Wie man kostenlos in Japan studiert

Wie man kostenlos in Japan studiert

Regierungsstipendien, DAAD-Weg und was ohne MEXT-Platz noch trägt

Wenn wir an Japan denken, fallen vielen zuerst Technik und Organisation ein. Die interessantere Frage ist, ob sich dort auch studieren lässt, ohne die volle Rechnung selbst zu tragen. Ja: Die japanische Regierung vergibt Stipendien, die Studiengebühren, Flug und einen monatlichen Satz in Yen übernehmen. Es ist kein Gewinnspiel und kein Urlaub – es ist ein akademischer Platz mit Fristen und Auswahl.

Aus Deutschland führt der Weg oft über den DAAD oder über ein Sprachstipendium an der Botschaft, nicht über eine formlose Mail nach Tokio. Wer den MEXT-Platz nicht bekommt, hat trotzdem Optionen: Austauschverträge, JASSO und Gebührenbefreiungen an staatlichen Unis. Genau das trennt den Slogan „kostenlos“ von einem Plan, der wirklich trägt.

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Was die japanische Regierung wirklich zahlt

Die Stipendien laufen über das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie – auf Japanisch Monbukagakusho (文部科学省), international meist MEXT. In den Kategorien, die das Ministerium jährlich ausschreibt, sind typischerweise enthalten:

  • Erlass der Studien-, Aufnahme- und Prüfungsgebühren
  • Hin- und Rückflug in der Economy-Klasse
  • ein monatlicher Satz in Yen, der mit Kategorie und Haushalt schwanken kann

Als grobe Orientierung, nicht als Zusage: Im Graduierten- und Forschungsbereich liegen die Sätze oft bei etwa 143.000 bis 145.000 Yen im Monat, im Bachelor-, Sprach- und Technikbereich bei etwa 117.000 Yen. In bestimmten Regionen kann ein kleiner Zuschlag von 2.000 oder 3.000 Yen dazukommen. Der Satz soll Leben und Studium tragen; in Tokio ist er knapper als in einem Wohnheim einer kleineren Stadt.

Schülerinnen und Schüler in japanischer Schuluniform bei einer AG nach dem Unterricht

Wie man an einen MEXT-Platz kommt

Um diese Möglichkeiten zu erhalten, bewerben Sie sich international über die japanischen Botschaften und Generalkonsulate oder über die Nominierung einer Hochschule in Japan. Unterlagen schickt man nicht direkt an das Ministerium in Tokio.

Für deutsche Staatsangehörige ist das Angebot enger, als es globale Übersichtsseiten oft darstellen. Die Botschaft von Japan in Deutschland nennt vor allem zwei Programme:

  • das Forschungsstipendium für Graduierte – Bewerbung über den DAAD, Vorauswahl in Bonn, endgültige Entscheidung beim MEXT;
  • das Sprachstipendium für Studierende der Japanologie – Bewerbung bei der Botschaft oder dem für die Heimatuni zuständigen Generalkonsulat.

Das klassische Undergraduate-Programm des MEXT ist in Deutschland nach Angaben der Botschaft nur für Japanisch-Studierende vorgesehen. Wer einen Bachelor in einem anderen Fach in Japan beginnen will, muss andere Wege prüfen: den Austausch der Heimathochschule, ein englischsprachiges Programm mit Ermäßigung oder später das Forschungsstipendium.

Eine pauschale Sperre für jede Doppelstaatsangehörigkeit ist zu grob. Beim DAAD-Forschungsstipendium müssen Bewerberinnen und Bewerber zum Antritt die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen; wer die japanische Staatsangehörigkeit hat, kann sich dort nicht bewerben. Andere Konstellationen stehen in der jeweiligen Ausschreibung.

Forschung und Postgraduiertenstudium

Wer einen Bachelor mitbringt oder kurz davor steht, kann als Research Student nach Japan. Die Altersgrenze steht in der Jahresausschreibung; oft gilt: unter 35 Jahren zum 1. April des Ankunftsjahres. Japanisch ist für diesen Weg nicht zwingend. Der DAAD schreibt, dass ein sechsmonatiger Intensivkurs vorgesehen ist, wenn die Sprachkenntnisse nicht reichen – für die Forschung kann Englisch genügen, den Alltag lernt man vor Ort.

Die Förderung dauert häufig eineinhalb oder zwei Jahre; eine Verlängerung bis zum Abschluss von Master oder Promotion ist möglich, aber kein Automatismus. Für den Universitätsweg zählt ein klarer Forschungsplan und oft der Kontakt zu einer Professorin oder einem Professor. Die Aufnahmeprüfung der Zieluni bleibt trotzdem Pflicht, wenn ein Abschluss angestrebt wird. An staatlichen Hochschulen wie der Universität Tokio ist das kein Formsache-Stempel, sondern eine eigene Hürde neben dem Stipendium.

Gebäude und Gelände der Universität Tokio, einer staatlichen Hochschule

Grundstudium

International gibt es ein MEXT-Bachelorprogramm: in der Regel unter 25 Jahren, fünf Jahre inklusive eines Japanisch-Vorbereitungsjahres, bei Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und manchen Pharmazie-Studiengängen bis zu sieben Jahre. Die Hochschule weist MEXT nach der Vorbereitung zu; man sucht sich den Campus nicht wie bei einem freien Erasmus-Platz aus.

In Deutschland ist dieser Weg nicht als generelles Bachelor-Stipendium für jedes Fach ausgeschrieben. Wer ihn trotzdem über eine andere Auslandsvertretung prüft, sollte die aktuelle Botschaftsseite des eigenen Landes lesen – nicht eine globale Liste als persönliche Zusage nehmen.

Technische Schule (KOSEN)

Das College of Technology, auf Japanisch Kōtō senmon gakkō (高等専門学校), nimmt MEXT-Stipendiaten in der Regel in das dritte Jahr auf. Die Förderung dauert vier Jahre inklusive Sprachjahr, bei Seefahrt viereinhalb Jahre. Die Fächer sind ingenieurlastig: Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik, Werkstoffe, Architektur, Bauwesen, Seefahrt. Gute Japanisch- oder Englischkenntnisse helfen; das Vorbereitungsjahr ist Japanischunterricht, kein lockerer Sprachurlaub.

Berufsausbildung an Senmon-gakkō

Die Specialized Training Colleges (専修学校) decken berufliche Felder ab – Verwaltung, Technik, Ernährung und vieles, was in Japan als Fachschulweg gilt. MEXT fördert diesen Zweig in der Regel drei Jahre inklusive Sprachausbildung. Ob das eigene Herkunftsland diesen Zweig überhaupt ausschreibt, steht in der Botschaftsbekanntmachung. Nicht jedes Land bekommt jedes Programm.

Lehrerausbildung

Das Teacher-Training-Stipendium richtet sich nicht an Berufseinsteiger mit ein bisschen Unterrichtserfahrung. Typisch sind ein abgeschlossenes Hochschulstudium und mindestens fünf Jahre Tätigkeit als Lehrkraft an einer Schule – Universitätsdozenten fallen oft heraus. Die Dauer liegt bei bis zu eineinhalb Jahren inklusive Japanischkurs. Der Monatssatz orientiert sich am Forschungsbereich, nicht am Bachelor-Satz.

Japanische Sprache und Kultur

Das Japanese-Studies-Stipendium ist das Sprachjahr für Leute, die an ihrer Heimatuni Japanologie oder japanische Sprache und Kultur studieren und noch nicht abgeschlossen haben. In Deutschland läuft es über Botschaft und Konsulate. Ein Jahr an einer japanischen Universität, Wunschliste ja, letzte Wahl beim MEXT. Der Satz liegt bei etwa 117.000 Yen, plus Flug und ohne Studiengebühren. Die Japanischprüfung an der Auslandsvertretung zählt hier wirklich – anders als die Einstufungsprüfung im Forschungsstipendium.

Tafel mit mathematischen Formeln in einem japanischen Unterrichtsraum

Wenn MEXT nicht klappt: JASSO, Partneruni, Gebührenbefreiung

Viele, die in Japan studieren, ohne die volle Last zu tragen, sind keine MEXT-Stipendiaten. Staatliche Universitäten können Studiengebühren teilweise oder ganz erlassen. Die Japan Student Services Organization (JASSO) zahlt privat finanzierte internationale Studierende unter Bedingungen etwa 48.000 Yen im Monat, an Sprachschulen oft 30.000. Den Antrag stellt man nicht selbst in Tokio, sondern über die japanische Hochschule.

Wer über ein Austauschabkommen der deutschen Heimatuni geht, zahlt oft keine Studiengebühren an der Partnerhochschule. Für kurze Aufenthalte von acht Tagen bis einem Jahr gibt es das JASSO-Austauschstipendium von 80.000 Yen im Monat – ebenfalls über die beteiligten Hochschulen. Daneben bleibt in Deutschland das Auslands-BAföG ein eigener Antrag: kein Ersatz für MEXT, aber oft die Finanzierung, die ein Semester überhaupt möglich macht. Einen breiteren Blick auf Uniwahl und Kosten gibt es im Text zum Studium an japanischen Universitäten.

Englischsprachige Programme sind nach wie vor dünner gesät als in manchen Broschüren. Wer als Free Mover ohne Partnerschaft kommt, zahlt Gebühren und braucht in der Regel belastbares Japanisch oder ein englischsprachiges Degree-Programm mit eigenem Stipendium der Zieluni. Die EJU, die Aufnahmeprüfung für internationale Studierende, gehört zu diesem privat finanzierten Weg, nicht zum MEXT-Botschaftsverfahren.

Was vor der Bewerbung wirklich zählt

Der Forschungsplan schlägt bei Graduierten fast alles. Fristen sitzen oft im Winter für einen Start im April oder Oktober des Folgejahres; der ganze Weg von den Unterlagen bis zur Ankunft dauert leicht ein Jahr. Die Sprachprüfung beim DAAD-Forschungsstipendium dient der Einstufung, nicht als K.o. für Leute ohne Japanisch. Beim Sprachstipendium der Botschaft ist sie entscheidend.

Zahlen, Altersgrenzen und Länderkontingente ändern sich mit der Ausschreibung. Verbindlich sind die Seiten von DAAD, der Botschaft von Japan in Deutschland und das Portal Study in Japan. Wer Japanisch parallel aufbaut, hat es im Alltag leichter; der JLPT ist dafür ein Maßstab, kein Ersatz für den Plan. Kostenlos heißt hier: jemand anderes zahlt Gebühren, Ticket und einen Yen-Satz, weil ein Ministerium oder eine Hochschule einen Platz vergibt. Wer das ernst nimmt, liest die aktuelle Ausschreibung und rechnet den Alltag in Yen.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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