Lange glaubte man, der japanische Archipel beginne kulturell erst mit der Jōmon-Keramik. Grabungen endeten an dieser Schicht – darunter, so die Annahme, liege nichts Menschliches. 1949 kamen bei Iwajuku in der Präfektur Gunma Steinwerkzeuge unter vulkanischer Asche zum Vorschein: Japan hatte eine Altsteinzeit, nur hatte niemand ernsthaft danach gesucht.
Das Spannende daran ist nicht nur das Datum. Schon im Paläolithikum tauchen am Archipel geschliffene Steinbeile auf, eine Technik, die im übrigen Eurasien oft erst viel später mit dem Neolithikum verbunden wird. Die japanische Altsteinzeit (日本旧石器時代, Nihon kyūsekki jidai) ist deshalb weniger eine Kopie der europäischen Steinzeit als eine eigene Vorgeschichte aus Jagd, Landbrücken und Vulkanasche.
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Wann begann die Altsteinzeit in Japan?
Die frühe Geschichte Japans wird oft in grobe Blöcke geteilt: Paläolithikum, Jōmon, Yayoi, Kofun. Die Grenzen überlappen, und die Zahlen wandern mit jeder neuen Datierung. Für die Altsteinzeit selbst gilt heute als belastbarer Rahmen etwa 35.000 v. Chr. bis zum Übergang zur Jōmon-Zeit um 14.000 bis 12.000 v. Chr. Angaben um 50.000 v. Chr. kursieren noch, sind nach dem Fälschungsskandal um paläolithische Funde im Jahr 2000 aber mit Vorsicht zu lesen: viele spektakulär frühe Schichten verloren ihre Beweiskraft.
Menschliche Knochen sind selten. Zu den bekannten Funden auf der Hauptinsel gehören die Überreste von Hamakita in Hamamatsu, Präfektur Shizuoka. Laut Radiokohlenstoffdatierung stammen sie aus einer Zeit vor etwa 14.000 bis 18.000 Jahren – also aus dem späten Paläolithikum, nicht aus dem allerältesten Abschnitt. Die ältesten weithin akzeptierten Hinweise auf Anwesenheit sind vor allem Steinwerkzeuge, nicht Skelette. Seit Iwajuku sind landesweit Tausende paläolithische Fundstellen bekannt; die meisten bewahren nur Stein, weil der saure Vulkanboden Knochen schlecht hält.
Die ersten Bewohner des Archipels
Iwajuku selbst liegt in Kasakake, heute Midori, und trägt in Japan auch den Namen Iwajuku-Kultur. Der Amateurarchäologe Tadahiro Aizawa grub dort nach dem Krieg unter der Asche; erst danach begann die systematische Suche nach Schichten unter der Jōmon-Keramik.
Die ersten Menschen, die den Archipel bewohnten, waren Jäger der Steinzeit aus Nordostasien. In kleinen Gruppen unterwegs, mit Waffen mit Steinspitzen, folgten sie den Herden wilder Tiere über Landbrücken nach Japan, die während der Eiszeit entstanden. Der Weg führte von Sibirien über Sachalin nach Hokkaidō und von der koreanischen Halbinsel nach Kyūshū. Der Meeresspiegel lag tiefer; das Inselreich der heutigen Karte war noch nicht fertig.
Während viele glauben, dass sie früher kamen, gilt als belastbar, dass diese Jäger nicht vor etwa 35.000 v. Chr. in Japan ankamen. Die paläolithischen Artefakte umfassen fein gefertigte Klingenwerkzeuge, ähnlich denen in Sibirien und Eurasien.
Keramik fehlt in dieser Schicht. Deshalb heißt die Epoche in Japan auch präkeramische Zeit oder Sendoki (先土器時代, sen doki jidai) – wörtlich „vor der Keramik“. So lassen sich ihre Bewohner von denen der folgenden Epochen unterscheiden, deren Töpfe mit Schnurmuster später das Bild der Vorgeschichte prägen.
Werkzeuge, Vulkanasche und Zeitmarker
Ein enormer Vulkanausbruch im Süden, an der Aira-Caldera auf Kyūshū, verteilte die Aira-Tn-Asche (AT) über weite Teile des Landes. Archäologen nutzen diese Schicht als Zeitmarker: Funde liegen „vor AT“ oder „danach“. Neuere Datierungen setzen den Ausbruch bei rund 30.000 Jahren vor heute an; ältere Texte nennen oft 22.000 bis 25.000 Jahre. Ab dieser Phase werden kleine, gut gearbeitete Messerformen wichtiger als grobe Kieselgeräte.
Die kleinen Werkzeuge aus Quarz und Obsidian, die zwischen etwa 16.000 und 13.000 Jahren vorherrschen, zeigen eine erhebliche Ähnlichkeit mit Werkzeugen desselben Alters in Nordostasien und Europa. Die Werkzeuge von Fundstellen auf Hokkaidō sind fast identisch mit denen des Fernen Ostens und Sibiriens – ein Hinweis, dass der Norden des Archipels andere Wege hatte als Kyūshū.
Am Nojiri-See in der Präfektur Nagano liegen Steinartefakte zusammen mit Resten des Naumann-Elefanten (Palaeoloxodon naumanni) und des Yabei-Riesenhirsches. Die Stelle liest sich als Schlachtplatz, nicht nur als Steindepot – und erklärt, warum Jagd und geschliffene Beile in denselben Schichten auftauchen.
Was Japan in dieser Zeit besonders macht, bleibt das frühe Schleifen. Steinbeile mit geschliffener Schneide, rund 30.000 Jahre alt, tauchen an Schlachtplätzen und Werkplätzen auf, lange bevor im restlichen Eurasien das Neolithikum diese Technik zum Markenzeichen macht. Obsidian wanderte zudem über Strecken, die ohne Wasserweg schwer zu erklären sind: Rohstoff und Werkplatz lagen oft weit auseinander.
Von der Altsteinzeit zur Jōmon-Zeit
Als das Eis weicht und der Meeresspiegel steigt, reißen die Landbrücken. Der Archipel wird zur Inselkette. Jagd allein reicht nicht mehr in derselben Form; Fischfang, Sammeln und – mit der ersten Keramik – eine sesshaftere Lebensweise greifen Platz. Die Jōmon-Zeit beginnt nach gängiger Lesart um 14.000 bis 12.000 v. Chr., mit frühen Töpfen schon etwas früher. Die Jäger der Sendoki-Zeit verschwinden nicht über Nacht; die Grenze ist der Moment, in dem Keramik, Grubenhaus und Vorrat das Alltagsbild umbauen.
Wer die Epochen hintereinander lesen will, findet den Überblick in der Geschichte Japans, erzählt in Epochen. Die nächste Schicht nach den Jägern vor der Keramik ist die Jōmon- und Yayoi-Zeit, in der Töpferei, Siedlung und später der Reisanbau das Leben neu ordnen.
Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.
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