Japanische Actionfiguren: Arten, Qualität und Kauf vor Ort

Japanische Actionfiguren: Arten, Qualität und Kauf vor Ort

Figma, Nendoroid, Scale und Prize: wie sich die Formate unterscheiden und worauf Sammler in Japan achten.

In Japan landet fast alles auf demselben Wort: Action Figure (アクションフィギュア). Nicht nur der Soldat mit Gelenken. Auch die starre Scale, der Nendoroid und die Miniatur aus der Kapsel heißen so, sobald sie im Ladenregal stehen.

Der englische Begriff ist weiter geworden als das Original von 1964. Wer sammelt, merkt das schnell: ohne die Art zu erkennen, zahlt man Scale-Preis für Prize-Qualität – oder sucht Gelenke an einer Figur, die nie dafür gebaut wurde.

Vier Nendoroids nebeneinander, darunter Rem als Maid und Figuren mit Kopfhörern und Krone
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Die Geschichte der Action Figures

Die erste action figure entstand 1964 und kam von Hasbro, einem amerikanischen Spielzeughersteller. Es war G.I. Joe, nach den Comics, die seit 1942 erschienen. Kinder, vor allem Jungen, konnten den Charakter in der Hand halten und damit spielen. das Zimmer bekam nebenbei eine kleine Bühne.

Bald interessierten sich Jugendliche und Erwachsene nicht mehr nur zum Spielen, sondern zum Sammeln und aus Liebe zu den Charakteren. Die Qualität zog nach: realistischere Gesichter, bessere Gelenke, mehr Lizenzen. In Japan entstanden daraus eigene Hersteller, die heute den Anime-Markt prägen: Good Smile Company, Bandai und Kotobukiya gehören zu den Namen, die Sammler zuerst prüfen.

Links eine Hatsune-Miku-Figur mit Getränkedose, rechts Nendoroids von Ram und Rem als Maids

Die Action Figures in der Gegenwart

Heute gibt es Figuren in jeder Größe und Preisklasse: Miniatur, Maßstab 1/8, lebensgroß. In Japan sind die Sammelfiguren aus Anime, Manga und Spielen der Alltag im Otaku-Viertel, nicht die Ausnahme.

Preise beginnen bei ein paar hundert Yen für eine Kapsel und gehen bei großen Scales in mehrere zehntausend Yen. Entscheidend sind Material, Auflage, Lizenz und ob die Figur noch im Handel oder nur noch gebraucht auftaucht.

In 秋葉原 (Akihabara) in Tokio stehen die Schaufenster voll. Dort kauft man selten das Billigste – und oft nicht das Günstigste der Stadt.

Die grobe Landkarte der Formate sieht so aus. Die Yen-Spannen sind Orientierung, keine Ladenpreise:

TypGrößeGelenkeGrobe Preisspanne
Figmaca. 13–16 cmhoch, mit Ständeroft 6.000–12.000 Yen
Nendoroidca. 10 cmwechselbare Teileoft 5.000–8.000 Yen
Scalemeist 1/8 oder 1/7fast keineab ca. 15.000 Yen
Prizeca. 15–25 cmkeineoft 3.000–6.000 Yen
Gashaponca. 3–5 cmkeine100–500 Yen
Reihe bemalter Scale-Figuren von Anime-Charakteren in festen Posen

Figmas – Action Figures von etwa 13 cm

Die figma-Serie ist eine Linie japanischer Actionfiguren, die von Max Factory hergestellt und von Good Smile Company vertrieben wird. Entwickelt wird sie vom CEO von Max Factory, Max Watanabe, sowie von Masaki Apsy.

Das figma-Team konzentriert sich auf hochartikulierte Figuren in Handgröße, vor allem beliebte Anime-Charaktere. Jede figma kommt mit Zubehör: Gesichter, Hände, Waffen, ein durchsichtiger Ständer. Gelegentlich gibt es auch Vocaloid, Nintendo-Reihen und sogar reale Personen.

Die erste figma war eine Sonderauflage von Haruhi Suzumiya, basierend auf dem PS2-Spiel Suzumiya Haruhi no Tomadoi. Das Produkt erschien am 31. Januar 2008 mit dem Code SP001. Noch 2008 folgte die erste reguläre Massenauflage: Yuki Nagato aus The Melancholy of Haruhi Suzumiya.

Figmas bestehen aus ABS und PVC. Jede Figur enthält ein Gestell, mit dem man Posen hält, ohne dass sie umkippt. Die Höhe liegt bei etwa 13 cm und schwankt mit der Statur des Charakters. Lange kosteten die meisten zwischen 3.000 und 6.000 Yen. neuere Releases liegen oft höher.

Gesichter und Hände lassen sich tauschen, oft auch zwischen verschiedenen figmas. An Röcken, Schals und anderen Stellen, die Gelenke blockieren würden, sitzt ein flexiblerer Kunststoff.

Nendoroid – Action Figures im Chibi-Stil

Nendoroid [ねんどろいど] sind Actionfiguren im Chibi-Stil: großer Kopf, kurzer Körper, artikuliert, extrem anpassbar. Die Höhe liegt bei etwa 10 cm, die Petite-Linie bei rund 6 cm. Good Smile Company hat die Reihe 2006 gestartet.

Die meisten Nendoroids haben wechselbare Arme, Beine und einen beweglichen Hals. Es gibt mehrere Ableger:

  • Nendoroid Petite – kleinere Figuren mit etwa 6,5 cm Höhe.
  • Nendoroid More – Sets mit zusätzlichen Teilen, Clips und Saugnapf-Ständern.
  • Nendoroid Plus – andere Formen neben der klassischen Figur, etwa Stofftiere oder Schlüsselanhänger.
  • Nendoroid co-de – Figuren, bei denen Haare und Kleidung abnehmbar sind.

Der Vorteil gegenüber figma: oft günstiger, weniger Stellfläche, trotzdem detailliert. Wer tiefer einsteigen will, findet das im Artikel über Nendoroid.

Drei sitzende Nendoroids in Schuluniform mit rotem, lila und silbernem Haar

Scale-Figuren – der feste Maßstab

Wenn Sammler in Deutschland „die teure Anime-Figur“ meinen, meinen sie meist eine Scale. Der Name kommt vom Maßstab: 1/8, 1/7 oder 1/6 bezieht sich auf die Größe des Charakters, nicht auf Gelenke. Die Pose ist vom Hersteller festgelegt. Zusammenbauen muss man sie in der Regel nicht – das wäre eher ein Garage Kit aus Resin.

Gute Scales leben von Sculpt, Bemalung und Sockel. Alter, Good Smile, Kotobukiya und MegaHouse sind Namen, die in dieser Liga oft auftauchen. In Deutschland beginnen solide Releases häufig um die 140 Euro. in Japan steht auf der Box oft ab etwa 15.000 Yen, große 1/4-Modelle deutlich darüber.

Der häufige Anfängerfehler: zwei Figuren derselben Serie kaufen und feststellen, dass die eine der anderen nur bis zum Knie reicht. Höhe und Maßstab gehören auf die Einkaufsliste, nicht nur der Charaktername.

Prize-Figuren und Banpresto

Prize-Figuren stammen aus den Kranspielen der Spielhallen. Sie sind starr wie Scales, aber günstiger produziert: weniger Schattierung, einfachere Sockel, dafür ein Einstiegspreis, den man nach einem Abend in Akihabara noch tragen kann. Banpresto, Taito und Sega sind die großen Lieferanten.

Banpresto war zuerst ein Hersteller von Videospielen für den japanischen Markt, vor allem Anime-Lizenzen. Am 1. April 2008 ging das Unternehmen in Bandai Namco auf. Die Marke blieb bei Spielzeug und Preisen. 2019 wanderte sie zu Bandai Spirits. Im Laden steht deshalb oft noch Banpresto auf der Box, auch wenn der Konzernname gewechselt hat.

Das darf man nicht mit S.H.Figuarts verwechseln. Figuarts sind hochartikulierte Actionfiguren von Tamashii Nations, näher an figma als an einer Kranfigur. Wer „Bandai“ sucht, findet beides – Gelenk und Prize – unter demselben Dach, aber nicht in derselben Schublade.

Funko Pop – die Großköpfigen aus Amerika

Andere beliebte Figuren kommen aus den USA und heißen Funko POP. Der Kopf ist groß und rund, fast wie ein Röhrenfernseher. Es gibt hunderte Charaktere aus Serien, Filmen und Animes.

Funko ist ein amerikanisches Unternehmen für lizenzierte Popkultur: Vinylfiguren, Bobbleheads, dazu Elektronik und Stofftiere. Ein Funko kann eine Alternative zum originalen Nendoroid sein, wenn das Budget klein ist und der Stil gefällt. Der Ladenpreis liegt oft um die 15 bis 25 Euro. Sondereditionen werden teurer. Manche finde ich hübsch, andere wiederum schrecklich.

Große Sammlung von Funko-Pop-Figuren mit übergroßen Köpfen auf weißem Untergrund

Action Figures aus dem Gashapon

In Japan stehen die berühmten Kapselautomaten Gashapon. Münze rein, kurbeln, Kugel raus. Darin steckt oft eine Miniatur des Lieblingscharakters, dazu Schlüsselanhänger und Kleinkram, den niemand geplant hat.

Die Automaten stehen im ganzen Land, besonders vor Game-Centern und in eigenen Etagen voller Maschinen. Die Qualität der kleinsten Figuren ist oft schlicht: wenig Farbe, bruchempfindlich. Dafür bleibt der Preis niedrig. Manche Kapseln kosten noch 100 Yen, viele inzwischen 200 bis 500 Yen. Teurere Maschinen liefern in der Regel bessere Teile. Die Miniaturen liegen oft bei etwa 3 Zentimetern.

Reihe weißer Gashapon-Automaten mit bunten Kapseln in einem Laden

Die Qualität einer Action Figure

Es gibt chinesische No-Name-Marken und offene Kopien, die günstig aussehen und dann die Farbe verlieren oder an den Gelenken brechen. Manche imitieren die Originalbox und scheitern an den Augen, den Nähten, dem Gewicht.

Ich empfehle den Kauf von Piratenware nicht und gehe deshalb nicht ins Detail. Prüfen Sie Hersteller, Preis im Vergleich zu anderen Shops und echte Fotos statt nur Renderbilder. Ein Preis, der zu gut wirkt, ist selten ein Schnäppchen.

Fabriken wie die Good Smile Company halten die Qualitätskontrolle eng. Ein sichtbarer Fehler reicht oft, damit die Figur nicht in den Handel geht. Fast „hundert Prozent handgemacht“ ist übertrieben – Spritzguss ist Industrie – aber Bemalung und Endkontrolle sind aufwendig. Deshalb wirkt ein Original neben einer Kopie so eindeutig, sobald man beide in der Hand hatte.

Man kann sich in diese Welt verlieben. Ich bin ein großer Fan der japanischen Actionfiguren: Wer will nicht eine kleine, greifbare Ausgabe seines Lieblingscharakters im Regal haben?

Vier Nendoroids mit wechselbaren Gesichtern, darunter eine einäugige Prinzessin und ein Mädchen im Gothic-Kleid

Wo kauft man Action Figures in Japan?

Manche stellen sich vor, Figuren seien in Japan billig. Die Realität ist eine andere. Auf Anime-Messen außerhalb Japans findet man oft günstige Stände – und häufig fragwürdige Qualität. In Japan selbst stehen in den großen Läden Originale, und Originale haben ihren Preis.

In bekannten Vierteln wie Akihabara liegen neue Releases selten unter 3.000 Yen. Wer sparen will, geht zu gebrauchten Exemplaren oder zu Prize und Gashapon, nicht zur Hoffnung auf eine Scale zum Souvenir-Preis.

Akihabara ist voll, laut und auf Touristen kalibriert. Bevor Sie in Akiba zuschlagen, lohnt ein Vergleich. In Tokio sind Secondhand-Läden in der Nakano Broadway oft ruhiger und ehrlicher im Preis. Suchen Sie Ketten wie Book Off und die Ableger Mode-Off, Off-House, Hobby-Off und Garage-Off. Jede Variante hat einen Schwerpunkt, Figuren tauchen in mehreren auf.

Unbekannte Secondhand-Läden sind oft günstiger als die großen Namen. In Osaka, am Bahnhof Namba, gibt es den Laden Admski, spezialisiert auf eher retro Stücke.

Wenn Sie Viertel und Läden planen, helfen diese Seiten weiter:

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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