Sony Geschichte: Von Totsuko zum Walkman

Sony Geschichte: Von Totsuko zum Walkman

190.000 Yen, ein ausgebranntes Kaufhaus – und ein Name, den man in den USA endlich aussprechen konnte.

Im Frühjahr 1946 sieht Tokio nach allem aus, nur nicht nach einer Elektronikmacht. Im ausgebrannten Kaufhaus Shirokiya in Nihonbashi fangen Masaru Ibuka und Akio Morita mit 190.000 Yen an. Der Firmenname, Tōkyō Tsūshin Kōgyō, ist für ausländische Händler ein Zungenbrecher.

Genau deshalb wird aus der Werkstatt später Sony. Der elektrische Reiskocher, den viele als erstes Produkt erzählen, war eher ein Fehlversuch der Vorgängerwerkstatt. Was wirklich zählte, war der Drang, Geräte so klein zu machen, dass sie in die Hosentasche passten.

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Totsuko: Sony vor dem Namen Sony

Am 7. Mai 1946 gründen Ibuka und Morita Tōkyō Tsūshin Kōgyō K.K., kurz Totsuko – wörtlich etwa Tokioter Kommunikationsindustrie. Das Startkapital liegt bei 190.000 Yen, die Belegschaft bei rund 20 Menschen. Die ersten Geräte verkaufen sich schlecht. 1950 kommt Japans erster Tonbandrecorder aus dem Haus, der Typ G; der Markt ist noch klein.

Ein oft erzählter Gründungsmythos setzt den Reiskocher an den Anfang. Ibuka hatte in der Vorgängerfirma Tokyo Tsushin Kenkyusho, Totsuken, einen Prototyp gebaut: Holztopf, Aluminiumelektroden, Reis, der oben roh und unten verbrannt war. In Serie ging das Gerät nicht. Totsuko setzt danach auf Ton und Transistor.

Gegründet am 7. Mai 1946 als Tōkyō Tsūshin Kōgyō (Totsuko) von Masaru Ibuka und Akio Morita. Startkapital 190.000 Yen. Markenname Sony ab 1955, Firmenname ab 1958.

Im August 1955 folgt der Sony TR-55, das erste Transistorradio Japans. Es ist nicht das erste der Welt – das lag in den USA –, aber es trägt schon den Markennamen Sony. Japanische Ware hat in den Vereinigten Staaten damals einen schlechten Ruf; ein kurzer, lateinisch lesbarer Name soll das ändern.

Zwei frühe Sony-Transistorradios: links ein grünes Tischmodell, rechts ein cremefarbenes Taschenradio mit oranger Skala

Warum heißt das Unternehmen Sony?

Die Gründer mischen das lateinische sonus (Klang) mit dem damaligen Modewort Sonnyboy. Im Japanischen klingt sonny allerdings nach „Geld verlieren“. Ein N fällt weg, es bleibt Sony. Ab 1955 steht der Name auf Produkten; 1958 wird die Firma selbst umbenannt – ungewöhnlich, weil ein japanisches Unternehmen lateinische Buchstaben statt Kanji wählt.

Sony gehört damit zu den japanischen Marken, die den Sprung ins Ausland über den Klang des Namens schaffen, nicht über eine Abkürzung wie TTK. Wer weitere Konzerne aus derselben Generation sucht, findet sie in unserer Liste japanischer Unternehmen und Marken.

Der Erfolg von Sony

Durch den Erfolg des TR-55 beginnt Sony, Radios wirklich tragbar zu machen. 1957 erscheint das Sony TR-63, ein günstiges Radio in Hosentaschengröße. 1960 gründet Morita die Sony Corporation of America in New York. Im selben Jahr kommt der tragbare Transistorfernseher TV8-301.

Viele spätere Geräte bleiben im Gedächtnis, etwa die Handycam der 1980er. Nichts kommt jedoch an den Erfolg des Walkman heran.

Tragbarer Sony-Fernseher mit Antenne neben dem blauen Walkman TPS-L2 mit Kopfhörern

Der TPS-L2 kommt am 1. Juli 1979. Intern gab es Zweifel, ob jemand mit Kopfhörern auf der Straße Musik hören will. Der tragbare Kassettenspieler wird trotzdem zur Sensation: Hunderte Millionen Geräte und ein neues Bild davon, wie Musik den Alltag begleitet. Der Markenname Walkman setzt sich so fest, dass er in manchen Sprachen zum Gattungsbegriff wird.

2004 einigte sich Sony außergerichtlich mit Andreas Pavel, der 1977 ein ähnliches Gerät, den Stereobelt, patentiert hatte. Die Marke Walkman bleibt bei Sony; in Österreich und in Australien verlor das Unternehmen das Markenrecht später vor Gericht.

1984 folgt der Discman D-50, der erste tragbare CD-Spieler des Hauses. Kassetten und CDs verlieren später gegen digitale Dateien. Der Walkman-Gedanke – Musik, die mitläuft – sitzt trotzdem in heutigen Playern und Smartphones. Wer in Tokio noch heute Elektronikregale durchstöbert, landet schnell in Akihabara.

Sony und ihre vielen Arme

Sony lebt nicht nur von Elektronikprodukten. 1988 erwirbt das Unternehmen die CBS Record Group, eines der größten Musiklabels der Welt. 1989 folgt Columbia Pictures Entertainment samt Filmkatalog; daraus wird Sony Pictures Entertainment.

Nintendo und Sega füllen in den 1980er-Jahren die Wohnzimmer. 1993 entsteht Sony Computer Entertainment. Die PlayStation startet 1994 in Japan. Die Konsole wächst aus einer geplatzten Kooperation: Sony sollte ein CD-Laufwerk für das Super Nintendo bauen; nach dem Bruch wird daraus ein eigenes Gerät. Mehr dazu, wie Japan die Wohnzimmer eroberte, steht in unserer Geschichte der Videospiele in Japan.

Collage aus Sony Discman, Walkman, erster PlayStation, Handycam, Reiskocher-Prototyp und PlayStation 4

Die PlayStation-Reihe und ihre Portables verdienen bis heute. Die PlayStation 2 gilt als die meistverkaufte Spielkonsole: über 150 Millionen Einheiten weltweit. Die Linie läuft über die PlayStation 4 bis zur PlayStation 5, die in Europa im November 2020 startete.

Heute sitzt die Sony Group in Minato, Tokio, und verdient vor allem mit Spielen, Bildsensoren, Musik und Film. Das ist kein Konzernlexikon. Der Kern bleibt: eine kleine Tokioter Werkstatt, ein Name, den man weltweit lesen kann, und ein Walkman, der die Straße zur Bühne gemacht hat.

Welches Sony-Gerät steht oder stand bei euch zu Hause? Wer erinnert sich noch an die Walkman-Ära?

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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