Wer Anime schaut, ist bestimmt schon einmal über das Schulleben in Japan gestolpert — und damit auch über die Bukatsu, die außerschulischen Club-Aktivitäten. In diesem Artikel schauen wir uns die japanischen Schulclubs genauer an, ihre Funktionsweise, ihre Typen und die Kuriositäten rund um dieses Stück Schulkultur.
Die Schulclubs bieten jede Menge Erfahrungen und unvergessliche Erinnerungen. Sie werden ernst genommen, weil sie als Übung für die spätere Berufskarriere und das Erwachsenenleben gelten. An manchen Schulen ist es Pflicht, einem Club beizutreten.
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Was sind Kurabu und Bukatsu?
Die Schulclubs, die oft Kurabu (クラブ) genannt werden, sind außerschulische Aktivitäten, die die Schüler:innen selbst ausarbeiten und organisieren. An weiterführenden Schulen ist auch der Begriff Bukatsu (部活, wörtlich „Club-Aktivität") gebräuchlich.
Jeder Club hat in der Regel seinen eigenen Raum oder seine eigene Einrichtung. Er braucht eine:n Berater:in (meist eine Lehrkraft), die den Club betreut, und eine:n Präsident:in (Kaichō). Manche Schulen verlangen eine Mindestanzahl an Mitgliedern (meist etwa fünf).
Nicht alle mögen die Club-Pflicht, weil sie je nach Club viel Zeit beansprucht. Einige Schüler:innen bleiben bis in den Abend in der Schule, andere müssen an Wochenenden zu Treffen oder Wettkämpfen erscheinen.
Die Aktivitäten finden nach dem Unterricht statt und dauern in der Regel etwa fünf bis sieben Stunden, manchmal gibt es auch Treffe vor dem Unterricht.
Deshalb schließen sich manche Schüler:innen einem Club an, der praktisch nichts tut und kaum Anwesenheitspflichten hat — zum Beispiel einem Lesezirkel oder sogar dem „Schlafclub".

Es ist weit verbreitet, dass Schüler:innen gestresst sind, wenn sie einen Club wählen müssen: Die Entscheidung beeinflusst die schulischen Leistungen und die Freundschaften, die unter den Kōkōsei (Oberschüler:innen) geschlossen werden.
Viele Clubs führen regelrechte Werbekampagnen, um neue Mitglieder zu gewinnen, weil ihnen ansonsten die Schließung wegen Mitgliedermangel droht. Der Wechsel von einem Club zum anderen ist jederzeit möglich. Das Ziel der Clubs ist nicht nur die Förderung von Sport, Spiel, Kunst oder Musik, sondern auch eine intensive Sozialisation.
Wie funktionieren Schulclubs in Japan?
Manche Schulen schreiben die Teilnahme an Club-Aktivitäten vor, andere lassen die Wahl frei oder es hängt vom jeweiligen Club ab. Viele Oberschüler:innen haben einen Teilzeitjob, was die Teilnahme an sehr zeitintensiven Clubs — vor allem Sportclubs — erschweren kann.
Schüler:innen, die keinem Club angehören, werden Kitakubu (帰宅部) genannt. Die Möglichkeiten, einen Club zu gründen, sind schier endlos: Sportclubs, Kunstclubs, Kochclubs, Kendo-, Manga- oder Animationsclubs — oder einfach alles, was die Schüler:innen interessiert.
Um einen Club zu gründen, braucht man die geforderte Mindestanzahl an Mitgliedern, eine:n Berater:in, einen Vorschlag und ein Ziel sowie manchmal eine:n Sponsor:in oder eine:n Freiwillige:n der Hochschule.

Die Regeln für die Gründung und Verwaltung von Clubs werden an jeder Schule individuell festgelegt. Oft ist der Schülerrat dafür zuständig, neue Clubs zu genehmigen und zu begleiten.
Das Engagement, das die Bukatsu verlangen, ist berüchtigt hoch. Einige ausländische Beobachter:innen kritisieren das System wegen des hohen Zeitaufwands, den die Schüler:innen investieren müssen.
In den Schulclubs wird neben den Verbindungen unter den Schüler:innen auch die Kultur von Senpai und Kōhai gepflegt. Viele Neulinge, die in einen Sportclub eintreten, warten Jahre, bis sie an Wettkämpfen zwischen Schulen teilnehmen dürfen.
Manche Mitglieder entwickeln ihre Fähigkeiten bis zum Profiniveau, und einige Schulen stellen Teams, die nationale Wettbewerbe bestreiten. Andere treten einfach aus Hobby bei oder um mit Freund:innen zusammen zu sein.
Beim Übergang an die Universität werden die Leistungen im Schulclub manchmal als Credits angerechnet. An manchen Schulen gibt es keine Mindestanzahl, in der Regel aber eine Obergrenze für Mitglieder.
Manchmal werden Mitglieder aus dem Club entfernt — etwa wegen mangelnder Erfahrung oder weil sie erst spät eingestiegen sind.
Kuriositäten über die Schulclubs in Japan
Man verwendet das Suffix -bu (部), um über Clubs zu sprechen, etwa „Yakyūbu" (Baseballclub). Andere bevorzugen das Suffix -kai, das „Verein" oder „Gesellschaft" bedeutet. Hier einige Beispiele:
- undō-bu — 運動部 (Sportclubs);
- bunka-bu — 文化部 (Kulturclubs).

Sportclubs sind Clubs, die körperliche Aktivitäten erfordern. Kulturclubs umfassen alle Clubs ohne sportlichen Schwerpunkt — selbst Schach oder klassische Musik fallen in diese Kategorie.
Werden die japanischen Schulclubs wirklich nicht betreut? Wer Anime schaut, hat vielleicht bemerkt, dass die Lehrkräfte in den Clubs kaum eine Rolle spielen.
In Wirklichkeit ist das Ziel vieler Schulen, die Kinder zu Autonomie, Eigeninitiative, Papierkram, Geldverwaltung und Führungsverantwortung zu erziehen.
- Schulclubs gibt es auch an den Universitäten.
- Clubmitglieder unternehmen oft Reisen für Aktivitäten während der Ferien.
Eine Auswahl bekannter Clubtypen:
- Sport: Basketball, Tanz, Badminton, Handball, Rugby, Baseball, Schwimmen, Leichtathletik, Tischtennis.
- Kunst: Theater, Film, Fotografie, Malerei, Tanz, Literatur.
- Traditionelle japanische Künste: Kimono, Teezeremonie, Ikebana, japanische Kalligrafie.
- Gesellschaftliche Themen (an Hochschulen üblich): Geschichte, Philosophie, Politik, Soziologie.

Animes über Schulclubs
Jedes Jahr werden zahlreiche Animes veröffentlicht, die Aktivitäten von Schulclubs zeigen. Praktisch jeder Anime, der in einer Schule spielt, zeigt früher oder später einen Kurabu oder Bukatsu. Eine vollständige Liste anzulegen ist daher praktisch unmöglich. Hier eine Auswahl der besten Animes, die das Leben von Schüler:innen in einem Schulclub zeigen:
- Suzumiya Haruhi (SOS-Brigade);
- Kuroko no Basket (Basketball);
- Ace of Diamond (Baseball);
- Haikyuu!! (Volleyball);
- Free! (Schwimmen);
- Charlotte (Schülerrat);
- Hyouka (klassische Literatur);
- Love Live! (Idol);
- K-On! (Light Music);
- OreGairu (Hilfsclub);
- Chihayafuru (Karuta);
- Haganai (Freundeskreis);
- Kokoro Connect (Kulturkreis);
- SKET Dance (Hilfsclub).

Haben Sie selbst schon einmal an einem Club teilgenommen? Gibt es einen Club, dem Sie gerne beitreten würden? Oder fällt Ihnen ein Anime über japanische Schulclubs ein, der hier fehlt? Wir freuen uns über Ihren Kommentar und das Teilen des Artikels! Vielen Dank!
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Sind die Schulclubs in Japan obligatorisch?
Schulclubs (Bukatsu) sind in Japan nicht streng verpflichtend, spielen aber eine zentrale Rolle im Schulleben und in der Schulkultur. Die Teilnahme wird sowohl von den Schulen als auch von der Gesellschaft insgesamt stark gefördert und geschätzt.
Manche Schulen können die Auswahl einer außerschulischen Aktivität verlangen. Wenn ihr aber nicht den Großteil eurer Freizeit in der Schule oder am Wochenende verbringen möchtet, gibt es Clubs, die deutlich weniger Einsatz fordern.
Zeitaufwand
Der Zeit- und Arbeitsaufwand variiert von Club zu Club — einige sind deutlich entspannter als andere. Generell gilt: Clubs, die eher freizeitorientiert und ungezwungen sind, verlangen weniger Zeit und Engagement; stärker wettkampforientierte oder spezialisierte Clubs fordern deutlich mehr Einsatz. Zu den Clubs, die in der Regel weniger verlangen, gehören:
- Freizeitclubs — Spiel-, Hobby- oder andere Freizeitclubs sind in der Regel weniger anspruchsvoll. Dazu zählen Schach-, Foto- oder Kochclubs.
- Kulturclubs — Clubs, die sich mit Kultur, Sprache oder künstlerischen Aktivitäten befassen (Theater, Musik, Tanz, Lyrik), bieten ein kreatives Umfeld und können — obwohl Proben erforderlich sind — zeitlich weniger intensiv sein.
- Freiwilligenclubs — diese haben oft flexible Zeiten und ermöglichen es, in eigenem Rhythmus mitzumachen.
Bedenkt, dass das Angebot und der Grad der Anforderungen zwischen den Schulen stark variieren können und von der Nachfrage der Schüler:innen abhängen. Es lohnt sich, die Angebote der eigenen Schule zu prüfen und mit den Club-Leitungen oder Berater:innen zu sprechen, um die Erwartungen genau zu verstehen.
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