Die meisten Japanerinnen und Japaner werden mit schwarzem, glattem Haar geboren. Alles, was davon abweicht — eine Locke, ein Braun, ein Rot — fällt sofort auf. Genau das macht viele unsicher, bevor sie das Land überhaupt betreten.
Es gibt ein Sprichwort dafür: Der Nagel, der heraussteht, wird eingeschlagen. In manchen Klassenzimmern gilt das Haar fast wie eine Uniform. Draußen, in Harajuku oder auf der Bühne, ist Abweichung oft genau der Punkt.

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Schulregeln: Schwarz, glatt, und ein Zettel für die Natur
Manche Schulen sind wirklich streng, was Haarschnitte, Färben oder Aufhellen betrifft. Das ist kein Gerücht aus dem Internet: In den 90er Jahren wollten viele Jugendliche Farbe und Schnitt ändern, aber die Schulordnung erlaubte es nicht. Einige ignorierten die Regel einfach. In manchen Fällen zwangen Lehrer die Klasse, die Haare wieder auf den Standard zurückzufahren. Manche wurden von älteren Schülern gemobbt, die das Traditionelle mochten.
Seit den 1970er- und 1980er-Jahren gilt gefärbtes Haar an öffentlichen Schulen oft als Zeichen von Aufsässigkeit. Deshalb verbieten viele Hausordnungen Färben, Bleichen und Dauerwelle. Dunkles, glattes Haar wird zum ungeschriebenen „richtigen“ Look — auch wenn nicht jedes japanische Kind so geboren wird.
Wer von Natur aus braunes oder lockiges Haar hat, musste an manchen Schulen ein 地毛証明書 (jige shōmeisho), ein Naturhaar-Zertifikat, vorlegen, manchmal mit Kinderfotos. In Tokio verlangten 2021 rund 45 Prozent der Oberschulen so ein Papier.
2017 klagte eine Schülerin der Kaifukan-Oberschule in Habikino in der Präfektur Osaka. Lehrer hatten sie wiederholt angewiesen, ihr natürlich braunes Haar schwarz zu färben; sonst solle sie nicht zur Schule kommen. Sie färbte nach, alle paar Tage, bis Haar und Kopfhaut litten, und blieb später dem Unterricht fern. 2021 sprach das Bezirksgericht Osaka der Präfektur 330.000 Yen Entschädigung zu — nicht weil die Haar-Regel selbst illegal gewesen wäre, sondern weil die Schule ihren Namen aus der Klassenliste gestrichen und den Platz im Raum weggeräumt hatte. Die Kopfhaar-Vorschrift hielt das Gericht für zulässig.
Genau da liegt der Haken an der alten Antwort „das sind nur Schulregeln, keine Vorurteile“. Es sind Regeln. Aber Regeln, die Naturhaar wie einen Verstoß behandeln, fühlen sich für die Betroffenen wie Vorurteile mit Stempel an. Mehr zum Alltag steht im Text über Regeln der japanischen Schulen.
Seitdem bewegt sich etwas. Tokio hat 2022 an rund 200 öffentlichen Oberschulen mehrere dieser sogenannten schwarzen Regeln (ブラック校則, burakku kōsoku) gestrichen, darunter Schwarzfärben und Vorschriften zur Unterwäschefarbe. Die Präfektur Mie schaffte das Naturhaar-Zertifikat an den Oberschulen ab. Das gilt nicht automatisch für ganz Japan: Jede Schule schreibt ihre Ordnung selbst. Wer zur Schule geht, muss die eigene lesen, nicht eine Zusammenfassung aus dem Netz.
Die Japaner mögen es, wenn Haare anders sind!
Auch wenn die Schulregeln streng sind, vor allem bei Kleidung, dürfen Erwachsene mit ihren Haaren oft tun, was sie wollen. Die größten Künstler und Sänger haben völlig unterschiedliche und verrückte Haare und Stile wie Visual Kei. Japanerinnen mit braunen und roten Haaren werden auch immer beliebter.

In Animes, Spielen und Mangas haben die meisten Charaktere gefärbte und sehr stilvolle Haare. Das zeigt, dass sich vor allem junge Leute voneinander abheben möchten. Haare werden in Japan ernst genommen; manche bemühen sich, vielfältige Stile zu erfinden. Wer das Handwerk hinter Farbe und Schnitt mag, findet Kuriositäten und Vokabular bei den Friseuren in Japan.
Verschiedene Modebereiche setzen völlig unterschiedliche, farbenfrohe Looks. Die Gyaru haben oft blonde und lockige Haare, manche Lolita färben ihre Haare. In manchen Jahrzehnten war es üblich, dass rebellische Jugendliche extrem lustige Looks mit dem Haar hatten.
Heute kann man in großen Städten Haare bis zu den Füßen in Regenbogenfarben und völlig zottelig tragen. Die Leute auf der Straße werden sich in der Regel nicht daran stören. Sie bleiben freundlich und höflich; eher kommt jemand und will ein Foto.

Kann ich gefärbte oder lockige Haare haben?
Locken, Blond und Braun sind in Japan genetisch ungewöhnlich, nicht verboten. Viele Japanerinnen beneiden genau dieses Haar und färben oder wellen sich die eigenen Haare, um aus der schwarzen Masse herauszustechen. Auf der Straße, in Clubs und in der Jugendmode ist das Ungewöhnliche oft cool.
Der heikle Ort bleibt die Schule — und manchmal das Büro. Kinder mit gemischten Wurzeln, kräftigen Locken oder natürlichem Braun wurden an manchen Schulen verdächtigt, gefärbt oder geglättet zu haben, selbst mit Zertifikat. Zöpfe und Cornrows gelten dort gelegentlich als Verstoß gegen die Hausordnung. Das ist kein Argument gegen Touristen mit Farbe im Haar. Es ist ein Argument gegen die alte Pauschale, Vorurteile existierten „nirgends“.

An manchen Arbeitsplätzen und in Sportclubs gilt dunkles Haar weiter als ungeschriebene Norm. Eine gesetzliche Pflicht für alle Firmen gibt es nicht; wie streng es wird, hängt vom Laden ab. Wenn Sie als Schülerin oder Schüler an einer japanischen Schule sind, informieren Sie sich über die Regeln Ihrer Schule. Wenn Sie als Gast durch Shibuya laufen, müssen Sie sich in der Regel keine Sorgen machen, was Fremde über Ihr Haar denken. In Japan ist das Ungewöhnliche cool — sobald die Schulglocke nicht mehr mitredet. Nutzen Sie Ihren Charme.
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