Shigatsu Baka: Der 1. April und die Aprilscherze in Japan

Shigatsu Baka: Der 1. April und die Aprilscherze in Japan

Vom Reiskocher im Audi bis zum 40 Meter großen Ultraman: Wie japanische Firmen den 1. April feiern und welche Streiche...

Am 1. April wird auch in Japan gelogen. Der Tag heißt dort エイプリルフール (Eipuriru Fūru). Die wörtliche Übersetzung 四月馬鹿 (Shigatsu Baka) bedeutet „Aprilnarr“. Seit den 2010er Jahren nutzen viele japanische Unternehmen das Datum für erfundene Produkte und Dienste, die sie mit Videos, eigenen Websites und dem Hashtag #エイプリルフール verbreiten. Aus dem westlichen Brauch ist ein fester Termin im japanischen Marketingkalender geworden.

Eine Umfrage des Instituts Shirabee unter 684 Personen zwischen 10 und 60 Jahren ergab 2025, dass 41,4 Prozent der Befragten die Firmenscherze am 1. April unterhaltsam finden und 58,6 Prozent ablehnen. Der Tag ist also umstritten: Ein Scherz, den alle sofort erkennen, bringt Aufmerksamkeit, während eine Ankündigung, die zu echt klingt, als Falschmeldung gelesen werden kann.

Innenraum des Audi A8 5.5 mit eingebautem Reiskocher auf der Mittelkonsole
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Was bedeutet Shigatsu Baka?

Im Japanischen ist エイプリルフール der gebräuchliche Name. Die wörtliche Übersetzung 四月馬鹿 (Shigatsu Baka) steht vor allem in Wörterbüchern. Der Brauch kam in der Taishō-Zeit (1912 bis 1926) aus Europa und den USA nach Japan. Der 1. April ist ein regulärer Arbeitstag und zugleich der Beginn des japanischen Geschäfts- und Schuljahres. Die Öffentlichkeit schaut an diesem Termin ohnehin auf neue Ankündigungen, und die Aprilscherze haben sich dort ihren Platz gesichert.

Vor allem im Internet hat sich eine eigene Kultur entwickelt. Nutzer sammeln die Ankündigungen des Tages, Medien veröffentlichen Übersichten der bemerkenswertesten Ideen, und viele Beiträge tragen den Hashtag #エイプリルフール, damit der Scherz erkennbar bleibt.

Warum japanische Firmen den 1. April lieben

Für Unternehmen ist der Tag günstige Werbung. Statt eines teuren Werbespots genügt eine erfundene Produktseite, die innerhalb eines Tages durch soziale Netzwerke wandert. In den vergangenen zehn Jahren sind die Aktionen deutlich größer geworden: Immer mehr Firmen produzieren aufwendige Videos und eigene Websites für einen einzigen Tag. Die japanische Fernsehwerbung arbeitet ohnehin gern mit Humor und überraschenden Einfällen, und der 1. April gibt dieser Haltung einen passenden Anlass.

Zwei Episoden aus den letzten Jahren zeigen die Risiken. 2019 untersagte Microsoft seinen Mitarbeitern Aprilscherze, und in Japan verzichteten viele Unternehmen auf ihre Aktionen, weil im selben Jahr die Ära Reiwa ausgerufen wurde. 2025 kündigte die Imbisskette Hokka Hokka Tei an, wegen gestiegener Reispreise keinen Reis mehr zu verkaufen. Der Beitrag trug den Aprilscherz-Hashtag, wurde aber als geschmacklos kritisiert, weil er sich zu nah an der Wirklichkeit bewegte. Das Unternehmen entschuldigte sich am selben Abend und erklärte, der Beitrag habe eine neue Nudel-Bento-Reihe bewerben sollen.

Andere Ideen kommen so gut an, dass Kunden sie kaufen wollen. Meiji stellte 2025 „Suppengummis“ in den Geschmacksrichtungen Miso-Suppe, Schweinefleisch-Miso und Maissuppe vor, eine angebliche Erweiterung der Juicy-Gummy-Reihe. Viele Nutzer reagierten begeistert und baten um eine echte Produktion.

Berühmte Aprilscherze aus Japan

Einige Streiche sind bis heute in Erinnerung geblieben. Die Beispiele reichen von Zeitungsenten bis zu Produktankündigungen großer Konzerne.

Erdöl in der Bucht von Tokio (2003): Die Tokyo Shimbun meldete auf ihrer Titelseite ein großes Ölfeld vor der Küste der Hauptstadt. Der Artikel gehörte zu den Aprilscherzen, die die Zeitung seit 2001 jedes Jahr veröffentlicht.

Rente in Losform (2004): Im folgenden Jahr schrieb dieselbe Zeitung, die Regierung wolle die sinkenden Renten ausgleichen, indem sie jedem Rentner ein Jumbo-Los beilegt. Auch diese Meldung war erfunden.

Pizza aus der Dose (2013): Domino's Pizza Japan kündigte eine Pizza im Getränkedosenformat an. Ein Produkt gab es nie. Die Idee gehört zu den meistzitierten Scherzen der Kette.

Reiskocher im Audi A8 (2015): Audi Japan präsentierte den angeblichen A8 5.5, ein Sondermodell für Japan mit Reiskocher in der hinteren Mittelkonsole und Tatami-Matten statt Leder. Der Name ist ein Wortspiel: Die 5 steht für go, die 0,5 für han, zusammen ergibt das Gohan, gekochter Reis.

Ultraman in 40 Metern (2015): Bandai nahm über die Plattform Premium Bandai Vorbestellungen für eine Ultraman-Figur in Originalgröße an: 40 Meter hoch, 78 Millionen Yen. Die Figur gehörte zur ULTRA-ACT-Reihe, mit der Bandai seit Jahren Action-Figuren für Sammler produziert.

Coca-Cola als Visitenkarte (2015): Coca-Cola Japan ließ seine Mitarbeiter personalisierte Flaschen mit Namen als Visitenkarten mitführen. Die Ankündigung zeigte Angestellte, die mit den Flaschen zu Terminen gingen.

Airbag für Smartphone-Nutzer (2015): Volvo Car Japan meldete die Entwicklung des ersten Airbags für Fußgänger, die beim Gehen auf ihr Smartphone schauen.

PlayStation Flow (2015): Sony stellte Schwimmbrillen, Sensoren für Arme und Beine sowie einen Trockner vor, mit denen sich Spiele unter Wasser steuern lassen sollten. Das Video wirkte wie eine echte Produktvorstellung.

Bildcollage: Pinguinkostüm im Zoo, 40 Meter große Ultraman-Figur und Coca-Cola-Flaschen als Visitenkarten

Wenn aus dem Scherz ein echtes Produkt wird

Manche Ideen verschwinden nicht mit dem 1. April. Die Brauerei Sankt Gallen aus Kanagawa braut seit Jahren sogenannte Scherzbiersorten, die sie am 1. April für genau 24 Stunden wirklich verkauft. 2015 entstand die „Balen Ale“ mit Wasabi-Aroma, benannt nach dem grünen Plastikblatt, das in japanischen Sushi-Verpackungen steckt. Der Name war ein Scherz, der Wasabi-Geschmack war es nicht.

Der Snackhersteller Kameda Seika veröffentlichte 2023 den Aprilscherz „Tsura-Turn“, eine Variante seines Snacks Happy Turn, und brachte ihn nach großem Interesse tatsächlich in den Handel. Die besten Ideen bleiben damit über den 2. April hinaus im Gespräch und manchmal im Regal.

Der 1. April in Japan lebt von der Nähe zur Wirklichkeit. Erfundene Schlagzeilen und Produkte funktionieren, solange das Publikum den Witz erkennt, und die Beispiele der letzten Jahre zeigen beide Ausgänge: Aus manchen Scherzen werden echte Produkte, andere enden in einer Entschuldigung.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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