5 Wege, japanische Spitznamen zu erstellen + Liste

5 Wege, japanische Spitznamen zu erstellen + Liste

Fünf konkrete Wege zum japanischen Spitznamen, plus Kosenamen, Schimpfnamen und eine lange Suffixliste.

In Lehrbüchern klingt Japanisch oft so förmlich, dass man glaubt, Spitznamen gebe es dort kaum. Dann hörst du in einem Anime plötzlich Kimu-Taku oder einfach Haru-chan — und merkst, dass der Alltag ganz anders klingt.

Der Haken sitzt in der Distanz: Zwischen Freunden ist ein Adana Zuneigung. Gegenüber jemandem, den du gerade kennengelernt hast, kann dasselbe -chan schon zu nah sein. Genau dazwischen entstehen die fünf Wege, aus einem Namen etwas Eigenes zu machen.

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Gibt es Spitznamen in Japan?

Ja — nur nicht dort, wo das Lehrbuch endet. Im Büro, vor Kunden und gegenüber Älteren bleibt der Nachname plus -san. Unter Freunden, in der Klasse, in Idol-Fankreisen und in der Familie wird der Name dagegen oft verkürzt, verdreht oder mit einem süßen Suffix versehen.

Ein Ehrentitel ist noch kein Spitzname. -san, -kun und -chan markieren Nähe und Rang; der eigentliche Spitzname verändert den Namen selbst. Takuya bleibt Takuya-kun. Kimu-Taku ist schon ein anderes Wort. Die japanischen Ehrentitel wie san, kun und chan gehören also dazu — sie ersetzen das Adana aber nicht.

Und ja: Ein Spitzname, den niemand angeboten hat, kann unhöflich werden. In Japan darfst du eine ungewollte Anrede ablehnen. Wenn du unsicher bist, bleib beim Vornamen plus -san, bis die andere Person selbst lockerer wird.

Adana und Aishō — Spitzname auf Japanisch

Der alltägliche Spitzname heißt adana [あだ名]. Daneben steht aishō [愛称], die herzliche, oft offiziellere Koseform — für Menschen, Tiere, Züge oder sogar Behörden. Aus dem Englischen kommt außerdem nikkuneemu [ニックネーム].

Ein Adana taucht auf, wenn jemand oft gerufen wird: in der Schule, im Online-Spiel, im Forum, beim Haustier. Alberne oder verletzende Varianten gibt es, aber sie sind weniger Alltag als im Westen — und sie können, wenn sie sitzen bleiben, zum Problem werden.

Auch Dinge bekommen Namen. Shinkansen heißen Hayate (Sturm) oder Nozomi (Hoffnung). Die Tokioter Polizei wird nach dem Tor ihres Hauptquartiers Sakuradamon genannt. Bei Haustieren sind Klassiker wie Pochi [ポチ] für Hunde und Tama [タマ] für Katzen so fest wie „Bello“ und „Mieze“.

Klavier- und Brückenszene aus Shigatsu wa Kimi no Uso

Spitzname durch Verkürzen des Namens

Die einfachste japanische Art, einen Spitznamen zu bauen, ist dieselbe wie bei uns: den Namen kürzen. So wie aus Daniele Dani wird, wird aus Haruna oft Haru. Meist fallen die letzte Silbe oder die letzten beiden weg — und dann kommt ein informelles Suffix dazu, häufig -chan für Nähe und -kun unter Jungs oder Klassenkameraden.

Noch süßer, und klar im Baby- oder Fan-Ton, sind -tan und -rin. Die lange Liste solcher Endungen steht weiter unten. Nicht nur der Vorname wird so behandelt: Auch der Nachname darf zum Kosenamen werden, wenn die Beziehung das trägt.

Manche Namen strecken die letzte Silbe mit einem langen Vokal [ー]. Andere werfen eine Mora raus und setzen ein kleines tsu [っ] davor — dann verdoppelt sich der nächste Konsonant, und aus Katsu plus -chan wird Kacchan. Ein paar Muster:

  • Miichan von Misaki (Dehnung ー);
  • Yukko von Yuuko (kleines tsu);
  • Yuririn von Yuri (Suffix -rin).

Westliche Namen gehen denselben Weg, sobald sie in Katakana stehen. Aus Michael wird Maikeru [マイケル], daraus dann Mai-chan oder Maiku — kurz, leicht auszusprechen, ohne Extra-Silben, die im Japanischen unbequem sitzen.

Nico Yazawa macht das Nico-Nico-Nii-Gesicht
Nico funktioniert als Spitzname der Figur — Nico Nico Nii!

Spitzname durch Verbinden der Namen

Eine sehr japanische Variante klebt Nachname und Vornamen zusammen. Kimura Takuya wird zu Kimu-Taku. Matsumoto Jun wird für Fans zu MatsuJun. Der Familienname steht zuerst — deshalb klingt die Mischung anders als ein westlicher Spitzname.

Manche Formen verkürzen gar nicht, sondern hängen ein Adjektiv, eine Onomatopöie oder eine Eigenheit an den Namen. Bei Sängerinnen, Idolen und Synchronsprecherinnen ist das Alltag. Ein paar bekannte Fälle:

  • Maririn — Mariko Shinoda;
  • Meetan — Megumi Ohori;
  • Hikki — Utada Hikaru;
  • Miikashi — Miike Takashi;
  • Kyonkyon — Kyoko Koizumi;
  • Match — Kondo Masahiko;
  • Yukko — Yukiko Okada;
  • Mayuyu — Mayu Watanabe;
  • Aii — Aika Hirota.
Mitglieder der Idol-Gruppe AKB48 auf der Bühne
Bei AKB48 gehören veröffentlichte Kosenamen fast zur Visitenkarte.

Spitznamen mit Wortspielen aus Kanji

Japanische Namen stehen in Ideogrammen, und viele Kanji teilen sich dieselbe Lesung. Du kannst also denselben Laut schreiben und im Kopf etwas anderes meinen. Heißt ein Freund Shi [市], kannst du scherzhaft an Shi [士] denken — Ritter.

Wer Ichigo [一護] heißt, merkt das schnell: Die Zeichen haben mit Frucht nichts zu tun, aber ichigo bedeutet auch Erdbeere. Der Name zieht die Assoziation nach, ob man will oder nicht.

Manche Schreibungen lassen sich extra verdrehen. 大人気 liest man gewöhnlich daininki — „superbeliebt“. Als Scherzlesung otonage klingt dasselbe Zeichenpaar nach Erwachsenheit. Solche Spiele setzen voraus, dass beide Seiten die Kanji kennen; sonst bleibt nur ein Insiderwitz.

Wer den eigenen Namen erst einmal in Zeichen sehen will, findet das Muster in der Anleitung, wie man einen Namen in Kanji schreibt.

Japanische Kanji-Schriftzeichen auf Papier
Ideogramme können gleich klingen und trotzdem etwas anderes meinen.

Spitznamen durch verdrehte Aussprache

Andere Adana entstehen, weil jemand den Namen absichtlich „falsch“ sagt — oder weil Rendaku den Konsonanten weich macht: KA [か] wird zu GA [が], TA [た] zu DA [だ]. Aus einem Laut wird ein neuer Rufname.

Manchmal trifft der verdrehte Laut ein anderes Wort. In Kimi ni Todoke wird Sawako zu Sadako — dieselbe Silbenkette, plötzlich der Geisterfilm. Das ist gemein und genau deshalb sitzt der Spitzname so fest.

Ein paar Muster aus Lautbruch, Ähnlichkeit oder Rendaku:

  • Teko > Peko
  • Ayachan > Yayachan
  • Manaka > Maaka
  • Reina > Reenya

Wie diese Stimmhaftmachung im Wortinneren funktioniert, steht bei Rendaku — sequenzielle Vokalisierung im Japanischen.

Weitere Spielarten: Silben umdrehen, den Namen ins Englische kippen oder eine Eigenschaft davorsetzen. Die Liste ist absichtlich unvollständig — so entstehen die persönlichen Varianten:

  • Yuichan — Chanyui
  • Nanami — Miinana
  • Haruka — HaruHaru
  • Momo — Peach
  • Koharu — Chibiharu

Herzliche Spitznamen auf Japanisch

Unten stehen Kosenamen, die als Anrede funktionieren. Manche brauchen ein Suffix wie -chan oder -kun, sonst klingen sie nackt. Die mit [#] markierten Einträge gehören in genau diese süße Form.

JapanischRomajiBedeutung
ダーリンdaarinDarling — aus dem Englischen
ハニーhaniiHoney — Schatz
旦那dannalockere Anrede für den Ehemann
yomeBraut, Ehefrau (vertraut)
奥さんokusanEhefrau (höflicher)
ottoEhemann
tsumaEhefrau
団子dangojapanisches Süßigkeit #
鼠ちゃんnezumichanMäuschen
あなたanata„du“ — unter Eheleuten oft wie Schatz
スウィーティーsuuiitiiSweetie
Szene aus dem Anime Nisekoi mit den Hauptfiguren
Im Anime Nisekoi habe ich die Begriffe Darling und Honey kennengelernt.

Abwertende Spitznamen auf Japanisch

Es gibt auch Adana, die als Stich sitzen. Manche kleben ein ähnliches, unfreundliches Wort an den Namen und setzen noch -san drauf — höflich im Suffix, grob im Stamm. Manchmal ist die Beleidigung gar nicht geplant, sondern nur eine Eigenschaft, die hängen bleibt.

Wer den Tonfall solcher Wörter genauer hören will, findet das in der Übersicht der japanischen Schimpfwörter und Flüche.

JapanischRomajiBedeutung
駄目君damekunVersager
ボケbokeTrottel (auch Comedy-Rolle)
バカちゃんbakachanDummerchen
バカちbakachiIdiot, verkürzt
不細工busaikuhässlich, unansehnlich
ガキgakiRotzlöffel, Kind (derb)
butaSchwein
あほahoDummkopf (oft Kansai)
変態hentaiPerversling

Süße Suffixe auf Japanisch

Die Idee ist simpel: In den Kreis kommt der Name, danach das Behandlungssuffix. Das Ganze wirkt wie ein Spitzname, sobald die Beziehung das trägt. Alle folgenden Endungen gelten als süß oder vertraut — nicht als Büro-Anrede.

Manche Suffixe sitzen besser an einer verkürzten Form. Aus Fujita Nicole wird so Nikorun: erst der Rufname, dann -run. Probier das Suffix am kurzen Stamm, nicht am vollen Passnamen.

  • 〇〇ちゃん — chan
  • 〇〇ちゃそ — chaso
  • 〇〇ちゃま — chama
  • 〇〇ちゅん — chun
  • 〇〇しゃん — shan
  • 〇〇たん — tan
  • 〇〇たそ — taso
  • 〇〇きゅん — kyun
  • 〇〇きゃん — kyan
  • 〇〇ん — n
  • 〇〇やん — yan
  • 〇〇はん — han
  • 〇〇ちん — chin
  • 〇〇りん — rin
  • 〇〇めろ — mero
  • 〇〇める — meru
  • 〇〇にゃ — nya
  • 〇〇みゅ — myu
  • 〇〇にゃん — nyan
  • 〇〇ぴょん — pyon
  • 〇〇ぽぽ — popo
  • 〇〇ころ — koro
  • 〇〇ぺこ — peko
  • 〇〇ち — chi
  • 〇〇す — su
  • 〇〇ぴ — pi
  • 〇〇ぷー — puu
  • 〇〇もち — mochi
  • 〇〇まる — maru
  • 〇〇ぽよ — poyo
  • 〇〇っちょ — tcho
  • 〇〇ちょこ — choko
  • うさ〇〇 — Präfix (Usagi)
  • ゆめ〇〇 — Präfix (夢, Traum)
  • 〇〇てぃー — tii
Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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