Vielleicht wissen nur wenige, dass es in der japanischen Kultur und Gesellschaft starke Einflüsse aus Korea gibt. Architektur, Kleidung, Sprache, Buddhismus und auch die chinesischen Schriftzeichen sind teilweise das Ergebnis kultureller Übertragungen von der koreanischen Halbinsel.
Zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert brachten Koreaner nach Japan unter anderem Metallverarbeitung, Steinkeramik, Gesetze und den Buddhismus. Bis heute glaubt man oft, all das sei direkt aus China gekommen. In Wirklichkeit erreichten viele dieser Einflüsse Japan jedoch erst über Korea.

Viele koreanische Einflüsse in Japan haben zwar ihren Ursprung in China, wurden aber in Korea angepasst und verändert, bevor sie nach Japan gelangten. Die Rolle der alten koreanischen Reiche bei der Weitergabe der kontinentalen Zivilisation wird dabei oft unterschätzt. Nationalistische Deutungen in Japan machen diese Frage zusätzlich kompliziert.
Einflüsse im alten Japan
Die koreanischen Einflüsse in Japan reichen bis zu den Migrationen koreanischer Gruppen nach Japan zurück. Eine Untersuchung wichtiger japanischer Clans aus dem frühen 9. Jahrhundert zeigt, dass von 1.182 Adelsfamilien 247 aus koreanischen Reichen und 176 aus China stammten.
Vieles von dem Wissen, das Koreaner nach Japan weitergaben, hatte ursprünglich zwar chinesische Wurzeln. Doch wenn Japan sich nur auf chinesische Quellen als Ausgangspunkt verlassen hätte, wäre das Ausmaß der chinesischen Einflüsse wahrscheinlich deutlich kleiner gewesen, als es heute erscheint.

Die Seewege nach China waren viel länger und gefährlicher als die nach Korea. Über Jahrhunderte hinweg war direkter Kontakt mit China wegen der politischen Schwäche Japans kaum möglich. Der Kontakt mit Korea dagegen riss nie ganz ab. So konnte der chinesische Einfluss, gefiltert und verändert durch Korea, weiter nach Japan gelangen.
Ablehnung koreanischer Einflüsse in der japanischen Gesellschaft

Seit der Aussage von Kaiser Akihito über koreanische Abstammung in der kaiserlichen Familie haben nationalistische Bewegungen in Japan an Kraft verloren. Diese Gruppen stützten sich oft auf den Mythos, die japanische Kultur sei ausschließlich aus ihrer eigenen Entwicklung heraus entstanden und nicht durch äußere Einflüsse geprägt worden. Dabei bestritten sie die Einflüsse aus China nie ganz, die koreanischen Verbindungen wurden jedoch lange verdrängt.
Lange Zeit galt es als Tabu, über koreanische Einflüsse in der japanischen Kultur zu sprechen. Auch politische Spannungen zwischen Korea und Japan trugen dazu bei. Seit der Erklärung des Kaisers wurde dieses Tabu jedoch deutlich gebrochen.
Wer tiefer in die kulturellen und historischen Beziehungen zwischen beiden Ländern eintauchen möchte, kann auch unseren Text über das Verhältnis zwischen Korea und Japan lesen. Und wenn dich religiöse Einflüsse interessieren, lohnt sich ebenfalls ein Blick auf den Buddhismus in Japan.
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