Welche Kinpuu und Noshibukuro zu welchem Anlass gehören, und wie Mizuhiki Farbe und Knoten anzeigt.
In Japan übergibt man Geld zu bestimmten Anlässen in einem eigenen Umschlag. Der Brauch gehört zu Hochzeiten, zum Jahreswechsel, zu Dankesgaben und zum Alltag zwischen Verwandten, Freunden und Kindern. Diese Umschläge heißen Kinpuu (金封) oder Noshibukuro (のし袋). Man bekommt sie auf Märkten, in Schreibwarenläden, im Konbini und in Kaufhäusern. Einfache Stücke kosten oft nur ein paar hundert Yen. Aufwendig gearbeitete Exemplare liegen deutlich darüber.
Was den Umschlag ausmacht, ist der Schmuck: ein Mizuhiki aus gefärbtem Papiercord, oft eine handschriftliche Aufschrift und, bei frohen Anlässen, eine Noshi-Faltung. Die Noshi geht auf dünn gestreckte Awabi (Abalone) zurück, ein altes Glückssymbol für langes Leben.
Anlässe für den Geldumschlag
Zu jedem Anlass gehört eine eigene Form und eine eigene Bezeichnung.
Gokekkon iwai (ご結婚祝い) oder Goshuugi (ご祝儀) ist das Geldgeschenk zur Hochzeit, mit Glückwunsch für das Paar. Nach der Geburt eines Kindes erhalten die Eltern Shussan iwai.
Otoshidama (お年玉) kommt zu Neujahr: Eltern und andere Verwandte geben Kindern Geld, oft in einem kleineren Umschlag. Nyuugaku iwai begleitet den ersten Schultag. Sotsugyou iwai folgt, wenn eine Schulstufe endet, etwa nach der Grund- oder Mittelschule.
Zum Jahresende bedankt man sich mit Oseibo, meist einem eingepackten Sachgeschenk mit Noshi, wie bei der übrigen Geschenketikette in Japan. Wenn jemand krank ist (Omimai) oder im Trauerfall (Gokoden, ご香典), kommt wieder ein Geldumschlag: zur Genesung als Ermutigung, bei einer Beerdigung als Anteilnahme an die Familie. Wer eine größere Hilfe erhalten hat, kann sich mit Orei bedanken.
Arten und Teile von Kinpuu und Noshibukuro
Auf dem Umschlag stehen der Name der gebenden Person und der Betrag. Der Mizuhiki zeigt den Zweck: Gold und Silber zur Hochzeit, Rot und Weiß für frohe Anlässe, Schwarz und Weiß für Trauer. Bei frohen Anlässen legt man möglichst neue Scheine hinein. Die Summe beginnt oft mit einer ungeraden Zahl.
Oben links liegt ein Hana musubi, auch Cho-musubi genannt, ein Schleifenknoten, der sich wieder öffnen lässt. Er passt zu Geburt und Schulanfang, also zu Ereignissen, die man gerne wiederholt.
Oben rechts sitzt ein Musubi-kiri. Dieser Knoten soll fest bleiben und erscheint auf Umschlägen zu Hochzeit oder Beerdigung.
Unten links ist ein Awaji musubi. Die Schleifen greifen ineinander und stehen für eine lange Bindung. Je nach Farbe eignet er sich für frohe und für traurige Anlässe. Unten rechts sieht man eine weitere Zierform derselben Familie.
Es gibt noch viele andere Knoten, Blumen und Motive aus der japanischen Festkultur. Was halten Sie von diesem Brauch, Geld im Umschlag zu übergeben? Haben Sie schon einmal einen Kinpuu erhalten oder selbst verschenkt?
Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.
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