Kleine Inseln in Japan: 11 Orte zum Entdecken

Kleine Inseln in Japan: 11 Orte zum Entdecken

Kanincheninsel, Katzeninsel, Vulkan im Vulkan und eine Geisterstadt vor Nagasaki.

Auf der Landkarte sieht Japan oft nach vier Brocken aus: Honshū, Hokkaidō, Kyūshū, Shikoku. Punkt. Die amtliche Neuvermessung von 2023 zählt jedoch 14.125 Inseln – vorher waren es 6.852. Es sind keine neuen Eilande aus dem Meer gestiegen; digitale Karten haben Küsten getrennt, die man jahrzehntelang für zusammenhängend gehalten hat.

Die interessantesten liegen selten auf der Standardroute. Ein Dorf im Doppelvulkan südlich von Tokio. Kaninchen über den Resten einer Giftgasfabrik. Eine Betonstadt vor Nagasaki, die seit 1974 leer steht und von Weitem wie ein Schlachtschiff wirkt. Die elf Inseln hier sind klein, schräg und erreichbar. Sie erklären Japan oft besser als noch ein Foto vom selben Strand.

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Aogashima – die Vulkaninsel

Das Interessanteste an Aogashima ist der Blick von oben: ein Vulkan innerhalb eines anderen Vulkans. Die Insel gehört zu den Izu-Inseln, liegt rund 358 Kilometer südlich von Tokio und misst knapp sechs Quadratkilometer. Rund 170 Menschen leben dort, in Japans Gemeinde mit der niedrigsten Einwohnerzahl. Die Caldera Ikenosawa trägt in der Mitte den Schlackenkegel Maruyama; der letzte große Ausbruch lag zwischen 1781 und 1785.

Einen Flugplatz gibt es nicht. Zuerst nach Hachijō-jima, von Tokio per Flugzeug oder Fähre; von dort weiter mit dem Boot – rund zweieinhalb Stunden – oder dem Helikopter, etwa 20 Minuten. Schlechtes Wetter streicht Verbindungen oft. Vor Ort reichen einfache Unterkünfte und ein Campingplatz. Essen gibt es, aber kein Resort.

Luftaufnahme der Caldera von Aogashima mit innerem Vulkankegel
Aogashima, Foto: kirakuossa.exblog.jp

Okunoshima – die Kanincheninsel

Okunoshima in der Präfektur Hiroshima ist die Insel, auf der Kaninchen den Weg versperren. Man darf sie füttern und anfassen – und steht gleichzeitig vor einer dunklen Geschichte.

Wie die Tiere dorthin kamen, ist nicht eindeutig. Eine oft erzählte Version: 1971 sollen acht Kaninchen ausgesetzt worden sein, wohl von einer Schulgruppe. Eine andere hält sie für Nachfahren von Versuchstieren der Giftgasproduktion. Heute leben Hunderte frei auf der Insel, manchen Schätzungen nach über tausend. Hunde und Katzen sind verboten.

In den späten 1920er-Jahren entstand hier eine Fabrik für chemische Waffen; bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Giftgase produziert. Die Insel verschwand zeitweise von Karten. Wer heute kommt, sieht Ruinen und ein kleines Museum. Mehr dazu im Artikel über die Kanincheninsel Okunoshima.

Kaninchen auf der Insel Okunoshima in der Präfektur Hiroshima

Gunkanjima (Hashima) – die verlassene Insel

Hashima vor Nagasaki trägt den Beinamen Gunkanjima, Schlachtschiffinsel, weil die Silhouette von See aus an ein Kriegsschiff erinnert. 2012 tauchte sie im James-Bond-Film Skyfall auf. 2015 wurde die Kohlemine als Teil der Meiji-Industrieerbestätten ins UNESCO-Welterbe aufgenommen.

Die unterseeische Mine entstand 1887. Auf nur 6,3 Hektar lebten 1959 über 5.200 Menschen – eine der höchsten Wohndichten der Welt. 1974 schloss die Mine, die Insel leerte sich. Seit 2009 gibt es geführte Touren; der größte Teil der Betonruinen bleibt aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Zur Geschichte gehört auch Zwangsarbeit von Koreanern und Chinesen unter harten Bedingungen vor und während des Krieges. Wer nur das Skyfall-Foto kennt, sieht die halbe Insel.

Betonruinen auf Hashima, der Schlachtschiffinsel vor Nagasaki

Shikinejima – tropisch nah an Tokio

Knapp zweieinhalb Stunden von Tokio entfernt liegt Shikinejima, eine Izu-Insel, die sich anfühlt, als hätte jemand ein Stück Subtropen nach Kantō geschoben. Wandern, campen, tauchen, schwimmen, sonnen – und natürliche Thermalquellen, ohne gleich nach Okinawa zu fliegen.

Die Izu-Kette erreicht man vom Takeshiba-Pier in Tokio mit der Fähre. Shikinejima ist die Insel für ein Wochenende, wenn die Hauptstadt zu eng wird.

Tashirojima – die Katzeninsel

Katzen auf der Insel Tashirojima in der Präfektur Miyagi

Tashirojima liegt vor Ishinomaki in der Präfektur Miyagi. Rund 100 Menschen leben dort, und die Katzen sind in der Überzahl. Hunde gelten als Feinde; sie dürfen die Insel nicht betreten, außer als Diensthund.

Tashirojima ist nicht die einzige Katzeninsel. Wer den Überblick will, findet ihn im Artikel über die Katzeninseln in Japan, inklusive Aoshima in Ehime – nicht zu verwechseln mit dem Aoshima in Miyazaki weiter unten.

Itsukushima und Miyajima

Itsukushima, meist Miyajima genannt, liegt vor Hatsukaichi in der Hiroshimabucht. Itsukushima heißt so viel wie „Ort, an dem Gott wohnt“. Miyajima ist der Ortsname auf der Insel; beide Bezeichnungen laufen im Alltag durcheinander. Ja, Inseln in Japan haben oft mehr als einen Namen.

Das große rote Torii des Itsukushima-Schreins scheint bei Flut auf dem Wasser zu stehen. Bei Ebbe kann man hinüberlaufen. Der Schrein selbst steht auf Stelzen über der Bucht, ein Heian-Bild, das seit 1996 UNESCO-Welterbe ist. Manche führen die Gründung auf 593 zurück; sicher belegt ist der Ort ab 811, größer ausgebaut 1168. Brände zwangen zu Wiederaufbauten; die letzten größeren Renovierungen stammen von 1875, einzelne Teile reichen bis um 1200 zurück.

Fünfstockige Pagode auf Miyajima, der Insel Itsukushima
Pagode auf Miyajima

Schrein, Tide und Berg Misen

Von Hiroshima sind es etwa 30 Minuten Zug und zehn Minuten Fähre, knapp zehn Kilometer über die Seto-Inlandsee, japanisch Seto Naikai [瀬戸内海]. Der höchste Punkt ist der Berg Misen mit 535 Metern. Sikahirsche laufen frei, ähnlich wie in Nara. Wer den Schrein „über dem Wasser“ sehen will, plant die Tide; wer Platz will, kommt unter der Woche.

Tomogashima – Festung im Seto-Binnenmeer

Alte Befestigungsanlagen auf der Insel Tomogashima
Tomogashima, Foto: minkara.carview.co.jp

Tomogashima vor Wakayama diente bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als Festung; Zivilisten hatten keinen Zutritt. Heute gehört sie zum Setonaikai-Nationalpark. Man kommt zum Campen und Wandern – und läuft durch verlassene Batterien und Tunnel.

Odaiba – die künstliche Insel in Tokio

Odaiba ist das Gegenteil von Aogashima: eine künstliche Insel in der Tokio-Bucht, voller Museen, Einkaufszentren, der großen Gundam-Statue und Spazierwegen am Wasser. Wer Tokio schon kennt, hängt hier oft den letzten Nachmittag dran. Mehr im Artikel über Odaiba.

Stadtansicht von Odaiba in der Tokio-Bucht

Tsunoshima und die Ōhashi-Brücke

Tsunoshima [角島] liegt in der Präfektur Yamaguchi. Der Name bedeutet Horninsel: die Form hat zwei Hörner, und auf den Hügeln weidet Vieh. Der Weg hinüber ist selbst der Grund zur Fahrt – die Ōhashi-Brücke, 1.780 Meter lang, seit 2000 offen, mautfrei, in einem sanften Bogen um die kleinere Insel Hatoshima.

Auf Tsunoshima selbst: ein Leuchtturm, Fischerdörfer, Campingplätze, Strände und Parks. Mehr zur Brücke und zur Insel steht im Artikel über Tsunoshima und die Ōhashi-Brücke.

Tsunoshima-Ōhashi über dem Meer vor der Präfektur Yamaguchi

Enoshima in der Sagami-Bucht

Enoshima liegt in der Sagami-Bucht, Präfektur Kanagawa. Die Insel hat Strände und, an klaren Tagen, den Blick auf den Fuji. Der Zugang ist eine 389 Meter lange Brücke.

Die Attraktionen sitzen auf dem Hügel, erreichbar über Rolltreppen: tropischer botanischer Garten und der Aussichtsleuchtturm, oft Sea Candle genannt. Wer Enoshima mit Kamakura verbindet, hat einen vollen Tag ohne Fernreise.

Blick auf den Berg Fuji von der Insel Enoshima

Aoshima in Miyazaki

Aoshima (青島) liegt südlich der Strände von Miyazaki. Die Insel misst 4,4 Hektar und ragt nur sechs Meter aus dem Wasser. Eine Brücke verbindet sie mit dem Festland. Weißer Sand umgibt einen subtropischen Wald in der Mitte.

Im flachen Wasser liegt das geologische Phänomen Oni no Sentakuita, das Teufelswaschbrett: geriffelte Felsplatten, von Wellen geschnitten, bei Ebbe sichtbar. Die Linien wirken wie gezogen, sind aber natürlich.

Felsformationen Oni no Sentakuita, das Teufelswaschbrett, an der Küste von Aoshima

Rund um die Insel dauert der Weg etwa 1,5 Kilometer, mit kleinen Ständen dazwischen. Im Zentrum steht ein Schrein, tiefer im Wald ein zweiter, dem Paare Glück zuschreiben. Dort gibt es Tonplatten zum Werfen auf ein Ziel.

Dieses Aoshima ist nicht die Katzeninsel gleichen Namens in der Präfektur Ehime.

Das waren elf kleine Inseln, keine Rangliste der schönsten Strände. Wer schon in Hiroshima ist, kombiniert Miyajima und Okunoshima. Wer in Tokio startet, bleibt bei Enoshima, Odaiba oder den Izu-Inseln. Tsunoshima lohnt den Umweg nach Yamaguchi, Aoshima den nach Miyazaki. Die vier Hauptinseln haben wir extra weggelassen – die stehen in der Übersicht der großen Inseln Japans.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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