Warum spielt Japan in Blau? Die Geschichte des Fußballtrikots

Warum spielt Japan in Blau? Die Geschichte des Fußballtrikots

Von der Universität Tokio über das Wunder von Berlin bis zum Namen Samurai Blue: wie Blau zur festen Farbe Japans wurde.

Warum spielt Japans Fußballnationalmannschaft in Blau, obwohl die Flagge des Landes nur Rot und Weiß zeigt? Die Frage ist berechtigt, denn Blau kommt in der Nationalflagge nicht vor. Die Antwort führt fast hundert Jahre zurück, zu einer Mannschaft, die 1930 zum ersten Mal aus Spielern aus dem ganzen Land zusammengestellt wurde.

Bis 1930 entschied ein nationales Qualifikationsturnier, welche Mannschaft Japan bei internationalen Spielen vertrat. Die Spieler trugen die Farben des qualifizierten Teams. Für die Far Eastern Championship Games 1930 in Tokio bildete der Verband erstmals ein eigenständiges Nationalteam. Die Mannschaft trug ein hellblaues Hemd. Zwölf Spieler kamen von der Kaiserlichen Universität Tokio, der heutigen Universität Tokio, die ebenfalls in Hellblau spielte. Ob die Nationalmannschaft deren Farbe übernahm, ist nicht belegt.

Der Verband verweist auf eine Notiz des damaligen Vizepräsidenten Tanabe Gohei. In seinem Manuskript Fukushokukō (服色考) hält er fest, dass 1930 in Tokio zum ersten Mal eine Trikotfarbe festgelegt wurde. Weil Japan vom Meer umgeben ist, habe man das ganze Hemd rund um die Flagge als Meer verstanden und sich für Blau entschieden. Die verbreitete Deutung, Blau stehe für Himmel und Ozean, passt zu diesem Gedanken. Die Notiz selbst nennt das Meer.

Wir wissen heute nicht mehr genau, warum die Wahl 1930 auf Blau fiel. Die Theorie, dass die Nationalspieler einfach das Hellblau der Universität Tokio übernommen haben, klingt plausibel, weil zwölf Spieler von dort kamen. Belege dafür fehlen jedoch. Der Verband führt beide Erklärungen an: die bewusste Entscheidung für das Meer und die praktische Übernahme einer vorhandenen Universitätsfarbe.

Ein anderes Datum wird oft mit Blau verbunden: die Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Japan gewann in der ersten Runde mit 3:2 gegen Schweden und verlor im Viertelfinale mit 0:8 gegen Italien. Der Sieg gegen Schweden ist in Japan als „Wunder von Berlin“ bekannt. Das Team trug damals Hellblau, und viele Fans verbinden die Farbe seitdem mit diesem Spiel. Blau blieb die Leitfarbe, auch wenn es später weiße und rote Ausnahmen gab.

Andere Nationalteams tragen ebenfalls Farben, die nicht in ihrer Flagge stehen. Die Niederlande spielen in Orange, Italien in Azzurro. In beiden Fällen verweist die Farbe auf das Königshaus. Japan ist ein weiteres Beispiel dafür, dass eine Mannschaft eine Farbe tragen kann, die nicht in der Flagge steht, und sie trotzdem zur nationalen Identität macht.

Japans Nationalspieler im dunkelblauen Trikot bei einem Kopfballduell mit zwei Gegnern in Weiß

Woher kommt der Name Samurai Blue?

Der Name „Samurai Blue“ klingt nach einer alten Tradition. Er ist deutlich jünger als das blaue Trikot. Vor der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland suchte der japanische Verband einen neuen Slogan für die Unterstützung der Mannschaft. Zur Auswahl standen fünf Sprüche, darunter „SAMURAI BLUE 2006“. Die Fans stimmten im Oktober 2005 auf der Verbandswebsite ab, und „SAMURAI BLUE 2006“ gewann.

Nach dem Turnier entstand beim Verband die Idee, aus dem Slogan einen offiziellen Spitznamen zu machen. 2009 wurde „SAMURAI BLUE“ offiziell zum Spitznamen der Nationalmannschaft. Auf Japanisch heißt er サムライ・ブルー (Samurai Burū). Ich halte den Namen für eine moderne Erfindung, die gut zum blauen Trikot passt. Die Verbindung zu den Samurai entsteht über das Land und über die Farbe. Das Spiel von 1936 erklärt den Namen nicht.

Die Trikotgeschichte zeigt, dass Blau nicht immer selbstverständlich war. 1988 wechselte Japan für einige Jahre zu Rot und Weiß, den Farben der Flagge. Die Mannschaft verpasste die Weltmeisterschaft 1990 und die Olympischen Spiele 1992. Danach kehrte Blau zurück und blieb die Hauptfarbe.

Der Ausflug in Rot zeigt, wie stark Blau bereits mit der Mannschaft verbunden war. 1998 nahm Japan zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaftsendrunde teil. 2002 erreichte das Team bei der WM im eigenen Land das Achtelfinale. Bei jedem dieser Turniere wurde das blaue Trikot stärker zum Erkennungszeichen. Seit der Gründung der J. League 1993 ist Fußball außerdem ein Profisport geworden, der mit Baseball um Aufmerksamkeit konkurriert.

Auch das Frauenteam hat einen eigenen Namen. Seit dem 7. Juli 2004 heißt die japanische Frauen-Nationalmannschaft „Nadeshiko Japan“. Der Verband wählte den Namen aus rund 2.700 Vorschlägen aus. Nadeshiko ist eine Nelkenart und verweist auf Yamato Nadeshiko, das Bild der idealen japanischen Frau. Die Mannschaft spielt wie das Männerteam in Blau. 2011 gewann sie die Weltmeisterschaft und machte den Namen weltweit bekannt.

Was hat der dreibeinige Rabe mit dem Trikot zu tun?

Das Wappen des japanischen Fußballverbands zeigt einen dreibeinigen Raben. In der japanischen Mythologie heißt er Yatagarasu (八咫烏). Er gilt als Bote der Kumano-Gottheiten und soll den Kaiser Jimmu auf seinem Weg durch die Region Kumano geführt haben. Der Rabe steht für die Sonne, für Führung und für Glück.

Der Yatagarasu erschien 1988 zum ersten Mal auf den japanischen Spielshirts. 2017 gab sich der Verband ein neues Wappen, das den Raben mit einem roten Ball und dem Schriftzug JFA zeigt. Das Wappen und das blaue Trikot werden seit Jahrzehnten gemeinsam getragen. Daraus ist eine starke visuelle Verbindung entstanden. Die Farbe ist älter als das Wappen.

Übersicht der japanischen Nationaltrikots von 1917 bis 2014 neben dem JFA-Wappen mit dem dreibeinigen Raben

Wer die blaue Spielkleidung heute sieht, sieht mehrere Schichten japanischer Fußballgeschichte: die Entscheidung von 1930, die Geschichte um das Hellblau der Universität Tokio, das „Wunder von Berlin“ und einen Namen, den die Fans 2005 ins Spiel brachten. Der Rabe auf der Brust erzählt eine eigene Geschichte, die mit dem Wappen des Verbands beginnt.

Die Flagge Japans zeigt Rot und Weiß. Blau ist seit 1930 die Leitfarbe der Nationalmannschaft. Zwei Erklärungen stehen nebeneinander: die Übernahme des Hellblaus der Universität Tokio und die Idee, das Meer rund um die Flagge abzubilden. Ganz klären lässt sich das nicht. Fest steht: Der Name Samurai Blue kam 2005 als Fan-Slogan und wurde 2009 offiziell, und der dreibeinige Rabe ist das Wappen des Verbands. Die Entscheidung von 1930, der Fan-Slogan von 2005 und das Wappen von 2017 erzählen die Geschichte des Trikots klarer als jede einzelne Legende.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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