Kosoado ist das Raster, mit dem Japanisch zwischen dies hier, das bei dir, das dort drüben und der passenden Frageform unterscheidet. Wenn du einmal verstanden hast, wie ko- / so- / a- / do- funktionieren, werden auf einen Schlag Formen wie kore, kono, koko, kochira, konna und kō deutlich leichter.
Für Deutschsprachige liegt die größte Falle nicht in den Vokabeln selbst, sondern in der Perspektive. Im Japanischen bedeutet so- nicht einfach „mittlere Entfernung“, sondern meistens nahe beim Gesprächspartner oder bei etwas, das gerade in eurer Unterhaltung präsent ist. a- steht eher für Dinge, die von beiden entfernt sind oder auf eine gemeinsame Erinnerung verweisen. Genau diese Logik macht das System zugleich streng und erstaunlich praktisch.
Wenn du gerade erst anfängst, lohnt sich parallel auch ein Blick in unseren Kana-Leitfaden für Hiragana und Katakana, damit du die Beispiele nicht nur erkennst, sondern wirklich lesen kannst.
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Was bedeutet Kosoado überhaupt?
Der Name setzt sich aus den vier Anfängen zusammen, die du in unzähligen japanischen Wörtern wiederfindest:
- ko-: nah beim Sprecher, also „hier bei mir“
- so-: nah beim Zuhörer oder bei etwas, das gerade von dir aufgegriffen wird
- a-: entfernt von beiden oder gedanklich weiter weg
- do-: die fragende Form, also „welches?“, „wo?“, „wie?“
Statt jede Form einzeln auswendig zu lernen, ist es viel nützlicher, zuerst dieses Muster zu begreifen. Danach musst du nur noch wissen, welche Art von Wort hinten dranhängt: ein eigenständiges Pronomen, ein Begleiter vor einem Nomen, ein Ortswort, eine Richtungsangabe oder eine Art-und-Weise-Form.
Die wichtigste Grundtabelle
Für den Einstieg reichen diese Reihen völlig aus. Sie decken fast alles ab, was im Anfängerunterricht, in Dialogen und in einfachen Texten ständig vorkommt.
| Funktion | ko- | so- | a- | do- |
|---|---|---|---|---|
| eigenständig | これ | それ | あれ | どれ |
| vor einem Nomen | この | その | あの | どの |
| Ort | ここ | そこ | あそこ | どこ |
| höfliche Richtung / Seite | こちら | そちら | あちら | どちら |
| umgangssprachliche Richtung | こっち | そっち | あっち | どっち |
| Art / Sorte | こんな | そんな | あんな | どんな |
| Art und Weise | こう | そう | ああ | どう |
Schon an dieser Tabelle sieht man zwei Dinge. Erstens: Das System ist regelmäßig. Zweitens: Es gibt ein paar Formen, die du einfach als feste Alltagswörter abspeichern solltest, etwa あそこ statt einer logisch geratenen, aber falschen Kurzform oder どう als Frage nach der Art und Weise.
これ oder この? Der klassische Anfängerfehler
Die erste Reihe mit これ / それ / あれ / どれ steht allein. Diese Wörter ersetzen ein Ding direkt:
これは日本語の辞書です。 Kore wa nihongo no jisho desu. Das hier ist ein japanisches Wörterbuch.
どれがあなたの傘ですか。 Dore ga anata no kasa desu ka. Welcher ist dein Regenschirm?
Die Reihe この / その / あの / どの braucht dagegen immer ein Nomen danach:
この辞書は使いやすいです。 Kono jisho wa tsukaiyasui desu. Dieses Wörterbuch ist leicht zu benutzen.
あの店はまだ開いています。 Ano mise wa mada aiteimasu. Der Laden dort drüben ist noch geöffnet.
Darum ist ×これ本 falsch. Wenn du „dieses Buch“ sagen willst, brauchst du この本. Genau an diesem Punkt stolpern viele am Anfang, weil Deutsch und Englisch beide Reihen oft mit „dies“ und „das“ übersetzen.
Warum それ nicht einfach „das“ bedeutet
Genau hier wird Kosoado interessant. Im Deutschen fallen das bei dir und das dort drüben oft in dasselbe Wort zusammen. Im Japanischen werden sie getrennt:
- それ bezieht sich typischerweise auf etwas auf der Seite des Gegenübers
- あれ zeigt auf etwas, das von euch beiden entfernt ist
Stell dir vor, dein Gesprächspartner hält einen Stift in der Hand. Dann ist der Stift für dich normalerweise それ, nicht あれ. Liegt dagegen ein Berg weit draußen im Blickfeld, ist あれ viel natürlicher.
それ、ちょっと見せて。 Sore, chotto misete. Zeig mir das mal kurz.
あれは富士山です。 Are wa Fujisan desu. Das dort drüben ist der Fuji.
Diese Sprecher-Zuhörer-Perspektive ist der Kern des Systems. Wer sie einmal sauber im Kopf hat, braucht viel weniger stumpfes Auswendiglernen.
Hier, dort, da drüben: ここ・そこ・あそこ・どこ
Bei Orten ist die Logik besonders greifbar. ここ ist dort, wo der Sprecher steht. そこ liegt auf der Seite des Zuhörers. あそこ meint einen Ort, der für beide weiter weg ist. どこ fragt nach dem Ort.
ここで少し待ってください。 Koko de sukoshi matte kudasai. Warten Sie bitte kurz hier.
トイレはどこですか。 Toire wa doko desu ka. Wo ist die Toilette?
Gerade bei Wegbeschreibungen lohnt sich auch ein Blick auf unsere Erklärung zu へ, に und で, weil Kosoado-Wörter sehr oft mit Orts- und Richtungs-Partikeln zusammenspielen.
こちら und こっち: höflich gegen locker
Die Reihen こちら / そちら / あちら / どちら und こっち / そっち / あっち / どっち hängen eng zusammen. Inhaltlich zeigen beide auf Richtung, Ort oder Seite, aber sie klingen nicht gleich:
- こちら-Formen wirken höflicher und tauchen oft in Geschäften, Hotels oder formellen Gesprächen auf
- こっち-Formen sind lockerer und sehr häufig in alltäglicher Sprache
こちらへどうぞ。 Kochira e dōzo. Bitte hier entlang.
こっちに来て。 Kocchi ni kite. Komm mal hierher.
Dasselbe Muster wirst du im echten Sprachgebrauch ständig hören. Wenn du Anime, Serien oder Straßeninterviews schaust, springen einem gerade こっち und そっち schnell ins Ohr.
Nicht nur Raum: Kosoado funktioniert auch im Gespräch
Viele Erklärungen bleiben bei physischen Entfernungen stehen. Im Alltag reicht das aber nicht. Japanisch benutzt Kosoado auch, um auf Dinge in der Unterhaltung selbst zu zeigen.
Wenn dein Gegenüber gerade eine Idee geäußert hat, wirkt それ oft natürlich, weil du etwas aufgreifst, das aus dem Gespräch oder von der anderen Seite kommt:
それはいい考えですね。 Sore wa ii kangae desu ne. Das ist eine gute Idee.
あの oder あれ können dagegen auf etwas verweisen, das beide schon kennen oder gemeinsam erinnern:
あの店、また行きたいですね。 Ano mise, mata ikitai desu ne. In das Restaurant da würden wir gern wieder gehen.
Hier ist nichts direkt sichtbar. Gemeint ist eher: du weißt schon, das eine, das wir beide im Kopf haben. Genau diese gedankliche Distanz macht den Unterschied zwischen einem mechanisch gelernten Kosoado und einem wirklich brauchbaren Gefühl für die Sprache aus.
Personenformen: nützlich, aber nicht immer freundlich
Zur Familie gehören auch Formen wie こいつ / そいつ / あいつ / どいつ. Sie beziehen sich oft auf Personen, klingen aber rau, direkt oder sogar abwertend, je nach Situation. In lockeren Dialogen, Manga oder hitzigen Szenen tauchen sie oft auf, im höflichen Gespräch solltest du sie nicht einfach nachsprechen.
あいつは足が速い。 Aitsu wa ashi ga hayai. Der da ist schnell.
Daneben gibt es höflichere oder speziellere Wörter wie どなた für „wer?“ in einer formellen Situation. Wenn dich diese Personenformen genauer interessieren, schau auch in unseren Artikel zu Koitsu, Soitsu, Aitsu, Doitsu und Yatsu.
こんな, そんな, あんな und どう: sehr häufig, oft unterschätzt
Wer nur die Grundformen これ und それ lernt, übersieht schnell, wie häufig die anderen Reihen sind. こんな und seine Verwandten beschreiben eine Art oder Sorte, こう / そう / ああ / どう die Art und Weise.
こんな話は初めて聞きました。 Konna hanashi wa hajimete kikimashita. So eine Geschichte höre ich zum ersten Mal.
どう書けばいいですか。 Dō kakeba ii desu ka. Wie sollte ich das schreiben?
Gerade そう ist im Japanischen unglaublich präsent, etwa in Reaktionen wie sō desu ka oder sō desu ne. Man merkt daran gut, dass Kosoado nicht nur Lehrbuchgrammatik ist, sondern mitten in der gesprochenen Sprache sitzt.
Eine einfache Merkhilfe für den Alltag
Wenn du in einem Gespräch stockst, stell dir nicht zuerst die Frage „wie weit weg ist das?“, sondern:
- Nahe bei mir? Dann meist ko-
- Nahe bei dir oder von dir eingebracht? Dann meist so-
- Von uns beiden entfernt oder gemeinsame Erinnerung? Dann meist a-
- Ich frage danach? Dann do-
Mit diesem Raster werden auch neue Wörter transparenter. Du musst nicht jedes Mal bei null anfangen, sondern erkennst die Bausteine direkt im Wort.
Fazit
Kosoado ist kein chaotischer Haufen aus ähnlichen Silben, sondern eines der saubersten Muster der japanischen Grammatik. Sobald du den Unterschied zwischen eigenständigen Formen wie kore und begleitenden Formen wie kono verstanden hast, und sobald so- für dich wirklich die Seite des Gegenübers markiert, wird das Thema plötzlich viel logischer.
Am besten lernst du diese Wörter nicht isoliert, sondern in kleinen Situationen: ein Gegenstand in deiner Hand, ein Stift beim anderen, ein Ort weit weg, eine Idee aus dem Gespräch. Genau dort zeigt Kosoado, warum japanische Demonstrativformen so präzise und so nützlich sind.
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