„Nenne“ fürs Schlafen, „an’yo“ fürs Laufen, „wanwan“ statt Hund – wer in Japan mit Kleinkindern zu tun hat, hört Wörter, die im Lehrbuch oft fehlen. Japanische Kinderwörter (幼児語, yōjigo) und die Pflege- bzw. Babysprache (育児語, ikujigo) klingen weich, rhythmisch und oft komplett anders als die Erwachsenenform.
Genau diese Wörter tauchen in Anime, Manga und im Familienalltag auf. Erwachsene nutzen viele davon bewusst, weil sie niedlich wirken – und manche nur in sehr intimen oder kindlichen Kontexten. Unten findest du eine praktische Liste mit Schrift, Romaji und deutscher Bedeutung, plus ein paar Hinweise, worauf du beim Lernen achten solltest.

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Was sind japanische Kinderwörter?
Im Japanischen sind Kindersprache und Babytalk nicht nur „niedliche Verkleinerungen“. Viele Ausdrücke ersetzen das Erwachsenenwort komplett: Der Hund (inu) wird zum わんわん (wanwan), Schlafen heißt ねんね (nenne), der Fuß bzw. das Laufen あんよ (an’yo). Wiederholungen, weiche Silben und das Höflichkeitspräfix o- (wie in おてて otete „Händchen“) machen die Wörter leichter aussprechbar und emotional wärmer.
Das bedeutet nicht, dass Erwachsene diese Formen nie verwenden. Viele sagen dakko (抱っこ), wenn sie ein Kind auf den Arm nehmen, oder greifen zu unko und oshikko, wenn sie mit Kleinkindern über den Toilettengang sprechen. In Anime und Comedy können dieselben Wörter auch ironisch oder frech klingen – der Kontext entscheidet.
Eng verwandt sind japanische Onomatopöien: Lautmalereien und Gefühlsausdrücke, die in Kinderbüchern und Alltagssprache besonders dicht vorkommen. Wer Wortschatz systematisch erweitern will, findet auch in unseren Wörtern für Zeit und den Besonderheiten der japanischen Sprache sinnvolle Nachbarseiten.
Liste japanischer Kinderwörter
Die folgende Auswahl ist eine Orientierungshilfe – keine „Hitparade“. In Wörterbüchern und Alltagsgebrauch tauchen manche Körper- und Toilettwörter besonders oft auf; das ist normal in der Kindersprache und kein Versuch, das Thema künstlich anzureichern. Bedeutungen können regional und je nach Familie leicht abweichen.
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| Japanisch | Romaji | Bedeutung |
| うんこ | unko | Kaka, Kot |
| うんち | unchi | Kaka |
| おしっこ | oshikko | Pipi, Urin |
| しっこ | shikko | Pipi |
| お漏らし | omorashi | ins Höschen/Bett machen, Einnässen |
| おちんちん | ochinchin | Penis (Kindersprache) |
| ちんちん | chinchin | Penis (kindlich) |
| ちんこ | chinko | Penis (derber/kindlich) |
| チンポ | chinpo | Penis (derb) |
| ポコチン | pokochin | Penis (verspielt) |
| おっぱい | oppai | Brust; auch Muttermilch |
| ぱいぱい | paipai | Brust (kindlich) |
| たまたま | tamatama | Hoden (Kindersprache; bei Erwachsenen auch „zufällig“) |
| ねんね | nenne | schlafen, schlafen gehen |
| あんよ | an’yo | Fuß; laufen / „An’yo machen“ |
| おてて | otete | Hände |
| おめめ | omeme | Augen |
| おつむ | otsumu | Kopf |
| ほっぺ / 頬っぺ | hoppe | Wange |
| まんま | manma | Essen, (gekochter) Reis |
| うまうま | umauma | lecker, gut |
| ばっちい | bacchii | dreckig |
| ばばっちい | babacchii | dreckig, schmuddelig |
| ばば | baba | Kaka / dreckig (Babysprache) |
| くちゃい | kuchai | stinkig, unangenehm riechend |
| きれいきれい | kireikirei | waschen, sauber machen |
| ふきふき | fukifuki | abwischen, abtrocknen |
| 抱っこ | dakko | auf den Arm nehmen, halten |
| なでなで | nadenade | streicheln |
| はいはい | haihai | krabbeln |
| お座り | osuwari | setz dich |
| 高い高い | takaitakai | Kind hoch in die Luft heben |
| 脱ぎ脱ぎ | nuginugi | ausziehen (Kleidung) |
| 半分こ | hanbunko | gerecht teilen (halbe-halbe) |
| 順番こ | junbanko | sich abwechseln, reihum |
| たんま | tanma | Spielpause, „Timeout“ |
| がんば | ganba | weiter so! (von がんばって) |
| 楽チン | rakuchin | easy, kinderleicht |
| ポッケ | pokke | Tasche, Hosentasche |
| くっく | kukku | Schuhe |
| おべべ / べべ | obebe / bebe | Kleidung (べべ kann kontextabhängig auch intim gemeint sein) |
| てんてん | tenten | Handtuch |
| おみや | omiya | Souvenir / Andenken (von お土産) |
| おんも | onmo | draußen (regional auch kindliche Formen rund ums Tragen/Huckepack) |
| おぶう | obuu | heißes Wasser / Tee (kindlich) |
| お日様 | ohisama | die Sonne |
| ごろごろ様 | gorogorosama | Donner |
| のの | nono | Gott/Buddha; manchmal auch Sonne/Mond als „heilige“ Dinge |
| とと / お魚 | toto / ototo | Fisch, Fischchen |
| きんとと | kintoto | Fischchen |
| わんわん / ワンちゃん | wanwan / wanchan | Hund, Hündchen |
| わんこ | wanko | Hündchen |
| はとぽっぽ | hatopoppo | Taube |
| ちいちい | chiichii | Insekt, Läuse/Flöhe (kindlich) |
| 母ちゃん | kaachan | Mama |
| 父ちゃん / お父ちゃん | touchan / otouchan | Papa |
| ばあば | baaba | Oma |
| じいじ | jiiji | Opa |
| おじいちゃま | ojiichama | Opi (sehr zärtlich) |
| おばあちゃま | obaachama | Oma (sehr zärtlich) |
| ぎったんばっこん | gittanbakkon | Wippe |
| ぜぜ / 銭 | zeze | Geld (kindlich) |
| かんかん | kankan | Kopf / Haar (kindlich; Kontext beachten) |
| おまん | oman | Manjū / süßes Gebäck (kindlich) |
| 英語人 | eigojin | „Englischmensch“, Ausländer (kindliche Wortschöpfung) |
Wann Erwachsene Kindersprache benutzen
Eltern und Erzieherinnen greifen zu ikujigo, weil kurze, reduplizierte Wörter leichter greifbar sind und Nähe signalisieren. Mit dem Spracherwerb weichen die Formen allmählich den Standardwörtern – ungefähr so, wie im Deutschen „Wauwau“ irgendwann „Hund“ wird.
Im Anime- und Manga-Alltag bleibt Kindersprache aber sichtbar: Charaktere, die besonders kindlich, verspielt oder frech wirken, streuen nenne, wanchan oder Toilettwörter ein. Manche Erwachsenenformen wirken in formellen Situationen unpassend; Kindersprache in der falschen Lage kann peinlich oder unhöflich klingen. Wenn du Japanisch lernst, lohnt es sich, die Wörter zu erkennen – und zu wissen, wann du sie besser nicht im Business-Meeting ausprobierst.
Tipps zum Lernen und Hören
- Schrift + Romaji + Bedeutung zusammen merken; viele Kinderwörter stehen in Hiragana, nicht in Kanji.
- Kontext schlägt Vokabelliste: oshikko ist Pipi – nicht mit Penis-Wörtern verwechseln.
- Reduplikation erkennen: Verdopplung (はい・はい, きれいきれい) ist ein typisches Muster der Kindersprache.
- Regionen: Formen können je nach Gegend variieren; was in Kantō üblich ist, klingt in Kyūshū manchmal anders.
- Mit Onomatopöien koppeln: Viele Tier- und Alltagsbilder leben von Lautmalerei – die Brücke zu den 200 Onomatopöien ist nah.
Wenn du die Liste durchgehst, nimm dir nicht vor, alles „auswendig zu pauken“. Fang mit den Wörtern an, die du in Serien oder Gesprächen wirklich hörst – nenne, an’yo, dakko, wanwan – und baue von dort aus. So bleibt japanische Kindersprache das, was sie im Alltag ist: praktisch, rhythmisch und ein kleines Fenster in den Familienalltag in Japan.
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