Im Deutschen spielt man fast jedes Instrument. Im Japanischen klingt dasselbe Verb sofort schief: eine Flöte wird geblasen, eine Taiko geschlagen, Klavier und Shamisen gezupft. Drei Bewegungen, drei Wörter – und wer sie vertauscht, klingt, als würde er das Klavier „blasen“.
Genau da hängt der Alltag: in der Probe, im Unterricht, beim Bunkasai, dem Schulfest, auf dem Bands und Orchester denselben Flur teilen. Japanisch trennt außerdem Ton, Stück und Lied schärfer, als es das deutsche Wort „Musik“ zulässt.

Inhalt 5
Ein Instrument spielen auf Japanisch
Deutsch kommt mit einem Verb aus. Japanisch richtet das Verb nach der Bewegung der Hände oder des Atems. kanaderu [奏でる] ist der allgemeine, etwas gehobene Ausdruck für „ein Instrument spielen“. Im Gespräch hört man meist das spezialisierte Verb:
- hiku [弾く] – Saiten- und Tasteninstrumente spielen, also Gitarre, Shamisen, Klavier, Orgel;
- fuku [吹く] – Blasinstrumente spielen: Flöte, Shakuhachi, Trompete, Saxophon;
- tataku [叩く] – Schlagwerk spielen: Trommel, Taiko, Xylophon;
- souhou [奏法] – Spielweise, die Technik an einem Instrument.
Wer „piano o fuku“ sagt, hat das Instrument in die falsche Familie geschoben. Wer über eine Taiko spricht, braucht tataku – nicht hiku.
Musikalische Begriffe auf Japanisch
Ongaku [音楽] ist Musik als Feld. Daneben stehen zwei Wörter, die Deutsch oft in „Lied“ zusammenpresst: kyoku [曲] meint meist das Stück, oft ohne Text; uta [歌] das Lied mit Stimme. In einer Unterhaltung über Probe, Noten oder Auftritt tauchen außerdem diese Begriffe auf:
- anpu [暗譜] – auswendig spielen oder singen
- au [合う] – zusammenpassen, im Takt bzw. in der Stimmung sein
- baiorin [ヴァイオリン] – Violine (auch バイオリン)
- bando [バンド] – Band
- biburaato [ビブラート] – Vibrato bei Geige, Gesang usw. [auch ヴィブラート]
- chiisai [小さい] – leise, wörtlich „klein“
- chouchou [長調] – Dur
- chouritsu [調律] – Stimmen eines Instruments
- chouritsushi [調律師] – Stimmer, oft Klavierstimmer
- choushi [調子] – Ton, Stimmung, Rhythmusgefühl
- choushihazure [調子外れ] – falsch, aus der Tonart oder aus dem Takt
- doramaa [ドラマー] – Schlagzeuger
- doramu [ドラム] – Schlagzeug, Trommel
- doramusutikku [ドラムスティック] – Schlagzeugstock
- ensou [演奏] – Aufführung, Vortrag (auch 演奏会, Konzert)
- fue [笛] – Flöte, Pfeife
- furuuto [フルート] – Querflöte
- gakki [楽器] – Musikinstrument
- gakkiten [楽器店] – Musikladen
- gakufu [楽譜] – Noten, Partitur
- gen [弦] – Saite
- gitaa [ギター] – Gitarre
- gitarisuto [ギタリスト] – Gitarrist
- haamonika [ハーモニカ] – Mundharmonika
- haapu [ハープ] – Harfe
- happyoukai [発表会] – Vorspiel, Schülerkonzert
- henkyoku [編曲] – Arrangement
- hibiku [響く] – klingen, nachhallen
- ken [鍵] – Taste (am Klavier)
- kenban [鍵盤] – Klaviatur, Tastatur
- kyoku [曲] – Stück, oft ohne Text
- neiro [音色] – Klangfarbe eines Instruments
- ongaku [音楽] – Musik
- ongakuka [音楽家] – Musiker
- onkai [音階] – Tonleiter
- onpu [音符] – Note
- ontei [音程] – Intervall
- ookesutora [オーケストラ] – Orchester
- ookii [大きい] – laut, wörtlich „groß“
- oto ga deru [音が出る] – ein Ton entsteht, es klingt
- oto / ne [音] – Ton, Laut
- oto wo dasu [音を出す] – einen Ton erzeugen
- pianisuto [ピアニスト] – Pianist
- piano [ピアノ] – Klavier
- picchi [ピッチ] – Tonhöhe
- renshuu [練習] – Üben, Probe
- ressun [レッスン] – Unterricht, Stunde
- rizumu [リズム] – Rhythmus
- sakkusu [サックス] – Saxophon
- sakkyoku [作曲] – komponieren, Komposition
- shikisha [指揮者] – Dirigent
- shinbaru [シンバル] – Becken
- sokkyou [即興] – improvisieren, aus dem Moment spielen
- tanchou [短調] – Moll
- tenpo [テンポ] – Tempo
- toraianguru [トライアングル] – Triangel
- toranpetto [トランペット] – Trompete
- toronbohn [トロンボーン] – Posaune
- uta [歌] – Lied, meist mit Text
- utau [歌う] – singen
- zureru [ズレる] – aus dem Takt oder aus der Tonhöhe geraten
Zwei Alltagswörter verdienen eine Extra-Notiz: Lautstärke heißt selten „laut“ oder „leise“, sondern oft einfach ookii und chiisai. Und choushi driftet leicht: in der Probe kann es Ton, Timing oder einfach das Gefühl meinen, dass etwas nicht sitzt.
Rhythmen und Musikrichtungen auf Japanisch
Westliche Stilnamen kommen im Japanischen fast immer als Katakana-Lehnwort. Die Aussprache folgt der japanischen Silbenstruktur, der Kern bleibt erkennbar:
- orutanativu [オルタナティヴ] – Alternative
- garēji rokku [ガレージ・ロック] – Garage Rock
- guramu rokku [グラム・ロック] – Glam Rock
- guranji [グランジ] – Grunge
- panku rokku [パンク・ロック] – Punkrock
- saikederikku [サイケデリック] – Psychedelic
- desu metaru [デス・メタル] – Death Metal
- nyūuēbu [ニューウェーブ] – New Wave
- hādo rokku [ハード・ロック] – Hardrock
- buritisshu rokku [ブリティッシュ・ロック] – British Rock
- puroguresshivu rokku [プログレッシヴ・ロック] – Progressive Rock
- hevī metaru [ヘヴィ・メタル] – Heavy Metal
- rokkun rōru [ロックン・ロール] – Rock ’n’ Roll
- hausu [ハウス] – House
- doramun bēsu [ドラムン・ベース] – Drum and Bass
- hippuhoppu [ヒップホップ] – Hip-Hop
- fanku [ファンク] – Funk
- dabu [ダブ] – Dub
- tekuno [テクノ] – Techno
- buritto poppu [ブリット・ポップ] – Britpop
- poppu [ポップ] – Pop
- rappu [ラップ] – Rap
- regē [レゲエ] – Reggae
- āru ando bī [アール アンド ビー] – R&B
- kantorī [カントリー] – Country
- burūsu [ブルース] – Blues
- fōku rokku [フォーク・ロック] – Folkrock
- kurashikku [クラシック] – Klassik
- jazu [ジャズ] – Jazz
- suka [スカ] – Ska
- sōru [ソール] – Soul
In Läden und Playlists stehen diese Wörter neben japanischen Gattungen wie Enka oder J-Pop. Wer „rokku“ sagt, meint in der Regel das westliche Genre – nicht automatisch eine Shamisen-Passage.
Musikinstrumente auf Japanisch
Viele Instrumente, die in japanischen Schulen und Studios stehen, tragen Katakana-Namen. Das Wort für das Ding selbst bleibt gakki. Eine knappe Alltagsliste:
- gakki [楽器] – Musikinstrument
- gitaa [ギター] – Gitarre
- gen [弦] – Saiten
- bēsu [ベース] – Bass, E-Bass
- doramu [ドラム] – Schlagzeug
- piano [ピアノ] – Klavier
- kībōdo [キーボード] – Keyboard
- maiku [マイク] – Mikrofon
- baiorin [バイオリン] – Violine
- chero [チェロ] – Cello
- ōboe [オーボエ] – Oboe
- toranpetto [トランペット] – Trompete
- sakkusufon [サックスフォン] – Saxophon
- haapu [ハープ] – Harfe
- haamonika [ハーモニカ] – Mundharmonika
- tanburin [タンバリン] – Tamburin
Traditionelle japanische Instrumente
Neben E-Gitarre und Klavier bleiben die älteren Instrumente im Unterricht, im Theater und auf Festivals sichtbar. Wer die Familie genauer kennenlernen will, findet bei uns eine Übersicht japanischer Musikinstrumente. Die Namen, die in dieser Wortschatzliste am häufigsten auftauchen:
- biwa [琵琶] – birnenförmige Laute, oft zur Erzählung
- shamisen [三味線] – dreisaitiges Zupfinstrument mit langem Hals und Bachi
- koto [琴] – Wölbbrettzither, klassisch mit dreizehn Saiten
- taiko [太鼓] – japanische Trommel, vom kleinen Shimedaiko bis zum großen Fass
- shakuhachi [尺八] – Bambuslängsflöte, kein Schlaginstrument
- sanshin [三線] – dreisaitiges Instrument aus Okinawa, verwandt mit der Shamisen
Shakuhachi und Taiko landen in Übersetzungen gern in einem Topf. Das eine atmet, das andere schlägt: fuku gegen tataku. Wer das Verb trifft, hat das Instrument schon halb richtig benannt.
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