Baku Youkai? Wer ist dieses Pokémon?!

Baku Youkai? Wer ist dieses Pokémon?!

Wie aus einer chinesischen Legende das Vorbild für Traumato, Somniam, Somnivora und Tapirmon wurde.

Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass Traumato, Somniam und Somnivora einem Tapir ähneln und Kräfte besitzen, die mit Schlaf und Träumen zu tun haben. Viele Pokémon gehen auf echte Tiere zurück, bei diesen dreien war ein Fabelwesen das Vorbild: Im Pokédex heißt es über Traumato, es sei ein Nachfahre des legendären Tieres Baku (獏), eines Youkai aus dem japanischen Volksglauben, der die Träume der Menschen verschlingen kann.

Hinter dem Baku steht eine alte Geschichte aus China. Der Tang-Dichter Bai Juyi (772–846) beschrieb das Fabelwesen in einem Vorwort zu einem bemalten Stellschirm mit Elefantenrüssel, Nashornaugen, Ochsenchwanz und Tigerfüßen. In China sollten Bilder und Felle des Baku Krankheit und Unheil fernhalten. Als die Erzählung nach Japan kam, wurde aus diesem Schutz die Fähigkeit, böse Träume zu verschlingen.

Wie entstand der Youkai Baku?

Früher, in Zeiten ohne Internet, Fotografien und Flugreisen, dauerte es, bis das Wissen über Tiere und ferne Orte andere Länder erreichte, und wenn das geschah, wurde es oft in Legenden und Geheimnisse gehüllt. Die Europäer glaubten lange Zeit an das Einhorn und waren erstaunt, als sie den Elefanten oder das Nashorn sahen. Auf dem geografisch isolierten japanischen Archipel erhielten die Bewohner Geschichten über Tiere und Pflanzen aus fernen Ländern, und wer eine Geschichte weitergibt, schmückt sie aus. So wurden aus Reiseberichten fantastische Legenden. Der Kirin, ein Wesen zwischen Giraffe und Einhorn, und der Baku sind Beispiele für diesen Prozess.

Traumato, Somniam und Somnivora, drei Pokémon mit tapirähnlichem Körper

Aus einem exotischen Tier wurde so der Baku der Legende, der Träume verschlingen kann. Der reale Malaiische Tapir lebt in den Regenwäldern Südostasiens, vor allem in Thailand, Malaysia und auf Sumatra; in Japan war das Tier lange unbekannt. Weil er dem Baku so ähnlich sieht, übernahm das moderne Japanisch den Namen des Fabelwesens für das echte Tier: Das Wort baku bezeichnet bis heute beides.

Laut dem Schriftsteller Lafcadio Hearn (1850–1904), der während der Meiji-Zeit in Japan lebte, kann der Baku von demjenigen gerufen werden, der mitten in der Nacht wegen eines Albtraums aufwacht: Er verschlingt den schlechten Traum. Man sollte ihn jedoch nur mit Vorsicht rufen, denn ein hungriger Baku kann auch die Träume und Hoffnungen dessen verschlingen, der ihn gerufen hat. Wegen dieser Macht über Albträume waren Talismane und Kissen mit dem Bild des Baku verbreitet, besonders in der Edo-Zeit (1603–1868).

Der Baku ist also der gemeinsame Ursprung der drei Schlaf-Pokémon: Traumato, Somniam und Somnivora verdanken ihm sowohl ihr Aussehen als auch ihre Kräfte. Der deutsche Name Traumato spielt dabei mit den Wörtern Traum und Trauma.

Der Baku in Spielen und Serien

Auch andere Werke greifen den Baku auf:

  • Hypno, die Entwicklung von Traumato, versetzt Gegner mit seinem Pendel in Hypnose;
  • Das Digimon Tapirmon (japanisch Bakumon) verdankt Name und Gestalt dem Baku und tritt in Digimon Frontier im Dorf der Wahrsager auf;
  • In Naruto Shippuden beschwört Danzō Shimura einen riesigen Baku;
  • In Kamen Rider Black kämpft der Titelheld gegen einen Tapir-Mutanten der Organisation Gorgom;
  • Doremy Sweet aus der Touhou-Reihe ist ein Baku und kann Träume erschaffen und verschlingen.

Der alte Ruf gegen Albträume lautet 獏食らい (baku, kurai), zu Deutsch etwa „Baku, verschlinge meinen Traum“, und wird dreimal gesagt. So beschützt der Baku seit Jahrhunderten Schlafende, und seine Gestalt lebt bis heute in Spielen und Serien weiter.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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