Kennst du Papercraft oder Pepakura?

Kennst du Papercraft oder Pepakura?

Gedruckte Bögen ausschneiden, falten und zu Figuren aus Anime, Spielen und Modellbau zusammenkleben.

Papercraft oder Pepakura (ペパクラ) ist eine Methode, dreidimensionale Objekte aus Papier zu bauen. In den meisten Fällen sind Motiv und Farben schon auf den Bogen gedruckt. Du schneidest die Teile aus, faltest an den Linien und klebst sie an den Laschen zusammen.

Vorlagen findest du leicht im Internet, druckst sie aus und setzt sie zusammen. Viele Bastler finden das zugänglicher als Origami: die Zeichnung sitzt schon auf dem Blatt, und du fügst mehrere Teile zusammen, statt aus einem einzigen unbedruckten Quadrat die ganze Form zu entwickeln. Besonders beliebt sind Modelle von Anime-Figuren, Spielecharakteren, Fahrzeugen und Gegenständen aus Zeichnungen.

Fertiges Papercraft-Modell einer bunten Papierfigur
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Ursprung von Pepakura

Papier zu falten und daraus Gegenstände zu bauen ist eine alte Praxis, in Japan etwa im Origami, in Europa im Kartonmodellbau. Gedruckte Modellbögen gab es in Europa schon im 19. Jahrhundert. Um 1941 wurden in England die Micromodels bekannt: kleine Bögen mit Schiffen, Flugzeugen und Gebäuden, zu einer Zeit, in der Papier leichter zu beschaffen war als andere Werkstoffe.

Mit der Verbreitung von Plastikbausätzen ließ das Interesse an Papiermodellen nach. Heimdrucker und das Internet holten die Vorlagen zurück auf den Schreibtisch. In Japan setzte sich die Kurzform Pepakura für Papercraft durch, und Druckerhersteller stellten kostenlose Bögen zum Download bereit. Heute legen Firmen oft offizielle Figuren und Produkte als druckbare Modelle bei.

Ausgeschnittene Pepakura-Teile aus bedrucktem Papier vor dem Zusammenkleben

Techniken und Materialien

Ein dreidimensionales Objekt entsteht durch Schneiden, Falzen, Kleben, Schichten und gelegentlich Nähen. Mit Papercraft entstehen Würfel, Schachteln und auch runde Formen, weil Kurven aus vielen kleinen Flächen zusammengesetzt werden. Fertige Figuren wirken deshalb oft facettiert, ähnlich einem Low-Poly-Modell aus einem 3D-Programm.

Der Begriff Papercraft kann jede Arbeit mit Papier meinen. Hier geht es um die bekannten Pepakura-Figuren, wie auf den Bildern in diesem Artikel: bedruckte Netze, die du zu Charakteren, Helmen oder Objekten zusammenbaust.

Festes Papier oder Karton hält die Kanten besser als normales Druckerpapier. Für die meisten Modelle liegen Grammaturen um 160 bis 220 g/m² im brauchbaren Bereich: dünner wellt sich das Blatt, dicker lassen sich kleine Laschen schlecht falten. Manche lackieren das fertige Stück oder tragen Harz auf, damit die Farbe hält und das Papier härter wird. Andere füllen den Hohlraum mit Schaum, damit die Wände nicht einknicken.

Zusammengesetzte dreidimensionale Pepakura-Figur aus bedrucktem Karton

Pepakura Designer und eigene Modelle

Wer selbst eine Vorlage erzeugen will, greift oft zur Windows-Software Pepakura Designer von Tama Software (多摩ソフトウェア). Seit Juli 2002 berechnet sie aus einem 3D-Modell eine flache Abwicklung mit Klebelaschen, die du ausdrucken kannst. Du importierst eine Datei, etwa OBJ, 3DS oder STL, entfaltest das Netz und passt Layout und Laschen an.

Denselben Weg nutzen Cosplayer für Helme und Rüstungen in Lebensgröße, die später mit Harz verstärkt werden. Fertige Vorlagen kursieren als PDF oder im Pepakura-Format. Für den Einstieg lohnt ein Modell mit wenigen, großen Teilen und breiten Laschen. Ein Charakter mit hunderten Polygonen kommt später.

Und du? Hast du schon einmal ein Pepakura zusammengebaut? Such die Vorlage deines Lieblingscharakters, fang klein an und schau, wie aus dem bedruckten Bogen plötzlich eine Figur auf dem Schreibtisch steht.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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