15 Monster, Mythen und Legenden aus Japan

Japans Folklore ist voller seltsamer, furchterregender und faszinierender Figuren.

Japan ist ein Land mit einer reichen Folklore, alten Glaubensvorstellungen und unzähligen Geschichten über seltsame Wesen, Geister und Flüche. Einige dieser Figuren wirken harmlos, andere eher furchterregend. In diesem Artikel lernen wir einige der bizarrsten Kreaturen und Legenden Japans kennen.

Kamaitachi - Der Wiesel-Sensenmann

Kamaitachi ist ein Wesen aus der japanischen Folklore. Der Name setzt sich aus den Wörtern für Sensen und Wiesel zusammen. Beschrieben wird es oft als wieselartiges Monster mit scharfen Zähnen und großer Geschwindigkeit, das seine Opfer wie mit einer Klinge aufschneidet.

In alten Erzählungen hieß es sogar, dass Kamaitachi für kleine Schnittwunden verantwortlich sei, die bei starken kalten Windstößen entstehen. Der Schnitt ist anfangs oft klein und kaum schmerzhaft, kann sich aber später verschlimmern oder entzünden.

15 Monster, Mythen und Legenden aus Japan

Okiku - Die lebende Puppe im Kimono

Okiku ist eine kleine Puppe im Kimono. Sie gehörte einem Mädchen namens Okiku, das früh starb. Der Legende nach nahm ihr Geist die Puppe in Besitz, und seitdem soll ihr Haar auf mysteriöse Weise weiterwachsen. Heute befindet sich die Puppe im Tempel Mannenji. Anfangs war das Haar kurz, später reichten die Strähnen angeblich bis zur Taille der Puppe.

Umibōzu - Das japanische Meeresmonster

Umibōzu ist ein furchterregendes Meeresmonster, das in Legenden an den Küsten Japans erscheint. Es wird seit der Edo-Zeit beschrieben und gilt als Wesen, das Schiffe verwüsten und Menschen in die Tiefe ziehen kann. In manchen Geschichten erzeugt es sogar Wirbel im Wasser und verschlingt alle, die zu nahe am Ufer stehen.

Es gibt viele Beschreibungen dieses Wesens. Manche Erzählungen machen es riesig, schwarz und kahlköpfig, andere geben ihm Augen und einen großen Mund. In einer ähnlichen Legende taucht auch der Isonade auf, ein Wesen, das mit seinen Flossen und Zähnen wie ein Raubtier aus dem Meer wirkt.

15 Monster, Mythen und Legenden aus Japan

Stell dir einen Hai vor. Jetzt stell dir einen Hai vor, dessen Flossen wie ein Käsehobel funktionieren, nur dass statt Käse dein Fleisch zerteilt wird. Genau so ungefähr wird der Isonade beschrieben, der seine Opfer in die Tiefe ziehen soll.

Kushisake Onna - Die Frau mit dem aufgeschnittenen Mund

Ihr Name bedeutet wörtlich die Frau mit dem aufgeschnittenen Mund. Wenn du nachts allein auf einer Straße unterwegs bist, kann sie plötzlich vor dir auftauchen. Sie trägt meist eine chirurgische Maske und eine abgenutzte Jacke.

Dann fragt sie: Bist du hübsch? Wenn du nein sagst, soll sie dir mit einer großen Schere den Kopf abschneiden. Wenn du ja sagst, nimmt sie die Maske ab, zeigt ihren von Ohr zu Ohr aufgerissenen Mund und fragt erneut: Und jetzt? Je nach Antwort endet die Geschichte auf sehr schlechte Weise.

15 Monster, Mythen und Legenden aus Japan

Tomino no Jigoku - Das verfluchte Gedicht

Tomino no Jigoku ist ein verfluchtes Gedicht, dem nachgesagt wird, dass es Unglück bringt, wenn man es laut vorliest. Selbst wenn man nicht sofort stirbt, heißt es, dass danach dennoch schlimme Dinge passieren können. Die Legende hat sich gerade deshalb so stark gehalten, weil sie Literatur, Aberglauben und Angst miteinander verbindet.

Hitobashira - Die menschlichen Säulen

Hitobashira bedeutet wörtlich menschliche Säulen. In alten japanischen Vorstellungen glaubte man, dass lebende Menschen in Bauwerken eingeschlossen werden konnten, um diese stärker und stabiler zu machen. Solche Opfergaben sollten die Götter besänftigen und den Bau schützen. In den Geschichten werden die Orte dieser Opfer später von den Geistern der Getöteten heimgesucht.

15 Monster, Mythen und Legenden aus Japan

Teke Teke - Die Kreatur mit dem Oberkörper

Teke Teke ist eine urbane Legende über eine junge Frau, die von einem Zug in zwei Teile gerissen wurde. Obwohl ihr Unterkörper fehlt, soll sie sich mit großer Geschwindigkeit fortbewegen können, indem sie sich mit den Ellbogen zieht. Das Geräusch, das sie dabei macht, soll ihrem Namen ähneln.

Wer ihr begegnet, hat in den Geschichten kaum eine Chance zu entkommen. Teke Teke wird oft als rachsüchtige Erscheinung beschrieben, die ihre Opfer mit einer Sense halbiert.

Yuki-onna - Die Schneefrau

Yuki-onna ist ein Geist oder Yōkai aus der japanischen Folklore. Sie erscheint oft als schöne junge Frau inmitten eines Schneesturms. In vielen Legenden lockt sie Männer in die Kälte, bis sie sich verirren und erfrieren. Andere Geschichten erzählen, dass sie sich sogar verliebt, eine Familie gründet und später auf mysteriöse Weise verschwindet.

Aka Manto - Der rote Mantel

Aka Manto bedeutet roter Mantel oder rotes Oberteil. Die Figur erscheint angeblich auf Toiletten, besonders wenn dort kein Papier mehr da ist. Dann stellt sie eine einfache, aber tödliche Frage: rotes Papier oder blaues Papier? Wenn man falsch antwortet, endet die Begegnung meist tödlich.

15 Monster, Mythen und Legenden aus Japan

Gashadokuro - Das Riesenskelett

Gashadokuro ist ein Yōkai, der als gigantisches Skelett dargestellt wird. Es entsteht aus den Knochen von Menschen, die an Hunger gestorben sind. Dieses Wesen streift umher, packt seine Opfer, beißt ihnen den Kopf ab und fügt ihre Knochen dem eigenen Körper hinzu.

Das heimgesuchte Dorf Inunaki

Inunaki Village ist ein mysteriöses Dorf, das angeblich völlig von der Außenwelt abgeschottet ist. Es ist nicht sicher, ob es wirklich existiert, aber die Legende behauptet genau das. Am Eingang steht laut Erzählung ein Schild, auf dem steht, dass die verfassungsmäßigen Gesetze Japans hier nicht gelten.

Die Bewohner sollen dort auf seltsame Weise leben, und Begriffe wie Inzest, Kannibalismus und Mord gehören in manchen Versionen der Geschichte zum Alltag. Außerdem heißt es, dass Handys und andere elektronische Geräte dort nicht funktionieren und dass man das Dorf nicht mehr verlassen kann, sobald man es betritt.

Der heimgesuchte Tunnel Kiyotaki

Der Kiyotaki-Tunnel wurde 1927 gebaut und ist 444 Meter lang. Da die Zahl 4 in Japan als Unglückszahl gilt, wurde der Tunnel schnell Teil der Geistergeschichten. Der Legende nach ist er von den Arbeitern verflucht, die beim Bau starben, und von den Menschen, die dort später durch Unfälle ums Leben kamen.

Es heißt, dass man nachts Geister im Tunnel sehen kann und dass sie sogar Autos kontrollieren und Unfälle verursachen sollen. Manche Geschichten berichten auch von einem Spiegel im Tunnel, der den Tod bringt, wenn man hineinsieht und darin einen Geist erkennt.

15 Monster, Mythen und Legenden aus Japan

Akaname - Der Schmutzlecker

Akaname lässt sich als Schmutzlecker übersetzen. Dieses Wesen leckt schmutzige Badezimmer und Toiletten mit seiner langen Zunge aus und reinigt alles mit seinem giftigen Speichel. Die Figur entstand vermutlich auch als eine Art schaurige Ermahnung, damit Kinder das Bad sauber halten.

Shirime - Der Mann mit dem Auge am Hintern

Die Beschreibung dieser Figur ist ziemlich derb. Shirime ist eine Erscheinung, die wie ein Mann aussieht, aber ein Auge anstelle des Afters hat. Darüber gibt es nur wenige überlieferte Geschichten, doch die Figur wurde durch den Künstler und Dichter Yosa Buson bekannt und später in Darstellungen übernatürlicher Wesen aufgegriffen.

15 Monster, Mythen und Legenden aus Japan

Die bekannteste Geschichte erzählt von einem einsamen Samurai, der nachts auf einer Straße unterwegs war, als ihn jemand ansprach. Er drehte sich um und sah einen mysteriösen Mann, der sich auszog und auf sein Gesäß zeigte. Aus dem Nichts öffnete sich dort ein leuchtendes Auge. Der Samurai floh schreiend, und Shirime wurde nie wieder gesehen.

Japans Folklore lebt genau von solchen Geschichten: Sie ist zugleich gruselig, absurd und faszinierend. Gerade deshalb bleiben diese Monster, Mythen und Legenden so leicht im Kopf.

Kevin Henrique

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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