Wie sagt man „sehr“ und „viel“ auf Japanisch?

Wie sagt man „sehr“ und „viel“ auf Japanisch?

Intensität und Menge trennen: von totemo und takusan bis ooi, ooku und ippai – mit natürlichen Beispielen.

Beim Japanischlernen taucht „sehr“ und „viel“ selten als ein einziges Wort auf. Plötzlich stehen とても (totemo), たくさん (takusan), 多い (ooi), 多く (ooku) und lockere Formen wie めっちゃ (meccha) oder 超 (chou) nebeneinander – und klingen im Alltag alle irgendwie „stark“.

Der Haken: Intensität und Menge sind im Japanischen getrennte Werkzeuge. Wer den Unterschied greift, klingt nicht nur korrekter, sondern auch natürlicher – vom neutralen Satz bis zur lockeren Konversation.

Inhalt 9

TOTEMO [とても] – Intensität

Das Adverb とても (totemo) steuert vor allem Adjektive und skalierbare Zustände: emotionale Intensität, subjektive Qualität, „wie stark“. Es entspricht ungefähr „sehr“ oder „wirklich“. Typische Beispiele:

彼はとても思慮深い人だ。
Kare wa totemo shiryobukai hito da.

Er ist eine sehr nachdenkliche Person.

彼はとても疲れていた。
Kare wa totemo tsukarete ita.

Er war sehr müde.

夜、とても暑い。
Yoru, totemo atsui.

In der Nacht ist es sehr heiß.

とても大好き
Totemo daisuki

Ich mag es sehr / Ich liebe es sehr.

Wichtig: Vor einer Verneinung oder Unmöglichkeit kippt die Bedeutung oft von „sehr“ zu „absolut nicht / auf keinen Fall“ – etwa とても間に合わない („da komme ich unmöglich noch rechtzeitig“). Das ist kein Mengenwort und auch kein Ersatz für たくさん.

Für reine Handlungsmengen („viel essen“, „viel lernen“) greift man eher zu たくさん oder よく, nicht zu totemo.

TAKUSAN [たくさん] – Menge

たくさん (takusan) markiert eine große Menge – Anzahl, Volumen, Häufigkeit von Dingen und Handlungen. Im Gegensatz zu totemo geht es um Quantität, nicht um die Stärke eines Adjektivs.

そんなにたくさんくださいました。
Son'nani takusan kudasaimashita.

Sie haben mir so viel / so viele gegeben.

アナは友達がたくさんいる。
Ana wa tomodachi ga takusan iru.

Ana hat viele Freunde.

たくさんの人が交通事故で死ぬ。
Takusan no hito ga kōtsū jiko de shinu.

Viele Menschen sterben bei Verkehrsunfällen.

Als Adverb steht es oft bei Verben (たくさん食べた – „ich habe viel gegessen“). Mit Nomen erscheint häufig die Form たくさんの + Nomen.

IPPAI [いっぱい] – „voll“ und alltagssprachlich „viel“

Wer nur totemo und takusan kennt, stolpert bald über いっぱい (ippai). Es kann „voll“ bedeuten (ein Behältnis, der Magen, ein Gefühl) und im Gespräch oft „viel / jede Menge“.

  • おなかがいっぱいです – Ich bin satt. (wörtlich: der Magen ist voll)
  • 公園に人がいっぱいいた – Im Park waren jede Menge Leute.

Der feine Unterschied zu takusan: takusan zählt eher „viele Stücke“, ippai klingt oft nach „bis an die Grenze / voll davon“. Beide sind im Alltag nützlich – aber sie sind keine 1:1-Synonyme von totemo.

DAI [大] – „groß“ als Verstärker

大 (dai) steckt in Komposita und kann die Bedeutung verstärken. Klassiker: 好き (suki) „mögen“ → 大好き (daisuki) „sehr mögen / lieben“. Mit totemo wird es noch emphatischer: とても大好き.

Statt immer nur totemo lohnt es sich, Register und Nuance zu wechseln:

  • かなり (kanari) – ziemlich; erheblich
  • 特に (tokuni) – besonders; insbesondere
  • 本当に (hontouni) – wirklich; echt
  • すごく (sugoku) – sehr; extrem (eher umgangssprachlich und energetisch; totemo bleibt registerneutral und „sicher“)
  • 超 (chou / chō) – super; mega (sehr locker)
  • めっちゃ (meccha) – mega; extrem (locker, oft jugendlich; Kansai-Einfluss)
  • 結構 (kekkou) – ziemlich; recht; (je nach Kontext auch „ganz gut“)
  • 相当 (soutou) – erheblich; ziemlich; extrem
  • 随分 (zuibun) – ziemlich; erstaunlich; erheblich
  • 極めて (kiwamete) – äußerst (formeller / schriftnäher)
  • とんでもない (tondemonai) – unvorstellbar; unmöglich; „das geht gar nicht“ (nicht als neutrales „sehr“ vor jedem Adjektiv)
  • 余計に (yokei ni) – noch mehr; unnötig stark; übermäßig
  • 余程 / よほど (yohodo / yoppodo) – ziemlich; in hohem Maße
  • 前代未聞 (zendaimimon) – beispiellos; unerhört

Wer nur totemo wiederholt, klingt oft wie im Lehrbuch. Ein gezielter Wechsel – formal, neutral, locker – macht Sätze lebendiger. Mehr Formen findest du auch in der Liste japanischer Adverbien (Fukushi).

Große Gundam-Statue in Odaiba, Tokio

OOI [多い] – Adjektiv „viele / viel“

多い (ooi) ist ein i-Adjektiv für „viele / zahlreich“. Es steht typischerweise nach dem Nomen in der Struktur [Nomen] が 多い – nicht wie ein deutsches „viele Leute“ direkt davor.

  • Falsch: 多い人がいます – Ōi hito ga imasu
  • Korrekt: 人が多いです – Hito ga ōi desu

Ähnlich verhalten sich unter anderem 少ない, 近い und 遠い in der direkten Vornomen-Position. In Relativsätzen ist ooi wieder flexibel:

  • 人が多い町に行きました – Hito ga ooi machi ni ikimashita
  • Ich bin in eine Stadt gegangen, in der es viele Menschen gibt.

OOKU [多く] – „viele“ vor dem Nomen

多く (ooku) bedeutet „viele; viel; größtenteils; reichlich“ und kann vor einem Nomen stehen – oft mit der Partikel (多くの人). Beispiele:

金は多くの人を破滅させる。
Kane wa ōku no hito o hametsu sa seru.

Geld stürzt viele Menschen ins Verderben.

3月になると多くの花が咲く。
Sangatsu ni naru to ōku no hana ga saku.

Wenn der März kommt, blühen viele Blumen.

彼は多くの苦難を経験した。
Kare wa ōku no kunan o keiken shita.

Er hat viele Schwierigkeiten erlebt.

多くの kann „eine große Zahl“ und manchmal auch „ein großer Anteil / die meisten“ andeuten – je nach Kontext enger als ein reines „viele Stücke“.

TAIHEN [大変] – stark, oft mit Schwere

大変 (taihen) übersetzt man mit „sehr; enorm; heftig“, aber der Alltagston trägt oft Schwierigkeit, Belastung oder etwas Unangenehmes mit. Beispiele:

大変寒くなった。
Taihen samuku natta.

Es ist sehr kalt geworden.

この町で暮らすのは大変だ。
Kono machi de kurasu no wa taihen da.

In dieser Stadt zu leben ist sehr anstrengend / schwierig.

それは大変だねえ・・・。
Sore wa taihen da nee...

Das ist heftig. / Das tut mir leid zu hören. / Das ist schlimm.

Illustration zum Thema Menge und Intensität im Japanischen

Weitere Wege, „viel“ auf Japanisch zu sagen

Neben den Alltags-Hits gibt es weitere Wörter und Kanji-Komposita für „viele; ziemlich; große Menge“:

  • 大勢 (ōzei) – viele Menschen; eine große Menschenmenge
  • 幾多 (ikuta) – viele; zahlreich (eher schriftnah)
  • 幾つも (ikutsumo) – etliche; eine ganze Reihe
  • 百万 (hyakuman) – wörtlich eine Million; bildlich „Unmengen“
  • 幾 (iku) – mehrere; etliche; „wie viele…“ in Frageformen
  • 万 (ban / man) – je nach Lesung „zehntausend“ oder Präfix mit der Idee von „sehr viele / alle“
  • 数多 (amata) – viele; zahlreich (gehoben / literarisch)
  • 夥多 (kada) – reichlich; in großer Menge (selten im Alltagsgespräch)

Wörter mit dem Kanji drehen sich oft um Menge. Beispiele:

  • 何千 (nanzen) – Tausende; unzählige Tausend
  • 多年 (tanen) – viele Jahre
  • 多色 (tashoku) – mehrfarbig; viele Farben
  • 多少 (tashou) – mehr oder weniger; ein wenig; etwas
  • 多大 (tadai) – sehr groß; erheblich
  • 多量 (taryou) – große Menge
  • 幾晩も (ikubanmo) – mehrere Nächte hintereinander

Wer Gefühle und Nuancen ausbauen will – etwa Sehnsucht statt nur „sehr traurig“ – findet in Wie man Sehnsucht auf Japanisch ausdrückt eine passende Fortsetzung. Für die Basis der Satzzeiger lohnt sich auch Kosoado: これ, それ, あれ.

Kurz sortiert: Intensität vs. Menge

Intensität (wie stark?): とても, すごく, めっちゃ, 超, かなり, 大変… vor allem vor Adjektiven und Zuständen.
Menge (wie viel / wie viele?): たくさん, 多い, 多く, いっぱい, 大勢… für Anzahl, Volumen und „voll davon“.

Merksatz für den Alltag: Adjektiv aufdrehen → eher totemo / sugoku. Dinge oder Aktionen zählen → eher takusan / ooi / ippai. Wer das trennt, spart sich den typischen Anfängerfehler, alles mit demselben „sehr“ zuzukleistern.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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