Auf Japanisch heißt Geld okane [お金] – und die offizielle Währung des Landes lautet en [円]. Im Westen schreiben wir Yen und setzen das Symbol ¥ davor. Dahinter steckt aber weit mehr als ein Wechselkurs: Münzen mit Löchern, alte Untereinheiten und Scheine, deren Gesichter sich 2024 erneut geändert haben.
Viele glauben, Japan habe immer nur den Yen gekannt. Tatsächlich gab es davor andere Währungen und Münzformen – und das Zeichen 円 kann sich im Japanischen auch auf „Währung“ allgemein beziehen. Genau deshalb lohnt ein Blick auf die Geschichte, bevor man die Münzen im Portemonnaie sortiert.
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Kuriositäten über das Geld in Japan
Die Geschichte des Geldes im Land reicht Hunderte von Jahren zurück und wurde früh von anderen asiatischen Ländern geprägt. Der Yen wurde in der Meiji-Zeit im Jahr 1871 eingeführt – zunächst noch mit Untereinheiten. Davor liefen ganz andere Münzsysteme um, die wir im Folgenden anreißen.
Im Japanischen heißt der Yen schlicht en. Es gibt keinen Plural, und es gibt auch keine Cent-Untereinheit mehr. Ob ein oder zehntausend: Es bleibt 円 – en.
Wado – die ersten japanischen Münzen
Die ersten Münzen Japans wurden um 708 n. Chr. geprägt: kleine Silberscheiben mit einem quadratischen Loch in der Mitte. Sie folgten dem Vorbild chinesischer Münzen und hießen Wadō Kaichin bzw. Wadō Kaihō.
Die damalige Regierung hielt die neuen Münzen für so wichtig, dass Menschen, die große Mengen besaßen, Posten am Kaiserhof angeboten wurden. Münzprägung war Macht – und Status.
Prägen heißt: ein Motiv auf eine oder beide Seiten einer Münze zu pressen. Genau dieses Verfahren brachte die ersten „offiziellen“ Zahlungsmittel Japans in Umlauf.

Kochosen – japanische Kupfermünzen
Zwischen 708 und 958 n. Chr. entstanden viele kupferbasierte Münzen in unterschiedlichen Größen – weiterhin als Scheibe mit quadratischem Loch. Sie wurden als Kochōsen bekannt, oft mit der Idee von „kaiserlichem inländischem Kupfer“ übersetzt.
Im 10. Jahrhundert stockte die Prägung. Kupferknappheit und schwaches Management drückten den Wert so weit, dass viele Menschen die Münzen im Alltag kaum noch akzeptierten.
Koshu Kin – die japanische Gewichtswährung
Erst im 15. Jahrhundert spielten Münzen wieder eine größere Rolle. Die Stücke von Kōshū Kin trugen oft keinen festen Nennwert, sondern ein Gewicht – und wurden danach bewertet. Aus Gold und Silber gefertigt und von regionalen Herren geprägt, eigneten sie sich zum Kauf von Land und Waffen.
Welche Yen-Münzen und -Scheine gibt es heute?
Die heutige Währung ist der Yen [円], international mit dem Symbol ¥. Im Umlauf sind:
- Münzen: ¥1, ¥5, ¥10, ¥50, ¥100, ¥500
- Banknoten: ¥1.000, ¥2.000, ¥5.000, ¥10.000

Lassen Sie sich von den hohen Zahlen nicht verwirren: Der Yen hat keine Cent-Untereinheit mehr. Ein „halber Yen“ existiert im Alltag nicht – man rechnet in ganzen Yen.
Wer tiefer einsteigen will: Warum der Yen keine Cent hat und was das mit Abwertung zu tun hat.
Zum Gefühl für Größenordnungen hilft oft der Vergleich mit dem Euro – nicht als exakter Live-Kurs, sondern als grobe Orientierung. In den letzten Jahren bewegte sich der Kurs grob um etwa 160–190 Yen pro Euro (er schwankt täglich). Die Tabelle unten ist also eine Näherung, kein Umrechner:
| Wert in 円 | ca. in € | Alltagsnähe |
| 1 Yen | unter 1 Cent | Kleinstmünze |
| 5 Yen | ca. 3 Cent | Goen-Glücksmünze |
| 10 Yen | ca. 5–6 Cent | Automaten, Kleingeld |
| 50 Yen | ca. 25–30 Cent | gelochte Silbermünze |
| 100 Yen | ca. 50–60 Cent | häufig im Laden |
| 500 Yen | ca. 2,50–3 € | wertvollste Umlaufmünze |
| 1.000 Yen | ca. 5–6 € | kleinster gängiger Schein |
| 5.000 Yen | ca. 25–30 € | Alltagsschein |
| 10.000 Yen | ca. 50–60 € | größter gängiger Schein |
Für Reisende fühlt sich Japan oft teuer an – vor allem bei Hotels und manchen Restaurants. Wer in Yen verdient und lokale Preise kennt, erlebt die Kaufkraft anders. Die Zahl „300.000 Yen im Monat“ klingt riesig, entspricht aber je nach Kurs und Lebensstil eher einem mittleren bis soliden Einkommen vor Ort – nicht automatisch „reich in Euro umgerechnet“.
Praktischer Tipp: Viele Alltagspreise sind so gesetzt, dass 100-Yen- und 500-Yen-Münzen sowie 1.000-Yen-Scheine den Takt vorgeben. Wer Hyaku-en-Läden kennt, weiß, wie stark die 100-Yen-Welt im Alltag verankert ist – mehr dazu unter Hyakuen-Läden in Japan.
Sen und Rin – der Yen war einmal unterteilt
Hatte der Yen jemals Cent? Ja – und sogar zwei historische Untereinheiten: Rin [厘] und Sen [銭].
- 10 Rin = 1 Sen
- 100 Sen = 1 Yen (en)
Dieses System lief bis 1953. Es gab Münzen zu 1 und 5 Rin sowie 1, 2, 5, 10, 20 und 50 Sen. Parallel existierten Yen-Nennwerte von 1 bis 500. Manche alten 1-Sen- und 1-Yen-Stücke waren nicht einmal vollständig rund.

Wie viel war der Yen früher wert?
Alte Werte lassen sich schwer „eins zu eins“ mit heute vergleichen. Historische Quellen rechnen oft über Gold, Silber oder Kaufkraft – nicht über den Euro, an den wir gewöhnt sind. Inflation, Löhne und Warenkorbe ändern die Bedeutung einer Zahl komplett.
Ein oft genannter Anker: Um 1914 lag ein Yen grob bei etwa 0,50 US-Dollar der damaligen Zeit. 100 Yen um 1920 konnten – je nach Quelle und Region – riesige Mengen Reis, Eier oder Zeitungsabos bedeuten. Wichtig: Das sind historische Momentaufnahmen, keine Umrechnungstabelle für heute.
Wer 100 Yen besaß, als der größte gängige Schein noch 100 Yen war, galt als wohlhabend. Später verschoben sich die Skalen: Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Stabilisierung lag der feste Kurs zeitweise bei 360 Yen pro Dollar; seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems (Anfang der 1970er) schwankt der Yen frei am Markt.
Die folgende Übersicht zeigt ungefähre Jahresmittel des USD/JPY-Kurses von 1973 bis 2016 – als historische Orientierung, nicht als aktuelle Notierung:
| Jahr | Yen/USD | Jahr | Yen/USD |
| 1973 | 301,15 | 1974 | 299,00 |
| 1975 | 297,85 | 1976 | 303,70 |
| 1977 | 288,25 | 1978 | 241,74 |
| 1979 | 201,40 | 1980 | 237,73 |
| 1981 | 202,19 | 1982 | 224,55 |
| 1983 | 232,90 | 1984 | 233,95 |
| 1985 | 254,11 | 1986 | 200,05 |
| 1987 | 154,48 | 1988 | 127,44 |
| 1989 | 127,24 | 1990 | 145,09 |
| 1991 | 133,65 | 1992 | 125,05 |
| 1993 | 125,02 | 1994 | 111,49 |
| 1995 | 99,79 | 1996 | 105,81 |
| 1997 | 118,18 | 1998 | 129,45 |
| 1999 | 113,14 | 2000 | 105,21 |
| 2001 | 117,10 | 2002 | 132,66 |
| 2003 | 118,67 | 2004 | 106,39 |
| 2005 | 103,27 | 2006 | 115,33 |
| 2007 | 120,59 | 2008 | 107,60 |
| 2009 | 90,35 | 2010 | 91,26 |
| 2011 | 82,63 | 2012 | 76,94 |
| 2013 | 89,15 | 2014 | 103,94 |
| 2015 | 118,25 | 2016 | 118,18 |
Noch älter: In der Edo-Zeit war 1 Mon (文) ein ganz anderes System als der moderne Yen. Für die Meiji-Zeit kursieren grobe Umrechnungen in heutige Yen – sie helfen eher zum Einordnen von Größenordnungen als zum „Preis umrechnen“.
Warum haben die 5- und 50-Yen-Münzen ein Loch?
Gelochte Münzen gab es in vielen Ländern – zur Materialersparnis, zum Fädeln und zur leichteren Herstellung. Japan hat die Tradition beibehalten, wo andere längst auf volle Scheiben umgestellt haben.
Heute helfen die Löcher vor allem der Unterscheidbarkeit – auch für Menschen mit Sehbehinderung. Die gelochte 5-Yen-Münze (Messing) wurde nach dem Krieg eingeführt; die 50-Yen-Münze bekam später ein Loch, weil sie der 100-Yen-Münze zu ähnlich war.
Gleichzeitig greift Japan auf eine viel ältere Form zurück: Über 1.300 Jahre lang gab es Münzen mit quadratischem Loch – auch in der Edo-Zeit (1603–1868). Chinesische Vorbilder spielten dabei eine große Rolle. Praktisch ließen sich gelochte Münzen an Schnüren am Gürtel tragen; manche Stücke dienten später sogar als Knöpfe oder Schmuck.

Die 5-Yen-Münze heißt auf Japanisch go-en [五円] – und klingt wie „Schicksal“ oder „Verbindung“ (ご縁). Deshalb gilt sie als Glücksbringer an Schreinen. Mehr dazu: Goen, die 5-Yen-Glücksmünze.
Die Gesichter des japanischen Geldes
Wer schaut von den Scheinen zurück? Seit dem 3. Juli 2024 laufen neue 1.000-, 5.000- und 10.000-Yen-Noten – die älteren Serien bleiben daneben vorerst gültig. Genau deshalb lohnt es, beide Generationen zu kennen.
1.000-Yen-Schein
Seit 2024: Porträt von Kitasato Shibasaburō (Bakteriologe); Rückseite mit Hokusais „Große Welle vor Kanagawa“.
Serie ab 2004: Porträt von Noguchi Hideyo (1876–1928), Arzt und Bakteriologe; Rückseite mit Fuji und Kirschblüten. Noguchi arbeitete international an Infektionskrankheiten und wird bis heute geehrt.
5.000-Yen-Schein
Seit 2024: Porträt von Tsuda Umeko, Pädagogin und Pionierin der Frauenbildung; Rückseite mit Glyzinien (Fuji-Blumen).
Serie ab 2004: Porträt von Higuchi Ichiyō (1872–1896), Schriftstellerin der Meiji-Zeit; Rückseite mit dem Iris-Motiv nach Ogata Kōrin. Werke wie Takekurabe prägen bis heute die moderne japanische Literatur.
10.000-Yen-Schein
Seit 2024: Porträt von Shibusawa Eiichi, oft „Vater des japanischen Kapitalismus“ genannt; Rückseite mit dem Marunouchi-Gebäude des Bahnhofs Tokio.
Serie ab 2004: Porträt von Fukuzawa Yukichi (1835–1901), Aufklärer und Gründer der Keio-Universität. Viele Japaner nennen den Schein umgangssprachlich „Yukichi-san“. Rückseite: Phönixstatue des Byōdō-in-Tempels.
2.000-Yen-Schein und ältere Gesichter
Der 2.000-Yen-Schein ist selten: Vorderseite mit dem Shureimon-Tor in Naha (Okinawa), Rückseite mit Szenen aus dem Genji Monogatari und Murasaki Shikibu. Er hat kein Porträt im klassischen Sinn.
Frühere Serien zeigten unter anderem Natsume Sōseki (1.000 Yen, 1984–2004), Nitobe Inazō (5.000 Yen) und Prinz Shōtoku auf mehreren hohen Nennwerten. Noch ältere Noten trugen Namen wie Ninomiya Sontoku, Takahashi Korekiyo, Itagaki Taisuke, Iwakura Tomomi oder Itō Hirobumi.
- 1 Yen – 1946–1948 – Ninomiya Sontoku
- 50 Yen – 1950–1953 – Takahashi Korekiyo
- 100 Yen – 1950–1953 – Itagaki Taisuke
- 500 Yen – 1950–1969 – Iwakura Tomomi
- 1.000 Yen – 1957–1969 – Itō Hirobumi
Häufige Fragen zum Yen
Wie liest und schreibt man den Yen?
Japanisch: en [円], ohne Plural. International: Yen, Symbol ¥, ISO-Code JPY. Die Schreibweise mit „Y“ geht auf ältere Umschriften zurück – die Aussprache im Japanischen bleibt en.
Warum gibt es keine Cent beim Yen?
Sen und Rin verschwanden nach der Nachkriegsinflation aus dem Alltag; 1953 endete ihre praktische Rolle. Seither rechnet man in ganzen Yen. Das wirkt „klein“ im Wechselkurs – ist aber kein Beweis für „wertloses Geld“. Details: Hat der Yen keine Cent, weil er abgewertet ist?
Warum wirkt der Yen-Kurs so „niedrig“?
Weil es keine Untereinheit gibt, braucht man viele Yen, um Alltagsbeträge abzubilden. Der Euro oder Dollar teilt sich in 100 Cent; der Yen nicht. Nach dem Ende von Bretton Woods schwankt der Kurs – mal stark, mal schwächer gegenüber dem Dollar und dem Euro.
Yen oder Euro – was ist „mehr wert“?
Ein Euro kauft derzeit typischerweise deutlich mehr als 100 Yen. Trotzdem ist der Yen eine der wichtigsten Handelswährungen der Welt (neben Dollar und Euro). Kaufkraft hängt von Löhnen und Preisen in Japan ab – nicht nur vom Umrechnungskurs am Flughafen.
Wie viel verdient man in Japan ungefähr?
Gehälter hängen stark von Präfektur, Branche und Stundenlohn ab. Es gibt regionale Mindestlöhne pro Stunde, keine einheitliche Monatszahl für das ganze Land. Orientierung und Berufe: Mindestlohn und Gehälter in Japan.
Wie viel sind 10 oder 100 Euro in Yen ungefähr?
Kurse ändern sich täglich. Als grobe Faustformel für die letzten Jahre: 1 Euro ≈ 160–190 Yen. Damit liegen 10 Euro grob bei 1.600–1.900 Yen und 100 Euro bei 16.000–19.000 Yen. Für genaue Beträge immer den aktuellen Kurs der Bank oder App nutzen.
Wie rechnet man grob mit dem US-Dollar?
Lange galt die Eselsbrücke „100 Yen ≈ 1 Dollar“. Das war in manchen Phasen brauchbar und in anderen (wenn der Yen schwächer oder stärker war) nur noch eine grobe Orientierung. Fürs Reisen ist der Euro-Kurs oft praktischer; für Börsen- und Nachrichtenkontexte bleibt USD/JPY der Standard.
Japan bleibt ein Land, in dem Bargeld und Münzen im Alltag noch spürbar sind – selbst wenn Apps und Karten zunehmen. Wer die Münzen kennt, liest nicht nur Preise, sondern auch ein Stück Kulturgeschichte in der Hand.
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