Du hast sie bestimmt schon gesehen: in Clips, auf Fotos, manchmal mitten in einem Anime. Jemand trägt einen übertrieben realistischen Pferdekopf, und der erste Impuls ist fast immer derselbe – fotografieren, bevor der Moment vorbei ist.
Die Maske aus Latex und Vinyl heißt im Handel meist Horse Head Mask. Sie sollte einmal gruselig sein. Stattdessen wurde sie lustig, unheimlich und – vor allem im japanischen Netz – ein Gesicht für Leute, die keins zeigen wollen.
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Woher kommt die Pferdekopfmaske?
Die bekannte braune Latexmaske mit Kunstmähne kommt vom Scherzartikel-Händler Archie McPhee in Seattle. Der Verkauf startete Anfang der 2000er als Halloween-Kostüm; je nach Quelle 2002 oder spätestens 2003. McPhee schreibt bis heute, jemand mit dieser Maske sehe „ziemlich verstörend“ aus. Genau das ist der Witz: sie sieht aus wie ein Pferd, das gerade merkt, dass es in einem Wohnzimmer steht.
Als Kostüm war sie nie das Gruseligste im Laden. Als Gegenstand mitten im Alltag schon.
Wie wurde daraus ein Meme?
Einen einzigen Startschuss gibt es nicht. Es gibt Beschleuniger.
2005 schlug der Lonely Planet-Band Guide to Experimental Travel das Horse Head Adventure vor: eine Person der Reisegruppe trägt die Maske, der Rest schaut, was Passanten tun. Kurz danach tauchte der Kopf in Webvideos auf, unter anderem bei Tom Green.
Den Sprung nach Japan machte sie auf Nico Nico Douga. Wer dort nicht erkannt werden wollte, griff oft zur Scream-Maske, zum Darth-Vader-Helm – oder eben zum Pferdekopf. Auf Japanisch heißt sie schlicht 馬マスク. Die Funktion erinnert an die Guy-Fawkes-Maske im Westen: du bleibst jemand, ohne ein Gesicht zu liefern. Der Unterschied: niemand hat den Pferdekopf in einem Film zur Ikone gemacht. Die Community hat ihn sich selbst genommen.
Um 2007 und 2008 postete der japanische Künstler Wotaken (ヲタケン) absurde Clips in der Maske. Kopien auf YouTube liefen in die Millionen. Ein anderer Nico-Nico-Uploader, Uma-inu (馬犬), kochte 2007 mit beschrifteter Pferdemaske. Von da an war der Kopf kein Halloween-Rest mehr, sondern ein Internetgesicht.
Ein japanischer Hersteller erzählt, die Maske sei im Fernsehen erst richtig angekommen, als Takashi Okamura sie in einer Dating-Nummer von Mecha-Ike (めちゃ×2イケてるッ!) trug. Auf den Videoseiten war sie da schon lange zu Hause.
Ein paar Stationen, die sich halten:
Anfang der 2000er: Archie McPhee bringt die Horse Head Mask als Halloween-Ware raus.
2005: Lonely Planet empfiehlt, die Maske auf Reisen zu tragen.
2007–2008: Wotaken und andere machen den Pferdekopf auf Nico Nico und YouTube unsichtbar-sichtbar.
2010: Google Street View erwischt in Aberdeen den so genannten Horse Boy.
8. Juli 2014: In Denver schüttelt Barack Obama einem Passanten in der Maske die Hand.
In Berlin hat der Straßenperformer The Neigh Kid Horse denselben Kopf zum Markenzeichen gemacht: Unterhose, Pferdekopf, und Hunderte Fotos von Leuten, die genau das tun, was du beim ersten Anblick auch tun würdest.
Pferdeköpfe im Anime und auf Nico Nico
Anime hat den Kopf benutzt, bevor er Meme war. 2003 taucht in Full Metal Panic? Fumoffu der Pony-Mann (ぽに男) auf: ein pferdeköpfiger Verfolger mit Haarbürste. Die Figur sieht aus, als hätte jemand die McPhee-Maske übergezogen – und weil die Maske da schon im Handel war, ließ sich das Bild draußen wiederholen.
2007, in einer Szene von Ichigo Mashimaro (Strawberry Marshmallow), starren die Mädchen auf jemanden in rosa Kleid und Pferdekopf, als wäre das der normalste Besuch im Zimmer. 2013 setzt Yozora in Boku wa Tomodachi ga Sukunai Next die Maske zu einem Badeanzug. Kein Plotpunkt, eher der Witz, dass der Club alles falsch macht, nur nicht langweilig.
Wer auf Nico Nico anonym bleiben wollte, nutzte oft genau diese Masken. Wotaken hat das Bild von Japan aus in den Rest des Internets getragen.
Es muss nicht immer die Halloween-Maske gewesen sein, die Japan beeinflusst hat. Manchmal sitzt nur dieselbe absurde Nachbarschaft daneben. 2016 erschien das Otome-Spiel Uma no Prince-sama (うまのプリンスさま, international My Horse Prince): ein Mädchen trainiert ein Pferd mit menschlichem Gesicht, als Parodie auf Uta no Prince-sama. Es ist ein Visual Novel-artiges Dating-Spiel, kein Ableger der Latexmaske – und trotzdem merkt man sofort, warum beides in denselben Feed passt.
Eine Pferdekopfmaske kaufen
Das Original von Archie McPhee liegt typischerweise um die 20 US-Dollar. Kopien, Einhorn- und Zebra-Varianten gibt es überall im Netz; die Spanne bei Preis und Qualität ist groß, deshalb gehört hier keine Euro-Zahl hin, die morgen schon falsch ist.
Das Lustigste an der Maske ist immer noch, damit auf die Straße zu gehen. Leute wollen Fotos. Manche zweifeln laut an deinem Verstand. Ich habe meine gekauft. Und du – traust du dich?
Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.
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