Wie jede Schriftsprache kennt auch das Japanische eigene Satzzeichen und Sonderzeichen. Zusammengefasst heißen sie yakumono (約物) – ein Oberbegriff für Zeichen, die zwischen, vor oder nach den eigentlichen Schriftzeichen stehen: Punkte, Kommas, Anführungszeichen, Klammern, Mittelpunkt, Wellenstrich und einige weitere Formen, die in der deutschen Interpunktion nicht existieren.
Dieser Artikel stellt sie vor: wie sie heißen, aussehen und wo sie im Alltag, in Büchern, Mangas oder online auftauchen. Nicht behandelt werden an dieser Stelle Nicht behandelt werden an dieser Stelle dakuten (゛) und handakuten (゜) (Aussprache) und der Artikel zum Leerzeichen im Japanischen.
Auf japanischen Tastaturen erscheinen viele dieser Zeichen vollbreitig; ein Leerzeichen nach 、 oder 。 ist nicht nötig. Die heutige Interpunktion verfestigte sich im 19. Jahrhundert unter europäischem Einfluss.
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Die wichtigsten Satzzeichen der japanischen Sprache
Im Alltag begegnen Ihnen vor allem fünf Zeichen besonders häufig. Sie bilden das Grundgerüst der japanischen Interpunktion.
Komma – tōten / tokuten (読点)
Das japanische Komma sieht aus wie ein um 90° gedrehtes deutsches Komma: 、, gesprochen tōten (auch tokuten). Es markiert Pausen im Satz oder trennt aufgelistete Elemente. Wo im Deutschen das Komma strengen Regeln folgt, ist es im Japanischen deutlich freier: Setzen Sie es dort, wo Sie beim Sprechen eine kurze Pause machen würden.
Punkt – kuten (句点)
Der japanische Satzpunkt ist ein kleines Quadrat mit Punkt in der Mitte: 。, gesprochen kuten. Er steht am Ende eines abgeschlossenen Satzes, vergleichbar mit dem deutschen Punkt. Optisch fällt er deutlich schwerer aus, weshalb viele Lernende das 。 eher als kleinen „Kreis“ wahrnehmen. In Gedichten oder Songtexten wird er häufig weggelassen, wenn die Zeile das Satzende klar genug markiert.
Auslassungspunkte – rīdā (リーダー)
Die japanischen Auslassungspunkte sehen aus wie drei waagerechte Striche auf einer Grundlinie: ……, gesprochen rīdā. Sie markieren eine bewusste Auslassung, eine Pause in der Rede, einen unvollendeten Gedanken oder ein verlegenes Verstummen. Varianten mit zwei oder mehr als drei Punkten kommen vor, sind aber selten.
Ausrufezeichen – kantanfu (感嘆符)
Das japanische Ausrufezeichen ist vollbreitig und etwas größer als sein westliches Gegenstück: !, ausgesprochen kantanfu. Es steht am Satzende eines Ausrufs. In höflicher Sprache selten, in Mangas und Chats oft verdoppelt (!!).
Fragezeichen – gimonfu (疑問符)
Im Standardjapanisch gibt es genau genommen kein eigenes Fragezeichen, weil die Frage bereits durch die Satzendpartikel ka (か) markiert wird. Das vollbreite Fragezeichen ? taucht vor allem in Mangas und Chats auf, wenn die Partikel か einmal nicht passt.
Punkte, Striche und Sonderzeichen
Neben den Grundzeichen gibt es weitere Markierungen, die vor allem in geschriebenen Texten wichtig sind.
Doppelpunkt – koron (コロン)
Der japanische Doppelpunkt: zwei vertikal übereinanderliegende Punkte in der Mitte – :, gesprochen koron (aus dem englischen „colon“). Er kündigt an, was folgt: Erklärung, Aufzählung oder Zitat.
Strich – nakasen (中線)
Der nakasen ist ein langer waagerechter Strich: ―. Er verbindet zwei Begriffe als „von … bis …“, klammert Paare in Adressen oder Zahlenreihen oder dient als stilistisches Mittel für eine Nebenbemerkung. Nicht zu verwechseln mit dem noch längeren bō (棒), der die Länge eines Vokals in Katakana markiert.
Markierung für Gesang und Musik
Das Zeichen 〽 heißt ioriten (庵点) oder utakigō (歌記号) und signalisiert, dass ein Abschnitt gesungen wird. Die Achtel- und Sechzehntelnoten (♪, ♫) sind keine rein japanischen Zeichen, werden aber in japanischen Texten besonders häufig als visuelles Signal für Summen oder Singen verwendet.
Wiederholungszeichen und Iteration
Eine Besonderheit der japanischen Schrift: Zeichen lassen sich mit einem Iterationszeichen verdoppeln, ohne sie erneut zu schreiben. Diese odoriji (踊り字) sind in formellen Texten verbreitet:
- Dōnojiten (々・仝): Das bekannteste Iterationszeichen. Verdoppelt das vorhergehende Kanji, etwa in 人々.
- Ichinojiten (ヽ): Verdoppelt das vorhergehende Katakana.
- Katakana-gaeshi (ヾ): Verdoppelt das vorhergehende Katakana plus dakuten.
- Hiragana-gaeshi (ゝ): Verdoppelt das vorhergehende Hiragana, in alten Texten etwa こゝろ.
- Hiragana-gaeshi mit dakuten (ゞ): Verdoppelt das vorhergehende Hiragana mit Stimmhaft-Markierung.
In modernen horizontalen Texten sind Iterationszeichen seltener, da sie in IME umständlich zu tippen sind. In klassischer Literatur und Familiennamen (z. B. 野々村) bleiben sie allgegenwärtig.
Der Mittelpunkt – nakaguro (中黒)
Der nakaguro (中黒, wörtlich „schwarze Mitte“) ist ein mittig gesetzter, leicht erhöhter Punkt: ・. Seine wichtigsten Anwendungen:
- Japanische Wörter trennen, die sonst missverständlich wären, etwa 東・南方向.
- Elemente aufzählen, wenn kein Komma gewünscht ist.
- Fremdwörter und Namen in Katakana trennen, etwa コーヒー・紅茶・绿茶.
- Titel und Name verbinden, etwa 社長・田中氏.
- Als Dezimalpunkt in formeller Notation dienen.
- In vertikalen Texten Gedankenstrich oder Komma ersetzen.
Im modernen horizontalen Japanisch wird der nakaguro weiterhin sehr häufig verwendet, vor allem in Nachschlagewerken und offiziellen Dokumenten.
Die Wellenlinie – nami dasshu (波ダッシュ)
Die nami dasshu (波ダッシュ) ist ein wellenförmiger Strich: 〜. Anders als die Tilde sitzt sie in der Mitte der Zeile und wird nhā gesprochen. Einsatzorte:
- Bereiche angeben, anstelle von kara … made: 10時〜12時.
- Titel und Untertitel trennen: 源氏物語〜御伽草子〜.
- Herkunft in Kurzform kennzeichnen: フランス〜.
- Vokale verlängern oder Hintergrundmusik andeuten.
Tipp: 〜 (mittig) und ~ (hochgestellt) haben unterschiedliche Zeichenbreite.
Klammern und Anführungszeichen
Eine reiche Auswahl an Klammern grenzt Einschübe paarweise ab.
Klammertypen im Überblick
- { } – namikakko (波括弧): Geschweifte Klammern.
- ( ) – marukakko (丸括弧): Runde Klammern, häufig für Erläuterungen.
- [ ] – kakukakko (角括弧): Eckige Klammern, in Wörterbüchern und Programmierung.
- 【 】 – sumitsuki kakko (隅付き括弧): Eckige Klammern mit kleinen Ecken, für Hervorhebungen.
- 〔 〕 – kikkō kakko (亀甲括弧): Schildpatt-Klammern, oft für Furigana.
- 〈 〉 – yama kakko (山括弧): Spitze Klammern, eher selten.
Anführungszeichen – kagi kakko (鉤括弧)
Die japanischen Anführungszeichen sind 「 」, genannt kagi kakko („Hakenklammer“). Sie markieren wörtliche Rede, Werktitel und Hervorhebungen. Die öffnende Klammer heißt kagi (鉤), die schließende tojikagi (閉じ鉤).
Für verschachtelte Zitate gibt es die doppelte Variante 『 』, nijū kagi kakko (二重鉤括弧). Die westlichen Anführungszeichen tauchen in japanischen Texten nur in Lehnwörtern oder sehr lockerer Online-Kommunikation auf.
Im Deutschen markieren wir wörtliche Rede mit „Gänsefüßchen“ und Gedankenstrichen („Hallo“, sagte sie); im Japanischen setzt der Erzähler den ganzen Satz in 「」, ohne weitere Zeichen. Auch die deutsche Regel, dass ein Komma innerhalb der Anführungszeichen steht, gilt im Japanischen nicht.
Vertikale und horizontale Schrift
Japanisch wird in zwei Richtungen geschrieben: tategaki (縦書き, vertikal) und yokogaki (横書き, horizontal). Das beeinflusst die Interpunktion:
- Im klassischen tategaki werden nakaguro, nami dasshu und kagi kakko bevorzugt; Klammern werden um 90° gedreht. Im modernen yokogaki (Web, E-Mails) ist die westliche Optik voll akzeptiert. Belletristik erscheint häufig vertikal, Sachbücher fast immer horizontal.
Kinsoku und Zeilenumbruch
Eine wichtige Sonderform sind die kinsoku shori (禁則処理), die regeln, wo eine Zeile umbrechen darf:
- Öffnende Klammern ((, 「, 『, 【) dürfen nicht am Zeilenende stehen.
- Schließende Klammern und Satzzeichen (), 」, 』, 】, 、, 。, !, ?) nicht am Zeilenanfang.
- Der nakaguro (・) und der nami dasshu (〜) verhalten sich wie Komma und Punkt.
Moderne Layoutsoftware und Browser setzen diese Regeln automatisch um.
Interpunktion im Vergleich zum Deutschen
Die wichtigsten Unterschiede zur deutschen Interpunktion im Überblick:
- Komma: Deutsch ein schlankes, unten sitzendes Komma; Japanisch ein vollbreites, oben sitzendes 、.
- Punkt: Deutsch ein kleiner erhöhter Punkt; Japanisch ein vollbreites 。 – optisch eher ein Quadrat mit Punkt.
- Anführungszeichen: Deutsch „Gänsefüßchen“; Japanisch 「」 und für verschachtelte Zitate 『』.
- Fragezeichen: Deutsch setzt ? immer; Japanisch verlässt sich auf die Partikel か und nutzt ? vor allem stilistisch.
- Ausrufezeichen: Beide Sprachen kennen es, im Japanischen vollbreitiger und oft verdoppelt.
- Gedankenstrich: Deutsch nutzt –; Japanisch verwendet ― oder den nakaguro ・ in vertikalen Texten.
Die Position des Kommas folgt im Japanischen weitaus weniger strengen Regeln als im Deutschen. Wer deutsche Kommaregeln stur überträgt, schreibt einen steifen, aber nicht falschen Satz.
Tipps für Lernende
Hinweise für die eigene Schreibpraxis:
- Vollbreite Zeichen nutzen: Achten Sie auf vollbreite (zenkaku) Interpunktionszeichen. Halbbreite (hankaku) Versionen wirken deplatziert.
- Nicht zu viel setzen: Im Japanischen wird tendenziell weniger interpunktiert als im Deutschen.
- Anführungszeichen üben: Schreiben Sie wörtliche Rede konsequent in 「」.
- Mit Originaltexten vergleichen: Manga, Light Novels und japanische Wikipedia zeigen den natürlichen Einsatz von 。, 、, 「」 und ・.
Wer regelmäßig japanische Texte liest, merkt schnell, dass 。 mehr ist als ein „japanischer Punkt“ und 「」 zur Grundausstattung jedes Satzes mit wörtlicher Rede gehört. Yakumono öffnen die Tür zu einem tieferen Verständnis der japanischen Schrift.
Haben Sie schon versucht, einen japanischen Text von Hand zu setzen, oder sind Sie bei einem bestimmten Zeichen ins Grübeln gekommen?
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