Oshougatsu - Das Neujahr in Japan

Oshougatsu - Das Neujahr in Japan

Tempelschläge, Osechi und der erste Schreinbesuch: so beginnt Japan das Jahr.

Silvester ohne Feuerwerkskanone und Straßenchaos: In Japan beginnt das neue Jahr mit Tempelschlägen, Reiskuchen und dem ersten Schreinbesuch. Oshougatsu [お正月] ist weniger Party, mehr Ritual — und genau deshalb so faszinierend für alle, die japanische Kultur verstehen wollen.

Familien treffen sich zum Festessen, schicken Neujahrskarten und holen sich neues Glück in Form von Omamori. Viele Geschäfte bleiben geschlossen, die Städte leeren sich Richtung Heimat — und vom 1. bis 3. Januar steht das Land für einen Moment still.

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Wie wird Neujahr in Japan gefeiert?

Neujahr in Japan heißt Oshougatsu [お正月] und wird vor allem vom 1. bis 3. Januar begangen. Viele Traditionen reichen bis Mitte Januar, mit Festen, Aufführungen und Zeremonien.

Seit 1873 feiert Japan offiziell nach dem gregorianischen Kalender. Davor folgte der Jahreswechsel dem lunisolaren (historisch oft „chinesischen“) Kalender. Heute ist der 1. Januar der große Feiertag — und zugleich der ruhigste Start ins Jahr, den man sich vorstellen kann.

Besuch von Tempeln und Schreinen am japanischen Neujahr

Millionen Menschen besuchen in den ersten Tagen des Jahres einen Shintō-Schrein oder buddhistischen Tempel, um ein kurzes Gebet zu sprechen. Der erste Besuch des Jahres heißt hatsumōde [初詣].

An großen Schreinen wärmen oft Feuerstellen die Warteschlangen. Räucherwerk wird zu Hause und vor Ort entzündet; der Rauch gilt als Reinigung.

Besucher beim Hatsumōde an einem Schrein zum japanischen Neujahr

Joya no Kane – die Glocke läuten: Buddhistische Tempel läuten die Glocke 108 Mal um Mitternacht. Die 108 Schläge stehen im Buddhismus für die irdischen Begierden und Leiden. Manchmal dürfen Besucher selbst an der Glocke ziehen — ein seltener Moment am Jahreswechsel.

Ema: Das sind hölzerne Wunschtafeln. Die Tradition hängt mit alten Pferdespenden an Schreine zusammen. Heute schreibt man Wünsche fürs kommende Jahr auf die Tafel und hängt sie am Schrein auf.

Hamaya: Wörtlich „Dämonen vernichtender Pfeil“ — Dekorationen mit samuraiartigen Ursprüngen, die zu Neujahr an Schreinen verkauft werden. Kinder bekommen oft eine solche Pfeilform als Glücksbringer.

Frau im Kimono bei Neujahrsbräuchen in Japan

Omikuji: Zufällige Glückszettel aus Papier, die man an Schreinen und Tempeln zieht. Zu Neujahr ist das Los besonders beliebt: gutes Los mitnehmen, schlechtes oft am Schrein binden.

Dondo-yaki: Zum Jahreswechsel holen sich viele neue Amulette. Alte Glücksbringer werden nicht einfach weggeworfen, sondern oft in einem rituellen Feuer verbrannt — wegwerfen gilt als unglückbringend.

Omamori: Glücksamulette aus Seidenbrokat mit einem kleinen Papier- oder Holzstück im Inneren, auf dem Gebete stehen. Es gibt unzählige Varianten: Liebe, sicheres Fahren, Schwangerschaft und vieles mehr.

Bunte Omamori-Glücksamulette an einem Schrein

Weitere Neujahrstraditionen in Japan

Hatsuhinode [初日の出]: Am 1. Januar stehen viele früh auf, um den ersten Sonnenaufgang des Jahres zu sehen — an der Küste, auf einem Berg oder vom Balkon. Deshalb handeln etliche Haiku vom ersten Licht des Jahres.

Takoage – Drachen steigen lassen: Zu Neujahr gehört traditionell auch das Drachensteigen. Früher gab es oft Dämonenmotive, um Unglück zu vertreiben; heute fliegen vor allem bunte Alltagsdrachen.

Otoshidama: Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel schenken Kindern Geld in besonderen Umschlägen. Je nach Alter und Familie liegen die Beträge oft im Bereich von einigen Tausend Yen — häufig zwischen etwa 3.000 und 10.000 Yen pro Kind und Geber, mit spürbaren Unterschieden.

Neujahrskarten und Umschläge für Otoshidama

Kadomatsu: Bambusdekoration vor dem Hauseingang. Nach Weihnachten bis etwa Mitte Januar stehen die Gestecke; danach werden sie mit anderen Neujahrsdekorationen verbrannt.

Kōhaku Uta Gassen: Die legendäre Silvester-Musikshow im japanischen Fernsehen läuft seit über 60 Jahren. Rot gegen Weiß, Pop und Enka — für viele Familien so fest zum Jahresende wie in Deutschland „Dinner for One“.

Nengajō: Neujahrspostkarten. Jahr für Jahr verschicken Japaner Milliarden Grüße, die möglichst exakt am 1. Januar ankommen sollen. Die Post organisiert dafür eigens die Zustellung.

Alte Spiele: Großeltern bringen Kindern oft Spiele wie Karuta, Hanetsuki oder Kreisel bei. In Kyōto gibt es sogar Wettbewerbe, bei denen die Teilnehmer Kimono tragen.

Fukubukuro: Wörtlich „Glückstüte“. Geschäfte verkaufen zu Jahresbeginn geheimnisvolle Tüten mit Waren — oft unter dem Listenpreis, immer mit Überraschung.

Menschen spielen traditionelles Karuta zu Neujahr

Neujahrsfestmahl in Japan

Zum Essen versammeln sich die Familien oft über mehrere Tage. Typisch sind Gerichte wie kagami mochi, amazake, toshikoshi soba, ozōni und der Sake-ähnliche otoso.

Osechi Ryōri: Eine ganze Palette von Speisen, die gemeinsam als Osechi bekannt sind. Jedes Gericht trägt symbolische Wünsche: Gesundheit, Langlebigkeit, Glück, Erfolg. Traditionell wurde im Voraus gekocht, damit an den heiligen ersten Tagen niemand den Herd anfeuern musste.

Ein volles Osechi mit Dutzenden Varianten ist aufwendig. Viele bestellen deshalb ein fertiges Set im Kaufhaus, Restaurant oder sogar im Konbini.

Mochi: Kleine Kuchen aus geklopftem Klebreis — Herzstück der Neujahrsküche. Manche Familien stellen Mochi noch mit Mörser und Holzhammer her.

Traditionelle Mochi-Herstellung mit Holzhammer

Kagami Mochi besteht aus zwei Mochi-Scheiben mit einer Daidai-Frucht (heute oft Mikan) obenauf. Es steht für Langlebigkeit und Generationenfolge und wird später in einem Ritual gebrochen und gegessen.

Osechi-Schachteln mit bunten Neujahrsgerichten

Amazake: Süßes Getränk aus fermentiertem Reis, heiß an Tempeln und Schreinen. Manche Schreine bieten es an, an anderen verkaufen Stände Tassen an die Wartenden.

Toshikoshi Soba: Am Silvesterabend essen viele eine Schüssel Buchweizennudeln. Die langen Nudeln stehen für ein langes Leben und den Übergang ins neue Jahr — und dafür, das Alte hinter sich zu lassen.

Ozōni: Suppe mit Mochi und regional sehr unterschiedlichen Zutaten. Vorsicht: Das klebrige Mochi kann, besonders bei Kindern und Älteren, leicht im Hals stecken bleiben.

Neujahr ist auch eine der verkehrsreichsten Zeiten: Millionen reisen zur Familie. Mancherorts gibt es Feuerwerk oder Ballonstarts; der Kaiser empfängt Glückwünsche öffentlich. Viele Bräuche ziehen sich bis zum 15. Januar und darüber hinaus.

Neujahrsgrüße auf Japanisch

Die bekannteste, formelle Form, ein frohes neues Jahr zu wünschen:

  • Shinnen akemashite omedetō gozaimasu
  • 新年明けましておめでとうございます

Oft fällt shinnen [新年] weg. Übrig bleibt akemashite [明けまして] vom Verb akeru [明ける] — „anbrechen“, „aufgehen“. Varianten:

  • 明けましておめでとうございます
  • 明けましておめでとう
  • 明けておめでとう (akete omedetou)
  • あけおめ (akeome)
Schriftzug Akemashite omedetō gozaimasu

Je kürzer, desto lockerer. Bei Unbekannten und im Berufsleben bleibt man bei akemashite omedetō gozaimasu.

Ausdrücke mit akemashite passen erst, wenn das neue Jahr schon begonnen hat — das Verb bezieht sich auf etwas, das bereits angebrochen ist. Vor Silvester sagt man eher:

  • よいお年をお迎えください。
  • Yoi otoshi o omukae kudasai
  • Kurz: Yoi otoshi o! よいお年を!

Ein weiterer Klassiker: „kotoshi mo yoroshiku onegaishimasu“ [今年もよろしくお願いします] — sinngemäß: „Ich freue mich auf die gute Zusammenarbeit auch in diesem Jahr.“ Junge Leute kürzen das manchmal zu koto yoro [ことよろ].

Auf Karten und Visitenkarten liest man oft gashō [賀正], shōshun [頌春] oder keishun [慶春] — alte Schreibformen für Neujahrsglückwünsche, die man selten laut ausspricht.

Mehr Grüße und Nuancen findest du im Beitrag zu japanischen Neujahrssätzen.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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