Udon – Die japanische dicke Nudel

Udon – Die japanische dicke Nudel

Dicke Weizennudeln, heiße und kalte Klassiker und ein unkompliziertes Hausrezept

Dicke, weiße Nudeln, die beim Beißen nachgeben und trotzdem Biss behalten – in Japan heißt das oft schon Udon (うどん / 饂飩). Während Soba aus Buchweizen kommt und Ramen eher die chinesisch geprägte Nudelsuppe ist, bleiben Udon die klassischen Weizennudeln der japanischen Küche: heiß in Dashi-Brühe, kalt zum Eintauchen oder als Pfannengericht.

Eine Schale bekommt man in vielen Spezialitätenläden und Izakayas oft schon ab etwa 500 Yen. Negi, Tempura, Ei, Fleisch oder Gemüse wechseln mit Region und Saison – und genau darin steckt der Reiz: Udon ist alltagstauglich und trotzdem endlos variabel.

Schale Udon mit Toppings und klarer Brühe
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Herkunft: von China-Vorbildern bis Sanuki-Udon

Die genaue Herkunft der Udon ist nicht in einem einzigen Jahr festgenagelt. Weizennudeln kamen wahrscheinlich im ersten Jahrtausend aus China nach Japan und wurden dort an lokale Vorlieben angepasst. Eine populäre Erzählung verbindet den buddhistischen Priester Kūkai (Kōbō Daishi) mit der Region Sanuki – dem heutigen Kagawa auf Shikoku: Nach Studien in China soll er das Konzept dicker Nudeln und Brühe mitgebracht haben.

Breit im Alltag verbreitet waren Udon vor allem ab der Edo-Zeit; das Kochbuch Ryōri monogatari von 1643 beschreibt schon die Herstellung. Heute gilt die Präfektur Kagawa als Hochburg: Die etwas festeren, oft etwas dünneren Sanuki-Udon prägen das Bild vom „Udon-Land“. Wer den Unterschied zu anderen Nudeln spüren will, lohnt der Vergleich mit Soba und dem Überblick über japanische Nudelsorten.

Heiße Udon-Nudeln in Schale mit Frühlingszwiebeln

So isst man Udon

Bei kalter Zubereitung mit separater Sauce (Tsuyu) nimmst du die Nudeln mit Stäbchen, tauchst sie kurz ein und isst – nicht die ganze Sauce auf einmal in die Schale kippen. Kommt Udon in heißer Brühe, ist lautes Schlürfen in Japan üblich und kein Fauxpas: Es kühlt die Nudeln und gilt als Zeichen, dass es schmeckt. Die Brühe darf man am Ende oft aus der Schale trinken, wenn kein Löffel dabei ist – besonders bei klaren Dashi-basierten Suppen.

Klassische Udon-Schale mit dicken Weizennudeln und Brühe

Beliebte Udon-Arten

Die Namen hängen oft an Topping oder Servierart. Diese Klassiker begegnen dir in Speisekarten am häufigsten:

  • Kake Udon: die Basis – heiße Nudeln in heißer Brühe, oft nur mit Negi. In Kansai heißt das schlichte Pendant häufig Su-Udon.
  • Zaru Udon: kalte Nudeln auf dem Bambussieb (Zaru), dazu würzige Eintauchsoße – ideal im Sommer.
  • Kamaage Udon: frisch aus dem Topf, noch im Kochwasser, mit Dip und Gewürzen zum Eintauchen.
  • Kitsune Udon („Fuchs“): mit süßlich eingelegtem Aburaage (frittierter Tofu) – besonders in Osaka und Kansai beliebt.
  • Tanuki Udon: mit Tenkasu (knusprige Tempura-Krümel) auf der heißen Suppe – der Name spielt mit der Legende vom listigen Marderhund.
  • Tempura Udon: mit Tempura, klassisch oft Garnele oder Gemüse, auf oder neben den Nudeln.
  • Bukkake Udon: Nudeln mit Beilagen, die mit (oft konzentrierter) Brühe übergossen werden – heiß oder kalt.
  • Nabeyaki Udon: im Tontopf serviert, oft mit Ei, Gemüse, Kamaboko und manchmal Tempura – Winterklassiker.
  • Chikara Udon („Kraft“): mit geröstetem Mochi obenauf, sättigender und klebriger im Biss.
  • Karē Udon: mit japanischer Currysauce statt klarer Brühe, oft mit Fleisch und Gemüse.
  • Yaki Udon: gebratene Udon in der Pfanne, ähnlich Yakisoba, aber mit dicken Weizennudeln.

Regional und saisonal gibt es noch viele weitere Varianten – von Niku-Udon mit gesüßtem Rindfleisch bis hin zu Hausrezepten, die nur in einem Laden so heißen.

Udon serviert mit Beilagen und japanischer Nudelbrühe

Einfaches Udon-Rezept für zu Hause

Für den Alltag reichen fertige oder tiefgekühlte Udon-Nudeln und eine zügige Brühe. Getrennte Töpfe halten die Suppe klar: Nudeln kochen, abgießen, erst dann mit heißer Brühe füllen. Das folgende Hausrezept ist herzhaft und flexibel – Mengen nach Geschmack anpassen.

Zutaten (ca. 2–3 Portionen)

  • 1 Packung Udon-Nudeln (frisch, vorgekocht oder tiefgekühlt nach Packungsangabe)
  • 1 EL Öl
  • 1 Knoblauchzehe, gehackt
  • 1 kleines Päckchen Hondashi (oder Dashi-Pulver nach Anleitung)
  • 1 TL Ajinomoto (optional, für Umami)
  • 1 Hähnchenbrust (oder anderes Fleisch), in Würfel geschnitten
  • Sojasauce (Shoyu) nach Geschmack – eher schrittweise zugeben als die ganze Menge auf einmal
  • 1 Zwiebel, in Streifen
  • 1 verquirltes Ei
  • 1 Tasse gehackte Frühlingszwiebeln
  • Weitere Toppings nach Wunsch (Wakame, Naruto, gekochtes Ei, Tempura-Reste)

Zubereitung

  1. Einen Topf Wasser zum Kochen bringen und die Nudeln nach Packung garen (tiefgekühlt oft nur 1–2 Minuten erwärmen). Abgießen und beiseitestellen.
  2. In einem zweiten Topf Öl erhitzen, Knoblauch kurz anbraten, dann das Fleisch hinzugeben und durchgaren.
  3. Etwa 1,5–2 Liter Wasser, Hondashi und optional Ajinomoto zugeben; mit Sojasauce abschmecken und leicht köcheln lassen.
  4. Zwiebel und verquirltes Ei unterrühren, weitere 5 Minuten ziehen lassen, vom Herd nehmen.
  5. Mit Frühlingszwiebeln und weiteren Toppings abschließen.
  6. Nudeln in Schalen geben, heiße Brühe darüber und sofort servieren.

Wer es traditioneller mag, ersetzt Hondashi durch selbst gemachtes Awase-Dashi und Mirin–Sojasauce-Balance – der Charakter bleibt: dicke Nudeln, klare Umami-Brühe, Toppings nach Laune. Udon lohnt sich heiß im Winter, kalt im Sommer und als schnelle Schale zwischendurch.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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