Blaue Rose: Wie Japan die Sorte Applause entwickelte

Blaue Rose: Wie Japan die Sorte Applause entwickelte

Die Geschichte der japanischen Applause-Rose, ihr tatsächlicher Farbton und ein sicherer Färbeversuch für zu Hause.

Eine wirklich himmelblaue Rose gibt es auch heute nicht. Was als blaue Rose verkauft wird, wirkt meist violettblau, lavendelfarben oder graublau. Genau darin liegt der Reiz der japanischen Sorte SUNTORY blue rose APPLAUSE: Sie war kein gefärbter Schnittblumen-Trick, sondern Ergebnis jahrelanger Pflanzenforschung.

Der Durchbruch wurde 2004 öffentlich vorgestellt; 2009 kam Applause in Japan auf den Markt. Die Rose löste das alte Problem nicht vollständig, denn ihr Ton ist nicht rein blau. Sie brachte aber ein blaues Pigment in eine Rosenblüte und verschob damit die Grenze dessen, was bei Rosen bis dahin möglich war.

Violettblaue Rose der Sorte Applause
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Warum natürliche Rosen nicht einfach blau werden

Bei Rosen fehlt normalerweise Delphinidin, ein Pigment, das viele blaue Blüten mitprägt. Züchter konnten deshalb durch Kreuzungen zwar Flieder-, Mauve- und Silbertöne hervorbringen, aber kein klares Blau wie bei manchen Veilchen oder Petunien. Eine „blaue“ Rose aus dem Blumenladen kann also durchaus eine besondere Sorte sein, ohne botanisch ein reines Blau zu zeigen.

Das ist mehr als eine Frage des Namens. Blütenfarbe entsteht nicht allein durch ein Pigment: Auch die Bedingungen in den Zellen beeinflussen, wie ein Farbton wahrgenommen wird. Deshalb kann dieselbe Applause-Rose je nach Licht eher lila, mauvig oder blaugrau erscheinen. Wer ein sattes Königsblau erwartet, wird enttäuscht; wer den ungewöhnlichen Übergangston mag, versteht ihren Reiz sofort.

Wie aus einem alten Wunsch Applause wurde

Suntory begann die Forschung an blauen Rosen bereits 1990. Das Team arbeitete daran, Rosen zur Bildung blauer Farbpigmente zu befähigen. Nach frühen Rückschlägen gelang 2004 die öffentliche Präsentation der ersten Entwicklung. Vor einem Verkauf in Japan waren jedoch weitere Prüfungen und Genehmigungen nötig, weil es sich um eine gentechnisch veränderte Pflanze handelte.

Die offizielle Markteinführung folgte 2009 unter dem Namen SUNTORY blue rose APPLAUSE. Das Wort „Applause“ spielt auf Beifall an; das Unternehmen verband die Rose mit der Idee, einen lange gehegten Traum zu feiern. Diese Geschichte erklärt, warum die Blume in Japan häufig weniger als bloßes Zuchtprodukt wahrgenommen wird als als Symbol für Geduld und einen schwierigen Durchbruch.

Blaue Rose mit lavendelfarbenem Schimmer

Ist Applause wirklich blau oder eher lila?

Die ehrliche Antwort lautet: eher violettblau als rein blau. Selbst Forschende von Suntory berichten, dass manche Betrachter die Blüten als purpurfarben bezeichnen. Das macht Applause nicht weniger bemerkenswert. Gerade weil Rosen Delphinidin normalerweise nicht selbst bilden, war die sichtbare Verschiebung zum blauen Bereich ein wichtiger Schritt.

Für einen Strauß oder ein Geschenk lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf Fotos bei neutralem Tageslicht. Starkes Kunstlicht lässt den Ton anders erscheinen, und einzelne Blüten können voneinander abweichen. Die japanischen Farbbezeichnungen helfen dabei, solche Zwischentöne genauer zu beschreiben: Zwischen Blau, Violett und Grau liegen oft feine Nuancen, die in einer einfachen Produktbezeichnung verloren gehen.

Blaue Rose selbst färben: schöner Versuch, andere Sache

Eine weiße Rose lässt sich zu Hause blau färben. Das Ergebnis sieht eindrucksvoll aus, ist aber keine gezüchtete blaue Rose: Der Farbstoff wird mit dem Wasser über den Stiel in die Blüte transportiert. Für einen kleinen Versuch brauchst du eine möglichst frische weiße Rose, ein schmales Glas, Wasser und blaue Lebensmittelfarbe.

  1. Schneide den Stiel mit einem scharfen Messer schräg an.
  2. Fülle ein Glas mit lauwarmem Wasser und rühre Lebensmittelfarbe ein.
  3. Stelle die Rose hinein und beobachte sie nach einigen Stunden.
  4. Für einen kräftigeren Ton kann sie bis zu 24 Stunden im Färbewasser bleiben.
  5. Hat die Blüte den gewünschten Ton erreicht, stelle sie in klares Wasser.

Weiße Rosen eignen sich am besten, weil die Farbe auf den hellen Blütenblättern deutlich sichtbar wird. Schneide dabei vorsichtig und stelle das Glas standfest hin. Die gefärbte Rose ist eine hübsche Dekoration oder ein anschauliches Pflanzenexperiment, aber sie besitzt nicht die genetischen Eigenschaften von Applause.

Blaue Rose als dekorative Schnittblume

Gefärbte und gezüchtete blaue Rosen nicht verwechseln

Die Unterscheidung ist praktisch, besonders beim Kauf oder beim Planen eines Arrangements. Bei einer gefärbten weißen Rose kommt der blaue Ton aus dem Wasser und wandert über den Stiel in die Blütenblätter. Die Schnittstelle am Stiel kann dabei ebenfalls Farbe zeigen. Applause erhielt ihren Farbton dagegen durch die Veränderung der Pigmentbildung in der Pflanze selbst.

Beide Varianten haben ihren Platz: Die gefärbte Rose eignet sich für ein kurzfristiges Dekorationsprojekt, Applause für Menschen, die sich für ihre Entwicklungsgeschichte interessieren. Entscheidend ist nur, was du erwartest. Ein selbst gefärbtes Exemplar kann sehr kräftig blau werden, erzählt aber nicht dieselbe botanische Geschichte wie die japanische Sorte.

Was die blaue Rose in Japan besonders macht

Blumen tragen in Japan oft eine eigene Botschaft. Wer sich für die Bedeutung von Blumen auf Japanisch interessiert, merkt schnell: Anlass, Farbe und Sorte können den Ton eines Geschenks verändern. Bei Applause steht nicht eine allgemeingültige Regel im Vordergrund, sondern ihre ungewöhnliche Entstehungsgeschichte. Die Rose erinnert daran, dass „unmöglich“ manchmal nur bedeutet, dass noch eine Lösung fehlt.

Damit beantwortet sich auch die Ausgangsfrage. Japan schuf nicht die erste naturbelassene, reinblaue Rose. Die Forschung brachte eine gentechnisch entwickelte Rose hervor, die blaue Pigmente anreichert und sichtbar violettblau blüht. Applause ist gerade wegen dieser ehrlichen Einschränkung interessant: keine Märchenblume, sondern ein seltenes Beispiel dafür, wie Botanik, Geduld und ein sehr konkretes Ziel zusammenkommen.

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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