Japanische Verbform te-aru

Japanische Verbform te-aru

Wie du てある bildest, wie es sich von ている und ておく unterscheidet und welche Partikeln dabei wichtig sind.

Die Form てある gehört zu den Konstruktionen, die viele Lernende überraschen. Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine weitere Variante des Japanischen, doch im Gebrauch trägt sie eine sehr eigene Nuance. Eine eigene deutsche Verbform gibt es dafür nicht, deshalb erschließt sich die Bedeutung vor allem aus dem Zusammenhang, und beim Übersetzen helfen oft Zusätze wie „schon“ oder „bereits“.

Das Grundmuster ist einfach: ein transitives Verb in der て-Form plus ある. Damit beschreibt der Satz einen Zustand, der aus einer absichtlichen Handlung entstanden ist und bis jetzt anhält. Diese Form begegnet dir im Alltag ständig, auf Schildern, in Notizen und überall dort, wo jemand etwas bewusst vorbereitet oder hinterlassen hat.

Inhalt 7

Was die Form てある ausdrückt

てある entsteht aus dem Verb in der て-Form und dem Verb ある, das die Existenz von etwas Unbelebtem bezeichnet. Die Kombination beschreibt mehr als den bloßen Bestand eines Gegenstands: Sie zeigt das Ergebnis einer Handlung, die jemand mit Absicht ausgeführt hat.

Ein Beispiel macht das schnell klar:

  • ドアが開けてある (Doa ga akete aru): Die Tür ist geöffnet, weil jemand sie absichtlich geöffnet hat.

Der Satz beschreibt die Tür in ihrem aktuellen Zustand und verweist zugleich auf die Person, die diesen Zustand herbeigeführt hat. Eine reine Zustandsbeschreibung wie ドアが開いている (Doa ga aite iru) sagt dagegen nur, dass die Tür offen ist.

Entscheidend ist dabei die Art des Verbs: てある steht nur bei transitiven Verben, also bei Verben, die ein Objekt mit を brauchen, etwa 開ける (öffnen), 置く (hinstellen, hinlegen), 書く (schreiben) oder 準備する (vorbereiten). Wer etwas absichtlich tut, handelt an einem Gegenstand, und dieses Ergebnis bleibt sichtbar.

Das betroffene Ding markierst du mit が, wenn der Zustand selbst im Mittelpunkt steht, oder mit を, wenn du die eigene Handlung betonen willst. Die handelnde Person bleibt meist ungenannt. Wie diese Markierung im Satz wirkt, erklärt der Artikel zur Verwendung der Partikeln は und が mit japanischen Verben.

Die Wörter dieser Lektion

Lupe auf einem Haufen Buchstabenwürfel

Zuerst lernst du die Wörter kennen, die im Artikel vorkommen. So bist du mit dem Wortschatz vertraut, bevor die Beispiele folgen.

  • 半分(はんぶん): Hälfte
  • ケーキ: Torte, Kuchen
  • 食べる(たべる): essen
  • テレビ: Fernseher, Fernsehen
  • 見る(みる): sehen, anschauen
  • 倉庫(そうこ): Lagerhaus, Lager
  • 貯蔵(ちょぞう): Lagerung; lagern, aufbewahren
  • 狭い(せまい): eng, schmal, beengt
  • 空間(くうかん): Raum, Fläche
  • 物(もの、もん、モノ): Ding, Gegenstand
  • 沢山(たくさん): viel, reichlich
  • アドレス: Adresse
  • 名刺(めいし): Visitenkarte
  • 書く(かく): schreiben

Die Partikeln の und を

Blaue Lichtwellen vor einem dunklen Hintergrund

In den Beispielen begegnen dir zwei Partikeln, die du sicher kennen solltest.

  • の verbindet zwei Elemente miteinander und zeigt Besitz oder Zugehörigkeit. Auf Deutsch entspricht das oft „von“ oder einem Genitiv. Beispiel: 彼のノート (Kare no nōto), sein Notizbuch.
  • を markiert das Objekt, auf das sich die Handlung des Verbs richtet, und steht immer direkt vor dem Verb. Beispiel: テレビを見る (Terebi o miru), fernsehen.

Die て-Form

Roboterhand berührt ein leuchtendes Netz aus Lichtlinien

Bevor du てある bildest, brauchst du die て-Form. Bei vielen Verben veränderst du die letzte Silbe der Wörterbuchform und hängst て an. Zwei Beispiele:

  • 見る → 見て (miru → mite): sehen
  • 食べる → 食べて (taberu → tabete): essen

Bei beiden Verben verschwindet das る und て kommt dazu. Andere Verbgruppen bilden die Form anders, zum Beispiel 書く → 書いて (kaku → kaite). Die vollständige Erklärung mit allen Regeln findest du im Artikel darüber, wie die て-Form im Japanischen funktioniert.

ている: eine Handlung läuft oder hält an

Mann steigt barfuß eine Sanddüne hinauf

Mit ている sagst du, dass eine Handlung gerade abläuft und weitergeht. Ein Satz wie 半分のケーキを食べている (Hanbun no kēki o tabeteiru) bedeutet: die halbe Torte wird gerade gegessen.

Für die Vergangenheit verwendest du た oder ていた:

  • 半分のケーキを食べた (Hanbun no kēki o tabeta): Ich habe die halbe Torte gegessen.
  • 半分のケーキを食べていた (Hanbun no kēki o tabeteita): Ich war gerade dabei, die halbe Torte zu essen.

Die Form auf た zeigt an, dass eine Handlung abgeschlossen ist. Mit ていた zeigst du, dass sie zu einem früheren Zeitpunkt im Gange war, also in einem Verlauf stand. Deshalb eignet sich ていた gut, um zwei gleichzeitige Handlungen zu verbinden:

  • テレビを見てて、ケーキを食べていた (Terebi o mitete, kēki o tabeteita): Ich sah fern und aß dabei Torte.

てある in Beispielen

Frau sitzt auf einer Wiese und blickt auf eine Bergkette

Bei てある bleibt der Zustand bestehen, den eine Handlung hervorgerufen hat. Das Ergebnis gilt also auch dann noch, wenn die Handlung längst vorbei ist.

Zum Beispiel:

  • 半分のケーキを食べてある (Hanbun no kēki o tabete aru): Die halbe Torte ist bereits gegessen, daran ändert sich nichts mehr.
  • 顔に「嘘」って書いてあるよ (Kao ni „uso“ tte kaite aru yo): Auf deinem Gesicht steht „Lüge“ geschrieben.
  • 米は倉庫に貯蔵してある (Kome wa sōko ni chozō shite aru): Der Reis ist im Lagerhaus eingelagert und bleibt dort.
  • 狭い空間に物がたくさん置いてあるね (Semai kūkan ni mono ga takusan oite aru ne): In dem engen Raum liegen ganz schön viele Sachen.
  • アドレスは名刺に書いてある (Adoresu wa meishi ni kaite aru): Die Adresse steht auf der Visitenkarte.

In allen Sätzen geht es um ein Ergebnis, das jemand herbeigeführt hat. Nah verwandt ist ておく, das eine im Voraus erledigte Aufgabe betont; てある zeigt dagegen den Zustand, der danach bleibt. Bei 書いてある steht das Geschriebene selbst im Mittelpunkt, weshalb davor oft die zitierende Partikel と oder die umgangssprachliche Kurzform って erscheint, wie in 顔に「嘘」って書いてある.

ある: sein, existieren

Der zweite Bestandteil, ある, verdient einen eigenen Blick. Seine wichtigsten Bedeutungen sind: sein, existieren, bleiben, sich befinden, entstehen, geschehen. Häufig wird ある mit いる verwechselt, das ähnliche Bedeutungen hat. Der Unterschied liegt darin, ob etwas lebendig ist: いる verwendest du für Personen und Tiere, ある für alles Unbelebte.

Beispiele:

彼女がいる

Es gibt eine Freundin.
Ich habe eine Freundin.

ビルがある

Es gibt ein Gebäude.

Im Alltag begegnet dir てある an vielen Stellen: auf Schildern, in kurzen Notizen, bei vorbereiteten Unterlagen oder wenn jemand absichtlich eine Tür offen stehen lässt. Als Faustregel gilt: transitives Verb, bewusste Handlung, bleibender Zustand. Am besten übst du die Form zusammen mit den übrigen Konjugationsmustern, damit sie dir beim Lesen sofort auffällt. Einen Überblick über die wichtigsten Formen gibt der Artikel zu den japanischen Verbformen.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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