Golf in Japan – Tipps, Kosten und Kuriositäten

Golf in Japan – Tipps, Kosten und Kuriositäten

Wie eine Runde in Japan wirklich abläuft – vom Fairwayzeichen bis zur Rechnung an der Rezeption.

Auf japanischen Fairways steht oft eine gelbe Fahne, ungefähr 230 Yards vom Abschlag – rund 210 Meter. Sie zeigt nicht das Loch, sondern ungefähr die Stelle, an der ein guter Drive landen soll. Wer das zum ersten Mal sieht, merkt schnell: hier läuft die Runde nach anderen Zeichen.

Japan gehört nach den USA zu den größten Golfländern der Welt, mit rund 2.300 Plätzen und mehreren Millionen Spielern. Der erste Club entstand 1903 auf dem Rokko in Kobe, gegründet vom Briten Arthur Hasketh Groom. Der große Schub kam 1957, als Torakichi Nakamura mit Koichi Ono den Canada Cup in Kasumigaseki gewann – damals ein nationales Ereignis, das den Sport aus der Nische der Ausländerclubs holte.

Golfer schlägt vom Fairway auf einem japanischen Golfplatz
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Wie spielt man Golf in Japan?

Viele japanische Golfer fahren erst einmal stundenlang zum Platz. Wenn sie dort ankommen, dauert die Runde oft um die fünf Stunden. Das unterscheidet sich von Plätzen, auf denen 18 Löcher in drei Stunden durchgezogen werden. In Japan ist Golf in der Regel ein ganzer Tag.

Auf den meisten 18-Loch-Anlagen – außer typischerweise in Hokkaido und Okinawa – gehört eine Pause nach der vorderen Neun zum Ablauf, oft 40 bis 60 Minuten. Mittags gibt es Sobanudeln, Udon oder ein Set-Menü; auf der Strecke selbst stehen Teehäuser für einen kurzen Halt. Nach der Runde geht es ins Clubhaus, häufig in ein Bad oder einen Onsen. Handtücher und Seife liegen meist bereit.

Auf manchen Plätzen rollen ferngesteuerte Taschenwagen über den Fairway. Das sind keine Androiden, sondern Caddie-Carts, die die Bags neben der Kartbahn mitführen, während die Spieler zu Fuß gehen. An steilen Hängen gibt es Rolltreppen. Viele Caddies sind Frauen in Uniform, mit Handtuch und der großen Kappe, die man auf japanischen Plätzen sofort erkennt. Die Driving Ranges in den Städten haben oft zwei oder drei Stockwerke und automatische Tee-Maschinen.

Die meisten Plätze verlangen Golfkleidung: Hemd mit Kragen, keine Jeans. Im Clubhaus gilt mancherorts außerhalb des Hochsommers eine Jacke. Nach der Ankunft bekommt man oft eine Schließfachmappe; die Nummer dort ist die Rechnungskarte für Pro Shop, Restaurant und Übungsabschlag. Bezahlt wird am Ende, auf einmal. Trinkgeld ist nicht üblich.

Ein paar lokale Zeichen helfen auf dem Platz. Die gelbe Fahne markiert die Drive-Zone. Zusätzliche gelbe Abschläge weiter vorn dienen als OB-Tees: nach einem Ball im Aus oder im Wasser spielt man von dort weiter und hält den Ablauf im Fluss. Schwarz-gelbe Streifenpfähle markieren eine lokale Out-of-Bounds-Variante. Im Unterschied zum normalen Aus beträgt die Strafe nur einen Schlag, und der nächste Schlag erfolgt ungefähr dort, wo der Ball die Linie gekreuzt hat.

Hügeliger Golfplatz in Japan mit Fairway und Bäumen

Was kostet Golf in Japan?

Golf ist im Westen schon kein billiger Sport. In Japan war er in den 1980ern oft um ein Vielfaches teurer als in den USA, weil Land knapp und die Mitgliedschaft Status war. Nach dem Platzen der Bubble wurden viele Clubs zugänglicher. Heute sind die meisten Plätze für Gäste buchbar.

An Wochentagen liegen viele 18-Loch-Pakete in Reichweite der großen Städte bei etwa 8.000 bis 12.000 Yen, oft inklusive Cart und Mittagessen. Am Wochenende, in der Kirschblüte und im Herbstlaub klettert dasselbe Paket häufig auf 15.000 bis 20.000 Yen. Caddie, Schlägerleihe und Anfahrt kommen dazu. Wer als Besucher einen Premiumplatz am Wochenende nimmt, zahlt deutlich mehr; die astronomischen Greenfees der Bubble sind trotzdem vorbei.

Reservieren bleibt die Hürde. Die meisten Plätze erwarten Japanisch; englische Online-Buchung gibt es nur an einem Teil der Anlagen. Einzelspieler kommen oft nur über hitori-yoyaku – eine Einzelbuchung mit fremden Flightpartnern – oder gar nicht durch. Wer kaum Japanisch spricht, bucht über Hotelconcierge oder einen Vermittler, ähnlich wie bei anderen Reisefragen ohne Sprachkenntnisse.

Wer nicht den ganzen Tag auf dem Platz verbringen will, findet Hunderte Driving Ranges, oft mit hohem Netz mitten in der Stadt. Der Preis liegt häufig bei etwa 10 Yen pro Ball, manchmal als Zeitkarte mit unbegrenzten Bällen.

Japanischer Golfplatz mit gepflegtem Grün und Clubhaus im Hintergrund

Kuriositäten rund um Golf in Japan

  • Im Tempel Zenshōji (全性寺) in Annaka, Präfektur Gunma – rund drei Stunden nordwestlich von Tokio, nicht in der Hauptstadt selbst – steht eine Kannon-Statue mit Putter und Ball. Hinter ihr sind 13 Schläger angeordnet, dazu die Bitte um ein Hole-in-One. Der Stein wurde 1990 aufgestellt, als die Zahl der Golfer stark stieg.
  • Die religiöse Gemeinschaft PL Kyōdan (Perfect Liberty) predigt das Credo „Leben ist Kunst“ (人生は芸術である) und betreibt am Sitz in Tondabayashi bei Osaka unter anderem einen Golfplatz. Sport gehört dort zum Alltag der Gemeinde, nicht nur zur Freizeit.
  • Nach dem Platzen der Wirtschaftsblase gerieten viele der rund 2.400 Clubs in die roten Zahlen. Hunderte Plätze schlossen; manche wurden zu Resorts oder Anlagen für Solarenergie umgebaut.
  • Hideki Matsuyamas Sieg bei den Masters 2021 hat das Interesse einer neuen Generation geweckt, ähnlich wie Nakamura 1957 – nur diesmal vor einem globalen Publikum.

Golf in Japan ist weniger ein Sprint über 18 Löcher als ein durchgetakteter Tag: Anfahrt, Zeichen auf dem Fairway, Nudeln in der Mitte, Bad am Ende. Wer das mitnimmt, versteht, warum der Sport neben Baseball so viel Raum im Kalender hat.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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