Uke und Seme: Bedeutung und Rollen im Yaoi-Universum

Uke und Seme: Bedeutung und Rollen im Yaoi-Universum

Wie die Begriffe aus dem Kampfsport in die Fankultur kamen, was Uke und Seme unterscheidet und wo die Grenzen der Rollen...

Uke und Seme sind die beiden Grundbegriffe, mit denen Yaoi- und BL-Fans die Rollen in einer Liebesgeschichte zwischen männlichen Figuren beschreiben. Beide Wörter kommen aus dem Japanischen und haben ihre Wurzeln im Kampfsport: Uke (受け) ist der empfangende, Seme (攻め) der angreifende Part.

Yaoi, auch Boys' Love (BL) genannt, ist ein Genre aus Manga, Anime und Fanfiction, das Liebesgeschichten zwischen männlichen Figuren erzählt und überwiegend von Frauen gelesen und gezeichnet wird. Warum das so ist, erklärt der Artikel Warum mögen Frauen Yaoi? Fujoshi entschlüsselt.

Entstanden ist das Genre in den späten 1970er Jahren in der japanischen Dōjinshi-Szene, in der Fans eigene Comics mit bekannten Figuren zeichneten. Über Manga, Anime und später Streaming hat es ein weltweites Publikum erreicht, und Uke und Seme sind bis heute die gebräuchlichste Art, über die Rollen in diesen Geschichten zu sprechen.

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Die Bedeutung von Uke und Seme

Uke (受け): Der Begriff Uke kommt aus dem Japanischen und bedeutet wörtlich „Empfänger“ oder „derjenige, der empfängt“. Im Yaoi-Kontext ist Uke der passivere, unterwürfigere Charakter und in der Regel jünger oder physisch kleiner in der Beziehung.

Beim Sex übernimmt er üblicherweise den Part des „Bottom“, wird also penetriert, und zeigt in vielen Geschichten Verletzlichkeit, Sensibilität und emotionalen Ausdruck.

Seme (攻め): Der Begriff Seme stammt aus dem Japanischen und bedeutet wörtlich „Angreifer“ oder „derjenige, der angreift“. Im Yaoi-Kontext ist Seme der dominantere, bestimmende Charakter und in der Regel älter oder physisch größer in der Beziehung.

Gewöhnlich übernimmt er den Part des „Top“, penetriert also, und zeigt in vielen Geschichten Schutzinstinkt, Autorität und emotionale Kontrolle.

Welche Figur als Uke und welche als Seme gilt, ist nicht offiziell festgelegt. Die Zuordnung entsteht in der Fan-Praxis und wird je nach Werk, Paarung und Lesart unterschiedlich gesehen.

Judo-Wettkampf: Eine Kämpferin wirft ihre Gegnerin

Die Ursprünge der Begriffe Uke und Seme

Die Begriffe Uke und Seme stammen aus dem japanischen Kampfsport, etwa aus Judo, Aikido und Kendo. Uke geht auf das Verb ukeru (受ける) zurück, „empfangen“, und bezeichnet die Person, die eine Technik aufnimmt. Seme kommt von semeru (攻める), „angreifen“, und steht für die angreifende Seite sowie für den Druck, mit dem sie eine Lücke beim Gegenüber sucht.

Was Uke genau tut, unterscheidet sich je nach Kampfkunst: In einigen Formen greift er an und überlässt die Abwehr dem Partner, in anderen nimmt er die Technik auf und achtet auf eine sichere Fallschule.

Als sich das Genre in den späten 1970er und 1980er Jahren in Japan formierte, wurden diese Begriffe auf die Liebesgeschichten übertragen. Die Übertragung liegt nahe, weil es in beiden Fällen um eine klare Verteilung von Geben und Nehmen geht: Eine Seite handelt, die andere reagiert. Im Yaoi beschreiben Uke und Seme damit vor allem die Macht- und Beziehungsdynamik zwischen zwei Figuren.

Zwei männliche Figuren in einer Szene aus dem Boys-Love-Anime Super Lovers

Stereotype und Variationen von Uke und Seme

Die Rollen von Uke und Seme werden oft mit bestimmten Persönlichkeits- und Erscheinungsbildern verbunden, doch nicht jede Figur passt in diese Kategorien.

Einige Autoren und Zeichner erzählen deshalb komplexere, dynamischere Beziehungen, in denen die Rollen weniger eindeutig festgelegt oder sogar umkehrbar sind. Neben der klassischen Zweiteilung haben sich dafür weitere Begriffe gebildet:

  1. Reversibel (リバ, Riba): Eine Beziehung, in der die Charaktere die Rollen von Uke und Seme wechseln können, wodurch die typischen Konventionen von Dominanz und Unterwerfung infrage gestellt werden. Das Wort Riba kommt von englisch „reversible“; im englischsprachigen Fandom ist dafür auch das Kofferwort Seke aus Seme und Uke gebräuchlich.
  2. Tachi (タチ) und Neko (ネコ): Diese Begriffe für den aktiven und den passiven Partner stammen aus der japanischen LGBT-Szene, wo sie ursprünglich in der lesbischen Community verwendet wurden. In Yaoi und BL bleiben Seme und Uke die üblichen Bezeichnungen.

Hinter den Begriffen steht eine Konvention, mit der Fans über Beziehungen sprechen. Viele Geschichten spielen mit dieser Erwartung: Ein schüchterner Charakter kann sich als Seme entpuppen, und manche Paare tauschen die Rollen bewusst. Wer einen Einstieg sucht, findet in der Liste der 50 besten Yaoi-, Shounen-Ai- und BL-Animes viele Beispiele dafür, wie unterschiedlich die Rollen gezeichnet werden.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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