staubsauger oder einem gut ausgewrungenen Tuch. Reisstroh zieht Milben an; dagegen gibt es eigene Mittel, und trockene Luft plus regelmäßiges Lüften helfen mehr als nasses Wischen. Wer den Duft der neuen Igusa mag, sollte die Matte vor direkter praller Sonne schützen: die Farbe wechselt trotzdem, nur gleichmäßiger.
Worauf beim Kauf achten?
EVA-Sportböden findet man leicht. Echten Igusa-Boden zu bekommen ist in Europa mühsamer. Meditationskissen mit Reisstrohunterseite sind häufiger als eine ganze Zimmerauslage.
Bevor man bestellt, lohnt sich die Unterscheidung: Wohn-Tatami mit Igusa-Omote und stroh- oder schaumgefülltem Kern; Judo-Tatami für Würfe; Yunitto- oder Oki-Tatami, wenn der vorhandene Boden bleiben soll. Maße, Dicke, Herkunft der Igusa und die Farbe des Heri stehen in der Beschreibung oft klarer als das Wort „original“.
Fachhändler für japanische Einrichtung und einige Sportläden für Judo oder Aikido führen Matten. Online sollte man Kern, Oberfläche und Liefermaß gegen das eigene Zimmer halten – Kyōma und Edoma passen nicht in denselben Raster. Lieferbarkeit und Preise ändern sich; entscheidend bleibt, ob man einen Wohnboden will oder eine Trainingsplatte.
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