Die Goldene Woche: Japans größte Feiertagswoche

Die Goldene Woche: Japans größte Feiertagswoche

Vier nationale Feiertage, eine Hochsaison – und warum Hotels und Züge dann so voll sind

Viele rühmen sich mit drei Feiertagen am Stück – in Japan reihen sich Ende April und Anfang Mai gleich mehrere nationale Feiertage zu einer der längsten Urlaubsphasen des Jahres: der Goldenen Woche, auf Japanisch meist Golden Week [ゴールデンウィーク] genannt.

Was als Cluster aus Shōwa-Tag, Verfassungsgedenktag, Tag des Grünen und Kindertag begann, ist heute Reisehochsaison, Familienzeit und Kulturerbe zugleich. Hotels und Züge füllen sich früh; wer die Daten und den Charakter jedes Feiertags kennt, versteht auch, warum das Land in diesen Tagen so anders tickt.

Inhalt 10

Was ist die Golden Week?

Die Golden Week ist die Zusammenlegung von vier nationalen Feiertagen innerhalb von etwa sieben Tagen, oft ergänzt durch Wochenenden und sogenannte Ersatzfeiertage (furikae kyūjitsu). Die Kernspanne liegt in der Regel zwischen dem 29. April und dem 5. Mai.

Viele Beschäftigte und Schüler nutzen die Phase für Reisen, Familienbesuche oder einfach zum Abschalten. Manche Betriebe schließen ganz. Neben dem Neujahr und Obon zählt die Goldene Woche zu den drei großen Urlaubsschüben des japanischen Kalenders.

Auf Japanisch spricht man auch von ōgata renkyū [大型連休] („große zusammenhängende Feiertage“) oder von ōgon shūkan [黄金週間]. Der englische Lehnname Golden Week ist im Alltag am gängigsten.

DatumFeiertagJapanischer NameZeitraum
29. AprilGeburtstag des Kaisers (historisch)Tenchōsetsu [天長節]1927–1948
29. AprilGeburtstag des KaisersTennō Tanjōbi [天皇誕生日]1949–1988
29. AprilTag des GrünenMidori no Hi [みどりの日]1989–2006
29. AprilShōwa-TagShōwa no Hi [昭和の日]seit 2007
3. MaiVerfassungsgedenktagKenpō Kinenbi [憲法記念日]seit 1948/1949
4. MaiBürgerfeiertag (zwischen zwei Feiertagen)Kokumin no Kyūjitsu [国民の休日]1988–2006
4. MaiTag des GrünenMidori no Hi [みどりの日]seit 2007
5. MaiKindertagKodomo no Hi [子供の日]seit 1948

Vier feste Feiertage heute: 29. April Shōwa-Tag · 3. Mai Verfassungsgedenktag · 4. Mai Tag des Grünen · 5. Mai Kindertag. Fällt einer auf einen Sonntag, folgt oft ein Ersatzfeiertag – und die „Woche“ wird länger.

Geschichte und Ursprung der Golden Week

Mit dem nationalen Feiertagsgesetz von 1948 häuften sich freie Tage zwischen Ende April und Anfang Mai. Die Filmindustrie merkte den Effekt besonders: 1951 verkaufte der Film Jiyū Gakkō in dieser Woche mehr Karten als zu Neujahr oder Obon. Daraufhin prägte die Daiei Film Co. den Namen „Golden Week“ – in Anlehnung an den Rundfunkjargon „golden time“ für die beste Sendezeit.

Damals fiel der 29. April noch auf den Geburtstag von Kaiser Shōwa (Hirohito). Nach seinem Tod 1989 wurde der Tag vorübergehend zum Tag des Grünen. Seit 2007 erinnert der Shōwa-Tag wieder an die Shōwa-Ära; der Tag des Grünen liegt seither auf dem 4. Mai.

Besonders lang war die Phase 2019: Mit dem Thronwechsel zu Kaiser Naruhito und dem Beginn der Reiwa-Ära am 1. Mai kamen zusätzliche Feiertage hinzu – für viele eine der längsten zusammenhängenden Pausen der Nachkriegszeit.

29. April – Shōwa-Tag (Beginn der Golden Week)

Der aktuelle Feiertag am 29. April heißt Shōwa no Hi [昭和の日]. Er ehrt den verstorbenen Kaiser Shōwa und lädt zur Erinnerung an die 63 Jahre der Shōwa-Ära – eine Epoche mit Krieg, Wiederaufbau und Wirtschaftswunder.

Vor dem Krieg hieß der kaiserliche Geburtstag Tenchōsetsu [天長節], danach Tennō Tanjōbi [天皇誕生日]. Der Geburtstag des regierenden Kaisers Naruhito liegt heute am 23. Februar – der 29. April bleibt der Shōwa-Gedenktag.

Nationales Parlamentsgebäude in Tokio während der Feiertagszeit

3. Mai – Kenpō Kinenbi (Verfassungsgedenktag)

Am Verfassungsgedenktag [憲法記念日] gedenken die Japaner der Nachkriegsverfassung, die am 3. Mai 1947 in Kraft trat. Der Feiertag unterstreicht Demokratie, Rechtsstaat und die pazifistische Ausrichtung des Landes – Themen, die in Schulen und öffentlichen Debatten immer wieder auftauchen.

4. Mai – Midori no Hi (Tag des Grünen)

Bis 2006 lag der Tag des Grünen [みどりの日] oft am 29. April; seit 2007 füllt er den 4. Mai. Der Tag ist der Natur und Umwelt gewidmet – passend zur bekannten Pflanzen- und Meeresbiologie-Leidenschaft Kaiser Shōwas und zur shintoistischen Wertschätzung der Natur.

Grüne Waldlandschaft in Japan am Tag des Grünen

Typisch sind Baumpflanzaktionen, Parkpflege, Umweltvorträge und Ausflüge ins Grüne. Viele nutzen den Tag schlicht für einen Spaziergang im Nationalpark oder Stadtpark – ohne große Zeremonie, aber mit klarem Fokus auf Natur.

5. Mai – Kodomo no Hi (Kindertag)

Kodomo no Hi [こどもの日] ist der Kindertag und wächst aus dem älteren Tango no Sekku (traditionell der „Tag der Jungen“). Familien hängen bunte Karpfenfahnen (koinobori) auf, stellen Samurai-Puppen, Helme und Rüstungen aus und wünschen den Kindern Gesundheit und Mut. Mädchen haben am 3. März mit dem Hinamatsuri ein eigenes Fest; es gibt außerdem das Shichi-Go-San-Ritual.

Koinobori-Karpfenfahnen am Kindertag in Japan

Zu den Speisen gehören chimaki (in Blätter gewickelte Reiskuchen) und kashiwa mochi. Das Lied Koinobori uta ist in vielen Haushalten und Kindergärten fester Bestandteil des Tages.

Reisen in der Goldenen Woche: was Gäste spüren

Für Reisende ist die Golden Week oft die anspruchsvollste Zeit des Jahres: Shinkansen-Sitze und Hotels in Tokio, Kyoto und Osaka sind früh ausgebucht, Preise steigen, Sehenswürdigkeiten und Busse sind voll. Wer trotzdem reist, bucht Unterkünfte und reservierte Zugplätze möglichst Monate im Voraus, plant Pufferzeiten und weicht bei Bedarf auf weniger überlaufene Regionen aus – etwa Teile von Tōhoku, Shikoku oder die Japanische See-Küste.

Spitzenlasten liegen häufig am Anfang und am Ende der Feiertagsreihe, wenn Millionen gleichzeitig starten oder heimkehren. Dazwischen bleibt es belebt, aber etwas flüssiger. Viele Japaner bleiben in der Nähe der eigenen Stadt oder besuchen Verwandte – Inlandsreisen dominieren klar vor Fernreisen ins Ausland.

Silberwoche – Silver Week

Neben der Goldenen Woche gibt es die Silver Week [シルバーウィーク]: zusammenhängende freie Tage außerhalb der April/Mai-Phase, vor allem im September, wenn der Tag der Alten, der Herbst-Äquinoktium und Wochenenden günstig fallen. Nicht jedes Jahr ergibt sich eine lange Kette; wenn doch, sprechen Medien und Reisebranche wieder von der „silbernen“ Schwester der Golden Week.

Der Begriff stammt ebenfalls aus der Filmindustrie der 1950er und wurde später auf andere Feiertagscluster übertragen – etwa um den Kulturtag im November, sofern der Kalender mitspielt.

Golden Week in China – verwandt, aber anders

In der Volksrepublik China heißt eine vergleichbare mehrtägige Ferienphase ebenfalls Golden Week [黄金周]. Seit 2000 gibt es längere nationale Pausen, unter anderem um den Nationalfeiertag am 1. Oktober und zeitweise um den 1. Mai. Das Frühlingsfest (Chinesisches Neujahr) ist die größte Reisewelle des Landes – oft unter dem Namen Chunyun bekannt – und folgt eigenen Regeln.

Japan und China teilen also die Idee langer Feiertagsblöcke, nicht aber denselben Kalender, denselben Ursprung oder dieselbe Alltagsroutine. Wer beide Länder bereist, merkt schnell: „Golden Week“ ist ein Sammelbegriff für Hochsaison – der Inhalt hinter dem Namen bleibt landesspezifisch.

Häufige Fragen zur Golden Week

Was ist die Golden Week in Japan?
Eine jährlich wiederkehrende Urlaubsphase Ende April bis Anfang Mai mit mehreren nationalen Feiertagen hintereinander – eine der drei großen Reisezeiten neben Neujahr und Obon.

Welche Feiertage gehören dazu?
Heute: Shōwa-Tag (29. April), Verfassungsgedenktag (3. Mai), Tag des Grünen (4. Mai) und Kindertag (5. Mai). Wochenenden und Ersatzfeiertage können die Reihe verlängern.

Wie lange dauert sie wirklich?
Der Kern sind die genannten Tage; je nach Kalender und Betriebsregelung dauert die Pause für viele Menschen etwa eine Woche, manchmal länger.

Lohnt sich eine Japan-Reise genau dann?
Kulturell und wetterlich oft ja – logistisch anspruchsvoll. Wer früh bucht, flexibel bleibt und Massenhotspots meidet, kann die Zeit genießen; wer Spontanität und leere Züge sucht, wählt eher andere Monate.

Welcher Tag ist „der wichtigste“?
Es gibt keinen offiziellen Hierarchie-Sieger. Der Shōwa-Tag eröffnet die Woche und trägt starke historische Bedeutung; der Kindertag ist der traditionsreichste Brauchtag mit den auffälligsten Symbolen (Koinobori).

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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