Japanische Burgen - Vollständiger Guide mit den besten in Japan

Japanische Burgen - Vollständiger Guide mit den besten in Japan

Ein fundierter Überblick über Burgtypen, historische Verteidigungsanlagen und die beeindruckendsten Burgen für Ihre...

Wussten Sie, dass es im Laufe der japanischen Geschichte einst mehrere tausend Burganlagen gab? Viele Reisende fragen sich, wie diese majestätischen Festungen aufgebaut waren und welche historischen Bauwerke man heute noch besichtigen kann. Dieser Leitfaden bietet Ihnen einen fundierten Überblick über die Architektur japanischer Burgen, ihre ausgeklügelten Verteidigungssysteme und die sehenswertesten Festungen im ganzen Land.

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Wie ist eine japanische Burg aufgebaut?

Die japanischen Burgen wurden vor allem während der kriegerischen Auseinandersetzungen im Sengoku-Zeitalter und zu Beginn der Edo-Zeit errichtet. Diese Anlagen waren hochkomplexe Festungen, die in mehrere strategische Verteidigungsbereiche unterteilt waren, die man als kuruwa [曲輪] bezeichnet.

Japanische Burgen nutzen geschickt die Topografie des Geländes. Sie wurden oft an Berghängen errichtet oder von breiten Wassergräben und mächtigen Steinmauern geschützt. Innerhalb des Burgareals trennen weitere Mauern und Tore die verschiedenen Funktionsbereiche und Höfe voneinander.

Nur Samurai, Wachsoldaten und Mitglieder der Herrscherfamilie durften innerhalb des befestigten Burgbezirks leben. Die restliche Bevölkerung, darunter Händler und Handwerker, siedelte in den umliegenden Burgstädten (jōkamachi) am Fuße der Festung.

Das japanische Wort für Burg lautet shiro [城], im Namen einer konkreten Burg wird jedoch meist das Suffix -jō [城] angehängt. Je nach geografischer Lage unterscheidet man drei grundlegende Bautypen: Reine Bergburgen heißen yamashiro [山城], Burgen auf einer Ebene werden hirajiro [平城] genannt, und Anlagen auf Hügeln inmitten einer Ebene bezeichnet man als hirayamashiro [平山城].

Historischer Grundriss und architektonischer Aufbau einer japanischen Burg mit Kuruwa-Festungsbereichen
Schematische Darstellung der Verteidigungszonen und Wehranlagen einer traditionellen japanischen Burg

Klassische Burganlagen waren in abgestufte Höfe unterteilt, die als honmaru [本丸] (Hauptburg), ninomaru [二の丸] (zweiter Vorhof) und sannomaru [三の丸] (dritter Vorhof) bekannt sind. Besonders weitläufige Festungen verfügten zudem über äußere Vorwerke, die soto-guruwa genannt wurden.

Die Anordnung dieser Zonen folgte verschiedenen Grundmustern: Beim Stil rinkaku [輪郭] liegt das Honmaru kreisförmig im Zentrum und wird von den übrigen Höfen umschlossen. Ein weiteres verbreitetes Schema war der renkaku-Stil [連郭], bei dem Honmaru und Ninomaru nebeneinander liegen. Bei Bergburgen kam häufig der teikaku-Stil [梯郭] zum Einsatz, bei dem die Höfe treppenförmig an den Berghängen gestaffelt sind.

Die Wehrmauern aus Lehm und Holz nannte man dobei [土塀], während die gewaltigen Trockensteinmauern als ishigaki [石垣] bekannt sind. In den Mauern befanden sich Schießscharten, sogenannte hasama [狭間], durch deren kreisrunde, dreieckige oder rechteckige Öffnungen Bogenschützen und Arkebusiere herannahende Angreifer unter Beschuss nehmen konnten.

Der Burgherr wohnte meist nicht im Hauptturm

Entgegen einer weitverbreiteten Vorstellung war der hoch aufragende Burgturm im Alltag nicht die ständige Residenz des Daimyō. Für das tägliche Leben und die Regierungsgeschäfte nutzten die Herrscherfamilie und ihr Hofstaat ein repräsentatives Palastgebäude (goten [御殿]) auf dem Burggelände. Der mächtige Turm war in erster Linie ein militärischer Zufluchtsort und Beobachtungsposten.

Dieser mehrstöckige Hauptturm wird tenshukaku [天守閣] oder schlicht tenshu [天守] genannt und befindet sich im innersten Bereich, dem honmaru [本丸]. Ein Tenshu besitzt meist mindestens drei bis fünf Stockwerke und bot den Verteidigern einen uneingeschränkten 360-Grad-Blick über das gesamte Umland.

Der mehrstöckige Hauptturm Tenshukaku einer japanischen Festung als letzte Verteidigungslinie
Der Tenshukaku diente im Belagerungsfall als befestigte Zufluchtsstätte und Aussichtspunkt

Die unteren Etagen des Turms wurden von Elitesoldaten verteidigt, während sich der Burgherr bei einer ausweglosen Belagerung in die oberste Ebene zurückzog. Stand die Niederlage unweigerlich fest, vollzog der Kommandant häufig das rituelle Seppuku, um einer schmachvollen Gefangennahme zu entgehen.

Beim Seppuku öffnete sich der Krieger mit einer kurzen Klinge den Unterleib, während ein vertrauter Sekundant (kaishakunin) im entscheidenden Moment den Kopf abtrennte, um unnötige Qualen zu beenden. Für die Samurai galt diese Handlung als ehrenvoller Abschluss eines Kriegerlebens.

Im Laufe der Jahrhunderte fielen zahlreiche Holzburgen verheerenden Großbränden, Erdbeben oder Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Weitere Anlagen wurden während der Meiji-Restauration im Zuge der Demilitarisierung abgerissen, als feudale Festungen als überholte Relikte der alten Shogunatszeit galten.

Wie besucht man eine Burg in Japan?

In ganz Japan existieren heute hunderte historische Burgareale. Viele davon bestehen aus erhaltenen Steinwällen, Gräben und Toranlagen, während andere über eindrucksvoll rekonstruierte Paläste oder Museen verfügen. In ganz Japan gibt es heute nur noch zwölf Burgen mit einem original aus der Feudalzeit erhaltenen hölzernen Hauptturm, die als Genzon Tenshu bezeichnet werden, darunter die weltberühmten Festungen von Himeji, Matsumoto und Inuyama.

Der Zugang zu den weitläufigen Außenanlagen und Parks ist oft kostenlos, während für das Betreten des inneren Honmaru oder des Hauptturms meist ein Eintrittsgeld zwischen 200 und 1.000 Yen erhoben wird.

Beim Betreten historischer Holztürme müssen Besucher häufig ihre Straßenschuhe ausziehen und in bereitgestellte Pantoffeln oder Schließfächer wechseln, um die jahrhundertealten Holzböden zu schonen. Große Burganlagen wie Osaka und Nagoya beherbergen im Inneren moderne Museen mit historischen Rüstungen, Schwertern, detailgetreuen Modellen und Kunstwerken.

Historische Samurai-Rüstung und traditionelle Gewänder in der Museumsausstellung einer Burg
Ausstellungsstücke mit Samurai-Rüstungen und historischen Gewändern im Inneren des Burgmuseums

Neben dem Hauptturm bieten viele Burganlagen weitere Sehenswürdigkeiten. Oft sind sie von weitläufigen Parkanlagen umgeben, verfügen über einen kunstvoll angelegten japanischen Garten oder ermöglichen Einblicke in restaurierte Residenzgebäude.

Für die Orientierung vor Ort empfiehlt sich die Nutzung von Navigations-Apps wie Google Maps. Da viele historische Stätten als reine Ruinenfelder (jōshi) ausgewiesen sind, lohnt es sich, vorab zu prüfen, ob vor Ort ein vollständiges Gebäude oder ein historisches Freiluftareal wartet.

Burg Himeji: Die größte Burg Japans

Zu den absoluten Höhepunkten jeder Kulturreise gehört die monumentale Burg Himeji in der Präfektur Hyogo. Wegen ihres strahlend weißen Außenputzes und der geschwungenen Dachlinien wird sie liebevoll als weißer Reiher (Shirasagi-jō) bezeichnet.

Die Burg Himeji gilt als das vollkommenste Beispiel japanischer Festungsarchitektur. Sie umfasst 83 erhaltene Bauwerke, ein ausgeklügeltes Labyrinth aus Toren und drei Verteidigungsgräben auf einem weitläufigen Areal. Einen ausführlichen Spezialbeitrag über dieses Bauwerk finden Sie in unserem Artikel zur Erkundung der Himeji-Burg.

Die ersten Befestigungen entstanden bereits im 14. Jahrhundert um das Jahr 1346. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde die Anlage unter Toyotomi Hideyoshi und Ikeda Terumasa zu einer gewaltigen Festungsstadt ausgebaut, die bis heute nahezu unversehrt die Jahrhunderte überdauert hat und als UNESCO-Weltkulturerbe geschützt ist.

Burg Himeji, die weiße Reiherburg in der Präfektur Hyogo
Die Burg Himeji, auch bekannt als weißer Reiher, ist UNESCO-Weltkulturerbe

Burg Matsumoto

Die Burg Matsumoto in der Präfektur Nagano entstand zwischen 1504 und 1594 und begann ihre Geschichte in der Sengoku-Zeit als Festung Fukashi. Sie zählt zu den zwölf Burgen mit original erhaltenem Tenshu und ist als Nationalschatz Japans eingestuft.

Als seltene Flachlandburg (hirajiro) liegt Matsumoto inmitten einer weiten Talebene und wird von einem breiten Burggraben umgeben, auf dem Enten und Schwäne schwimmen. Wegen ihrer markanten schwarzen Holzverkleidung wird die Festung im Volksmund auch als Krähenburg (Karasu-jō) bezeichnet.

Burg Matsumoto mit schwarzer Holzfassade und Burggraben in den japanischen Alpen
Die Burg Matsumoto wird wegen ihrer schwarzen Holzfassade auch Krähenburg genannt

Burg Nagoya

Die Burg Nagoya befindet sich im Herzen der Metropole Nagoya in der Präfektur Aichi. Ihre Ursprünge reichen bis ins Jahr 1520 zurück, bevor Tokugawa Ieyasu die Festung ab 1610 als strategisches Machtzentrum im Zentrum Japans neu errichten ließ.

Neben dem mächtigen Hauptturm begeistert die Anlage vor allem durch den aufwendig rekonstruierten Honmaru-Palast. Dieser Prachtbau ermöglicht es Besuchern, die traditionelle Holzarchitektur der Edo-Zeit mit kunstvoll vergoldeten Schiebewänden und Gemälden historischer Meister aus nächster Nähe zu bewundern.

Auf dem Dach des Hauptturms thronen zwei berühmte goldene Delfin-Figuren (Kinshachi), die einst als mythischer Schutz vor Feuersbrünsten angebracht wurden. Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurden sie originalgetreu wiederhergestellt.

Burg Nagoya mit ihren weitläufigen Festungsmauern und Gartenanlagen
Burg Nagoya mit dem wiederaufgebauten Honmaru-Palast und den goldenen Kinshachi-Delfinen

Burg Edo: Der Kaiserpalast von Tokio

Die Burg Edo war die flächenmäßig größte Festungsanlage, die jemals in Japan errichtet wurde. Ihre gewaltigen Wallanlagen und konzentrischen Gräben umspannten weite Teile des heutigen Stadtzentrums von Tokio. Der ursprüngliche Hauptturm fiel bereits 1657 dem verheerenden Meireki-Großbrand zum Opfer und wurde zugunsten des Stadtwiederaufbaus nicht neu errichtet.

Heute zeugen monumentale Trockensteinmauern, breite Wassergräben, historische Wachtürme und Brücken von den gewaltigen Ausmaßen der Festung. Das Kernareal bildet heute den Kaiserpalast von Tokio, dessen östliche Burggärten (Higashi Gyoen) für Besucher frei zugänglich sind.

Steinfundamente des ehemaligen Hauptturms der Burg Edo auf dem Gelände des heutigen Kaiserpalastes in Tokio
Die mächtigen Steinmauern und Fundamente der einstigen Burg Edo im heutigen Ostgarten des Kaiserpalastes

Burg Osaka

Die Burg in Osaka blickt auf eine dramatische Geschichte zurück. Als Hauptfestung von Toyotomi Hideyoshi im späten 16. Jahrhundert erbaut, stand sie im Zentrum der berühmten Belagerung von Osaka in den Jahren 1614 und 1615, die den endgültigen Aufstieg des Tokugawa-Shogunats besiegelte.

Nach mehreren Zerstörungen im Laufe der Jahrhunderte und Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg präsentiert sich der Hauptturm heute als originalgetreue Stahlbetonrekonstruktion aus dem Jahr 1931. Im Inneren beherbergt er ein modernes Museum über Toyotomi Hideyoshi, während die erhaltenen Steinmauern und Gräben zu den massivsten des Landes zählen.

Burg Osaka mit reich verzierten goldenen Giebeln und Wassergraben
Die monumentale Burg Osaka, ein Schlüsselort der japanischen Einigungsgeschichte

Burg Fukuoka: Maizuru-Park

Von der einst imposanten Burg Fukuoka, die im frühen 17. Jahrhundert von Kuroda Nagamasa erbaut wurde und einst über 47 Wehrtürme verfügte, sind heute vor allem malerische Ruinen erhalten. Nach der Meiji-Restauration wurden die meisten Gebäude 1871 abgetragen.

Das Burgareal liegt eingebettet zwischen dem Maizuru-Park und dem Ohori-Park. Besucher können noch heute die gewaltigen Steinmauern, historische Tore und erhaltene Wachtürme (yagura) erkunden. Die Festung wird traditionell auch als Burg Maizuru (tanzender Kranich) bezeichnet.

Hinweis zur Orientierung: Die Burg Fukuoka sollte nicht mit der gleichnamigen Burg Maizuru in Kofu in der Präfektur Yamanashi verwechselt werden.

Historische Ruinen und Steinmauern der Burg Fukuoka im Maizuru-Park
Überreste der Steinmauern und Wehrtürme der Burg Fukuoka im heutigen Maizuru-Park

Burg Nijo

Die Burg Nijo in Kyoto ist ein herausragendes Denkmal für die Macht und den architektonischen Reichtum des Tokugawa-Shogunats. Die von zwei konzentrischen Gräben geschützte Anlage diente Tokugawa Ieyasu als repräsentative Residenz bei Besuchen in der kaiserlichen Hauptstadt.

Der prachtvolle Ninomaru-Palast ist für die Öffentlichkeit zugänglich und berühmt für seine kunstvollen Holzschnitzereien, vergoldeten Beschläge und die sogenannten Nachtigallen-Böden (uguisubari). Diese Holzböden wurden so konstruiert, dass sie bei jedem Schritt ein vogelartiges Quietschen erzeugen, um die Wachen vor lautlosen Eindringlingen zu warnen.

Burg Nijo in Kyoto mit dem Ninomaru-Palast der Tokugawa-Shogune
Die Burg Nijo in Kyoto mit ihren prachtvollen Toren und den berühmten Nachtigallen-Böden

Burg Inuyama

Die Burg Inuyama thront auf einem malerischen Hügel über dem Fluss Kiso in der Präfektur Aichi. Sie gehört zu den ältesten noch erhaltenen Holzburgen Japans. Ihre Wurzeln reichen bis ins Jahr 1440 zurück, bevor der heutige Hauptturm um 1601 bis 1620 seine vollendete Gestalt erhielt.

Als einer der zwölf nationalen Schätze bietet die Burg Inuyama vom obersten Stockwerk ihres hölzernen Tenshu einen spektakulären Panoramablick auf den Kiso-Fluss, auf dem im Sommer noch die traditionsreiche Kormoranfischerei (ukai) praktiziert wird.

Historischer Holz-Tenshu der Burg Inuyama auf einem Hügel über dem Kiso-Fluss
Burg Inuyama zählt zu den ältesten noch im Originalzustand erhaltenen Holzburgen Japans

Burg Aizuwakamatsu

Die Burg Aizuwakamatsu, vor Ort meist Tsuruga-jō genannt, befindet sich im Herzen der Stadt Aizuwakamatsu in der Präfektur Fukushima. Die ursprüngliche Festung wurde 1384 von Ashina Naomori gegründet und trug zunächst den Namen Burg Kurokawa [黒川城].

Über Jahrhunderte hinweg war die Anlage das militärische und administrative Zentrum der Aizu-Region. Berühmt wurde sie durch die erbitterten Kämpfe im Boshin-Krieg von 1868. Der im Jahr 1965 wiedererrichtete Hauptturm zeichnet sich durch seine historisch authentischen roten Dachziegel (akagawara) aus, die speziell gegen den harten Winterfrost im Norden Japans entwickelt wurden.

Burg Aizuwakamatsu Tsuruga-jo mit ihren charakteristischen roten Dachziegeln
Die Burg Aizuwakamatsu (Tsuruga-jo) im Norden Japans mit ihrer markanten Architektur

Burg Hirosaki

Die Burg Hirosaki [弘前城] in der Präfektur Aomori wurde im Jahr 1611 vom Tsugaru-Clan vollendet, der über das historische Lehen Hirosaki herrschte. Die Anlage misst rund 612 Meter von Ost nach West und 947 Meter von Nord nach Süd.

Sie ist die nördlichste der zwölf original erhaltenen Burgen Japans. Umgeben von mehr als zweitausend Kirschbäumen und weitläufigen Wassergräben, verwandelt sich das Burggelände jeden Frühling in eine der berühmtesten Kirschblütenkulissen des Landes.

Burg Hirosaki in der Präfektur Aomori, eine der zwölf original erhaltenen Burgen
Burg Hirosaki im Norden von Honshu, berühmt für ihren Original-Hauptturm und die Kirschblüte

Burg Kumamoto

Die Burg Kumamoto auf der südlichen Hauptinsel Kyushu zählt historisch zu den drei bedeutendsten Festungen Japans. Sie wurde ab 1601 unter dem berühmten Festungsbaumeister Kato Kiyomasa zu einer gigantischen Wehranlage ausgebaut.

Im Jahr 1877 widerstand die Festung während der Satsuma-Rebellion einer 53-tägigen Belagerung durch Samurai-Truppen. Berühmt sind ihre steil geschwungenen Steinmauern, die als musha-gaeshi (Krieger-Abweiser) bekannt sind und selbst erfahrenen Angreifern das Erklettern der Wälle unmöglich machten.

Burg Kumamoto mit ihren geschwungenen Musha-gaeshi-Steinmauern
Burg Kumamoto, bekannt für ihre uneinnehmbaren Musha-gaeshi-Steinmauern

Burg Sasayama

Die Burg Sasayama in der Präfektur Hyogo entstand ab 1608 auf Befehl von Tokugawa Ieyasu im Rahmen der sogenannten Tenka-Fushin-Bauprojekte. Die Planung der strategisch platzierten Festung übernahm der renommierte Baumeister Todo Takatora, während Ikeda Terumasa die Ausführung leitete.

Zwanzig Daimyō wurden zur Errichtung der mächtigen Wehranlagen herangezogen. Auch wenn der Hauptturm nie gebaut wurde, beeindruckt das Areal durch seine massiven Steinmauern und den im Jahr 2000 originalgetreu rekonstruierten Oshoin-Palastsaal.

Der rekonstruierte Oshoin-Saal der Burg Sasayama in der Präfektur Hyogo
Der restaurierte große Palastsaal (Oshoin) auf dem Areal der Burg Sasayama

Burg Gifu

Die Burg Gifu [岐阜城 gifu-jō] thront auf dem Gipfel des 329 Meter hohen Berges Kinka über dem Fluss Nagara. Ursprünglich vom Nikaidō-Clan zwischen 1201 und 1204 in der Kamakura-Zeit unter dem Namen Burg Inabayama [稲葉山城] errichtet, erlangte sie weltweite Bekanntheit durch Oda Nobunaga.

Nobunaga eroberte die Festung 1567, benannte sie in Gifu um und nutzte den spektakulären Aussichtspunkt als Ausgangspunkt für seine Kampagne zur Einigung Japans. Heute führt eine Seilbahn hinauf zur Burg, die einen atemberaubenden Blick über die Nobi-Ebene bietet.

Burg Gifu auf dem Gipfel des Berges Kinka über dem Nagara-Fluss
Die spektakuläre Bergburg Gifu auf dem Kinkazan, einst von Oda Nobunaga ausgebaut

Burg Hiroshima

Die Burg Hiroshima wurde in den 1590er Jahren von Mori Terumoto in der Ota-Flussmündung errichtet. Wegen ihrer dunklen Holzoptik und ihrer Lage wird sie traditionell auch als Karpfenburg (Rijō) bezeichnet.

Im August 1945 wurde der historische Holzturm durch die Druckwelle der Atombombe vollständig zerstört. Der im Jahr 1958 originalgetreu rekonstruierte fünfstöckige Turm dient heute als stadtgeschichtliches Museum und bietet einen Panoramablick über das moderne Hiroshima.

Burg Hiroshima, auch als Karpfenburg bekannt, inmitten der modernen Stadtlandschaft
Burg Hiroshima, liebevoll als Karpfenburg (Rijo) bezeichnet und als historisches Museum genutzt

Burg Kakegawa

Die Burg Kakegawa in der Präfektur Shizuoka blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1487 reicht. Die Festung wurde unter Yamauchi Kazutoyo im späten 16. Jahrhundert bedeutend ausgebaut.

Kakegawa besitzt eine besondere historische Bedeutung: Das hiesige Ninomaru Goten ist einer von nur vier Daimyō-Residenzpalästen in ganz Japan, die im Originalzustand die Jahrhunderte überstanden haben. Der 1994 wiedererrichtete Hauptturm war zudem die erste Burganlage der japanischen Nachkriegszeit, die vollständig nach historischen Plänen aus traditionellem Holz rekonstruiert wurde.

Burg Kakegawa mit ihrem nach historischen Bauplänen rekonstruierten Hauptturm
Burg Kakegawa in Shizuoka mit ihrem originalen Ninomaru-Goten-Palast

Wer die Region Tokai bereist, kann den Besuch der Burg Kakegawa ideal mit dem nahen Kakegawa-Kachoen-Vogelpark verbinden.

Burg Tsu

Die Burg Tsu [津城] liegt im Zentrum der Stadt Tsu in der Präfektur Mie. Sie wurde 1558 von Hosono Fujiatsu gegründet und 1568 von Oda Nobunaga eingenommen, der sie seinem jüngeren Bruder Oda Nobukane übergab.

Ab 1608 übernahm Todo Takatora, einer der berühmtesten Festungsarchitekten der Epoche, die Herrschaft und erweiterte die Wehranlagen beträchtlich. Nachdem der ursprüngliche Hauptturm bereits 1600 abgebrannt war, dienten die erhaltenen Wachtürme, Tore und Gräben weiterhin als Verwaltungssitz.

Im Zuge der Demilitarisierung nach 1871 wurden weite Teile der Befestigung abgetragen. Heute bildet das Areal einen weitläufigen Stadtpark mit Wasserfontänen, Kirschbäumen und einer Bronzestatue von Todo Takatora im Honmaru. Der Park ist bequem vom Kintetsu-Bahnhof Tsu-shinmachi aus erreichbar.

Parkgelände und erhaltene Steinmauern der Burg Tsu in der Präfektur Mie
Parkanlage und Steinbefestigungen der ehemaligen Burg Tsu in der Präfektur Mie

Was japanische Festungen bis heute auszeichnet

Die japanischen Burgen bilden das bauliche Bindeglied zwischen der kriegerischen Sengoku-Zeit und der friedlichen Stabilität der Edo-Epoche. Sie spiegeln den Übergang von reinen Verteidigungsbollwerken auf unzugänglichen Bergen hin zu prachtvollen Zentren für Verwaltung, Kunst und Handel wider.

Ob Sie die unberührte Holzkonstruktion eines der zwölf originalen Tenshu in Himeji und Matsumoto erkunden oder die weitläufigen Parkanlagen moderner Rekonstruktionen wie Osaka und Nagoya besuchen: Jede japanische Burg erzählt von strategischer Baukunst, regionaler Identität und der reichen Geschichte der Samurai-Kultur.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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